Auf der Suche nach... ja, was eigentlich?

18.11.2012 um 20:35 Uhr

Warum macht man sich manches so schwer?

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Puh, ich wünschte, ich könnte einen klaren Gedanken fassen. Aber gerade schwirrt mir wieder alles im Kopf rum. Meine Emotionen reichen von Freude bis zu Traurigkeit, wobei letzteres überwiegt. Irgendwo ist da noch eine Stimme in mir, die mir sagt, dass ich das gar nicht sein muss.

Ich war heute wieder mit einer Gruppe von Leuten unterwegs. Einer davon war er. Schon, wo er auf uns zukam, hat er mir zugezwinkert. War irgendwie auch ein bisserl ein komisches Gefühl. Als wir letzte Woche mit der Gruppe unterwegs waren, hat er sich für mich noch irgendwie als Fremder angefühlt. Als Fremder, zu dem ich mich irgendwie hingezogen fühle (ich hab ihn da zum dritten Mal gesehen).
Dann während des Ausflugs haben wir irgendwie immer wieder miteinander geredet, diskutiert, geblödelt. Irgendwann ging es ein wenig in ein Necken über mit entsprechenden Seitenblicken. Für mich an sich schon alles komisch. Ich hab mich so lang von sowas fern gehalten und wenn ich gemerkt hab, dass jemand nur ansatzweise Interesse hatte (wie zB der süße Typ im Zug, der mich immer wieder anschaute und anlächelte und bei mir nur Panik auslöste, obwohl ich ihn echt attraktiv fand) und nun das.
Und als unser Ausflug zu Ende ging und die Gruppe sich auflöste, fragt er mich auf einmal, ob es okay für mich ist, wenn er noch mit mir mitläuft, dass er auch in die Richtung muss (im Nachhinein stellte sich raus, dass das gar nicht stimmt).

Wir sind dann einträchtig in Richtung meiner Wohnung gelaufen und nach einer Weile meinte er, dass er sich noch irgendwo was zu essen holen will. Ich hatte kaum Geld bei mir und hab deshalb gesagt, dass er das gern tun kann. Ich mein, das stört mich ja nicht, wenn er was essen will. Irgendwie wirkte er dann allerdings leicht irritiert und erzählte mir was, dass das ja auch nicht so wichtig wäre und er das später noch machen kann und dass er sowieso sparen müßte. Okay, dann eben nicht...

Unsere Unterhaltung war dann total nett und irgendwie waren wir wie im Flug fast am Ziel. Bei mir in der Nähe sind auch ein paar nette Restaurants (und Geldautomaten) und so hab ich ihm angeboten, dass ich mir was Geld hole und dass wir dann auch da was essen gehen können. Und das haben wir dann auch gemacht. Irgendwas zwischen zwei und drei Stunden haben wir da gesessen und alles mögliche durchprobiert und es war großteils total angenehm. Bis auf meine Panikanfälle zwischendrin, wenn der Augenkontakt doch etwas zu intensiv wurde. Das war so ein komisches Gefühl... sich mit jemanden wohl zu fühlen und eine Anziehungskraft und gleichzeitig eigentlich einen Fremden anzuschauen. Das hab ich irgendwie nicht wirklich gebacken bekommen. Ansonsten glaub ich, haben wir uns ab einem Zeitpunkt so ziemlich wie aufgedrehte, verliebte Teenies benommen. Wir waren am Glühen, Strahlen und Rumkichern...

Als er mich daheim abgesetzt hat, hat er mich damit verabschiedet, dass er das schön fand und dass ich mich bei ihm melden sollte, wenn ich Lust hätte, was zu unternehmen. Bin es gar nicht so gewöhnt, dass man so auf die Art und Weise gefragt wird. Aber was bin ich auch schon noch gewöhnt?

Und daheim saß ich dann erstmal total verwirrt. Manche Sachen, die er mir erzählt hat, sind schon recht heftig. Andere haben mich ein wenig erschreckt. Und überhaupt mußte sich das alles erstmal setzen.

Dienstag hätten wir uns eventuell sehen können, wenn ich eine andere Entscheidung getroffen hätte, aber so hab ich ihm abends wenigstens eine Mail geschickt, auf die er auch gleich geantwortet hat. das Schöne ist bei ihm, dass er genauso schreibt, wie er auch redet und wie er auch ist. Er hat irgendwie eine wahnsinnig liebe und freundliche Art... jedem gegenüber.
Und Mittwoch hab ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und ihn gefragt, ob wir abends uns zusammen Fußball in der Sportsbar anschauen gehen. Ist gemeinsam ja auch viel schöner als allein. In den Stunden des Wartens hat sich dann mal wieder die volle Paranoia meiner Krankheit entfaltet. und als endlich sein Ja kam, schlug das um in Panik, weil wir ja das erste Mal ohne andere sein würden, also so komplett.

Er hat mich dann hier abgeholt und wir sind zusammen zur Bar. War richtig süß, wie er sich dann dort um Sitzplätze, Getränke und Snacks bemüht hat. Und unser Gespräch wurde zunehmend flirtig und unsere Blicke intensiver. Und diesmal konnte ich dabei auch entspannt bleiben. Für mich eigentlich schon ein kleines Wunder, dass ich weder das Gefühl habe, mich verstellen zu müssen, noch dass ich angespannt gewesen wäre. 
Allerdings in der Halbzeitpause hat sich unser Gespräch irgendwie so entwickelt, dass ich das Gefühl hatte, keine andere Wahl mehr zu haben, als ihm nun von meiner Krankheit zu erzählen. Erstens hätte ich mich anders in irgendwelche Halbwahrheiten verstricken müssen und zweitens, wenn er tatsächlich an mir Interesse haben sollte, muss er ja schließlich irgendwann wissen, was los ist. Also hab ich ihm von meiner Berufsunfähigkeit, meiner Krankheit und dem Grund dafür, dem Mißbrauch erzählt. Na ja, es gibt wohl kein Thema mit dem man sich sicherer sein kann, dass man damit jede flirtige, gelassene Stimmung im Keim erstickt. Er hat mich ziemlich groß und erschrocken angesehen und danach ging es halt mehr um Krankheit und ernstere Themen und alles andere war irgendwie weg. Er hat mich dann doch noch nach Hause gebracht und zu meinem Erstaunen hat er beim Abachied gesagt, dass er den Abend schön fand und wir das wiederholen sollten. Aber dass wir uns ja nun erstmal Sonntag sehen. Trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl, dass er nun nichts mehr mit mir zu tun haben will wegen meiner Vergangenheit/Krankheit. Aber trotzdem... irgendwie ab dem Abend fühlte er sich nicht mehr so fremd an.

Freitag konnte ich dann nicht auf die Veranstaltung gehen, wo wir uns wieder gesehen hätten. Aber das hatte ich ihm schon angekündigt, dass das wahrscheinlich nix wird. Ich hab ihn an dem Abend auch dann und wann online gesehen, aber nichts weiter von ihm gehört. Als er dann nachts von der Veranstaltung zurück kam, hat er mich dann angechattet. War zwar mitten in der Nacht, aber es war irgendwie schön. Er hat sich irgendwie die Dinge behalten, die wichtig waren und danach gefragt und von seinem Abend erzählt. Dass er sich freut, mich doch eben sprechen zu können, was wir irgendwann mal unternehmen können und immer so weiter. Bei der Verabschiedung hat er gesagt, dass er sich darauf freut, mich heute wieder sehen zu können. Und ich bin hinterher irgendwie glücklich in meine Kissen gesunken.

Gestern haben wir dann auch irgendwann mittags und dann nochmal nachts miteinander gechattet. Wie soll man sich da nicht auf einmal komisch fühlen, wenn man sich in der kurzen Zeit doch irgendwie hat besser kennenlernen können und sich irgendwie anders fühlt? Und dann steht man da in der Gruppe und er kommt und zwinkert? Und für alle anderen hat sich nichts geändert.

Ein bisserl merkwürdig wars dann schon. Ich hatte mich mit den anderen (Männern) unterhalten und er brachte dann auch mal gleich ins Gespräch ein, dass wir letzte Nacht noch gechattet haben und so kleine Informationen, die irgendwie durchblicken ließen, dass wir uns schon besser kennen. Fast kam er mir vor, wie so ein Hund, der an Laternenphähle pinkelt, um sein Revier zu markieren. Zumindest kann ich den Sinn darin nicht erkennen... was und ob wir chatten interessiert sicher "keine Sau". 

Wir sind dann auch immer mal wieder nebeneinander gewesen und haben erzählt und gelacht und so. Sicher mehr als weniger. Und auch später im Cafe saßen wir wieder nebeneinander. Eigentlich haben wir uns dann bis auf wenige Ausnahmen nur miteinander unterhalten. Und er hat mir seine Fotos gezeigt von heute. Und von Freitag. Und weiter... bis auf einmal mein Foto kam. Eines der Fotos, die ich bei F_B habe. Nur irgendwie war auch das nicht wirklich komisch. Er hats kurz angeschaut und ich hab nur gemeint "die kenn ich" und dann hat er sein Handy ausgeschaltet und weggepackt und wir haben weiter nicht mehr drüber geredet.
Eigentlich sollte ich wohl froh sein darüber, wie der Tag war. Wir haben ein paar schöne Stunden zusammen gehabt und haben uns wieder gesehen. Aber irgendwie hakt sich dann mein Hirn wieder daran fest, dass er im Gespräch irgendwas gesagt hat, dass er Gemeinschaft und Gemütlichkeit vermißt und dass er deshalb eben auch bei diesen Ausflügen mitmacht. Und dass er das dann mit dem Mittwoch so nett fand und unseren nächtlichen Gespräche mag, weil es schön ist, dass dann noch jemand da ist. Na ja, ich kann es irgendwie nicht mehr so zusammen bekommen, aber es klang halt eben, wie wenn ich ein Jemand bin. Eine von vielen und beliebig austauschbar auf der Suche nach Gemeinschaft, vielleicht einem Stück Geborgenheit.

Zum Abschied hat er nur gesagt, dass er mal schaut, ob ich heute Abend noch wach bin, wenn er wieder nach Hause kommt. Und dass wir uns sehen... ... aber wann?

Und ich fühle mich verwirrt, ein wenig leer... ich versuche, alles ein wenig einzuordnen. Was ist er? Was bedeutet er für mich? Und was davon bin ich? Was will ich? Abgesehen von diesen anfänglichen Verliebtheitsgefühlen. Und hat er die überhaupt auch?
Manchmal bin ich mir da ganz sicher und im nächsten Moment irgendwie gar nicht mehr. Alles, was ich weiß ist, dass ich ihn wirklich sehr gern habe und mich bei ihm so wohl fühle. Ich möchte noch viel mehr über ihn wissen und ihm auch mehr über mich erzählen. Ich möchte mehr davon verstehen, was seine Situation ist und ob ich damit umgehen könnte oder ob das ein Hindernis wäre. Ich würde gerne wissen, wie es sich anfühlt, sich gegen ihn anzulehnen. Und ganz manchmal und heimlich möchte ich auch, dass er einfach meine Hand nimmt ... mich vielleicht sogar küßt. 

Alles ist irgendwie so neu und ungewohnt. Alles ist so leicht und irgendwie auch so schwer.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlady_bright schreibt am 18.11.2012 um 21:18 Uhr:Es ist leicht und schön, weil du in diesen Momenten dein Unterbewusstsein agieren lässt, es ist schwierig und ungewohnt, weil in den Momenten der Kopf die Oberhand hat. Jedes Mal Flirten, jede beginnende Verliebtheit ist auf eine Weise gleich und doch ist sie jedesmal ganz neu, das Gegenüber ist noch ein wenig fremd, man ist ein wenig schüchtern oder erschrocken über die Intensität des Gefühls, das aber doch nur Hormonchemie ist. ;)
    Das Gute, du kannst so langsam oder schnell machen, wie du es für richtig hälst. Und jetzt, da er schon ziemlich viel von dir weiß, wird er auch verstehen, wenn du mal Stopp sagst und lieber wieder einen Schritt zurückgehst. Diese Zeit ist nur zum genießen da.
    Und ja, er markiert sein Revier, macht deutlich - vorsicht Junge, das da ist meine Favoritin. Und er hat ein Bild von dir vom Bildschirm abfotografiert, um dich auch mal vorm Einschlafen oder gleich früh morgens anschauen zu können. Das ist nicht eigenartig, das ist süß. Hab ich auch schon gemacht. (Also jetzt nicht von dir.. ;)))

    Alles Liebe für dich!
  2. zitierenClaudia schreibt am 18.11.2012 um 21:38 Uhr:ich weiß, es ist ein bisschen lächerlich, aber bei deinem letzten Satz musste ich an eine Szene von Scrubs denken, die mir öfter einfällt https://www.youtube.com/watch?v=KOBIq0R4iQY&feature=BFa&list=PLC590F6886BB5674C

    Nothing in this world that's worth having comes easy. Ein bisschen schwer muss es vielleicht einfach sein.
    Aber ich freu mich, das zu lesen! ^^ Und wenn du noch herausfinden musst, was genau er für dich bedeutet, muss er das umgekehrt vielleicht auch noch - wohl scheint er sich ja auch zu fühlen. Und manche Fragen beantworten sich mit der Zeit von ganz allein. Alles Gute! ^^
  3. zitierensternenschein schreibt am 19.11.2012 um 01:26 Uhr:Liebe Sadeyes,
    es liest sich so schön, dieser Eintrag von dir.Dieses für dich Neue was du da erlebst.
    Dein Versuch, alles einzuordnenund die Unsicherheit bei dir, die er dir mit seinem Verhalten wieder nimmt.
    Nein, ich denke nicht er sieht dich als austauschbar und als irgendwen an.
    Du bist ihm wichtig, das merkt man schon an deinem Text, wie er sich verhalten hat.
    Und ich bin mir sicher, so wie du schreibst, er wird auch in dich verliebt sein. Vielleicht sogar von seinen Gefühlen für dich, ebenso verwirrt sein, wie auch du es bist.
    Die Hände werden ganz von alleine zueinander finden bei euren Unternehmungen, die Herzen haben es zum Teil ja schon geschafft.
    Liebe Grüsse
  4. zitierenRabenmutter schreibt am 20.11.2012 um 21:05 Uhr:Liebe Sadeyes,es klingt schön ... aber auch anstrengend. Und ich denke, das ist es immer und für jeden. Diese Unsicherheit, dieses abwägen für sich selbst und das man auch beim anderen spürt ...
    Er muss ja genauso für sich heraus finden, was er will, was genau er empfindet, und macht da sicher grad das Selbe durch wie du.
    Ich wünsche euch jedenfalls viel Glück!
  5. zitierenSadeyes schreibt am 25.11.2012 um 16:49 Uhr:@lady: Da hast Du sicher den Nagel auf den Kopf getroffen, mit dem Gefühl und dem Denken und dem Erschrecken. Manchmal liegen Gefühl und Verstand auch tatsächlich so weit auseinander, das es eigentlich nur logisch ist, wenn man erschreckt. Hab ich so die letzten Tage gemerkt... :)

    @Claudia: Ich fand den Filmausschnitt wirklich total schön :) Danke!
    Und zum Glück ist es tatsächlich doch meistens so, dass sich mit der Zeit die Fragen doch irgendwie beantworten :)

    @Sternenschein: Dein Text hat mich sehr berührt und mir in den Tagen danach sehr geholfen und Mut gemacht. Ich danke Dir von Herzen dafür! :)

    @Rabi: Danke Dir! Ja, diese Unsicherheiten sind sicher für niemanden schön. Aber manche sind dann eben noch unsicherer als andere und bei mir sorgt eben meine Krankheit dafür. Aber das wird hoffentlich noch besser werden :)

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