Auf der Suche nach dem Leben

25.08.2008 um 09:47 Uhr

Die Kraft und Stärke von Glücksbringern

von: Haibara   Stichwörter: Talisman, Glücksbringer, Menschen, Fühlen

Stimmung: gut,

Oh, da sehe ich doch, dass ich noch eine Umfrage laufen habe.
Danke an Alle, die sich da beteiligt haben!
Ja, was soll ich nun selbst dazu sagen?
Eigentlich sehe ich die Sache so, wie die Mehrzahl getippt hat.

Ich hatte gefragt, ob ihr an Glücksbringer glaubt. Die meisten Teilnehmer haben sich für "teilweise" entschieden.  

Ich glaube, dass wir Menschen in der Lage sind, uns selbst zu motivieren, aber auch, das andere Menschen uns Kraft geben können, wenn diese an uns denken und und uns beistehen. Ich sehe durchaus eine Verbindung im Geiste über große Entfernungen hinweg. Die Menschheit hat von Anbeginn mehr gefühlt, geglaubt und entsprechend gehandelt. Davon zeugen solche Sprüche, wie:"Ich denk an dich!", oder auch: "Ich bin immer bei dir!". Im Laufe der Zeit haben wir das Fühlen verlernt oder wir sind nicht mehr bereit, bewusst damit umzugehen. Wir verleugnen in unserer wissenschaftlichen Zeit das Ursprüngliche in uns und hetzen durch unsere Existenz.

Ich selbst habe in letzter Zeit viel Kraft gebraucht und hielt zum Durchhalten oft einen kleinen Talisman einer guten (leider verstorbenen) Bekannten in der Hand, bat um Kraft, Ruhe und Stärke, um meinen Tag zu meistern. Auch liegt dieser „Glücksbringer" in einem anderen Geschenk, den mir ein netter junger Mann schenkte, der es leider auch nicht so leicht hat und dem ich von hier aus alles Gute wünsche, denn ich werde ihn wohl nie wieder sehen.
Ein weiterer Schutz war mir ein Kettenanhänger von einer sehr lieben Freundin. Wobei aber die Abbildung der Mutter Maria auf diesem Anhänger ein ganz besonderer Schutz war. Denn in dieser „Himmelsmama" symbolisiert sich für mich das Muttersein an sich, angefangen von jeder Mama, im tierischen und menschlichen Bereich, wie ich sie mir vorstelle, bis hin zur meiner Meinung nach der größten, alles umfangenden und haltenden Mutter überhaupt: unserer Erde mit ihrer Natur.

Während ich so um Hilfe bat, um meine Tage meistern zu können, ging ich danach auch ziemlich gestärkt an meine Arbeit. Manchmal klappte es gut, manchmal weniger. Aber immer habe ich mich zur Ruhe besonnen und gewusst, dass ich nicht allein war.
Abends ging ich dann jedes mal heim und dankte allen, die mir beigestanden hatten, indem ich meinen Dank in Gedanken in den Himmel schickte

(Und da wieder die Frage: gibt es Gott, hat er mir beigestanden oder waren es die Menschen, oder Beides? sehr verwirrend für mich, denn ich habe Antworten bekommen.Und dann gibt es ja noch den Zufall...na ja, das führt hier zu weit)

Jedenfalls kam ich dann immer zufrieden und müde nach Hause.

Als ich neulich dann noch ein Interwiev mit Britta Steffen, der Schwimmerin, hörte, dass sie auch an Glücksbringer glaubt, diese ihr immer über schwere Zeiten helfen und diese braucht, um Kraft und Erfolg im Leben zu finden, fand ich das toll und auch als Bestätigung für mich.

Das sind zwar nur 2 Beispiele, aber wenn ich das Ergebnis meiner Umfrage sehe, denke ich, dass doch sehr viele Menschen ähnlich fühlen und handeln.

Zusammenfassend habe ich eine Erkenntnis gewonnen:

Der Mensch kann zwar nicht sein Glück von einem Teddy oder einer Kette bekommen, aber er ist in der Lage seinen Wünsche, Vorstellungen und Ängste zu übertragen, in dem er sich nicht noch einmal materialisiert und eine „Wunschfigur" von sich schafft, sondern seine Wünsche und Vorstellungen einen Gegenstand legt, um bestehen zu können. So kann er sie aus sich auslagern und mehr zur Gelassenheit und Stärke finden. Mit der Zeit lernt er, alles in sich selbst zu verinnerlichen. Der Glücksbringer aber bleibt ein liebes Anhängsel und Andenken, dass man nicht mehr missen möchte.
Ja, Andenken!
Denn solche Gegenstände blieben nur „Dinge", wenn sie nicht zugleich mit den Gedanken, und Wünschen von lieben Bekannten erfüllt würden, die dem Betreffenden, nach Kraft und Sicherheit Suchenden, beistehen und ihm sagen sollen, dass er nicht allein ist und von Herzen meinen:"Du schaffst das schon" und: "Wenn nicht, ich hab dich trotzdem lieb".
In diesem Moment wird aus dem "Ding", in das wir all unsere Sorgen gelegt haben, etwas Lebendiges, denn es ist gefüllt mit menschlicher Wärme und Liebe und so kann es uns helfen.
Und dann ist es ein Talisman, der wirklich Kraft geben kann, um das Leben zu meistern.
Wenn ihr denn solch einen Glücksbringer habt, so glaubt an ihn, nehmt ihn fest in eure Hände, denn ihr spürt euch selbst und die Wärme und Güte eurer euch lieben Mitmenschen.
Und dann wird alles besser, ganz bestimmt!

14.08.2008 um 09:35 Uhr

Ich habe "ICH" drunter geschrieben

Stimmung: gut, etwas k.o.

Großspurig habe ich „ich" darunter geschrieben. Es war ein kleiner Scherz am Rande, für meine Familie, wenn sie nachmittags heimkommt und auch die Zeitung liest.
Gestern war das, gestern schrieb ich das unter einen Artikel in unserer Zeitung, in der viele berühmte Menschen aufgeführt waren, Menschen die Linkshänder waren oder sind.
Gestern war "Tag der Linkshänder".
Eigentlich traurig, das es so einen Tag gibt. Aber es ist auch wichtig und richtig.
Ich lächelte, denn heute ist zum Glück vieles anders.
Ich ging meinem Tagewerk nach.
Erst auf Arbeit dachte ich wieder an mein „ich".

Denn mein Arbeitsplatz ist komplett auf rechts eingerichtet. Nur eine Kleinigkeit kann ich zu jeder Schicht ändern, um wenigstens in diesem Punkt besser arbeiten zu können, aber es wird dadurch nicht schneller, weil die Gesamtanlage so ist, dass mir die Drähte und Kabel ganz verwirrt um die Hände ranken, wie eine Schlingpflanze...nein, nur Spaß, das ist übertrieben.

Aber Jetzt im Nachhinein frage ich mich wieder einmal, warum die Menschen nur das als normal und gesellschaftsfähig ansehen können, was die Mehrheit ist und kann, was vielen gegeben ist.

Diese Eigenschaft liegt wohl auch in den menschlichen Genen.

Langsam scheint der Mensch aber zu lernen, Menschen, die irgendwie anders sind, zu akzeptieren.

Trotzdem wird man bestenfalls immer bestaunt oder sogar belächelt, weil es komisch aussieht.

Ich gehöre noch zu der Generation, die auf rechts umlernen mussten.
Aber das klappte nur beim Schreiben.
Auch blieb man immer der Linksdatsch, der Tolpatsch.
Fiel ich als Kind beim Spielen in die Scherben und verletze mir den linken Arm, so dass er verbunden werden musste, geschah mir das recht, denn ich nun musste ich rechts handeln.

Aber heute dürfen Linkshänder auch links leben. Das finde ich schön.

Man weiß ja auch inzwischen, dass wir nicht nur die andere Hand nutzen, sondern auch andersherum denken.

Diese Sache ist eigentlich für mich nichts besonderes, aber eben unter uns Menschen sehr auffällig.
Und leider ist der Mensch so, wenn ein anderer Mensch irgendetwas anders macht oder hat, dann ist der, der die Eigenschaften der Allgemeinheit aufweist, oft sehr intolerant und legt die Anderen fest, so z.B. mag ich eben diese Worte „Behinderung" oder so gar „Geschädigter" überhaupt nicht.

Wie kleinlich der Mensch sein kann, fällt mir auch immer wieder auf, wenn ich mich als Vegetarierin oute. Da werde ich bestaunt, wie ein Wesen aus einer anderen Welt.
Und wenn ich z.B. erzähle, was gesund für mich ist, bekomme ich oft eine überhebliche Tirade von Sätzen an den Kopf geworfen, dass es nicht so ist und bekomme Speisen aufgezählt, die viel besser sind.
Sollte man nicht meinem Körper überlassen, das zu essen, was ihm nutzt?
Sicher gibt es Ernährungsrichtlinien. Aber auch das sollte nicht verallgemeinert werden.
Auch beim Essen sollte jedem seins gegeben sein.
Umsonst gibt es ja auch nicht Ernährungsberater mit individuellen Terminen.

Nun ja, zurück zu meinem tolpatschigen Linkdatsch „ich".
Ein Tag dafür also gestern, und es gibt und gab also viele Linkshänder.
Und sie waren also nicht alle dumm, sondern mitunter sogar Genies! Toll!
Aber ich will gar keins sein.
Ich will nur, dass man eben nicht auffällt, wenn man links die Suppe löffelt.
Aber so schnell wird die Toleranz der Menschen nicht wachsen.
Ich habe in den letzten 2 Monaten unter mir neu bekannten Menschen viele Hänseleien überhört. Ich bin sie gewöhnt.
Der Mensch ist so. Und meine kleines Anderssein ist ja nicht schlimm.
Aber was müssen da wohl erst Menschen ertragen, die noch weit mehr anders sind, als die Mehrheit des Menschenpulks.
Ich wünsche mir, dass jeder so anerkannt wird, wie er ist und niemand auch nur auf etwas „angeguckt" wird, was der Allgemeinheit ungewohnt ist.
Schönen Tag euch allen,
eure Haibara

11.08.2008 um 09:54 Uhr

Hat die Demut eine böse Schwester?

von: Haibara   Stichwörter: Demut, Demütigung, Menschen, Benehmen, Gefühle

Stimmung: gut, etwas nervös

Manchmal treffe ich auf Wörter, die der Mensch erschuf, in denen ich zwar einen gleichen Stamm erblicke, die in mir aber in abgewandelter Form und Benutzung die gegensätzlichsten Gefühle hervorrufen können.
Im Nachhinein frage ich mich dann, was eigentlich die ursprüngliche Bedeutung wohl gewesen war bzw. wie sich die Bedeutungen im Laufe der Entwicklung der Menschheit auch geändert haben und welche verschiedene Wege sie doch gegangen sein können.
Verblüfft bin ich auch immer wieder, wie Worte ein Gefühl umschreiben können.
Oft aber erfassen die Begriffe unsere Gefühle nicht. Sie fangen sie nicht auf und geben sie selten in ihrer wahren Tiefe wieder.

Erst neulich saß ich in einem großen Haus, welches auf modernste Weise restauriert war. Das Innere erinnerte mich kaum noch an ein Haus als Heimstatt der Menschen, so wie es einst war.

Vor mir baute sich eine große Glaswand als Vorderseite des Hauses auf. In der Mitte befanden sich die berühmten hochmodernen Türen, die sich natürlich wie von Geisterhand öffneten und schlossen.
Aber diese Türen sind der Intelligenz und dem Geschick der Menschen zu verdanken.
Sicher, sie sind toll, hilfreich und erleichtern das Leben.
Aber was ist, wenn die Technik versagt? Was ist, wenn die Natur ihre Macht ausspielt?
Wenn z.B. ein Gewitter erfolgt, die Türen zuschlagen und man keine Klinke mehr betätigen kann? Dann haben sich die Menschen selbst eingesperrt.
Nein, sie haben sich aus der Welt ausgesperrt!
Sie haben sich ein ganz besonderes Gefängnis gebaut.

Als ich da so saß und durch die Glaswand die gewaltigen Bäume und das bisschen Himmel dazwischen sehen konnte, verspürte ich auf einmal die Macht und die Größe der Natur.
Ich fühlte Demut.
Ja, genau dieses Wort sauste mir in diesem Augenblick durch mein Gehirn. Auch schien es mich ganz in sich aufzunehmen.
Ich fühlte mich klein und und bat in Gedanken die große starke Natur unsere menschliche Überheblichkeit ihr gegenüber zu akzeptieren und uns zu verschonen.
Denn sie ist so gewaltig! Mit einem kleinen Wusch kann sie unser ach so schönes Gebäude und wohltechnisiertes Leben hinwegwedeln.

Ich weiß nicht, was das Wort Demut eigentlich genau bedeutet.
Aber ich habe dieses Gefühl empfunden, ja gefühlt.

Während der gleichen Zeit erlebte ich aber auch einen Menschen, der einen Anderen mit seinem makaberen Humor ständig hänselte und in eben diesem großen Gebäude lauthals dessen Auftreten „kommentierte", so dass es in diesem bis zum Dach hin offen gebauten Treppenbereich im ganzen Haus als Echo von den kargen Wänden zurück kam.

Mein Gefühl schlug schlagartig um. Es war mir, als müsste ich mich ducken, wurde kleiner und kleiner, verspürte Scham, wollte mich zusammenrollen und irgendwo verstecken.
Ich empfand Demütigung.

Erst auf meinem Heimweg stellte ich im nachein überlegend fest, dass auch im Wort „Demütigung" das Wort „Demut" steckt".
Zwei Wörter, in einem gleichen Raum, in einem gleichen Zeitrahmen, als Menschenhandlung erlebt, mit derselben Ausgangsbasis, die allerdings total unterschiedliche Gefühle hervorrufen können?
Wie ist das möglich?

Oder habe ich von klein auf gelernt, so zu empfinden und bestimmte Vorstellungen hinter diesen Worten zu sehen?

Was bedeuten "Demut" und "demütigend" eigentlich wirklich?
„Demut" verbinde ich mit Erhabenheit und Achtung.
Ich habe ein gutes Gefühl.
„Demütigung", allerdings, erlebe ich als etwas Böses.

Aber gibt es nicht auch noch eine religiöse Demut?
Und was ist das dann wieder?

Nun ja, menschliche Worte und ihre Bedeutung sind ein weites Feld in dieser Welt.

05.08.2008 um 03:05 Uhr

Haben Spinnen Ohren?

Stimmung: gut, müde

Ich hatte es eilig und musste mich im Bad an diesem Morgen sehr beeilen, denn ich war spät dran. Ich musste unbedingt pünktlich mit meiner Arbeit beginnen.
Schon im hinaus gehen begriffen, sah ich etwas schräg hinter mir zappeln: etwas Schwarzes mit viel zu viel Beinen: Da saß doch am frühen Morgen eine fette Spinne in meiner schönen beige farbenen blinkenden Badewanne!
Mich gruselte es. Meine Härchen auf den Armen standen zu Berge. Aber dann schluckte ich und dachte: "Schäm dich, die Spinne sieht halt mal so aus. Sie kann auch nichts dafür. Es ist schließlich meine Menschenansicht. Vielleicht ist sie ja in ihrer Welt ein Held und ein schöner Spinnenmann. Die großen strammen Beine und der dicke Leib! Vielleicht ist sie ja ein Anführer ihres Spinnenvolkes. Oder einfach ein Spinnenmannn der auf Wanderschaft war und aus seiner Sicht in ein tiefes glattes Tal fiel, aus dem er nun nicht mehr heraus kam."
Ich seufzte:"Tja, Herr Spinnenmann, ich habe leider jetzt keine Zeit, mein großes Glas für solche Spinnenbadeunfälle zu holen, was machen wir da bloß?" Blitzschnell hängte ich mein Handtuch über den Wannenrand und rief ihm im Hinausgehen zu :"Los, du schwarzer Held, sieh zu, wie du da raus kommst. Das Handtuch ist nicht so glatt wie die Wanne. Du packst das schon!" und verließ dann Bad und Haus.

Spätabends kam ich erschöpft zurück. Nachdem ich meine Wirtschaft erledigt und bei einem Krimi die Zeit vergessen hatte, ging ich anschließend ins Bad, wusch mich und wunderte mich, wo mein Handtuch war. Da erst fiel mir die fette Spinne wieder ein.
Vorsichtig drehte ich mich zur Wanne um: Sie blinkte mich an! Es war keine Spinne zu sehen.
Aber was wäre, wenn der Kerl unter dem Handtuch sitzt und dann beim Berühren des Tuches an meinem Arm hoch krabbelt? Ich zog die Schultern hoch und mir wurde heiß und kalt.
Blitzschnell das Handtuch weit weghaltend, schüttelte ich es aus.
Nichts fiel heraus.
Er war weg.
Er hatte es geschafft! Ob er mich verstanden hatte?
Haben Spinnen Ohren?
Oder hatte ihn sein Instinkt geleitet?
Sicher war er froh, aus der Menschen-Badewannenfalle herausgekommen zu sein.
Erleichtert wird er nach Hause zu seiner Frau Spinne gekrabbelt sein.
Sie wird ihn herzlich in ihre vielen Arme geschlossen und fest umarmt haben.
Endlich hatte sie ihn wieder.
Was nämlich für mich nur ein Tag war, kann durchaus eine ziemlich lange Zeit im Spinnenleben sein.
Ihr Liebling und Held war nun wieder daheim.
Ob er froh war?
Wer weiß das schon.
Denn am Ende kann es sein, dass er den nächsten Menschentag gar nicht mehr erlebte, denn seine Frau wird ihn wohl ganz in sich aufgenommen haben. So, wie das Spinnenbrauch ist.
Auch wenn es mir einen Schauer über den Rücken jagt.
Aber es ist Spinnennatur und zum Schluss hatte er wohl ein glückliches Leben hinter sich gebracht und so wird er wohl mit seinem Schicksal sehr zufrieden gewesen sein.
Und so konnte auch ich mit einem guten Gewissen in mein Bett schlüpfen, meine Abneigung gegenüber einem Lebewesen, was nicht meinem ganz persönlichen ästhetischen Schönheitsempfinden entsprach, überwunden zu haben und ihm sein Recht auf diese Welt zugestanden zu haben.
Denn alles, was uns umgibt, hat seinen Sinn und darf existieren.

01.08.2008 um 08:46 Uhr

Wir bilden uns aus oder auch nicht

Stimmung: gut

Wenn in den Nachrichten erscheint, dass so viele Auszubildende fehlen, staune ich immer.
Rings um mich herum sieht das anders aus. Viele Jugendliche bekommen hier keine Ausbildung, oder müssen weit weg vom elterlichen Haus und sehr jung, ganz allein, ein sehr neues, schwieriges und teures Leben beginnen, wo so Mancher nicht weiß, wie das funktionieren soll.
Viele junge Menschen können auch nicht das erlernen, was sie möchten. Manche können warten, bis das Ersehnte auftaucht. Aber die meisten müssen loslegen, um ihre Existenz abzusichern (oder es läuft ihnen die Zeit davon oder Beides).
Das ist nicht immer einfach. Alle diejenigen, die das anpacken, und das sind nicht wenige, brauchen eine Menge Mut, viel Kraft und Durchhaltevermögen. Ich habe schon einige getroffen, die das nicht durchgehalten haben.
Ich wünsche aber allen Denjenigen, dass sie diese oft nicht einfache Zeit einfach durchhalten, auch wenn mal böse Tage kommen, der Ausbilder unzufrieden ist, oder das Arbeitspensum so angehäuft wird, dass man es kaum bewältigen kann oder wenn man gescheucht und mit allem „vollgepflastert" wird, was andere nicht erledigen möchten.
Manchmal kommt man bestimmt nach Hause und denkt: "Da geh ich morgen nicht mehr hin."
Ich weiß, wie man sich da fühlt. Ich mache auf meine alten Tage Ähnliches gerade wieder durch. Erst gestern wurde mir wieder in sarkastischer Weise (aber lieb gemeint) ein schöner Titel verliehen:"Der ewige Lehrling".
Aber so hart es auch ist, junge Menschen haben ein junges Gehirn und einen noch starken Körper. Sie können viel in sich aufnehmen und erlernen. Wir Menschen sind für das Lernen sehr empfänglich und das ein Leben lang!
Aber: wenn man älter wird, fällt einem von dieser Seite her vieles schwerer und es kommt noch ein anderer Aspekt dazu: Man hat im Laufe des Lebens Gefühle, Ansichten und Gewohnheiten herausgebildet, die es oft schwer machen, über seinen Schatten zu springen. Man wird empfänglicher, dafür, wenn man Sachen nicht ertragen kann und es ist schwer, damit umzugehen. Man ist sein "Eigenes Ich" geworden und man kann dann selten aus seiner Haut schlüpfen. Muss man es tun, ist es eine Qual. Als Jugendlicher kann man sich noch formen und auf Einiges einlassen. Das geht.
Junge Leute haben auch noch eine Lebenslust. Oft sind sie trotz allem fröhlich und können sich schnell wieder aufbauen. Denn sie haben auch noch so viel Schönes vor sich!
All die jungen Menschen, die also irgend etwas tun müssen, was sie so nicht wollten, um zu existieren, sollten es schaffen, ihre Ausbildung durchzuhalten, denn wenn alles klappt, hat man am Ende zunächst einen Zettel in der Hand, auf dem „Abschluss" steht und dass ist in unserer bürokratischen Welt für den weiteren Berufsalltag und natürlich für unser "gutes" Arbeitsamt so wichtig.
Dann ist ein fairer Eintritt in die Berufswelt unserer „schönen Demokratie" mit ihrer „perfekten Wirtschaft" möglich.
Erlebt man während solch einer Ausbildung (oder auch später in der Arbeitswelt) "böse" Tage, so vertrete ich auch hier wieder meine "Inseltheorie": Während des Arbeitens an sich, kann man von sehr bösen Arbeitstags-, Fallen-, Fettnäpfchen- und Gemeinheitswellen erfasst werden, die Einen fast umhauen können oder einem die Luft nehmen oder gar die Tränen in die Augen treiben. Aber wenn man die Luft anhält, tapfer durch diese Wellen hindurch taucht und den Kopf ganz nach oben streckt, dann erreicht man plötzlich eine wunderschöne Insel: "Wochenende"!!! Und dann ist für viele Stunden alles gut.
So, wie ab heute (nachmittag?) bis Sonntag Abend für Viele, die nicht am WE arbeiten müssen.

Halt, eine Einschränkung habe ich: sollte die Ausbildung so belastend werden, dass Körper und Seele so leiden, dass man krank wird, muss man doch überlegen, ob man einen Schlussstrich zieht.

Nur, wie weiter? Es gibt immer eine Lösung. Aber manchmal ist es schwer, sie zu sehen.
Besonders in unserer Zeit und in unserem Land.

Am besten wäre es wirklich, ein Jeder könne das tun, was ihm entspricht.

Aber die Möglichkeit hat sich der Mensch durch seine Einrichtung der Welt leider selbst verbaut. Und so ist auch hier ein wesentlicher Punkt zu finden, der die Entwicklung der Menschheit an sich bremst. Wir könnten viel weiter sein!

Wie sollen wir uns auch richtig entwickeln können, wenn nicht jedem die Möglichkeit geboten wird, seine Fähigkeiten, Talente und Gaben zu verwirklichen.

Es leidet die Welt dadurch und die Menschheit bremst sich selbst aus.