Gestern habe ich SEHR viel begriffen, was für ein Tag. Es fing eigentlich schon vorgestern an.
Ich war mit Motte bei Birgit. Die hat mir nach der Behandlung gesagt, daß Motte in sich ganz klar ist und daß es IHR gut geht. Sie spiegelt mir etwas, das zu mir gehört. Wow, das saß. Ich fühlte mich ganz erkannt und getroffen. Ich wußte, es stimmt. Birgit sagte mir, daß mein Ruhebedürfnis nicht Mottes sei, daß ich darauf anspringe, wenn sie Wehwechen hat, daß sie eine Sehnsucht ausdrückt, die meine ist. Ich war auf einmal sehr traurig. Wir haben eine Weile geredet und als wir wegfuhren, wußte ich, daß ich Motte nicht an ihrem Leben hindern darf. Sie will raus, sie will eigene Entscheidungen fällen, eigene Erfahrungen machen und in vielerlei Hinsicht hat sie bereits andere Energien als ich. Sie hat ein Wissen in sich, das für sie selbstverständlich ist, das ich ständig bei ihr fühlen kann, das noch nicht zu ihrem Kindsein passt und das es sehr anstrengend macht, mit ihr zu leben und sie in ihrem Kindsein zu leiten und ihrem Wissen nicht zu unterdrücken.
Eine echte Herausforderung.
Ich fühle mich sehr lebendig, als wir wieder wegfuhren und ich wußte, ich lasse Annika zu ihrer Freundin ziehen. Vorher dachte ich noch, das sei vielleicht nix für sie, sie brauche die Gemütlichkeit von zuhaus. Aber das stimmt nicht. Es stimmte einfach nicht, und das war mir so klar wie eine saubere Glasscheibe. Wir haben gesungen und gelacht und ich hab mir LaFee angehört (blöde Texte *grins*) und Motte war richtig gut drauf. Ich hab Freude gehabt, hab sie total entspannt weggebracht und seitdem ist sie weg. Sie wollte nur eine Nacht bleiben, aber gestern riefen sie an, ob sie noch eine bleiben könne. Es sind ja Ferien und ich hab Ja gesagt.
Wieso bin ich nicht schon viel eher auf diese Idee gekommen?????
Ok, aber nun hatte ich, hatten wir, gestern einen freien Tag. Wir haben Kriesengespräch gemacht.
Am Samstag nachmittag hatte ich Besuch von einem alten Freund. Ich kenne ihn seit meinem 16. Lebensjahr und es ist, als hätten wir uns gestern erst gesehen. Es tat mir gut, mit ihm als Mann zu reden. Mir fehlt die Männlichkeit in meinem Leben. Ich war unzufrieden, sehr unzufrieden mit all der weiblichen Energie um mich rum. Wir waren spazieren, haben geredet, philosphiert, gelacht - wie damals, als ich mit 16 noch die Welt verändern wollte und mich unschlagbar fühlte. Wir haben denselben melancholischen Ansatz. Er kann wunderbar Klavier spielen. Das hat er auch getan. S. und er haben sich total gut verstanden. Es war Harmonie pur und sehr viel Gelächter, als wir zu Abend gegessen habe.
Eigentlich war vorgesehen, daß er abends wieder fährt, daß S. und ich den Abend gemeinsam verbringen. Ich hatte aber keine Lust, daß er wieder fährt. Ich wollte, daß er bleibt und hab das einfach entschieden, ohne sie zu fragen. Ich wollte mal einfach niemanden danach fragen, ob meine Wünsche in Ordnung sind. Also sind wir zu dritt tanzen gegangen. Es war einfach ein wunderbares Gefühl, mal wieder mit einem Mann tanzen zu gehen. Er ist größer als ich (früher mein heimlicher Traum - ein Mann, der größer ist als ich *lächel*) und es fühlte sich einfach so total richtig an, daß ich einen Schrecken bekam. Ich meinte damit auch nicht ihn persönlich, sondern ihn als Mann. Er brachte mich jetzt nicht zum Kribbeln, aber das selbstverständliche Gefühl, mit einem Mann an meiner Seite aufzutauchen. Da habe ich erst mal gemerkt, unter wieviel Spannung ich oft stehe, wenn ich mit S. zusammen gehe.
Ich mit meinem Freund getanzt und ich habe mich daran erinnert, wie es damals war. Wir waren viel zusammen tanzen und wir hatten kaum etwas vergessen. Es hat soooo viel Spaß gemacht, daß ich wußte, ich strahle. Es war einfach richtig so. Ich hatte ewig nicht mit einem Mann getanzt. Es war einfach nur genial.
S. sah traurig aus, sehr nachdenklich. Sie tanzt eigentlich auch sehr gern, aber an dem Abend sah sie nicht glücklich aus, so wie eigentlich schon die ganze Woche nicht. Wir hatten viele Spannungen in der letzten Woche. Es ging mir ganz vieles auf die Nerven, Motte war für mich anstrengend zu handeln und ich sehnte mich einfach nach Ruhe und Zeit für mich. Immer reden müssen, sorgen müssen, organisieren müssen. Ich war's einfach nur müde und leid.... und trotzdem hab ich's getan, hab nicht für Ruhe gesorgt. Es schien mir nicht möglich zu sein.
So zweifelte ich an allem, an mir, an der Beziehung, an meinem Urlaub, an meiner Organisation, an meiner Fähigkeit zu überleben usw. usw....
Im Gespräch morgens mit Birgit kam raus, daß ich mich entscheiden sollte. Entscheiden fällt mir schwer, sehr schwer. Ich müsste mich ja dann von dem trennen, wogegen ich mich entschieden habe. Wie könnte ich S. einfach gehen lassen? Sie ist so ein wunderbarer Mensch. All die viele schöne Zeit, die wir schon hatten...
...und doch: immer wieder die Sehnsucht nach "Normalität", nach dem Männlichen, was auch immer ich damit verbinde. Mein Kopf, der mir sagt, daß es mit einem Mann anders kompliziert ist, daß diese Beziehung sehr liebevoll ist....aber die Leidenschaft fehlt mir. Ehrlich wahr.
Tja, und nun das Tanzen abends. Leidenschaft war nicht im Spiel, das ist sicher, aber Ganz da sein, Einssein mit mir selbst, mich zufrieden fühlen und strahlend. Es hatte mir gefehlt.
Wir sind danach nach Hause gefahren und hatten noch spät in der Nacht Lachanfälle, weil S. und mein Freund sich super gut die "Bälle" mündlich zuwerfen konnten. Ich spürte, da ist ein Band zwischen den Beiden. Es war super schön und ich fühlte mich übermütig und lebendig. Ich wäre sogar noch irgendwo in eine Disco gefahren, was sonst überhaupt nicht mein Ding ist, um mich mal wieder zu fühlen. Ich bin noch nicht so alt, wie ich mich in den letzten Wochen gegeben habe.
Gestern war ich dann weiter genervt, wollte eigentlich allein sein. Ich habe meinen Freund zum Zug gebracht. Motte rief an, ob sie noch eine Nacht bleiben könne. Ich habe zugestimmt und damit gelernt, daß es wunderbar ist, mal frei zu haben. S. und ich haben geredet und geredet und alles gesagt, was auf unseren Herzen brannte. Wir waren dabei achtsam miteinander aber offen und ehrlich. Ich wollte auch alles sagen, ich wollte nicht mehr überlegen, was ich nicht tun oder sagen darf. Ich will mich selber leben. Ich bin ein Abenteuergeist, immer schon gewesen. Unabhängigkeit ist etwas, das ich haben muß. Wie passt das in eine Beziehung? S. lebt da enger. Sie zeigt mir auf, daß ich mich einsetzen muß für meine eigenen Wünsche. Ich verschwinde sonst vor mir selbst.
Ich habe alles gesagt, sie hat alles gesagt. Sie ist so auch nicht glücklich, vermisst einiges. Ich kann sie verstehen. Würde mir auch so gehen. Sie hat über Trennung nachgedacht. Ich auch. Wir wissen es nicht. Wir haben spontan entschieden, nach Düsseldorf zu fahren. Das ist über ne Stunde Fahrtzeit, weil wir was Unnormales machen wollten. Es war schon recht spät, aber es war genial. Wir waren in der "Großstadt" und haben mal andere Menschen gesehen, haben eine urige Kneipe gefunden, mit dem Kellner geflirtet, lecker gegessen, Cappu getrunken, viel gelacht, die kalte Stimmung draußen genossen und uns leichter gefühlt.
Keine Ahnung, was wird. Ich habe ständig an das "Geh jetzt" denken müssen. Die Direktheit darin hat mich gestresst. Es ist alles in bester Ordnung. Der Sog der Welt, die Gefühle von anderen, meine eigenen - ich find's nicht ganz leicht, das Gefühl zu behalten, daß alles in bester Ordnung ist. Ich konnte mir nicht vorstellen, S. zu verlieren und sie nicht mehr in meinem Leben zu haben. Sie ist so wunderschön - innen und außen...
Wir haben dann in Düsseldorf spontan entschieden, im Anschluss ins Kino zu gehen. Wir haben uns Australia angesehen. Das passte einfach herrlich zu dem Tag. Schöner Film! Als wir rauskamen, hatte es angefangen zu schneien, die Welt war so still, es schneite unsere Köpfe zu. Es war schon spät, beinahe halb zwölf, aber das war egal. Wir sind nach Hause gegangen, ich hab noch geräumt und gesucht und S. lag schon gemütlich im Bett, als ich um halb eins Lust hatte, noch mal rauszugehen in den ruhigen Schneefall. Sie ist mitgekommen, hatte ihr lustiges Lächeln mitgenommen und wir haben uns die Schneeflocken aufs Gesicht fallen lassen... Es war wie der Bildschirmschoner von Windows - nur in echt *lächelzwinker*
Ein schöner Urlaubstag, der sich auch wie Urlaub anfühlte. Loslassen bedeutet auch Freiheit für mich selbst.... Mal wieder erkannt....