Bindungsangst... und was mit dem Sex passiert
In den Büchern, die ich zur Zeit lese, habe ich gelernt, dasss die Bindungangst auch Sex beeinflusst. Und habe mir zu diesem Thema mal Gedanken gemacht.
Erstmal vorneweg ein bissel Theorie. Derjenige in der Beziehung mit den größeren Bindungsängsten wird immer bestrebt sein, die absolute Kontrolle zu behalten. In der Beziehung, über den Partner und oft zeigt sich dieses Kontrollverhalten auch in anderen Bereichen des Lebens.
Kontrolle ist wichtig, damit sie ihre eigene Angst halbwegs kontrollieren können. Das heißt, sie wollen das Sagen haben über Nähe oder Distanz, Treffen oder nicht, Gefühle ja und wie tief, etc.
Nun ist Sex eben auch Bindung und Nähe und das ist das fatale für sie in einer echten Beziehung. Haben sie Sex mit dem Menschen, den sie lieben, fühlen sie sich ihm näher und auch irgendwie verpflichtet. Aber Nähe und Verpflichtungen lösen wieder Panik aus. Und damit einen Kontrollverlust. Außerdem... ist es nicht auch ein Kontrollverlust, wenn man sich einem anderen Menschen beim Sex wirklich hingibt? Nun wollte ich mir mal anschauen, wie das tatsächlich "gelebt" aussieht.
E ist nunmal der Mensch mit den größten Bindungsängsten, den ich kenne. Und ich kenne sein Denken und sein Handeln... daher hier mal unsere Beziehung als Beispiel, wie die Bindungsangst auch das Schlafzimmer regiert.
Was mich bei E sofort gewundert hatte war, dass er so darauf gepocht hat, dass wir möglichst schnell miteinander schlafen. Er war fast schon aufdringlich. Eigentlich nicht nur fast. Ich hab mich damals sehr überrumpelt gefühlt und nicht zuletzt auch verletzt, da ich ihm gesagt habe, dass ich für so etwas meine Zeit brauche und da einfach eine schwierige Vergangenheit habe.
Ich hab mich lange gefragt, wie er so handeln konnte. Er wirkte wie getrieben, wie besessen. Fakt ist aber, dass sie versuchen, so schnell wie möglich eine tiefere Verbindung herzustellen, weil Kontrolle für sie ja so wichtig ist.
Das heißt am Anfang sind sie einfach total verliebt und dadurch auch total verunsichert. Und dieses Gefühl gilt es, so schnell wie möglich abzuschalten. Und um schnellstmöglich eine Bindung herzustellen und sich sicher zu fühlen, legen sie großen Wert auf Sex.
E hat auch damals zu mir gesagt, dass er absolut keine One-Night-Stands hat. Sex bedeutet für ihn Liebe und Verpflichtung und deswegen schläft er nur mit Frauen, die ihm wirklich etwas bedeuten.
Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass solche Menschen Sex aus dem Weg gehen, wenn sie sich vor zu viel Erwartungen und Verpflichtungen scheuen.
Das war der zweite Punkt, der mich immer so verwundert hat. Ihm hat es immer sehr gut gefallen, was wir so allein zu zwein gemacht haben. Laut seiner Aussage war es aufregender, als das, was er vorher so erlebt hat und ich weiß, dass er es immer seeehr genossen hat. Er hat sich anfangs eigentlich selber so gegeben, wie wenn er nicht genug bekommen kann. Und mit einem Schlag war das weg. Er wollte nicht mehr. Gar nicht mehr! Ich konnte das nicht verstehen. Hab mir immer wieder den Kopf darüber zerbrochen. Mich gefragt, ob er mich nicht mehr geliebt hat. Fakt war, dass er mich da für seine Verhältnisse schon zu sehr geliebt hat. Auf Sex zu verzichten war für ihn eine Massnahme um wieder mehr Distanz zwischen uns zu bekommen.
Und das erklärt mir auch, warum er mich nie angerührt hat, als ich im Dezember bei ihm war. Oder auch noch im Januar/Februar, wo er mich oft nachts gehalten hat. Das Halten war die größte Nähe, die er zulassen konnte, ohne dass es für ihn zu nahe oder zu verpflichtend wurde.
Ich habe gespürt, wie erregt er war und ich habe ihm auch angesehen, dass er wollte. Auch dass er mehr Nähe und Liebe wollte. Ich habe seinen Konflikt damals förmlich gespürt. Aber erst jetzt habe ich wirklich verstanden.
Etwas, was mir noch aufgefallen ist, wofür ich aber noch keine Antwort gefunden habe. E hat Zärtlichkeiten immer unheimlich genossen. Er hat mich gern im Arm gehalten und er hat auch oft einfach nur in meinem Arm gelegen und sich berühren und streicheln lassen... im rein liebevollen Sinne. Da war er fast wie ein Schwamm, der diese Zärtlichkeiten aufgesogen hat.
So sehr er das aber genossen hat, so wenig hat er auch von dem zurück geben können. Er hat mich nie viel im Arm gehalten, um mich einfach nur zu streicheln. Und wenn er mir mal den Rücken gestreichelt hat, so hat sich das eher unbeholfen angefühlt.
Selbst beim Sex hatte ich manchmal eher das Gefühl, wie wenn er es genießt, Macht über mich/uns zu haben, als einfach nur mir nahe zu sein. Zumindest war Sex teilweise wirklich Ausdruck seiner Macht.
Ich hatte das Gefühl, dass es ihm daran mangelt, sich überhaupt einfühlen zu können.
Wenn ich all meine anderen Beziehungen Revue passieren lasse, so kann ich noch hier und da einige Bezüge zu diesem Thema finden. Und ich finde es unheimlich interessant, darüber zu lernen und mehr zu wissen. Deshalb die Frage an alle, die selber Bindungsängste haben oder mit einem Partner zusammen waren, der Bindungsängste hatte: wie habt Ihr den Sex mit Eurem Partner erlebt? Ich weiß, das ist sehr persönlich, aber ich würde mich freuen, wenn sich trotzdem ein paar zu Wort trauen würden! Danke!
