Dies und das.... der einzig Wahre!!!!

27.02.2009 um 13:55 Uhr

Wallfahrten, verrückte Kollegen und mehr

von: Hedera

Das Leben gleicht jener beschwerlichen Art zu wallfahrten, wo man drei Schritte vor und zwei zurück tun muss.

Johann Wolfgang von Goethe

Soviel zur Wallfahrt und dem Spruch des Tages aus meinem Kalender. Eigentlich wollte ich noch über einen schrecklichen letzten Samstag berichten, bei dem mich meine Freundin (wers gelesen hat, die welche gerade mit ihrem Freund auseinander ist) fassungslos vor Wut gemacht hat und sie sich selbst mal wieder alkoholtechnisch selbst außer Gefecht gesetzt hat...aber ich möchte diesen Abend gerne aus meinem Gedächtnis verbannen. Wir waren auf einem Feuerwehrfest, es waren viele Nachbarn und Bekannte anwesend und es war einfach nur P E I N L I C H.

Heute ist eine ehemalige Kollegin dran, die hat letzten Freitag ihren Ausstand gegeben, zog sie ihrem Freund, der ebenfalls bei uns beschäftigt war, nach Bayern hinterher. Er, weil er bei uns als Koch nichts mehr werden konnte. Seine internen Bewerbungen als Küchenchef und als stellvertretender Küchenchef wurden jeweils abgelehnt - die Kollegen hatten schon gedroht lieber selbst zu kündigen als hochoffiziell unter ihm arbeiten zu müssen. Ansich ein netter Kollege, aber anscheind als Führungsperson völlig ungeeignet etc. Seine Freundin war in unserer Planung eingesetzt. Auch an sich eine nette Person, aber fürchterlich anstrengend. Grenzwertig anstrengend. Hysterisch, launisch. Weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Ich gönn ihr nix schlechtes, aber einmal einen Chef, der sie mal richtig auf den "Pott" setzt, wenn sie wieder einen ihrer Anfälle bekommt. Hatte zum Beispiel nach einer mündlichen kleinen Verwarnung, dass sie ihre Kompetenzen überschritten hat, die Idee, sich kündigen zu lassen. Sie wäre wohl fehl am Platz (hat so nie jemand gesagt, ihre Arbeit machte sie gut). Natürlich wollte sie gekündigt werden, weil sie ja sonst kein Arbeitslosengeld kriegen würde. Beachtet man den Umstand, dass sie ca. 4 Wochen vorher ein Zwischenzeugnis wollte und in diesem lang und breit davon die Rede war, wie wertvoll und blabla ihre Arbeit fürs Haus ist, ist es irgendwie nicht verwunderlich, dass man ihren Vorschlag nicht annehmen wollte. Worauf besagte Dame einen gar fürchterlichen Wutanfall bekam. Nein, es war eher ein hysterischer. Ich war dabei und ich war fassungslos. Egal. Eben erzählt mir eine Kollegin, die mit ihr telefoniert hat, dass sie ein Gespräch mit der Bank dort in Bayern hatte. Ging irgendwie um ein Oder-Konto oder sowas. Kannte die Bankangestellte dort nicht und da Madame früher mal Bankkauffrau gelernt hat, hat sie das der Dame erklärt. Die war so beeindruckt, dass sie das ihrem Chef erzählt hat. Der wiederum hat bei meiner Exkollegin angerufen und gesagt, wenn sie kommt das Konto einrichten, dann soll sie auch ihre Unterlagen mitbringen, sie suchen noch Leute...

Da fällt mir nix mehr ein. Diese dusselige Kuh. Angeblich verdient ihr Freund trillionen von Euro mehr in diesem bayrischen Kuhkaff, ihr gemietetes Haus ist wohl nicht billig aber mit Pool (ich kanns nicht glauben) und sie bekommt schon Jobangebote, obwohl sie gar keins gewollt hat (madame möchte nämlich schwanger werden). Uns hat sie jahrelang die Ohren voll geheult, wie doof sie alles findet und nur Berlin ist die Stadt, beworben hat sie sich aber anscheinend nie woanders und wir haben auch schon immer gefrotzelt, sie sollte doch froh sein, dass wir sie ertragen und dann sowas..

Keine Ahnung, ob jemand meinen Unmut versteht, aber sowas ist doch ungerecht....so ein selbstgefälliger Troll fällt direkt ins warme und unsereins kann garantiert nächsten Monat Kurzarbeit machen.....Die wird sich totlachen, wenn sie das hört.....

20.02.2009 um 14:59 Uhr

Der Sprung in der Schüssel....

von: Hedera

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug.

Eine Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur 1 1/2 Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: "Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft."

Die alte Frau lächelte: "Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?" "Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren."

Jeder von uns hat seine ganz eigenen Macken und Fehler, aber es sind die Macken und Sprünge, die unser Leben so interessant und lohnenswert machen. Man sollte jede Person einfach so nehmen, wie sie ist und das Gute in ihr sehen.

Also, an all Ihr Lieben mit einem Sprung in der Schüssel, habt einen wundervollen Tag und vergesst nicht, den Duft der Blumen auf eurer Seite des Pfades zu geniessen! 

16.02.2009 um 09:25 Uhr

Freuden des Alltags...Kinder.....

von: Hedera

Der Freitag ist mir so heilig, wie mir der Montag widerlich ist....Letzten Freitag wurde ich für meine Einstellung bestraft, denn es war

Elternsprechtag

Ich muß gestehen, dass ich im Laufe der nun 10-jährigen Schulteilnahme meiner Tochter selten dort war. Es gab eigentlich nie einen besonderen Grund. Solange ihr Zeugnis mit 3-ern und ab und an 2-ern gepflastert war, bot eine evtl. sich dort verirrende 4 keinen Anlaß. Mathematik hat ihr nie gelegen und am Anfang versetzten mich sogar 3-er in kleine Panik, hinterher schluckte ich auch eine 4 mit Würde. Muß ich doch gestehen, dass in der Realschule auch mir das Fach nicht sonderlich lag, das änderte sich erst als ich die Schule wechselte und Rechnungen fürs Leben lernte ;-))

Letztes Zeugnis (Sommer 08) prangte erstmals eine 5 auf dem Zeugnis. Ich hatte eigentlich gehofft, dass es sich hierbei um ein einmaliges Erlebnis handeln würde. Flugs suchte ich eine Nachhilfelehrerin.  Jetzt gab es ja wieder Zeugnisse und gleichzeitig bekam ich einen netten Brief nach Hause. Das Kind hat es geschafft ihre 5 in Mathe zu wiederholen und auch noch eine in Chemie als Krönchen draufzusetzen. Diesmal mußte ich hin. 3 von 5 Lehrern (die ich eigentlich für ein 10-minütiges Gespräch auserkoren hatte) fanden Zeit für mich. Zwar hatte sie in der letzten Mathearbeit vor dem Zeugnis eine 3 geschrieben aber 5 bleibt erstmal 5. Sie könnte ja auch ein Versehen gewesen sein.

Und obwohl ich eigentlich nicht die Person bin, die Nahe am Wasser gebaut hat, ich muß sagen, ich war wirklich erschüttert. Der Tenor in allen Gesprächen war der Gleiche: Sie ist nicht wirklich dabei und ihr Interesse am Untericht scheint Tag für Tag zu schwanken. Nach ernsten Gesprächen scheint sie interessiert und am nächsten Tag evtl. sogar in der nächsten Stunde paßt sie einfach nicht mehr auf, vergißt ihre Unterlagen etc. Sie ist nicht dumm, nur faul und scheint den Ernst der Lage immer noch nicht ganz verinnerlicht zu haben. Kein Lehrer hält es für eine gute Idee, wenn sie das Schuljahr nochmal wiederholt; Erfahrungswerte zeigen sowieso, dass die meisten Wiederholer ihre Noten nicht verbessern. Außerdem ist das so ohne weiteres zu meinem Entsetzen auch nicht möglich. Ich kann einen Antrag stellen, aber auch erst wenn meine Tochter die Prüfungen im Mai abgelegt hat. Quer nach unten "versetzen" - das geht nicht mehr. Und die Prüfung wird sie auch mit den 2 bisherigen 5-en bestehen, sogar mit 3 fetten 5-en. Da müßte ich, wie schon erwähnt, einen Antrag stellen und das Ergebnis ist mehr als fraglich. Ich fragte den Lehrer, ob er denn allen ernstes meint, dass ein Kind mit 5-en auf dem Abschlußzeugnis in der Berufswelt eine Chance hat, aber natürlich konnte er mir darauf keine Antwort geben.......Ich hätte heulen können und das kommt nicht oft vor! Ich bin danach erstmal einkaufen gegangen um mich wieder runterzufahren aber beladen mit meinen Einkäufen zu Hause war ich immer noch geladen und habe meiner Tochter die Ergebnisse meiner Gespräche dargestellt: natürlich wurde geheult, abgestritten, "ich passe immer auf, ich bin immer da, ich tue doch alles" aber leider mußte ich ihr mitteilen, dass das was sie vermeindlich leistet, den Lehrern für eine gute Note nicht genügt. Und das ihre eigene Einschätzung anscheinend nicht richtig ist, weil die Mehrheit der Lehrer sie ganz anders wahrnimmt. Aber erzählt das mal einem Teenager!

Samstag ist sie in ihrem Zimmer und....daddelt. Ich hätte wieder platzen können. Wo ist der Elan? Wo ihre eigene Einsicht, dass sie etwas tun muß? Sie findet, dass sie doch alles erledigt hat. Ich fasse es nicht..............Wenn ich mir vorstelle, dass ich eine Kopie dieses Desasterzeugnisses einer Bekannten geben soll, weil sich meine Tochter dort um ein Praktikum bzw. Lehrstelle fürs kommende Jahr bewerben soll....das ist so peinlich, so unendlich peinlich.

So, jetzt erstmal noch einen Kaffee....seufz

11.02.2009 um 13:34 Uhr

SATC-Koller

von: Hedera

Ich glaub, ich guck zuviel Sex and the City...lol

Ich mag die Serie, bzw. mochte sie. Eine Kollegin  hat alle Staffeln auf DVD und leiht sie mir nach und nach.

Gestern habe ich im Anfall von Faulheit (sonst bin ich ja gerne auch nach der Arbeit noch sehr agil oder gerade dann....) 4 Folgen nacheinander gesehen. Leider besteht die 5. Staffel frecherweise nur aus 2 CD's á 4 Folgen, also habe ich nur noch eine mickrige CD zu gucken.

Und wenn man diese Serie so in geballter Ladung schaut, fällt einem auf, bzw. mir jedenfalls, das es sehr viele nachdenkliche, traurige Folgen gibt und ich, die ich eher Schwierigkeiten habe mich so richtig emotional gehen zu lassen, merke, dass ich heulen könnte. Weil die Folge in mir was bewegt hat - jawohl, obwohl es nur eine unterhaltsame, nicht ernstzunehmende Serie ist. Aber immer wieder darauf hingewiesen wird, wie Frauen mehr oder weniger verzweifelt versuchen einen Mann fürs Leben zu bekommen.....Mein Mann findet all diese Sendungen, Serien oder Filme banal, einen Widerspruch für intelligente Menschen, wundert sich, dass ich mir sowas reinziehe oder hat schon geschimpft und mir an den Kopf geworfen, dass ich wohl meinte in dieser Welt zu leben. Woran man zweifelsfrei erkennen kann, das er nie eine Folge gesehen hat. Ich hätte gerne einen Schrank voll Schuhe dieser Preisklasse aber die Probleme, das Leben, das dort dargestellt wird, das hätte ich NICHT gerne. Wohl aber 3 Freudinnen, die kontinuierlich Zeit finden um selbige miteinander zu verbringen auch wenn sie einen neuen Freund haben. Oder heiraten...oder ein Kind bekommen......

Jedenfalls war ich nicht gerade guter Stimmung nach diesen Folgen. Ich hoffe sehr, dass wenigstens die letzten 4 Folgen der Staffel etwas fröhlicher sind. Eigentlich müßten die Damen da endlich wieder jemanden kennenlernen....da war doch noch was....ist schon eine Weile her, dass ich die Folgen gesehen habe.........

Zwischendurch gab es am Wochenende den Film Abbitte. Auch wieder ein eher ruhiger Film, ohne Happy-End...wenn ich das gewußt hätte. Das kann ich an einem Sonntagabend eigentlich auch nicht ertragen. Aber ich fand ihn schön. Und traurig. Ein Augenblick im Leben kann alles verändern....... 

05.02.2009 um 11:32 Uhr

Mütter....

von: Hedera

Ich wollte ja über meine Mutter schreiben, so zum Anfang.....dabei merke ich, dass ist natürlich gar nicht so einfach. Wenn ich hergehe und die Story von letzter Woche einfach erzähle, wie sie mich am Telefon niedergemacht hat, denkt natürlich (fast) jede(r), die Alte ist bekloppt. So einfach ist das aber natürlich nicht. Wäre ja auch ungerecht sie einfach so abzuurteilen. Sie ist eine Nervensäge, aber sie hat, wie wir hoffentlich alle, natürlich auch liebenswerte Seiten. Leider verschwinden die bisweilen völlig.

Meine Ma wird im Mai 72. Sie hat zwei Kinders, meinen Bruder, 9 Jahre älter und mich. Eigentlich wollte sie zuerst ein Mädchen, hat anscheinend nicht ganz geklappt....hihihi. Nachdem sie sich zwischendurch von meinem Vater getrennt hatte (inklusive Scheidung), haben sie, warum auch immer, wieder zueinandergefunden, mich gezeugt und wieder geheiratet (nochmal, warum auch immer....). Gearbeitet hat sie nur ganz am Anfang, bevor mein Bruder geboren wurde und als sie sich von meinem Vater getrennt hatte. Danach lebte sie im Mittelstand, wohlverdient als Hausfrau und Mutter, immer in Mietwohnungen, weil meine Eltern lieber 2x im Jahr in Urlaub fuhren und 2 Wagen hatten, statt höhre Abträge für ein Haus zu zahlen. Als ihnen überhaupt die Idee erstmal kam, war mein Vater seiner Meinung nach zu alt für sowas......

Meine Mutter hat(te) noch mehrere Geschwister, einen Bruder, der, als er Vater wurde, dank eines Bahnunglücks starb, einen weiteren älteren Bruder, der lebt meiner Meinung nach noch, ihre Zwillingsschwester, die bereits tot ist und ihre ältere Schwester. Im Übrigen die einzige der drei Mädels, der es gestattet wurde einen Beruf zu ergreifen. Die beiden anderen Dämchen sollten raus in die Welt selber sehen, wie sie klar kommen und das recht flott. Wie lange meine Mutter die Schule besucht hat, weiß ich nicht, waren wohl nur die Pflichtjahre. Meine Tante hingegen, gelernte Krankenschwester, hatte definitiv eine bessere Schulbildung und war/ist sehr belesen. Meine Eltern haben beide nie ein Buch angepackt, während ich bis heute von Büchern nicht genug bekommen kann. Sie waren immer gegen Ausländer, (fuhren aber leidenschaftlich gerne nach Italien), gegen die Kirche und gegen alles, was ihnen fremd war/ist. Besonders gegen Amerikaner (Der jüngere Bruder meines Vaters lebt in Amerika). Wenn Wahlen anstanden hätten meine Eltern am liebsten die Partei gewählt, die ihnen versprochen hätte, alle Ausländer des Landes zu verweisen. Obwohl mein Vater nie arbeitslos war, jedenfalls wenn, dann nicht lange, blockierte diese Menschen doch UNSERE Arbeitsplätze etc. Ausnahmen gab es auch. Mein Vater hatte einige sehr, sehr nette Kollegen, TROTZ das sie aus Jugoslawien oder Italien kamen. Mein erster Freund hat spanische Eltern. Das ging erst auch nicht. Egal.

Die Welt meiner Mutter beschränkte sich früher auf Geldausgeben (kann ich verstehen, macht auch Spaß), 2x wöchentlichen Friseurbesuchen (never ever die Haare selber waschen) und das tägliche Putzen unserer 3-Zimmer-Wohnung im Hochhaus (fand meine Mutter eine Zeitlang sehr "en Vogue" - bis nur noch Ausländer dort wohnten, dann mußte man wech...) und dem Warten auf das liebe Kind, bis es aus der Schule kam, damit sie es danach zwingen konnte mit in die Stadt zu gehen oder sonstwas zu machen. Mein Vater war jahrzehntelang auf Montage und kam erst am Wochenende heim, wenn überhaupt. Freundinnen hatte sie nie viele, auch keine Hobbies. Ihre Meinung war Gesetz, besonders bei mir, Diskussionen gab es nicht und sie verbat sich respektloses Verhalten, besonders von Kindern. Während sie auch nicht unbedingt immer ein Ausbund an Höflichkeit war, erwartete sie von anderen ausgesuchte Manieren. Sie stellte sich als Letzte in einer Schlange an und kam als erstes dran....dreist kommt weiter. Selbiges erwartete sie von mir, konnte ich aber nicht erfüllen, bin halt ein anderer Typ Mensch. Muß leider auch immer wieder erkennen, dass meine Tochter ebenfalls mit mir absolut nicht vergleichbar ist....

Wenn wir im Urlaub waren oder gerade genug Geld da war, war sie immer ein sehr großzügiger Mensch. Kein Stadtbesuch ohne gemütliches Kaffeetrinken oder essen gehen. Leider gefielen uns beiden oft die Sachen, die am teuersten waren und wir uns nicht leisten konnten. Mir fiel früher immer auf, dass sie bei Fremden gerne wohlartikuliert sprach, das kam mir immer sehr gekünzelt vorkam, als ob sie schauspielern würde......Sie stellte sich und uns auch gerne vor Fremden besser dar, als wir waren........Später zogen meine Eltern, als mein Vater in Rente ging, kurze Zeit nach Bayern. Ärger mit ihrem Vermieter (den sie eigentlich fast ihr Leben lang immer hatten, egal wo sie wohnten) zwang sie dann wieder zurück zu ziehen. Das ist so ca. 14 Jahre her und seitdem wohnen meine Eltern in sogenannten "Übergangswohnungen". Meine Mutter hat lange an ihrem Wagen noch das Kennzeichen "TS" gehabt um jedem zu sagen, ich wohne in Bayern....Sie sagte aus Prinzip nur Grüß Gott und gewöhnte sich einen leichten bayrischen Slang an, was ich ganz grauenhaft fand, besonders da sie dort gar nicht mehr wohnte...Mein Vater ist wohl ganz gerne wieder in seine Heimat gezogen, meine Mutter träumt immer noch von einer Wohnung im Süden. Vor ein paar Jahren hatte sie eine Gruppe fast gleichaltriger Damen gefunden, mit denen sie viel Zeit verbrachte. Da mein Vater beschlossen hat, seine Tage mit saufen zu verbringen, ist das Konto nach Jahren gutbürgerlichen Lebens ständig leer. Meiner Mutter war es wohl zu peinlich zu sagen, dass sie auf viele Exkursionen nicht mit könne, weil sie kein Geld dafür hat und zog sich irgendwann mehr zurück. Sie schien mir auch irgendwie sauer darüber zu sein, dass andere sich etwas leisten konnten, was ihr verwehrt war. Warum auch immer hat sie es jedenfalls geschafft mit einer der Frauen einen Riesenstreit vom Zaun zu brechen, selbiger Frau in der Tiefgarage aufzulauern um ihr ihre Meinung zu sagen (eine Spezialität meiner Mutter, dann spricht sie allerdings mit normaler Stimme und ohne wohlakzentuierte Worte...ganz im Gegenteil...). Seither geht sie allen Damen aus dem Weg. Wer nun wie schuld ist, weiß ich nicht, ist mir auch egal. Eine Entschuldigung für evtl. eskalierendes Verhalten meiner Mutter wird es nicht geben, weil meine Mutter entschuldigt sich prinzipiell nicht, nie. Das kann sie gar nicht. Sie kann leider auch nicht erkennen, wenn sie im Überschwang übers Ziel hinaus geschossen ist. Wie ich hier auf der Arbeit gelernt habe, fehlt ihr wohl die Fähigkeit zu reflektieren. Schuld, wenn es denn eine gibt, haben immer die anderen. Sie nie. Dann ist sie lieber mit über 70 alleine. Mit meinem Bruder redet sich auch nicht mehr, irgendwann hat sie ihn mal in der Stadt gesehen und hat sich versteckt. Warum genau sie das gemacht hat, weiß ich nicht.

Jetzt ist von ihrer hochherrschaftlichen Fassade nicht mehr viel übrig. Sie ist ein gebrochener, vom Leben enttäuschter Mensch. Sie ist wehleidig, jammert und scheint (??) zu erwarten, dass andere ihr zu einem besseren Lebensabend verhelfen. Das ist schwierig, denn sämtliche Lösungsvorschläge sind nicht gut genug. Sie fühlt sich einsam und tauscht wohl nur noch Gedanken mit ihrer Friseurin aus. Die stimmt ihr natürlich immer zu. Und so sind Mutters Weisheiten oft von Sätzen wie: Meine Friseurin hat aber gesagt....Meine Friseurin meint aber auch....geprägt. Ich muß ehrlich zugeben, dass ich froh bin, dass meine Eltern und mich 600 Kilometer trennen. Täglich würde ich das nicht aushalten. Ich halte es so schon nicht wöchentlich aus - in 99 von 100 Fällen war meine Mutter bei Telefonaten schlecht drauf und hat erwartet, dass ich sie belustige bzw. wieder aufbaue. Das ist mir sicher oft gelungen, ist aber auch sehr anstrengend, da auch ich nicht immer gute Tage habe. Im Sommer habe ich ihr eine Ferienwohnung besorgt, da unser Haus für 4 Personen definitiv zu klein gewesen wäre ohne Tote herauszufordern. Letztes Jahr, als ich geheiratet habe und meine Schwiegereltern Goldene Hochzeit hatten, sollte sie auch kommen. Da wollte sie dann nicht. Die FeWo ist ihr nicht gut genug gewesen, von einer Tochter könne man doch erwarten, dass sie die Mutter im Haus wohnen läßt, soll doch Kim (meine Tochter) ihr Zimmer räumen, das habe ihre Friseurin auch gemeint (!!!). Ich meinte das nicht. Sie sollte wirklich gerne kommen und für 1-2 Nächte hat sie auch mal unser Schlafzimmer in Beschlag genommen aber doch nicht 2-3 Wochen lang...Das wäre nicht gut gegangen. So ist sie letztes Jahr nicht gekommen. Sie hat MIR eine Karte zur Hochzeit geschickt. Das fand ich sehr beleidigend für meinen Mann aber das ist typisch meine Mutter.....

Vielleicht schreib ich später weiter, jetzt brauch ich erstmal ein Päuschen...

03.02.2009 um 19:02 Uhr

Familie und andere Freuden...

von: Hedera

Nachdem ich an anderer Stelle schonmal von einer meiner Tanten berichtet habe, muß ich demnächst unbedingt meine nächsten Verwandten vorstellen......ich fürchte, auch meine Familie bietet ein großes Potential an seltsamen Geschöpfen, wie woanders auch...seine Freunde sucht man sich aus, mit seiner Familie ist man sein Leben lang gestraft, ob man den Kontakt nun meidet oder nicht, man ist ihnen unaufhaltsam verbunden, ob man will oder nicht. Und, was das Schlimmste ist, bisweilen stellt man Ähnlichkeiten fest, wohl genetisch bedingt. Und das ist immer das Übelste überhaupt. Wenn ich mich zum Beispiel bereits vor Jahre dabei ertappte Dinge getan oder Gesichter gezogen zu haben, die mich an meiner Mutter erinnerten. Wer will schon so sein, wie seine Mutter (ausnahmen gibt es natürlich immer!). Meine Mutter - das ist schon was ganz eigenes. Was sie jetzt ist oder auch leider nicht ist, ist sicherlich ein Zusammenspiel aus Veranlagung, Erbmasse, Erlebnissen und leider ganz viel aus Dingen, die sie nie erlebt hat.....

Sie ist wohl nur ganz kurz arbeiten gegangen, den Rest ihres 72-jährigen Lebens hat sie mit der stolzen Bezeichnung "Hausfrau und Mutter" verbracht. Nicht, das dagegen etwas zu sagen wäre, prinzipiell. Aber sie hätte, da mein Bruder und ich 9 Jahre Altersunterschied aufzuweisen haben, nach meiner Geburt bzw. als ich zur Schule ging, eigentlich keinen Grund mehr gehabt zu Hause zu sitzen und sich zu langweilen, was sie tat.....Nun ist sie alt, von meinem Vater abhängig und ständig unzufrieden. Ihr Horizont ist klein und ihre Ansichten.....aber das erzähle ich ein anderes Mal. Letzte Woche jedenfalls hat sie mir im Streit gesagt, dass sie weder Kinder noch Enkelkinder hat. Mit anderen Worten sind wir für sie gestorben. Das ist schon bitter und beschäftigt mich auch noch sehr. Was sind wir bloß für ein Haufen seltsamer, beziehungsunfähiger Menschen.........

03.02.2009 um 10:40 Uhr

Eine Frage der Ehre....

von: Hedera

Eigentlich wollte ich schon letzte Woche drüber schreiben, als die Erinnerung und meine Empörung noch frisch waren..........dann hab ich vor lauter Ärger über so einen Mist anderes zu tun gehabt. Aber da ich in letzter Zeit nur noch bei euch allen lese und ich mir wahrlich fast schon böse vorkomme, zwischen meiner liegengebliebenen Arbeit und der noch kommenden, doch ein paar Zeilchen, wenns wen interessiert....

Letzte Woche Dienstag, 13.15 Uhr Abteilungsleiterbesprechung (wöchentlich). Neue Teilnehmerin, sozusagen Premiere, ist für unsere "neue" Psychologin, erst seit kurzem im unbefristeten Vertrag und nun "mutig". Jeder kommt mal an die Reihe, kann sagen, was anliegt, was besprochen werden soll. Ich muß Protokoll schreiben. Jeder, der meiner Meinung nach Unsinn äußert oder Dinge, die für die Masse uninteressant sind, wird eigentlich von mir mit Blicken getötet. Schließlich muß ich den Unsinn für nicht Anwesende verständlich zu Papier bringen....

Kollegin H. ist dran. Gegenüber meines Büros befinden sich 2 Toiletten und u.a. ein Seminar- und Sportraum. Die eine Toilette wurde seinerzeit von einer reinen "Herrentoilette" in unser Personal"Unisex"klo umgewandelt (nur mit Schlüssel betretbar), die andere ist für Patienten und Gäste. Kollegin H. muß auch mal (sei ihr gegönnt). Da sie, wie viele andere Kollegen auch, oft durchterminiert ist, hat sie des öfteren nur 5 Minuten Pause zwischen 2 Terminen und dann möchte sie gerne mal müssen.....Manchmal ist dann aber das Personaltoilettchen besetzt. Ergo möchte sie, dass die Gästetoilette ebenfalls nur noch für Personal ist und eine ordentliche Aufteilung gemacht wird (Damen/Herren). Bei uns sind die Herren in der Minderzahl. Mein Chef hat ein eigenes Klo und mein Kollege aus der Verwaltung ist auf diesem Gang hier der einzige Mann, der die "Unisextoilette" ebenfalls benutzt.

Ich protestiere. Aus mehreren Gründen. Ich werde andauernd von Patienten gefragt wo das nächste Örtchen ist. Besonders wenn sie aus dem Sportraum kommen oder hineinwollen. Madame hingegen empfiehlt, dass die doch gefälligst auf ihr Appartment gehen sollen oder vor den Speisesaal oder sonst wohin. Tolle Idee. Wir sind in der 2. Etage, wohnen können die Leutchens bis in Etage 16. Interessante Idee, wenn man versehentlich um die Mittagszeit muß, die Aufzüge nonstop unterwegs sind.... Ich bitte darum, dass man mir im Falle der Streichung des einzigen Gästeklos auf der Etage ein neues Büro zuweist (übertrieben, natürlich!), da ich keinen Bock habe den Gästen und Patienten und KINDERN zu sagen, dass sie doch sehen sollen, wo sie ihr evtl. dringendes Geschäft erledigen sollen.

Grübeleien über eine weitere Toilette...auf die Gästetoilette möchte die Kollegin im Falle des "Besetztseins" partout nicht gehen. Warum, dass hat sich mir nicht ganz erschlossen. Ist ihr evtl. nicht sauber genug? Unverständlich. Sie werden beide gleich oft gereinigt und sehen immer gut aus. Madame ist wohl etwas eigen. Glorienvolle Idee einer Teilnehmerin der Runde: am Ende des Ganges gibt es noch ein Büro, welches ein Bad besitzt, das könnte auch Personaltoilettchen werden. Kollegin H. mißversteht den Vorschlag, glaubt, es handelt sich um das Büro einer ihrer Kolleginnen und wirft sich sofort in Stellung: es wäre U n z u m u t b a r  Gespräche mit Patienten führen zu müssen, während nebenan jemand pullern geht. Die Geräusche, die Störung....

Ich merke, wie ich langsam aber unaufhaltsam anfange zu köcheln, zu sieden. Nicht genug, dass ein Scheißhaus hier überhaupt zum Thema gemacht wird, aber jetzt fühlt frau sich durch Pinkel- und andere Nebengeräusche gestört, bzw. erklärt sich mit einer evtl. Kollegin solidarisch, die solches ertragen müßte? Ja gehts noch. Ich ergreife das Wort: Mein Büro liegt gegenüber der beiden Toiletten und direkt neben dem Klöchen vom Cheffe. Ich könnte, wenn ich es denn wollte, an den Pinkelgeräuschen meine Kollegen identifizieren und damit wahrscheinlich bei Wetten-dass auftreten, aber MIR ist diese Geräuschbelästigung ja zuzumuten und den studierten Damen natürlich nicht!!!!!!! Jetzt, wo ich es niederschreibe, weiß ich auch nicht, warum mich das so geärgert hat, aber dieses Thema fand ich einfach....scheisse....anders kann ich es nicht nennen. Jedenfalls hab ich besagte Kollegin mit meinem Anfall niedergewalzt. Die Patienten behalten ihr Klo und das Klo im Büro am Ende des Ganges erhält ein Schild "nur für Damen", damit der einzige weitere männliche Kollege nicht dieses, ihm näher liegende Örtchen benutzen darf, sondern die ihm zugewiesene Kollege U. und Damenklo mir gegenüber.

Ich glaube, ich hatte sie noch gefragt, ob sie in ihrem Elternhaus auch eine Toilette für die Männlein und eins für die Damen gehabt haben......Wenn die Örtlichkeiten ein Stehpissoir hätten, okay, das finde ich widerlich und solch ein Klo würde ich den Kerlen sofort überlassen, ich finde, die müffeln immer. Sowas haben wir hier nicht und wenn ich irgendwo bin und die Damenklos sind alle besetzt, dann schleich ich mich ins Herrenklo......

Man-o-man, was für ein Thema. Heute ist wieder Dienstag. Mal sehen, ob die besagte Dame wieder auftaucht, die noch mit Weisheiten über die immense Rauchbelästigung zur Weihnachtsfeier in der vergangenen Woche aufwartete und mich damit endgültig davon überzeugte, dass sie niemals meine Freundin werden könnte.....erbsenzählerin......