Auf der Suche nach... ja, was eigentlich?

30.10.2010 um 18:10 Uhr

Ablenkungsmanöver

von: Sadeyes

Was man anscheinend nicht so alles tut, um nicht weiter zu schreiben. Komischerweise ist es mir eigentlich nicht bewußt, dass es mir so viel ausmacht.

Aber immerhin ist nun meine verhaßte Ablage endlich gemacht und sogar die Steuererklärung ist auf dem Weg zum Finanzamt. Ich hoffe, dass das keine bösen Überraschungen geben wird...

Nun ja, zum Schreiben hab ich mir nun ein wenig Unterstützung geholt. Meine kleine Binka sitzt nun auf der Couch neben mir.
Allerdings ist nun auch der Abstand zu dem Tag größer... vielleicht geht es ja nun.

Auf jeden Fall war es komisch, mit lauter Fremden in einem Raum zu sitzen. Einerseits nichts über die Menschen zu wissen und auch nicht, was da so wirklich auf uns zu kommt. Aber andererseits eben doch etwas sehr persönliches zu wissen. Denn es gibt ja einen Grund, warum wir da alle sind...

Besonders wild war der erste Tag eigentlich nicht. Wir haben Namensschildchen gebastelt, zur Abwechslung mal wieder unzählige Fragebögen ausgefüllt und dann unsere erste Theorielesung gehabt. Die war allerdings auch noch sehr oberflächlich. Nur über die Regeln der Gruppe, welche Themen in welcher Stunde behandelt werden und was in den kommenden Blöcken passiert. Noch ein kurzes Kennenlernspiel, was davon geprägt war, dass kaum jemand etwas sagen wollte. Na ja, und dann haben wir noch unsere Hausaufgabe bekommen und noch ein paar mehr Fragebögen für daheim.

Die Pause war auch entsprechend bedrückend. Gespräche haben sich nur zaghaft und kurz ergeben.

Danach dann der Kunstteil. Das war auch erstmal nur einleitend. Wir sollten so etwas wie ein Namensschild erstellen. Das konnte eine Collage sein oder auch gemalt... wie wir wollten.

Alle haben eigentlich bunte, fröhliche Sachen gemacht, wo auch teilweise etwas mehr drinnen steckte. Mein Werk? Es war schwarz... ich hab das so gemacht, wie damals im Kindergarten. Mit Ölwachskreiden unten bunt und drüber schwarz. Und da hab ich dann meinen Namen und noch zwei, drei Kleinigkeiten aus meinem Leben hinzugekratzt. Aus Zeitschriften hab ich dann noch Sachen gefunden, die mir gefallen hatten und die hab ich noch draufgeklebt. Fertig!

Aber alles in allem war es halt hauptsächlich schwarz...

Danach kam dann noch ein Abschlussgespräch. Wie wir den ersten Tag so empfunden haben und mit welchem Gefühl wir so nach Hause gehen. Dabei haben unsere Psychologen dann Notizen gemacht. Ich hatte eigentlich nicht das Gefühl, dass ich das meiste gesagt hätte oder irgendetwas besonderes. Trotzdem schein bei mir irgendwie das meiste drunter zu stehen *seufz*

Erst so gegen Ende habe ich auch erst gemerkt, dass ich mal wieder total verspannt war und die Kopfschmerzen schon im Anflug. Hab ich auch nicht so ganz verstanden, weil ja eigentlich an dem Tag gar nicht so viel passiert ist...

Na ja, bin dann nach Hause und wollte einfach nur noch ein bissel entspannen und erholen. Hab mir dann einen meiner Kleinen geschnappt und zum Kuscheln auf die Couch. Bis er dann meinen Finger mit der Decke verwechselt hat, die er immer annagt.

Dei Details erspar ich Euch... Das Ende vom Lied war auf jeden Fall, dass ich dann direkt zum Arzt bin so notfallmäßig. Meinen Finger hats übel erwischt. Die Wunde ist recht lang und auch tief, so dass ich wegen der hohen Entzündungsgefahr dann Antibiotika nehmen mußte. Den Rest vom Tag hab ich dann eh irgendwie nur noch wie im Tran verbracht.
Die Nacht war auch entsprechend... schlecht geschlafen und Alpträume gehabt, die eindeutig mit dem Thema des Tages zu tun hatten...

Schon morgens bin ich kaum aus dem Bett gekommen und hab mich trotz schlechten Gefühls an die Arbeit gerafft.
Aber ich hab mich echt immer scheußlicher gefühlt. Alles war schwer und müde, mein Körper hat so komisch gekribbelt und mir war die ganze Zeit schummrig, schwindlig. Und die Hitzewallungen haben mir so ein Fiebergefühl gegeben. Bin dann nach dem halben Tag gegangen und hab erstmal mit dem Arzt gesprochen, ob das mit dem Finger oder den Antibiotika zusammenhängen kann. Die Fiebervermutungen haben sich nämlich auch bestätigt. 
Da Freitag dann nochmal kontrolliert werden sollte, bin ich dann Freitag auch daheim geblieben. Mittlerweile ist das Fieber auch schon wieder runter und es geht mir etwas besser. Wohl auch, weil ich nun Schlaf nachgeholt habe...

Trotzdem werde ich es diese Wochenende mal noch langsam angehen lassen... 

29.10.2010 um 00:02 Uhr

Von nun an gibt es kein Zurück

von: Sadeyes

Oh, es ist immer das Gleiche in letzter Zeit... Ich will etwas schreiben und in dem Moment purzeln in meinem Kopf die ganzen Worte durcheinander und sind so laut, dass ich gar nicht weiß, wie und wo ich beginnen soll.

Vielleicht beim Offensichtlichen... es ist mal wieder um Mitternacht rum und obwohl ich den ganzen Tag über müde bin und in den Seilen hänge, ist es abends einfach nichts mit müde fühlen und einschlafen. Es geht mir einfach nicht in den Kopf rein. Mal davon abgesehen, dass ich mich echt mal wieder nach gutem Schlaf sehne...

Aber werde ich eben den Moment nutzen, ein wenig was zu "Papier" zu bringen.

Mittwoch war ja der große Termin. Irgendwie war ich morgens ziemlich aufgeregt und hab mich fast so gefühlt, wie wenn man zu einer Abschlussprüfung geht. Und natürlich auch tausend Fragen im Kopf. Wie so ein Tag nun wohl aussehen wird, wie die anderen so sein werden und wie es mir mit allem geht.

Aus dem Bus ist dann auch prompt noch ein Mädel an der gleichen Haltestelle ausgestiegen. Und irgendwie der Blick und alles... ich hatte gleich das Gefühl, dass sie das gleiche Ziel hatte, wie ich. Und so ist sie auch tatsächlich lange Zeit nur ein paar Schritte vor mir hergelaufen. Bis sie irgendwann die Straßenseite gewechselt hat.
Aber letztendlich hatte ich recht und sie war gerade dabei, sich einen Kaffee zu holen, als ich in den Warteraum kam. Nur war die Überraschung groß, als es sich anscheinend um eine Betreuerin handelte... Na ja, immerhin hat mein Instinkt nur halb versagt ;)

Nach und nach füllte sich dann der Warteraum und man hat sich schonmal vorsichtig beäugt mit der Frage im Hinterkopf, ob die wohl auch dazu gehören...

So... und nun bin ich irgendwie doch müde... und vertage den Rest auf morgen oder so...

Gute Nacht da draußen, wo immer Ihr seid! :) 

26.10.2010 um 23:11 Uhr

Ablenkung

von: Sadeyes

Die Tage scheinen derzeit wie im Flug zu vergehen. Einer nach dem anderen. Und immer schneller zu fliegen. Manchmal kann ich es kaum glauben, dass ich nun fast schon seit zwei Jahren hier bin (wenn ich die Zeit mitrechne, wo ich zu Besuch oder auf Jobsuche war). Manchmal denke ich, es war erst gestern, als ich 30 wurde... oder E kennenlernte...

Auf der Arbeit ist auch so viel zu tun, dass da meistens die Zeit auch recht schnell vergeht. Außerdem ist es bei uns eigentlich wie in einem schlechten Film. Die Probleme mit meinem Chef haben sich immer mehr gehäuft, bis sich irgendwann alle mehr oder weniger verbündet haben und begonnen haben, mal gegen ihn zu schießen.
Und nun bekommt er ständig einen auf den Deckel und Gegenwind und hat natürlich auch dauerhaft schlechte Laune.
Oft hab ich im Büro das Gefühl, dass sobald er da ist, man wie auf einem Pulverfass sitzt, das jeden Moment hoch gehen könnte. Und ich glaube auch nicht, dass die Situation noch zu retten ist. Ich denke, irgendwann werden sie eine Entscheidung treffen müssen... so oder so...

Und wo wir schon bei Zeit sind... es sind weniger als zwei Monate bis Weihnachten. Und ich bin mir sicher, dass die auch in einem Fingerschnippen vorüber sind. Heute habe ich das erste Weihnachtsgeschenk fertig geschafft ... für meine Ma. Die Socken für Eric sind auch bereits zur Hälfte fertig. Danach noch Socken für meinen Vater und ich hab das Weihnachtspensum geschafft :)

Das ist auch gut so, denn ich habe eigentlich auch noch so einiges für mich selber geplant und hinke meinem Strickplan für dieses Jahr gewaltig hinterher. Eigentlich wollte ich noch zwei Pullover fertig schaffen, die ich schon im Vorjahr (oder so) begonnen habe und dann noch meinen ganz Neuen. Und ein paar Handschuhe natürlich, weil es hier immer soooo kalt ist *bibber*
Aber ich glaube, auch wenn bereits begonnen, ist das alles nicht mehr ganz zu schaffen :(

Manchmal glaube ich, ich müßte drei Paar Hände haben und noch mindestens ein weiteres Paar Augen. Sähe zwar wohl ziemlich doof aus, aber immerhin wäre es produktiv ;)

Ja, ich weiß, ich vermeide das Thema "Morgen". Aber ich will ganz bewußt keinerlei Gefühle in mir hochrufen, so kurz davor. Morgen sehe ich weiter, wie es wirklich ist und sein wird... und dann kann ich mir vor dem nächsten Mal wieder Gedanken machen... oder habe gemerkt, dass es völlig überflüssig ist... 

25.10.2010 um 22:30 Uhr

Böser Fehler...

von: Sadeyes

Ich sitze hier auf meinem Bett und die Tränen brennen in meinen Augen. Nur... es kommt nichts. Da ist dann noch dieser Klumpen in Magen und Brust und ich habe Probleme zu atmen. Alles dreht sich... meine Lippen kribbeln wie verrückt. Am liebsten würde ich heulen, schreien oder mich übergeben. Irgendwas um das aus mir heraus zu bekommen...

Dabei wollte ich mich nur ein wenig auf Mittwoch vorbereiten. Ich hab meine alten Bücher herausgekramt. Damals in den USA ist mir zum ersten Mal wirklich bewußt geworden, dass die harten Jahre nicht spurlos an mir vorüber gegangen sind. Und da hab ich mir Bücher geholt... und gelesen und nachgedacht, an mir gearbeitet... Es hat weh getan, es hat mich manchmal zerrissen, mich zu Orten in mir geführt, wo ich nie hinwollte... und das vage Gefühl hinterlassen, dass das noch nicht alles war. Noch nichtmal das Schlimmste. Und es war die Hölle damals. Wie sehr, das weiß nur mein Mann, der es miterleben mußte.

Ich habe Angst, dahin zurück zu gehen. Wahnsinnige Angst! Und ich weiß nicht, ob es ein Segen ist, dass ich nun alleine bin oder nicht. Wenigstens ist so niemand da, den ich ungewollt verletzen könnte, wenn alles wieder aufgewühlt wird. Es ist aber auch niemand da, der auf mich aufpaßt, der mich tröstet oder mich beschützt.

Allein diese Reaktion auf die Bücher... dabei hab ich noch nichtmal wirklich gelesen. Ich hab sie nur in die Hand genommen und ein wenig geblättert... und sofort diese Blockade gespürt. Nach dem Motto, wenn ich es nicht lese, dann ist es nicht wahr, ist kein Teil von mir...

Und dann in dem einen Buch eine vertraute Handschrift. Mein Mann hatte mir eine Widmung geschrieben. Wie sehr er mich liebt und an mich glaubt und dass er so stolz auf mich ist, dass ich kämpfe. Oh Gott, ich habe kämpfen wollen und ich habe gekämpft damals. Und trotzdem war es stärker als ich. Diese Scheißzeit von früher ist der Haupttrennungsgrund gewesen. Ich könnte mir heut noch oft in den Arsch beißen, wenn ich denke, dass ich ihn für immer verloren habe. Ja, auch er hat seine Fehler gehabt... aber trotzdem... er war mein Mann und wir hatten eine sehr tiefe Bindung zueinander.

Und wieder habe ich das Gefühl an meinen stummen Schreien zu ersticken. Wie damals... als ich noch klein war. Wie oft habe ich mich einsam gefühlt, anders, weggestoßen... und immer dieses Gefühl, dass ich schreie und schreie... aber mich niemand hört.

Und nun kommen endlich die Tränen... 

25.10.2010 um 13:51 Uhr

...ein paar Äpfelchen?

von: Sadeyes

Das Wochenende war eigentlich mal wieder eines der besseren. Eigentlich richtig schön!

Samstag hab ich am Weihnachtsgeschenk für meine Mutter weiter gestrickt, als ich bei meiner Strickgruppe war. War auch wirklich mal wieder eine nette Truppe da. Manchmal kommen ja doch eher wenig Leute.
Und da ich bereits vorher in aller Ruhe mit meiner Hausarbeit begonnen hatte, hatte ich nicht dieses übliche Gefühl von Druck und Hetze.

Wieder daheim hab ich auch gar nicht mehr sooo viel gemacht (ja ja, die lästige Ablage schiebe ich mal wieder eeewig vor mir her) und hab es mir stattdessen mit meinen Kaninchen und einem guten Buch gemütlich gemacht.

Abends war ich mit einer Freundin unterwegs und ich fand, dass wir mal wieder sehr gute Gespräche hatten. Sie meinte auch unter anderem zu mir, dass wenn ich erstmal die Therapie und alles hinter mir gelassen habe, sich sicherlich vieles in meinem Leben ändern wird, weil sich viele von den alten, schlechten Mustern auflösen. Das hat mich dann noch lange beschwingt gehalten...

Gestern war dann mal wieder E-Tag. Diesmal sogar mal wieder mit Spaziergang und langem unterhalten, was auch sehr schön war.
Am schönsten fand ich jedoch, als er meinte, dass vorne an der Tür ein Geschenk für mich wäre. Seine Mutter hat ihm eine ganze Tüte Äpfel für mich mitgegeben. Sie meinte, jemand, der gerne spinnt, macht auch gerne sein Apfelmus selber. Und E hat dabei so gestrahlt... und ich fand das auch mal wieder ganz süß von ihr. Nun werde ich wohl in den nächsten Tagen mein allererstes Apfelmus selber kochen :)

21.10.2010 um 22:56 Uhr

Und manchmal...

von: Sadeyes

Ja, so ganz manchmal... da denke ich, wenn das bei uns nicht alles schon so totale Routine wäre und E sich auf einmal nochmal so richtig ins Zeug legen würde... dann könnte er es doch wieder schaffen, mein Herz zu erwärmen.

Aber so bleibt es bei vertrauten Abenden, wo wir uns gegenseitig bekochen, uns aufziehen, zusammen reden und lachen. Und auch das ist gut so, wie es ist.

Jeder braucht schließlich ein bisserl zuhause irgendwo... 

21.10.2010 um 12:20 Uhr

Die Problematik mit den Problemen

von: Sadeyes

Manchmal dreht sich mir fömlich der Kopf, wenn ich versuche, einen Sinn aus allem zu machen... Was ist richtig und was ist falsch? Gibt es bei so etwas überhaupt ein richtig oder falsch?

Da ist nun also meine Kindheit... das, was ich verdrängt habe... Aber weil ich so klein war und "das Problem" so lange anhielt, hab ich mich anders entwickelt, als Kinder sich eben unter "normalen" Umständen entwickeln.
Das ist der erste Punkt, wo ich mich so oft frage, wie viele Kinder denn wirklich unter ganz "normalen" Umständen groß werden...

Nun ja, bei mir war es nicht der Fall und wenn ich die Charakterisierung meines Krankheitsbildes lese, dann weiß ich auch, dass ich mich entsprechend anders entwickelt habe.
Also, das Problem wurde nicht nur Teil meines Lebens, sondern irgendwie Teil von mir selber.

In Bewertungen von der frühen Schulzeit wurde ich auch gerne als "Problemkind" dargestellt und es gab da auch so ein paar grausame Erwachsene, die mir entsprechende unschöne Sachen an den Kopf geschmissen haben.

Aber war ich denn wirklich so schlimm? So anders?

Anders irgendwie sicher ja. Zumindest hatte ich oft das Gefühl. Ich erinnere mich an Zurückgezogenheit und Unglücklich-sein. Und auch an das Ausgeschlossen-sein. 

Ich erinnere mich an das Gefühl innerlich zu schreien, in der Hoffnung, das mich jemand hört. Aber umso stärker dieses Gefühl wurde, desto zurückgezogener wurde ich auch.

Der Höhepunkt nach Jahren war sicherlich, als ich eigentlich nicht mehr leben wollte und vom Tod geträumt habe und mich mit verschiedenen Möglichkeiten auseinander gesetzt hab, wie man das Leben vorzeitig beenden kann.
Und meine "Rettung".

Danach war alles anders... aber irgendwie war das Problem eben schon ein Teil von mir.

Das erste Mal begriffen, dass es nicht weg ist, nur weil ich das dachte oder wollte, habe ich, als ich geheiratet habe und in die USA gegangen bin... und die ersten Bilder in aller Heftigkeit zurückkamen. Ich hatte wieder Therapie, aber die hat nicht wirklich viel gebracht, weil irgendwie alles nicht gepasst hat. Ich hatte keinerlei Verständnis oder Bezug zu allem was gesagt wurde.
Und ich bin heute noch der Meinung, dass der Hauptgrund in unserer Trennung in meiner Kindheitsproblematik liegt. Und ich könnte noch x weitere Begebenheiten benennen, die ich in Bezug setzen würde.

Aber ist es wirklich so einfach? Kann man etwas erleben, was einen so verändert, dass es einem immer wieder alles kaputt macht?

Es wäre einerseits so schön einfach, es alles darauf zu schieben. Andererseits mag ich die Opferrolle nicht...
Es hatte mich auch geärgert, als mein Vater mal meinte, ob "ich denn immer noch nicht fertig damit wäre. Es wäre doch schon so lange her". Es gibt aber Dinge im Leben, mit denen ist man nie "fertig".

Sicherlich wäre ich es gerne... und sicherlich würde ich auch gerne sagen, alles ist so, weil es meine Entscheidung war. Aber meine Entscheidungen wurden immer auch durch "es" beeinflußt. Dann zieht sich da ein roter Faden durch mein Leben... 

20.10.2010 um 23:21 Uhr

Nun ist es offiziell

von: Sadeyes

Heute war hier richtig gruseliges Wetter angesagt. Heftigste Regenschauer, Sonnenschein und Hagel haben sich oft so schnell abgewechselt, dass man so schnell gar nicht den Regenschirm auf- und zumachen konnte...
Ja, ja... Holland wie ich es liebe ;)

Als ich nach Hause kam ein Brief von meiner Klinik. Wie immer kommen mir die schlimmsten Befürchtungen, dass nun doch alles nicht klappt oder was auch immer. Aber nein... es ist jetzt ganz offiziell... eine Einladung zu der Teilzeitbehandlung inklusive dem Tagesablauf des ersten Tages und was ich alles mitzubringen habe. Gespannt bin ich... Zumindest klingt das Programm ja mal ganz entspannt für den ersten Tag!

Allerdings sagt mir der Brief auch noch zwei Sachen:

1. Die Klinik ist echt sehr spezialisiert

2. Es handelt sich bei mit um eine "Komplexe Posttraumatische Belastungserkrankung"

Gleich mal nachgelesen, was der Unterschied ist. Und wie so oft, wenn ich mich mit sowas befasse, bekomme ich diesen Klumpen in meinen Magen und oft füllen sich meine Augen mit Tränen. Ich mag das gar nicht. Irgendwie hab ich in letzter Zeit eh viel zu nah am Wasser gebaut... 

Okay, atmen... tief durchatmen... es wird alles gut!

Bisher haben sich in meinem Leben immer irgendwelche Lösungen gezeigt und hat sich auch alles irgendwann wieder zum Besseren gewendet. Das wird es auch diesmal... irgendwann...

Das gilt hoffentlich auch für meine unfreiwilligen Mitbewohner. Hat jemand einen guten Tipp, wie man Mäuse wieder los werden kann (nach Möglichkeit ohne sie umzubringen)???
Die hier machen mich nämlich wahnsinnig!!! 

20.10.2010 um 11:09 Uhr

Unbegreiflich

von: Sadeyes

Schwer zu begreifen ist es für mich, dass ich einmal geglaubt habe, dass ich das alles unbeschadet überstanden habe.
Meine Erinnerung an die Zeit ist sowieso sehr lückenhaft. Woran ich mich erinnere, ist wohl das erste Gespräch, das ich je mit meiner Mutter darüber hatte. Ich kann mich erinnern, dass sie getroffen war, berührt, erschrocken, vielleicht auch ein wenig geschockt. Sie hat mir dann auch ihre Erinnerungen und Sicht mitgeteilt. 

Nun, während der Aufnahmegespräche, wurde ich gefragt, was ich da gefühlt habe. Gefühlt??? Nichts... irgendwie rein gar nichts. Für mich war es da vorbei und überstanden und hatte nichts mehr mit mir zu tun. Ich hatte das Gefühl, dass es mir nichts ausgemacht hat, mich nicht verändert oder beeinflusst hat. Und auch bei dem, was meine Mutter gesagt hat, habe ich nicht wirklich was gefühlt. Anscheinend wurde von mir erwartet, dass ich irgendwie enttäuscht, wütend oder sonstwie reagiere... aber da ist nichts gewesen...

Wenn ich nun darüber nachdenke, dass mir ein Fremder so etwas erzählen würde oder ich so eine Geschichte lesen oder im Fernsehen sehen würde, dann würde ich sofort denken, wie schlimm... würde Mitleid mit der Person empfinden, Wut, dass so etwas geschehen kann und was weiß ich...
Aber für mich selber kann ich diese Empfindungen nicht aufbringen. Es ist, wie wenn es ein Film in mir ist, den ich irgendwann einmal gesehen habe, zu dem ich keine Beziehung habe. Ich weiß, es ist mein Leben und doch geht mir ein Film näher, als das.

Ich weiß nun, dass ich den Teil meines Lebens, meines Ichs abgespalten habe, damit ich überhaupt überleben konnte. Aber Heilung wird wohl auch bedeuten, dass ich mich mit eben diesem Teil auseinander setzen werden muss. Und das wird wohl auch heißen, dass ich fühlen muss? Da habe ich eine wahnsinnige Angst vor, weil ich keine Ahnung habe, was da hochkommen könnte... nur diese vage Vorahnung, dass es wie eine Lawine sein könnte... 

19.10.2010 um 20:25 Uhr

Diagnose Teil 2

von: Sadeyes

Angefangen hat ja eigentlich alles Anfang des Jahres, als bei mir schwere Depressionen und Konzentrationsschwäche festgestellt wurden.
Als ich dann bei der dritten Klinik war und es endlich hieß, dass nun eine Behandlung beginnen kann, war es ja auch schnell wieder vorbei damit. Nur zur Überbrückung...

Anfangs war ich damit ja so gar nicht glücklich. Aber als ich dann nun in der neuen Spezialklinik war, muss ich sagen, dass ich schnell froh war, dass ich doch nochmal weiterverwiesen wurde.
Die Fragen waren einfach ganz anders, viel spezifischer. Auch auf einige der Symptome wurde viel mehr eingegangen. Das fand ich schon ziemlich beeindruckend.

Am Ende dann eben die Diagnose: Posttraumatische Belastungserkrankung und Dissoziative Störungen (die allerdings dem ersteren untergeordnet sind... das hab ich nicht so gut verstanden).

Da es nicht so viele spezialisierte Traumakliniken gibt, ist die Warteliste auch entsprechend lang. Aber vielleicht gerade deswegen haben sie mich nun in diese Gruppe eingeteilt, die nächste Woche beginnt. Ich freue mich, ich habe Angst... aber Hauptsache, es geht los.

Die Gruppe ist wohl noch nicht die "Hauptbehandlung". Das habe ich heute von meinem bisherigen Arzt erfahren. Dort werde ich erstmal noch weiter betreut, bis ich ganz bei der Klinik unter die Fittiche genommen werde. Denn bei der Gruppe wird nur zugelassen, wer mindestens alle zwei Wochen noch betreut wird, um noch ein Auffangnetz zu haben. Erfahrungsgemäß kann das wohl in der Gruppe schon ziemlich heftig werden.

Also bekomme ich nun zusätzlich zur Gruppe noch einen neuen "Übergangspsychologen". Aber den lern ich wohl erst in 4 Wochen kennen. Es passiert also noch immer viel, bis es alles mal "richtig" los geht.

Ich hoffe, es geht alles gut! 

18.10.2010 um 20:11 Uhr

Diagnose

von: Sadeyes

Nichts scheint mehr wirklich in letzter Zeit. Ich befinde mich wieder - oder noch immer? - in einem Zustand von Wortlosigkeit, von einem Nicht-Ausdrücken-Können.  Heute hatte ich das erste Mal das Gefühl, ich könnte ansatzweise verstehen, warum es mir nun schon länger so komisch geht.

Es gibt Dinge aus meinem Leben, die ich bisher immer von hier ferngehalten habe, höchstens mal angedeutet habe.  Aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Das hier schreibe ich testweise. Ich muss erstmal ausprobieren, wie es mir damit geht, hier darüber zu schreiben. Momentan weiß ich eh... nichts...

Ich weiß, es hört sich total verworren an. Aber das ist auch irgendwie, wie es in mir so oft ist. Manchmal dieses Gefühl von Leere, manchmal ist es auch einfach ein Gefühl von Nichtvorhandensein von Gefühlen. Dann fühle ich mich unwirklich, wie wenn ich nicht mehr ich bin. Dass ich nicht weiß, wer ich bin. Dann schaue ich auf mein Leben und mein Leben kommt mir unwirklich vor. Nicht alles, aber die letzten Monate, Jahre. Während die Zeit davor, meine Erinnerungen daran, sich ganz klar als "meine" anfühlen. Oft bin ich wie weg, vergesse viel oder habe richtige "Aussetzer" (und nein, ich trinke nicht).

Es ist schwierig, auch nur mit irgendwem darüber zu reden, weil ich selber weiß, wie schwer nachvollziehbar das sein muss...

Seit fast einem Jahr bin ich nun von einem Arzt zum nächsten gereicht worden. Aber nun gibt es eine Diagnose... und eine Behandlung, die schon in wenigen Tagen beginnen wird. Manchmal bin ich voller Euphorie, weil nun endlich was passieren wird. Dann kommt in mir wieder Angst auf, fast Panik. Davor, was mit mir passieren könnte, was auf mich zukommt. Ich bin aber auch dankbar dafür, dass diesmal doch irgendwie besser geschaut wurde und ich das Gefühl habe, dass diese Behandlung wirklich etwas ist, was mir helfen kann.

Wie fern ich mir selber manchmal geworden bin, habe ich in den letzten Tagen gemerkt. Mittwoch habe ich erfahren, dass ich für eine Behandlung in Frage komme. Das Gefühl, wenn das nicht klappen sollte, war eines der Verzweiflung nahe... und wenige Stunden später war es weg. Am nächsten Tag war es mir irgendwie egal. Aber als ich dann am Freitag die Zusage bekam, war ich hinterher geradezu aufgelöst. Ich habe regelrecht gezittert und die Erleichterung war riesengroß.

Heute habe ich ein wenig über die Diagnose gelesen und auch das hat schon wieder die Schleusen bei mir geöffnet. Und nun warte ich auf meinen ersten Tag mit großer Spannung.