Auf der Suche nach... ja, was eigentlich?

03.03.2011 um 18:25 Uhr

Wohin mit den Gefühlen?

von: Sadeyes

Wenn ich das nur wüßte... Meine Therapeutin ist nicht da... zwei Wochen Urlaub. Und selbst wenn sie da gewesen wäre... ich bin mir nicht sicher, ob ich darüber reden würde. Warum fällt es mir nur so schwer, darüber zu reden? So schön rein sachlich, das geht gut, da ist keinerlei Gefühl dabei. Wie denn auch, wenn ich sie nicht erinnere?

Aber andere Dinge fangen nun an, zum ersten Mal so richtig weh zu tun. Klar hat es sich auch immer wieder in den Therapien darum gedreht, wo waren meine Eltern und warum haben die nichts bemerkt bzw nichts unternommen.
Aber irgendwie bin ich mit der Erklärung meiner Eltern auch zufrieden gewesen. Vielleicht will ich das auch einfach nur so. Denn was ist denn die Alternative?

Ich kann nicht böse auf sie sein, so wie ich selten wirklich böse auf irgendwen bin. Ich kann es momentan einfach nur akzeptieren. Ob da irgendwann nochmal was hochkommt, das weiß ich nicht. Aber nicht jetzt, nicht heute...

Dafür beginne ich aber ein Problem hiermit zu haben: Nach meinem ersten Frauenarztbesuch mit ca 13 ist dann alles bekannt geworden. Ich hatte glaube vorher schonmal was gesagt, aber selbst das erinnere ich nicht mehr, aber da, da auf jeden Fall. An dieses Gespräch kann ich mich sogar noch bruchstückhaft erinnern... an die Frauenärztin und ihre Fragen... und wie sie dann nachgeschaut hat, ob allles heil geblieben ist. Und danach abends das Gespräch mit meiner Ma.

Zu dem Zeitpunkt hat der "Hauptverantwortliche" von den dreien bei meinem Vater gearbeitet und war so manchmal sogar mehrmals die Woche bei uns im Haus. Und daran hatte sich selbst nachdem ich das erzählt hatte nichts geändert. Es hatte sich rein gar nichts geändert...

Ich hab es meiner Ma erzählt und ja, sie war betroffen, das konnte ich sehen... aber weiter hat sich nichts geändert!

Und ich versteh es nicht... wie kann ich jemanden weiterhin in mein Haus kommen lassen, der sowas meinem Kind angetan hat? Sicher war es da ein paar Jahre her... aber ich wär so sauer gewesen... ich hätte dem mit Sicherheit die Leviten gelesen und dann dafür gesorgt, dass der nie wieder mein Haus betritt. Aber bei uns hat sich nichts verändert. Er kam weiterhin in unser Haus und wurde freundlich behandelt.

Ich hab mir vorher nie Gedanken darüber gemacht. Genauso wenig, wie ich mir Gedanken darürber gemacht hab, warum sie nie vorher was gemacht haben. Aber jetzt... jetzt tut es unheimlich weh. Weil ich es nicht verstehen kann. Weil ich nicht begreifen kann, wie man nicht wenigstens dann sauer sein kann und demjenigen die Meinung sagen kann.

Und in diesen Tagen könnte ich ständig nur heulen, wenn ich daran denke...

Das ging dann damals so weiter. Bis ich damals dann so mit 19 oder 20 auf den Trichter kam, dass ich nicht mehr will, dass meine Eltern mit ihm weiterhin was zu tun haben. Dass ich nicht wollte, dass sie weiterhin mit meinem Vergewaltiger befreundet sind und auf seine Hochzeit gehen. Ich hab ihnen das damals dann gesagt und meine Mutter hat das dann soweit verstanden und auch den Kontakt abgebrochen. Aber meinem Vater fiel das irgendwie schwerer. Ich war damals nicht da, aber ich kann mir vorstellen, dass es da Diskussionen gab. Mittlerweile besteht der Kontakt nicht mehr... aber warum so lange noch? Warum mußte ich sie erst darauf bringen, dass das nicht geht?

So viele Fragen, keine Antworten und das Gefühl, weiter schweigen zu müssen...