Auf der Suche nach... ja, was eigentlich?

30.07.2009 um 14:40 Uhr

Bindungsangst... und was mit dem Sex passiert

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

In den Büchern, die ich zur Zeit lese, habe ich gelernt, dasss die Bindungangst auch Sex beeinflusst. Und habe mir zu diesem Thema mal Gedanken gemacht.

Erstmal vorneweg ein bissel Theorie. Derjenige in der Beziehung mit den größeren Bindungsängsten wird immer bestrebt sein, die absolute Kontrolle zu behalten. In der Beziehung, über den Partner und oft zeigt sich dieses Kontrollverhalten auch in anderen Bereichen des Lebens.

Kontrolle ist wichtig, damit sie ihre eigene Angst halbwegs kontrollieren können. Das heißt, sie wollen das Sagen haben über Nähe oder Distanz, Treffen oder nicht, Gefühle ja und wie tief, etc.
Nun ist Sex eben auch Bindung und Nähe und das ist das fatale für sie in einer echten Beziehung. Haben sie Sex mit dem Menschen, den sie lieben, fühlen sie sich ihm näher und auch irgendwie verpflichtet. Aber Nähe und Verpflichtungen lösen wieder Panik aus. Und damit einen Kontrollverlust. Außerdem... ist es nicht auch ein Kontrollverlust, wenn man sich einem anderen Menschen beim Sex wirklich hingibt? Nun wollte ich mir mal anschauen, wie das tatsächlich "gelebt" aussieht.

E ist nunmal der Mensch mit den größten Bindungsängsten, den ich kenne. Und ich kenne sein Denken und sein Handeln... daher hier mal unsere Beziehung als Beispiel, wie die Bindungsangst auch das Schlafzimmer regiert.

Was mich bei E sofort gewundert hatte war, dass er so darauf gepocht hat, dass wir möglichst schnell miteinander schlafen. Er war fast schon aufdringlich. Eigentlich nicht nur fast. Ich hab mich damals sehr überrumpelt gefühlt und nicht zuletzt auch verletzt, da ich ihm gesagt habe, dass ich für so etwas meine Zeit brauche und da einfach eine schwierige Vergangenheit habe.
Ich hab mich lange gefragt, wie er so handeln konnte. Er wirkte wie getrieben, wie besessen. Fakt ist aber, dass sie versuchen, so schnell wie möglich eine tiefere Verbindung herzustellen, weil Kontrolle für sie ja so wichtig ist.
Das heißt am Anfang sind sie einfach total verliebt und dadurch auch total verunsichert. Und dieses Gefühl gilt es, so schnell wie möglich abzuschalten. Und um schnellstmöglich eine Bindung herzustellen und sich sicher zu fühlen, legen sie großen Wert auf Sex.
E hat auch damals zu mir gesagt, dass er absolut keine One-Night-Stands hat. Sex bedeutet für ihn Liebe und Verpflichtung und deswegen schläft er nur mit Frauen, die ihm wirklich etwas bedeuten.
Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass solche Menschen Sex aus dem Weg gehen, wenn sie sich vor zu viel Erwartungen und Verpflichtungen scheuen.

Das war der zweite Punkt, der mich immer so verwundert hat. Ihm hat es immer sehr gut gefallen, was wir so allein zu zwein gemacht haben. Laut seiner Aussage war es aufregender, als das, was er vorher so erlebt hat und ich weiß, dass er es immer seeehr genossen hat. Er hat sich anfangs eigentlich selber so gegeben, wie wenn er nicht genug bekommen kann. Und mit einem Schlag war das weg. Er wollte nicht mehr. Gar nicht mehr! Ich konnte das nicht verstehen. Hab mir immer wieder den Kopf darüber zerbrochen. Mich gefragt, ob er mich nicht mehr geliebt hat. Fakt war, dass er mich da für seine Verhältnisse schon zu sehr geliebt hat. Auf Sex zu verzichten war für ihn eine Massnahme um wieder mehr Distanz zwischen uns zu bekommen.

Und das erklärt mir auch, warum er mich nie angerührt hat, als ich im Dezember bei ihm war. Oder auch noch im Januar/Februar, wo er mich oft nachts gehalten hat. Das Halten war die größte Nähe, die er zulassen konnte, ohne dass es für ihn zu nahe oder zu verpflichtend wurde.
Ich habe gespürt, wie erregt er war und ich habe ihm auch angesehen, dass er wollte. Auch dass er mehr Nähe und Liebe wollte. Ich habe seinen Konflikt damals förmlich gespürt. Aber erst jetzt habe ich wirklich verstanden.

Etwas, was mir noch aufgefallen ist, wofür ich aber noch keine Antwort gefunden habe. E hat Zärtlichkeiten immer unheimlich genossen. Er hat mich gern im Arm gehalten und er hat auch oft einfach nur in meinem Arm gelegen und sich berühren und streicheln lassen... im rein liebevollen Sinne. Da war er fast wie ein Schwamm, der diese Zärtlichkeiten aufgesogen hat.
So sehr er das aber genossen hat, so wenig hat er auch von dem zurück geben können. Er hat mich nie viel im Arm gehalten, um mich einfach nur zu streicheln. Und wenn er mir mal den Rücken gestreichelt hat, so hat sich das eher unbeholfen angefühlt.
Selbst beim Sex hatte ich manchmal eher das Gefühl, wie wenn er es genießt, Macht über mich/uns zu haben, als einfach nur mir nahe zu sein. Zumindest war Sex teilweise wirklich Ausdruck seiner Macht.
Ich hatte das Gefühl, dass es ihm daran mangelt, sich überhaupt einfühlen zu können.

Wenn ich all meine anderen Beziehungen Revue passieren lasse, so kann ich noch hier und da einige Bezüge zu diesem Thema finden. Und ich finde es unheimlich interessant, darüber zu lernen und mehr zu wissen. Deshalb die Frage an alle, die selber Bindungsängste haben oder mit einem Partner zusammen waren, der Bindungsängste hatte: wie habt Ihr den Sex mit Eurem Partner erlebt? Ich weiß, das ist sehr persönlich, aber ich würde mich freuen, wenn sich trotzdem ein paar zu Wort trauen würden! Danke!

17.07.2009 um 18:19 Uhr

Reflektionen

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Heute ist wieder ein wenig länger arbeiten angesagt. Aber freitags seh ich das irgendwie eh entspannter...

Habe mir auch statt Mittagspause die Zeit genommen, um nochmal die Zeit in der Beziehung mit E nachzulesen. Nun unter den neuen Einsichten und Gesichtspunkten. Leider kann ich unsere Chats nur nachlesen, wenn ich online bin, so dass ich damit warten muss, bis ich selber wieder Internet habe... was noch ewig dauern kann *seufz*
Aber selbst meine Einträge von damals haben mir geholfen, einiges wieder besser zu verstehen und in neuem Licht zu sehen.
Ich sehe meine eigenen Ängste nun viel klarer. Lese raus, dass sie viel größer waren, als jemals zuvor. Ich sehe meinen eigenen Kampf zwischen Beziehung und alleine sein, Nähe und Distanz, Zeit für mich und Zeit mit ihm.
Und ich kann nun viel besser den Ablauf seiner Ängste erkennen. Und auch ganz typisch die Art, wie er es beendet hat. Nicht sagen zu können, dass es aus ist. Sich einen fadenscheinigen Grund herauszusuchen, an dem man nichts machen kann und da die Schuld drauf zu schieben. Seine Aussage, dass er noch viel für mich fühlt und bei mir zuhause ist und gerne Zeit mit mir verbringt, ich aber was besseres verdient habe.
Und nicht zuletzt, dass er selber mich dann nicht loslassen konnte. Meine Wut und mein Bedürfnis, zu trauern und ohne ihn zu sein und er, der mich damals nicht alleine gelassen hat, es vermutlich auch gar nicht konnte. Jetzt sieht alles so klar aus...

Aber eines habe ich auch herausgelesen, etwas, was ich sehr schön finde... ich hatte schon damals das Gefühl, dass ich mich auf ihn verlassen kann, dass er für mich da ist. Und das hat sich nie geändert und in diesem Punkt habe ich mich auch nie in ihm getäuscht...

16.07.2009 um 09:53 Uhr

Einfach nur ehrlich...

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Heute Morgen ist einer der Groschen gefallen und meine Gedanken fangen nun an, sich zu verdichten, so dass ich sie langsam greifen kann. Das Kind beginnt einen Namen zu haben: Passive Bindungsangst.

Nicht jeder Punkt trifft zu und es ist bei mir nicht so ganz allumfassend oder tief ausgeprägt, dass ich niemanden an mich ranlassen würde oder keine dauerhaften Beziehungen führen könnte. Aber es beeinträchtigt die Art und Weise, wie und in wen ich mich verliebe und wie oder ob ich mich schütze, gegen Dinge wehre, etc.

Die Gründe/Bereiche konnte ich bereits auch einkreisen:
-Angst vor Langeweile
-Angst vor dem Verlassenwerden
-Angst vor dem Verlust von Freiheit und Selbständigkeit
-Angst vor Kritik

Dazu kommen noch die ganz offensichtlichen Punkte: der riesige Schmerz, nachdem D verschwunden war, gepaart mit dem riesigen Vertrauensbruch durch The Evil.
Das man für diese zwei Punkte einfach erstmal Zeit zur Bewältigung braucht, bevor man sich wieder einlassen kann, ist klar. Das würde jedem so gehen.
Die anderen Punkte sind eher "alt". Aus der Kindheit, aus dem Teenageralter. Teils kann ich es recht gut zuordnen. Vielleicht irgendwann mehr dazu.

Nun kann ich auch alles, was E betrifft viel besser verstehen. Ich habe mich so oft gefragt, warum ich anfangs so unsicher war und dann meine Gefühle schnell an Heftigkeit zunahmen. Warum ich so lange um die Beziehung getrauert habe, obwohl sie mir offensichtlich nicht gut getan hatte. Warum ich sie nicht selber beenden konnte.

Ich verstehe auch ihn besser, was in ihm vorgeht. Und ich kann auch meine Gefühle für ihn besser einordnen. Ein Teil meiner Gefühle für ihn kommt daher, weil es "sicher" ist. Ich bekomme eine gewisse Liebe und Nähe, aber ohne eine Beziehung. Und ich weiß auch, dass es nicht mehr wird, weil er solche Probleme hat. Indem ich ihn liebe, kann ich mich erfolgreich vor anderen Beziehungen schützen, die tatsächlich funktionieren könnten und habe trotzdem einen Teil von dem, was ich gerne hätte. Trotzdem ist es nicht alles unecht, was ich fühle.
Meine Liebe zu ihm beruht ja auch auf dem, was er tatsächlich ist und das ist ein lieber Mensch mit einem guten Herzen, der für mich da ist und viel für mich getan hat.
Trotzdem ist es besser, das auf einen freundschaftlichen Level zu bringen. Denn wir würden uns ansonsten in einem ewigen Tanz aus zusammen sein, verletzen und trennen wiederfinden.
In dem Punkt kann ich ihm eigentlich nur dankbar sein, dass er insofern seine Probleme erkannt hat und trotz immer wieder stärker werdenden Gefühlen für mich und auch dem Wunsch, dass mehr ist, stark zu bleiben und zu dem Mehr nein zu sagen.

Das Problem waren nur die Zweideutigkeiten. Die haben mich immer wieder daran festhalten lassen. Ich für meinen Teil möchte mich auf jeden Fall mit meinen Problemen auseinander setzen, sie erkennen und sie lösen. Ich möchte herausfinden, wie ich aus diesem Kreislauf heraus komme und so auch die "richtige" Beziehung für mich finde.

05.02.2009 um 20:36 Uhr

Bindungsangst - Was steckt dahinter? Teil 1

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Bindungsangst, also die Angst vor einer Bindung, ist selten der wahre Grund, warum es manchen nicht möglich ist, eine (langfristige) Beziehung einzugehen oder sogar Freundschaften aufzubauen.
Hinter der Bindungsangst verbergen sich andere Ängste, oft eine ganze Vielzahl davon und in immer anderer Zusammensetzung. Diese Ängste verhindern, dass jemand sich auf eine Beziehung einlassen kann. Oft geschieht das ganz unbewußt und nicht alle Ängste sind offensichtlich.

Hier eine kurze, nicht abschließende Liste von möglichen Ängsten:

- Verlustangst: Die Angst davor, verlassen zu werden bzw der Glaube daran, dass man alles, was einem wirklich wichtig ist, wieder verliert, kann einen so stark beeinflussen, dass man dem sichergeglaubten Schmerzen zuvorkommen will und erst gar nichts und niemanden an sich heranläßt. Ein Grund für große Verlustängste können entsprechende Erfahrungen sein, wie zB wenn die Eltern einen verlassen haben oder die große Liebe, etc.
Ebenso kann dahinter ein großer Mangel an Selbstwertgefühl stecken. Wer immer in anderen etwas besseres sieht, ist sich oft sicher, dass der andere das auch bald entdecken müßte und wieder geht.

- Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit: Jemand, der daran gewöhnt ist, eigene Entscheidungen zu treffen, der nicht gerne Hilfe annimmt, wird eine Bedrohung darin sehen, dass der Partner auf einmal ein Wort mitzureden hat. Sie haben oft Probleme, Hilfe anzunehmen und haben Angst, dass ein Partner nun besonders fürsorglich ist und so diese Selbständigkeit einschränkt oder in Frage stellen könnte. Ein Grund hierfür kann besonders bei Männern eine überfürsorgliche Mutter gewesen sein und dadurch resultierende Scham.

- Angst vor dem Verlust des Freiraums: Ähnlich wie bei der Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit, hat der Betroffene Angst, dass er in seiner Lebensweise beschnitten wird. Hier dadurch, dass er Rechenschaft ablegen soll darüber, was er wann tut und warum. Auch, dass er nicht mehr in der Lage sein könnte, all das unter einen Hut zu bekommen, was ihm wichtig ist. Sie fühlen sich also durch die Verpflichtung, Zeit mit dem Partner zu verbringen zu müssen, eingeschränkt oder sogar eingesperrt.

So... sorry, aber für heute muss ich hier aufhören... das nächste Mal mehr...

30.01.2009 um 18:38 Uhr

Über die Bindungsangst - Die Anzeichen

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Seit ich hin und wieder dieses Wort in Bezug auf E gebraucht habe, sehe ich fast jeden Tag, dass nach diesem Wort gegoogelt wird. Ich denke mal, von den Menschen, die ihre Angst überwinden wollen, genauso wie von denen, die sich in jemanden verliebt haben, der Probleme hat, seine Bindunngsangst im Zaum zu halten oder zu überwinden. Ich finde es traurig, dass es offensichtlich für manche Menschen so ein großes Problem heutzutage darstellt, die Nähe zu anderen zuzulassen. Denn letztendlich glaube ich, dass sie genauso darunter leiden, wie die Menschen, die versuchen, eben diese Nähe aufzubauen und Geduld haben und kämpfen.

Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass E unter starker Bindungsangst leidet. Nicht sicher bin ich mir, ob es besser geworden ist oder nicht. Denn noch immer merke ich, wie er sich zurückzieht oder mir mehr oder weniger weh tut, wenn ich ihm näher komme. Ich weiß nicht, warum er so eine Bedrohung in mir zu sehen scheint, obwohl wir noch nichtmal zusammen sind. Und ich suche noch immer nach Möglichkeiten, ihm da irgendwie zu helfen. Auch wenn meine Toleranz da mittlerweile schon ziemlich gelitten hat.

Und ich kann mir vorstellen, dass viele andere sich in genau diesen Worten wiederfinden können. Deswegen will ich mal versuchen, nach und nach ein bissel was darüber zusammen zu tragen. Und ich würde mich freuen, wenn auch andere zu dem Thema ihre Erfahrungen und vielleicht auch Ratschläge hinterlassen möchten.

Was sind unter anderem also Anzeichen für die Bindungsangst?

- Schwierigkeiten, über Gefühle zu reden, sich anderen zu öffnen (manche versuchen sich zu "lockern", indem sie zu Mitteln greifen, die sie enthemmen, wie z.B. Alkohol)

- sich nicht klar zu der Beziehung bekennen zu wollen/keine Versprechungen machen zu wollen

- Angst vor Abhängigkeit (das kann sich auch in anderen Lebensbereichen widerspiegeln)

- Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen, insbesondere Zukunftspläne zu schmieden

- keine Freunde, höchstens Bekannte

- häufig wechselnde Partner oder gar keine Beziehung

- unerwarteter Rückzug, tagelanges Schweigen oder sogar verschwinden (das kann sich insbesondere vor Feiertagen verstärken)

- emotionale Nähe und Rückzug wechseln sich ab

- übergroße Erwartungen, die zum Teil gar nicht zu erfüllen sind

- (über)großes Sicherheitsbedürfnis

- sich äußerst schnell durch andere unter (Erwartungs)Druck gesetzt fühlen

Das ist sicher keine abschließende Aufzählung, nur was mir einfällt. Ich denke, dass die Anzeichen auch ganz unterschiedlich sind und nicht bei jedem so auftreten bzw unterschiedlich stark. Das hängt auch sicher damit zusammen, welche Ängste eigentlich hinter dieser Bindungsangst stecken. Aber darüber ein anderes Mal.