Auf der Suche nach... ja, was eigentlich?

20.12.2012 um 00:12 Uhr

Die bittere Pille

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Hmm... eigentlich ist es schon fast zum Lachen! Oder doch zum Heulen?

Als ich meinen P kennenlernte und merkte, dass ich mich von ihm angezogen fühle, habe ich meiner besten Freundin gesagt "Ich weiß nicht... diese unbestimmte Anziehung, die von ihm ausgeht... und seine Augen... der hat sicher Bindungsprobleme"

Tja, hätt ich vielleicht mal auf mich selber gehört und meine Finger von gelassen. Aber das ist auch leichter gesagt als getan. Steht ja auch keinem auf die Stirn geschrieben. Und außerdem... will ich das wirklich? Ich weiß es nicht. Unsere Beziehung ist meistens ein einziges großes Fragezeichen mit allerdings auch vielen schönen Momenten. Übermorgen seit einem Monat.

Allerdings... seine Ängste spitzen sich derzeit zu und er denkt öfters über das Beenden der Beziehung nach. Und ich? Ich weiß irgendwie, dass das nichts mit mir persönlich zu tun hat. Das sind seine Dinge, die da hochkommen. Wir reden drüber. Das hilft. Ist manchmal auch verdammt hart in seiner Ehrlichkeit.

Ich hab ihm heut gesagt, dass ich ihn die letzten zwei Tage auch nicht sehen wollte. Da ist er dann doch auch schonmal zusammen gezuckt. Vielleicht hat er das von mir nicht erwartet?
Er denkt, dass ich ihm nicht wehtun würde oder könnte. Wegen meiner Geschichte, weil ich Rücksicht nehme.
Und während das auch irgendwie stimmt, so stimmt es doch auch, dass ich meine Grenze suche. Die Grenze des Ertragbaren. Wo ich seine Stimmungs- und Gefühlsschwankungen hantieren kann. Sollte ich irgendwann abgleiten dahin, wo ich bei E war, dann geht diese Beziehung nicht mehr. Und dann würde ich ihn auch verlassen... hoffe ich zumindest. Und ich weiß nicht, ob ihn das dann wirklich so kalt lassen würde.

P ist nicht E. Seine Bindungsangst ist bei weitem nicht so stark wie bei E. Er stößt mich nicht abrupt weg oder versucht mich, mit Worten zu verletzen. Er hat allerdings Probleme, Verabredungen mit mir zu treffen. Am liebsten alles immer ganz spontan. Bloß nichts fragen, nichts besprechen. Telefonieren, simsen, chatten... alles auch zu viel Verpflichtung. Und seine Stimming schwankt manchmal extrem und das ist auch fühlbar. Er kann manchmal sehr nah, liebevoll und verliebt sein und ein paar Stunden später sich in einen halben Eisklotz verwandeln, der nicht mehr viel berührt werden möchte und sich lieber hinter seinem Handy verbarrikadiert. Trotzdem seh ich bei ihm Gefühle. Ich seh auch oft das Eis wieder schmelzen. Die Art, wie er mich berührt wird zunehmend liebevoller. Hoffnung oder nicht? Heiß oder kalt? Ich weiß es nicht...

Schlimm sind bei mir die Nebenwirkungen. Durch seine Schlaflosigkeit und durch die Gefühlsachterbahn schlaf ich kaum noch. Ich bin aus meinem Rhytmus raus. Nicht gut für mich.
Und deshalb hab ich nun zum ersten Mal in meinem Leben Schlaftabletten verschrieben bekommen...

Und ehrlich gesagt, hab ich nun ein wenig Angst, die erste zu nehmen.... 

25.11.2012 um 20:14 Uhr

Way back into love - Teil 1

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Drehen wir die Zeit nochmal eine Woche zurück... Vor einer Woche war ich auf der Wanderung und hatte das Gefühl, dass aus ihm und mir doch nichts werden kann. Ich hab mir hier alles vom Herzen geschrieben und mich hinterher nicht mehr ganz so hoffnungslos gefühlt.

Am gleichen Abend, eigentlich war es schon Nacht, kam er dann nach Hause und hat mich, wie versprochen auch gleich angechattet. Und da kam dann auch ziemlich schnell die Frage danach, was ich denn so für die Woche geplant habe. Und ruckzuck hatte er doch vorgeschlagen, am Mittwoch wieder gemeinsam in der Sportbar Fußball zu schauen und am Freitag wollte er mich auch noch zu einer Aktivität mitnehmen. Die war zwar für die vierzig und aufwärts, aber die paar Jährchen machen ja auch nix aus...

Generell war der ganze Chat irgendwie so schön warm und angenehm und ich hab mich riesig gefreut, dass wir nicht nur eine, sondern gleich zwei Verabredungen hatten. Auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, dass da bei einer von denen auch nur irgendwas passiert. Und so bin ich mal wieder auf den rosasten Wölkchen des siebten Himmels geschwebt...

Bis zum nächsten Mittag, als das Wölkchen zerpuffte und ich einen ziemlich harten Aufprall in der Realität hatte. An sich begann alles ganz harmlos. Er war online und nach einem Moment hatte ich ihn dann angeschrieben. War an sich ganz nett, aber nix Besonderes und dann wollte er nach kurzer Zeit noch los und Dinge erledigen. Da kamen dann schon wieder die ersten Stimmchen, die mir einreden wollten, dass ich mir alles nur einbilde und dass er mich eigentlich los werden will. 

Kurz darauf ruft auch noch meine Mutter und erzählt mir, dass es ja auch durchaus mal sein könnte, dass jemand auch kurzfristig absagt und dass sowas dann ja auch nicht unbedingt was Schlechtes bedeuten muss. Kann ja sein... aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar bereits sicher hunderte von Gedanken und Unsicherheiten, aber über die Möglichkeit, dass er absagen könnte, hatte ich irgendwie noch gar nicht nachgedacht. Und ab dem Zeitpunkt konnte ich es nicht mehr aus meinem Kopf heraus bekommen.

Als er abends dann auch noch so kurzangebunden war und meinte, er wollte mal früh ins Bett, stand für mich irgendwie fest, dass er sicher auf mich ganz und gar keine Lust mehr hat und er mich irgendwie los werden will. Und mit den Gedanken bin ich dann ins Bett und hab versucht zu schlafen. Bis ich ihn um seine "typische" Zeit wieder online gesehen habe. Da wars dann bei mir irgendwie ganz vorbei... 

18.11.2012 um 20:35 Uhr

Warum macht man sich manches so schwer?

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Puh, ich wünschte, ich könnte einen klaren Gedanken fassen. Aber gerade schwirrt mir wieder alles im Kopf rum. Meine Emotionen reichen von Freude bis zu Traurigkeit, wobei letzteres überwiegt. Irgendwo ist da noch eine Stimme in mir, die mir sagt, dass ich das gar nicht sein muss.

Ich war heute wieder mit einer Gruppe von Leuten unterwegs. Einer davon war er. Schon, wo er auf uns zukam, hat er mir zugezwinkert. War irgendwie auch ein bisserl ein komisches Gefühl. Als wir letzte Woche mit der Gruppe unterwegs waren, hat er sich für mich noch irgendwie als Fremder angefühlt. Als Fremder, zu dem ich mich irgendwie hingezogen fühle (ich hab ihn da zum dritten Mal gesehen).
Dann während des Ausflugs haben wir irgendwie immer wieder miteinander geredet, diskutiert, geblödelt. Irgendwann ging es ein wenig in ein Necken über mit entsprechenden Seitenblicken. Für mich an sich schon alles komisch. Ich hab mich so lang von sowas fern gehalten und wenn ich gemerkt hab, dass jemand nur ansatzweise Interesse hatte (wie zB der süße Typ im Zug, der mich immer wieder anschaute und anlächelte und bei mir nur Panik auslöste, obwohl ich ihn echt attraktiv fand) und nun das.
Und als unser Ausflug zu Ende ging und die Gruppe sich auflöste, fragt er mich auf einmal, ob es okay für mich ist, wenn er noch mit mir mitläuft, dass er auch in die Richtung muss (im Nachhinein stellte sich raus, dass das gar nicht stimmt).

Wir sind dann einträchtig in Richtung meiner Wohnung gelaufen und nach einer Weile meinte er, dass er sich noch irgendwo was zu essen holen will. Ich hatte kaum Geld bei mir und hab deshalb gesagt, dass er das gern tun kann. Ich mein, das stört mich ja nicht, wenn er was essen will. Irgendwie wirkte er dann allerdings leicht irritiert und erzählte mir was, dass das ja auch nicht so wichtig wäre und er das später noch machen kann und dass er sowieso sparen müßte. Okay, dann eben nicht...

Unsere Unterhaltung war dann total nett und irgendwie waren wir wie im Flug fast am Ziel. Bei mir in der Nähe sind auch ein paar nette Restaurants (und Geldautomaten) und so hab ich ihm angeboten, dass ich mir was Geld hole und dass wir dann auch da was essen gehen können. Und das haben wir dann auch gemacht. Irgendwas zwischen zwei und drei Stunden haben wir da gesessen und alles mögliche durchprobiert und es war großteils total angenehm. Bis auf meine Panikanfälle zwischendrin, wenn der Augenkontakt doch etwas zu intensiv wurde. Das war so ein komisches Gefühl... sich mit jemanden wohl zu fühlen und eine Anziehungskraft und gleichzeitig eigentlich einen Fremden anzuschauen. Das hab ich irgendwie nicht wirklich gebacken bekommen. Ansonsten glaub ich, haben wir uns ab einem Zeitpunkt so ziemlich wie aufgedrehte, verliebte Teenies benommen. Wir waren am Glühen, Strahlen und Rumkichern...

Als er mich daheim abgesetzt hat, hat er mich damit verabschiedet, dass er das schön fand und dass ich mich bei ihm melden sollte, wenn ich Lust hätte, was zu unternehmen. Bin es gar nicht so gewöhnt, dass man so auf die Art und Weise gefragt wird. Aber was bin ich auch schon noch gewöhnt?

Und daheim saß ich dann erstmal total verwirrt. Manche Sachen, die er mir erzählt hat, sind schon recht heftig. Andere haben mich ein wenig erschreckt. Und überhaupt mußte sich das alles erstmal setzen.

Dienstag hätten wir uns eventuell sehen können, wenn ich eine andere Entscheidung getroffen hätte, aber so hab ich ihm abends wenigstens eine Mail geschickt, auf die er auch gleich geantwortet hat. das Schöne ist bei ihm, dass er genauso schreibt, wie er auch redet und wie er auch ist. Er hat irgendwie eine wahnsinnig liebe und freundliche Art... jedem gegenüber.
Und Mittwoch hab ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und ihn gefragt, ob wir abends uns zusammen Fußball in der Sportsbar anschauen gehen. Ist gemeinsam ja auch viel schöner als allein. In den Stunden des Wartens hat sich dann mal wieder die volle Paranoia meiner Krankheit entfaltet. und als endlich sein Ja kam, schlug das um in Panik, weil wir ja das erste Mal ohne andere sein würden, also so komplett.

Er hat mich dann hier abgeholt und wir sind zusammen zur Bar. War richtig süß, wie er sich dann dort um Sitzplätze, Getränke und Snacks bemüht hat. Und unser Gespräch wurde zunehmend flirtig und unsere Blicke intensiver. Und diesmal konnte ich dabei auch entspannt bleiben. Für mich eigentlich schon ein kleines Wunder, dass ich weder das Gefühl habe, mich verstellen zu müssen, noch dass ich angespannt gewesen wäre. 
Allerdings in der Halbzeitpause hat sich unser Gespräch irgendwie so entwickelt, dass ich das Gefühl hatte, keine andere Wahl mehr zu haben, als ihm nun von meiner Krankheit zu erzählen. Erstens hätte ich mich anders in irgendwelche Halbwahrheiten verstricken müssen und zweitens, wenn er tatsächlich an mir Interesse haben sollte, muss er ja schließlich irgendwann wissen, was los ist. Also hab ich ihm von meiner Berufsunfähigkeit, meiner Krankheit und dem Grund dafür, dem Mißbrauch erzählt. Na ja, es gibt wohl kein Thema mit dem man sich sicherer sein kann, dass man damit jede flirtige, gelassene Stimmung im Keim erstickt. Er hat mich ziemlich groß und erschrocken angesehen und danach ging es halt mehr um Krankheit und ernstere Themen und alles andere war irgendwie weg. Er hat mich dann doch noch nach Hause gebracht und zu meinem Erstaunen hat er beim Abachied gesagt, dass er den Abend schön fand und wir das wiederholen sollten. Aber dass wir uns ja nun erstmal Sonntag sehen. Trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl, dass er nun nichts mehr mit mir zu tun haben will wegen meiner Vergangenheit/Krankheit. Aber trotzdem... irgendwie ab dem Abend fühlte er sich nicht mehr so fremd an.

Freitag konnte ich dann nicht auf die Veranstaltung gehen, wo wir uns wieder gesehen hätten. Aber das hatte ich ihm schon angekündigt, dass das wahrscheinlich nix wird. Ich hab ihn an dem Abend auch dann und wann online gesehen, aber nichts weiter von ihm gehört. Als er dann nachts von der Veranstaltung zurück kam, hat er mich dann angechattet. War zwar mitten in der Nacht, aber es war irgendwie schön. Er hat sich irgendwie die Dinge behalten, die wichtig waren und danach gefragt und von seinem Abend erzählt. Dass er sich freut, mich doch eben sprechen zu können, was wir irgendwann mal unternehmen können und immer so weiter. Bei der Verabschiedung hat er gesagt, dass er sich darauf freut, mich heute wieder sehen zu können. Und ich bin hinterher irgendwie glücklich in meine Kissen gesunken.

Gestern haben wir dann auch irgendwann mittags und dann nochmal nachts miteinander gechattet. Wie soll man sich da nicht auf einmal komisch fühlen, wenn man sich in der kurzen Zeit doch irgendwie hat besser kennenlernen können und sich irgendwie anders fühlt? Und dann steht man da in der Gruppe und er kommt und zwinkert? Und für alle anderen hat sich nichts geändert.

Ein bisserl merkwürdig wars dann schon. Ich hatte mich mit den anderen (Männern) unterhalten und er brachte dann auch mal gleich ins Gespräch ein, dass wir letzte Nacht noch gechattet haben und so kleine Informationen, die irgendwie durchblicken ließen, dass wir uns schon besser kennen. Fast kam er mir vor, wie so ein Hund, der an Laternenphähle pinkelt, um sein Revier zu markieren. Zumindest kann ich den Sinn darin nicht erkennen... was und ob wir chatten interessiert sicher "keine Sau". 

Wir sind dann auch immer mal wieder nebeneinander gewesen und haben erzählt und gelacht und so. Sicher mehr als weniger. Und auch später im Cafe saßen wir wieder nebeneinander. Eigentlich haben wir uns dann bis auf wenige Ausnahmen nur miteinander unterhalten. Und er hat mir seine Fotos gezeigt von heute. Und von Freitag. Und weiter... bis auf einmal mein Foto kam. Eines der Fotos, die ich bei F_B habe. Nur irgendwie war auch das nicht wirklich komisch. Er hats kurz angeschaut und ich hab nur gemeint "die kenn ich" und dann hat er sein Handy ausgeschaltet und weggepackt und wir haben weiter nicht mehr drüber geredet.
Eigentlich sollte ich wohl froh sein darüber, wie der Tag war. Wir haben ein paar schöne Stunden zusammen gehabt und haben uns wieder gesehen. Aber irgendwie hakt sich dann mein Hirn wieder daran fest, dass er im Gespräch irgendwas gesagt hat, dass er Gemeinschaft und Gemütlichkeit vermißt und dass er deshalb eben auch bei diesen Ausflügen mitmacht. Und dass er das dann mit dem Mittwoch so nett fand und unseren nächtlichen Gespräche mag, weil es schön ist, dass dann noch jemand da ist. Na ja, ich kann es irgendwie nicht mehr so zusammen bekommen, aber es klang halt eben, wie wenn ich ein Jemand bin. Eine von vielen und beliebig austauschbar auf der Suche nach Gemeinschaft, vielleicht einem Stück Geborgenheit.

Zum Abschied hat er nur gesagt, dass er mal schaut, ob ich heute Abend noch wach bin, wenn er wieder nach Hause kommt. Und dass wir uns sehen... ... aber wann?

Und ich fühle mich verwirrt, ein wenig leer... ich versuche, alles ein wenig einzuordnen. Was ist er? Was bedeutet er für mich? Und was davon bin ich? Was will ich? Abgesehen von diesen anfänglichen Verliebtheitsgefühlen. Und hat er die überhaupt auch?
Manchmal bin ich mir da ganz sicher und im nächsten Moment irgendwie gar nicht mehr. Alles, was ich weiß ist, dass ich ihn wirklich sehr gern habe und mich bei ihm so wohl fühle. Ich möchte noch viel mehr über ihn wissen und ihm auch mehr über mich erzählen. Ich möchte mehr davon verstehen, was seine Situation ist und ob ich damit umgehen könnte oder ob das ein Hindernis wäre. Ich würde gerne wissen, wie es sich anfühlt, sich gegen ihn anzulehnen. Und ganz manchmal und heimlich möchte ich auch, dass er einfach meine Hand nimmt ... mich vielleicht sogar küßt. 

Alles ist irgendwie so neu und ungewohnt. Alles ist so leicht und irgendwie auch so schwer.

 

12.11.2012 um 20:20 Uhr

Raus aus der Isolation?

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Fast fünf Jahre hab ich nun keine Beziehung mehr gehabt. Auch wenn sich die Freundschaft zu E auf manchen Ebenen manchmal wie hundert Jahre verheiratet angefühlt hat. Und seit meine Gefühle für E sich komplett zu Freundschaft gewandelt hatten, war ich auch nicht mehr verliebt.

Ja, manchmal hat mir das alles gefehlt. Aber meistens war ich einfach froh über die Ruhe. Darüber, dass nicht wieder etwas passiert, was mich so aus der Bahn wirft. Noch einmal so betrogen und hintergegangen oder im Stich gelassen zu werden, wäre einfach zu viel. Und so bin ich eben in die selbstgewählte Isolation gegangen.  

Und auch, wenn das nicht geplant war, das zu ändern, ist das nun geschehen. Habe jemanden kennengelernt, den ich irgendwie mag, zu dem ich mich irgendwie hingezogen fühle. Nicht mehr und nicht weniger.

Und einfach ist das gerade ganz und gar nicht... 

30.07.2009 um 14:40 Uhr

Bindungsangst... und was mit dem Sex passiert

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

In den Büchern, die ich zur Zeit lese, habe ich gelernt, dasss die Bindungangst auch Sex beeinflusst. Und habe mir zu diesem Thema mal Gedanken gemacht.

Erstmal vorneweg ein bissel Theorie. Derjenige in der Beziehung mit den größeren Bindungsängsten wird immer bestrebt sein, die absolute Kontrolle zu behalten. In der Beziehung, über den Partner und oft zeigt sich dieses Kontrollverhalten auch in anderen Bereichen des Lebens.

Kontrolle ist wichtig, damit sie ihre eigene Angst halbwegs kontrollieren können. Das heißt, sie wollen das Sagen haben über Nähe oder Distanz, Treffen oder nicht, Gefühle ja und wie tief, etc.
Nun ist Sex eben auch Bindung und Nähe und das ist das fatale für sie in einer echten Beziehung. Haben sie Sex mit dem Menschen, den sie lieben, fühlen sie sich ihm näher und auch irgendwie verpflichtet. Aber Nähe und Verpflichtungen lösen wieder Panik aus. Und damit einen Kontrollverlust. Außerdem... ist es nicht auch ein Kontrollverlust, wenn man sich einem anderen Menschen beim Sex wirklich hingibt? Nun wollte ich mir mal anschauen, wie das tatsächlich "gelebt" aussieht.

E ist nunmal der Mensch mit den größten Bindungsängsten, den ich kenne. Und ich kenne sein Denken und sein Handeln... daher hier mal unsere Beziehung als Beispiel, wie die Bindungsangst auch das Schlafzimmer regiert.

Was mich bei E sofort gewundert hatte war, dass er so darauf gepocht hat, dass wir möglichst schnell miteinander schlafen. Er war fast schon aufdringlich. Eigentlich nicht nur fast. Ich hab mich damals sehr überrumpelt gefühlt und nicht zuletzt auch verletzt, da ich ihm gesagt habe, dass ich für so etwas meine Zeit brauche und da einfach eine schwierige Vergangenheit habe.
Ich hab mich lange gefragt, wie er so handeln konnte. Er wirkte wie getrieben, wie besessen. Fakt ist aber, dass sie versuchen, so schnell wie möglich eine tiefere Verbindung herzustellen, weil Kontrolle für sie ja so wichtig ist.
Das heißt am Anfang sind sie einfach total verliebt und dadurch auch total verunsichert. Und dieses Gefühl gilt es, so schnell wie möglich abzuschalten. Und um schnellstmöglich eine Bindung herzustellen und sich sicher zu fühlen, legen sie großen Wert auf Sex.
E hat auch damals zu mir gesagt, dass er absolut keine One-Night-Stands hat. Sex bedeutet für ihn Liebe und Verpflichtung und deswegen schläft er nur mit Frauen, die ihm wirklich etwas bedeuten.
Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass solche Menschen Sex aus dem Weg gehen, wenn sie sich vor zu viel Erwartungen und Verpflichtungen scheuen.

Das war der zweite Punkt, der mich immer so verwundert hat. Ihm hat es immer sehr gut gefallen, was wir so allein zu zwein gemacht haben. Laut seiner Aussage war es aufregender, als das, was er vorher so erlebt hat und ich weiß, dass er es immer seeehr genossen hat. Er hat sich anfangs eigentlich selber so gegeben, wie wenn er nicht genug bekommen kann. Und mit einem Schlag war das weg. Er wollte nicht mehr. Gar nicht mehr! Ich konnte das nicht verstehen. Hab mir immer wieder den Kopf darüber zerbrochen. Mich gefragt, ob er mich nicht mehr geliebt hat. Fakt war, dass er mich da für seine Verhältnisse schon zu sehr geliebt hat. Auf Sex zu verzichten war für ihn eine Massnahme um wieder mehr Distanz zwischen uns zu bekommen.

Und das erklärt mir auch, warum er mich nie angerührt hat, als ich im Dezember bei ihm war. Oder auch noch im Januar/Februar, wo er mich oft nachts gehalten hat. Das Halten war die größte Nähe, die er zulassen konnte, ohne dass es für ihn zu nahe oder zu verpflichtend wurde.
Ich habe gespürt, wie erregt er war und ich habe ihm auch angesehen, dass er wollte. Auch dass er mehr Nähe und Liebe wollte. Ich habe seinen Konflikt damals förmlich gespürt. Aber erst jetzt habe ich wirklich verstanden.

Etwas, was mir noch aufgefallen ist, wofür ich aber noch keine Antwort gefunden habe. E hat Zärtlichkeiten immer unheimlich genossen. Er hat mich gern im Arm gehalten und er hat auch oft einfach nur in meinem Arm gelegen und sich berühren und streicheln lassen... im rein liebevollen Sinne. Da war er fast wie ein Schwamm, der diese Zärtlichkeiten aufgesogen hat.
So sehr er das aber genossen hat, so wenig hat er auch von dem zurück geben können. Er hat mich nie viel im Arm gehalten, um mich einfach nur zu streicheln. Und wenn er mir mal den Rücken gestreichelt hat, so hat sich das eher unbeholfen angefühlt.
Selbst beim Sex hatte ich manchmal eher das Gefühl, wie wenn er es genießt, Macht über mich/uns zu haben, als einfach nur mir nahe zu sein. Zumindest war Sex teilweise wirklich Ausdruck seiner Macht.
Ich hatte das Gefühl, dass es ihm daran mangelt, sich überhaupt einfühlen zu können.

Wenn ich all meine anderen Beziehungen Revue passieren lasse, so kann ich noch hier und da einige Bezüge zu diesem Thema finden. Und ich finde es unheimlich interessant, darüber zu lernen und mehr zu wissen. Deshalb die Frage an alle, die selber Bindungsängste haben oder mit einem Partner zusammen waren, der Bindungsängste hatte: wie habt Ihr den Sex mit Eurem Partner erlebt? Ich weiß, das ist sehr persönlich, aber ich würde mich freuen, wenn sich trotzdem ein paar zu Wort trauen würden! Danke!

17.07.2009 um 18:19 Uhr

Reflektionen

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Heute ist wieder ein wenig länger arbeiten angesagt. Aber freitags seh ich das irgendwie eh entspannter...

Habe mir auch statt Mittagspause die Zeit genommen, um nochmal die Zeit in der Beziehung mit E nachzulesen. Nun unter den neuen Einsichten und Gesichtspunkten. Leider kann ich unsere Chats nur nachlesen, wenn ich online bin, so dass ich damit warten muss, bis ich selber wieder Internet habe... was noch ewig dauern kann *seufz*
Aber selbst meine Einträge von damals haben mir geholfen, einiges wieder besser zu verstehen und in neuem Licht zu sehen.
Ich sehe meine eigenen Ängste nun viel klarer. Lese raus, dass sie viel größer waren, als jemals zuvor. Ich sehe meinen eigenen Kampf zwischen Beziehung und alleine sein, Nähe und Distanz, Zeit für mich und Zeit mit ihm.
Und ich kann nun viel besser den Ablauf seiner Ängste erkennen. Und auch ganz typisch die Art, wie er es beendet hat. Nicht sagen zu können, dass es aus ist. Sich einen fadenscheinigen Grund herauszusuchen, an dem man nichts machen kann und da die Schuld drauf zu schieben. Seine Aussage, dass er noch viel für mich fühlt und bei mir zuhause ist und gerne Zeit mit mir verbringt, ich aber was besseres verdient habe.
Und nicht zuletzt, dass er selber mich dann nicht loslassen konnte. Meine Wut und mein Bedürfnis, zu trauern und ohne ihn zu sein und er, der mich damals nicht alleine gelassen hat, es vermutlich auch gar nicht konnte. Jetzt sieht alles so klar aus...

Aber eines habe ich auch herausgelesen, etwas, was ich sehr schön finde... ich hatte schon damals das Gefühl, dass ich mich auf ihn verlassen kann, dass er für mich da ist. Und das hat sich nie geändert und in diesem Punkt habe ich mich auch nie in ihm getäuscht...

16.07.2009 um 09:53 Uhr

Einfach nur ehrlich...

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Heute Morgen ist einer der Groschen gefallen und meine Gedanken fangen nun an, sich zu verdichten, so dass ich sie langsam greifen kann. Das Kind beginnt einen Namen zu haben: Passive Bindungsangst.

Nicht jeder Punkt trifft zu und es ist bei mir nicht so ganz allumfassend oder tief ausgeprägt, dass ich niemanden an mich ranlassen würde oder keine dauerhaften Beziehungen führen könnte. Aber es beeinträchtigt die Art und Weise, wie und in wen ich mich verliebe und wie oder ob ich mich schütze, gegen Dinge wehre, etc.

Die Gründe/Bereiche konnte ich bereits auch einkreisen:
-Angst vor Langeweile
-Angst vor dem Verlassenwerden
-Angst vor dem Verlust von Freiheit und Selbständigkeit
-Angst vor Kritik

Dazu kommen noch die ganz offensichtlichen Punkte: der riesige Schmerz, nachdem D verschwunden war, gepaart mit dem riesigen Vertrauensbruch durch The Evil.
Das man für diese zwei Punkte einfach erstmal Zeit zur Bewältigung braucht, bevor man sich wieder einlassen kann, ist klar. Das würde jedem so gehen.
Die anderen Punkte sind eher "alt". Aus der Kindheit, aus dem Teenageralter. Teils kann ich es recht gut zuordnen. Vielleicht irgendwann mehr dazu.

Nun kann ich auch alles, was E betrifft viel besser verstehen. Ich habe mich so oft gefragt, warum ich anfangs so unsicher war und dann meine Gefühle schnell an Heftigkeit zunahmen. Warum ich so lange um die Beziehung getrauert habe, obwohl sie mir offensichtlich nicht gut getan hatte. Warum ich sie nicht selber beenden konnte.

Ich verstehe auch ihn besser, was in ihm vorgeht. Und ich kann auch meine Gefühle für ihn besser einordnen. Ein Teil meiner Gefühle für ihn kommt daher, weil es "sicher" ist. Ich bekomme eine gewisse Liebe und Nähe, aber ohne eine Beziehung. Und ich weiß auch, dass es nicht mehr wird, weil er solche Probleme hat. Indem ich ihn liebe, kann ich mich erfolgreich vor anderen Beziehungen schützen, die tatsächlich funktionieren könnten und habe trotzdem einen Teil von dem, was ich gerne hätte. Trotzdem ist es nicht alles unecht, was ich fühle.
Meine Liebe zu ihm beruht ja auch auf dem, was er tatsächlich ist und das ist ein lieber Mensch mit einem guten Herzen, der für mich da ist und viel für mich getan hat.
Trotzdem ist es besser, das auf einen freundschaftlichen Level zu bringen. Denn wir würden uns ansonsten in einem ewigen Tanz aus zusammen sein, verletzen und trennen wiederfinden.
In dem Punkt kann ich ihm eigentlich nur dankbar sein, dass er insofern seine Probleme erkannt hat und trotz immer wieder stärker werdenden Gefühlen für mich und auch dem Wunsch, dass mehr ist, stark zu bleiben und zu dem Mehr nein zu sagen.

Das Problem waren nur die Zweideutigkeiten. Die haben mich immer wieder daran festhalten lassen. Ich für meinen Teil möchte mich auf jeden Fall mit meinen Problemen auseinander setzen, sie erkennen und sie lösen. Ich möchte herausfinden, wie ich aus diesem Kreislauf heraus komme und so auch die "richtige" Beziehung für mich finde.

05.02.2009 um 20:36 Uhr

Bindungsangst - Was steckt dahinter? Teil 1

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Bindungsangst, also die Angst vor einer Bindung, ist selten der wahre Grund, warum es manchen nicht möglich ist, eine (langfristige) Beziehung einzugehen oder sogar Freundschaften aufzubauen.
Hinter der Bindungsangst verbergen sich andere Ängste, oft eine ganze Vielzahl davon und in immer anderer Zusammensetzung. Diese Ängste verhindern, dass jemand sich auf eine Beziehung einlassen kann. Oft geschieht das ganz unbewußt und nicht alle Ängste sind offensichtlich.

Hier eine kurze, nicht abschließende Liste von möglichen Ängsten:

- Verlustangst: Die Angst davor, verlassen zu werden bzw der Glaube daran, dass man alles, was einem wirklich wichtig ist, wieder verliert, kann einen so stark beeinflussen, dass man dem sichergeglaubten Schmerzen zuvorkommen will und erst gar nichts und niemanden an sich heranläßt. Ein Grund für große Verlustängste können entsprechende Erfahrungen sein, wie zB wenn die Eltern einen verlassen haben oder die große Liebe, etc.
Ebenso kann dahinter ein großer Mangel an Selbstwertgefühl stecken. Wer immer in anderen etwas besseres sieht, ist sich oft sicher, dass der andere das auch bald entdecken müßte und wieder geht.

- Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit: Jemand, der daran gewöhnt ist, eigene Entscheidungen zu treffen, der nicht gerne Hilfe annimmt, wird eine Bedrohung darin sehen, dass der Partner auf einmal ein Wort mitzureden hat. Sie haben oft Probleme, Hilfe anzunehmen und haben Angst, dass ein Partner nun besonders fürsorglich ist und so diese Selbständigkeit einschränkt oder in Frage stellen könnte. Ein Grund hierfür kann besonders bei Männern eine überfürsorgliche Mutter gewesen sein und dadurch resultierende Scham.

- Angst vor dem Verlust des Freiraums: Ähnlich wie bei der Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit, hat der Betroffene Angst, dass er in seiner Lebensweise beschnitten wird. Hier dadurch, dass er Rechenschaft ablegen soll darüber, was er wann tut und warum. Auch, dass er nicht mehr in der Lage sein könnte, all das unter einen Hut zu bekommen, was ihm wichtig ist. Sie fühlen sich also durch die Verpflichtung, Zeit mit dem Partner zu verbringen zu müssen, eingeschränkt oder sogar eingesperrt.

So... sorry, aber für heute muss ich hier aufhören... das nächste Mal mehr...

30.01.2009 um 18:38 Uhr

Über die Bindungsangst - Die Anzeichen

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Seit ich hin und wieder dieses Wort in Bezug auf E gebraucht habe, sehe ich fast jeden Tag, dass nach diesem Wort gegoogelt wird. Ich denke mal, von den Menschen, die ihre Angst überwinden wollen, genauso wie von denen, die sich in jemanden verliebt haben, der Probleme hat, seine Bindunngsangst im Zaum zu halten oder zu überwinden. Ich finde es traurig, dass es offensichtlich für manche Menschen so ein großes Problem heutzutage darstellt, die Nähe zu anderen zuzulassen. Denn letztendlich glaube ich, dass sie genauso darunter leiden, wie die Menschen, die versuchen, eben diese Nähe aufzubauen und Geduld haben und kämpfen.

Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass E unter starker Bindungsangst leidet. Nicht sicher bin ich mir, ob es besser geworden ist oder nicht. Denn noch immer merke ich, wie er sich zurückzieht oder mir mehr oder weniger weh tut, wenn ich ihm näher komme. Ich weiß nicht, warum er so eine Bedrohung in mir zu sehen scheint, obwohl wir noch nichtmal zusammen sind. Und ich suche noch immer nach Möglichkeiten, ihm da irgendwie zu helfen. Auch wenn meine Toleranz da mittlerweile schon ziemlich gelitten hat.

Und ich kann mir vorstellen, dass viele andere sich in genau diesen Worten wiederfinden können. Deswegen will ich mal versuchen, nach und nach ein bissel was darüber zusammen zu tragen. Und ich würde mich freuen, wenn auch andere zu dem Thema ihre Erfahrungen und vielleicht auch Ratschläge hinterlassen möchten.

Was sind unter anderem also Anzeichen für die Bindungsangst?

- Schwierigkeiten, über Gefühle zu reden, sich anderen zu öffnen (manche versuchen sich zu "lockern", indem sie zu Mitteln greifen, die sie enthemmen, wie z.B. Alkohol)

- sich nicht klar zu der Beziehung bekennen zu wollen/keine Versprechungen machen zu wollen

- Angst vor Abhängigkeit (das kann sich auch in anderen Lebensbereichen widerspiegeln)

- Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen, insbesondere Zukunftspläne zu schmieden

- keine Freunde, höchstens Bekannte

- häufig wechselnde Partner oder gar keine Beziehung

- unerwarteter Rückzug, tagelanges Schweigen oder sogar verschwinden (das kann sich insbesondere vor Feiertagen verstärken)

- emotionale Nähe und Rückzug wechseln sich ab

- übergroße Erwartungen, die zum Teil gar nicht zu erfüllen sind

- (über)großes Sicherheitsbedürfnis

- sich äußerst schnell durch andere unter (Erwartungs)Druck gesetzt fühlen

Das ist sicher keine abschließende Aufzählung, nur was mir einfällt. Ich denke, dass die Anzeichen auch ganz unterschiedlich sind und nicht bei jedem so auftreten bzw unterschiedlich stark. Das hängt auch sicher damit zusammen, welche Ängste eigentlich hinter dieser Bindungsangst stecken. Aber darüber ein anderes Mal.