Wie ich neulichst schon kundtat, bin ich ja jetzt im Dienste der Wissenschaft unterwegs und helfe den Statistikern lustige Rechenexempel zu statuieren. So wandere ich gerne nach der Arbeit mit meiner superhübschen Bree-Aktentasche durch die Pampa und bringe Angst und Schrecken unters Volk (weil so viele sicherlich denken ich bin Vertreterin..hihi).
Leider wird das ganze anscheinend nicht so lukrativ für mich ausfallen wie ich dachte. Nicht, dass ich annahm, ich verdiene Geld ohne viel Arbeit - das nicht. Aber in meinem mir zugeteilten Bezirk sind viele Wohnung leer - weil FeWo oder es handelt sich um 1-Personenhaushalte, das macht den Kohl leider nicht fett.
Und dann ist da noch Frau Z. Seufz. Die mich (bisher) als Einzige in den Wahnsinn treiben könnte.
Mit dem Dorf in dem sie und ihr Mann wohnen, habe ich angefangen. Sie war, glaube ich, meine letzte Einheit an diesem Tag. Ich stellte mich vor, zeigte meinen Auswaus und erklärte, was zu tun ist. Einen Fragebogen ausfüllen. Wahlweise mit mir, ohne mich - dann aber mit der Option diesen selbst zur zuständigen Behörde zu schicken oder den Fragebogen Online ausfüllen. Nein, sagte sie mir, das passe ihr jetzt gar nicht. Sie habe das Haus voller Besuch. Da solle ich doch ein andermal wiederkommen. Wann genau, das wollte sie mir nicht verraten. Okay dachte ich, in das Dorf mußte ich nochmal, probieren wir es einen Tag später.
So voll das Haus an diesem Tag so leer war es am nächsten. Kein Mensch da. Da ich schon gemerkt hatte, das die Frau wenig Lust verspürte mich reinzulassen - was sie ja auch nicht muß - hatte ich die Bögen schon vorbereitet. Das heißt, ich habe für jede Straße bzw. Hausnummer einen Bogen, den ich ausfüllen muß. Name, Vorname , Geschlecht und Geburtsdatum. Außerdem liegt dieser "Akte" auch noch ein Bogen bei auf dem mögliche Bewohner schon vermerkt sind. Mal stimmen die Angaben, mal steht gar keiner drauf - das erhöht die Chance, das es sich bei der Anschrift um eine FeWo handelt ungemein...:o( Wenn dort jemand steht, ist das Geburtsjahr schon vermerkt. Nur Tag und Monat nicht, das muß ich erfragen. Wahrscheinlich um zu verhindern das meiner einer den Bogen einfach selbst ausfüllt und dafür nachher Geld kassiert - obwohl ich denjenigen gar nicht angetroffen habe. Ohne das ich auf MEINEM Bogen diesen Geburtstag nicht eingetragen habe, kann ich dem Bürger den Fragebogen nicht aushändigen.
Nun war niemand da. In meinem Bogen hatte ich schon die Angaben aus meinem Infoblatt übertragen und den Klebezettel mit der Nr. des Fragebogens aufgeklebt - so als ob ich ihn gleich übergeben könnte. Nur konnte ich das in dem Fall nicht. Also habe ich noch einen Terminzettel geschrieben. Habe Infomaterial (erneut, hatte ich der Dame schon beim ersten Mal gegeben) in den Briefkasten geschmissen und auf der Terminkarte meine Handy-Nr. vermerkt mit der Bitte um Rückruf und Abstimmung eines Termins.
Es kam natürlich kein Anruf.
Mittlerweile war ich beim nächsten Dorf angelangt (im Zuge meiner Befragungstätigkeit). Der Bogen des Ehepaares schmorte noch immer in meiner Tasche. Ich ärgerte mich. Wenn ich die Bögen nicht an den "Mann" brachte, mußte ich hinterher erklären warum ich schon Eintragungen in meine Liste vorgenommen hatte. Also bin ich wieder (zum dritten Mal!) dort vorbei. Ein Auto stand in der Auffahrt. Prima, endlich jemand da.
Geklingelt.
Frau Z. öffnet die Tür. Eigentlich sicher eine nette ältere Dame. Aber ein wenig stur und uneinsichtig.
Jetzt passe ihr das aber auch nicht. Ihre Tochter sei zu Besuch. Ich erklärte, dass ich ja nun schon das dritte Mal da sei obwohl ich eigentlich nur 2x in einem Haushalt vorsprechen muß. Das wäre ja nicht ihr Problem, entgegnete sie, dann müsse ich, wenn ich halt was wolle nochmal kommen. Jetzt war ich dann aber doch sauer. Ich bekomme für ausgefüllte Bögen Geld. Für mehrere unnütze Fahrten bekomme ich nichts. Nada. Bei den Benzinpreisen ist das einfach ärgerlich ständig vereimert zu werden. Ich habe sie deshalb darauf hingewiesen, das ich NICHT in einem Staatsauto durch die Gegend kutschiere sondern mit meinem auf meine Kosten. Das beieindruckte sie wenig. Sie habe gehört, man könne die Bögen selbst ausfüllen (was ich ihr bei meinem ersten Besuch schon so gesagt hatte, seufz). Jawohl, das können Sie! Dann solle ich ihr doch einfach die Bögen geben und gehen.
Nein, das kann ich nicht. Ich brauche ihre Geburtsdaten, dann kann sie sofort die Bögen haben. Ich habe ja alles vorbereitet, nur ihr Datum und das ihres Mannes, das Jahr weiß ich ja schon.
Dann kommt wieder, sie hat keine Zeit. Ich erkläre ihr, dass die Zeitdauer unseres Gesprächs mittlerweile die der Ausfülldauer des Bogens überschritten hat. Da sagt sie: "Nehmen Sie doch einfach jemand anderen". Nein gute Frau, da haben Sie wieder etwas falsch verstanden, ich habe hier einen Bogen mit der Hausnummer und den Hausbewohnern, die ich befragen muß. Das ist keine Frage des Wollens oder Lusthabens. Ich sage noch einmal, das ich nur ihren Geburtstag wissen muß.
"Da muß ich erst meinen Mann fragen, ob ich das sagen darf." erwidert sie. Ich hätte umkippen können. Ich atme tief durch, ich bin geladen, wirklich, so was störrisch hatte ich die ganzen Tage nicht. Okay, sage ich, fragen Sie Ihren Mann. Ich gebe ihr Zeit bis diesen Samstag, gebe ihr nochmal Infomaterial und meine HandyNr. Wenn ich bis Samstag keinen Anruf erhalten, dass ich zum 4. Mal kommen kann, dann werde ich auf dem Bogen vermerken, dass sie die Mitarbeit verweigert hat. Dann soll sich sonstwer darum kümmern. Die Mitarbeit ist verpflichtend und kann mit empfindlichen Strafen geahndet werden. Und das ganze für einen bei Rentnern lächerlichen Fragenbogen.
Was sagte sie noch: "Da war doch schon vor Jahren mal jemand und hat uns befragt. " Ich sage, das ist über 20 Jahre her. Ja was man denn schon von ihnen als Rentnern wird wissen wollen. Eben gute Frau! Die kürzeste Zeit verbringe ich bei Rentnern. Name, Anschrift, Geburtsdatum, Familienstand, in der BRD geboren oder nicht, erwerbstätig? Nein, fertig....das dauert keine 5 Minuten. Ich habe wertvolle Lebenszeit (meinerseits!) an ihrer Haustüre verbracht, weil sie mir ihren Geburtstag nicht verraten wollten. Wenn da doch das Jahr stünde, dann "wissen DIE doch, wann wir Geburtstag haben"....sicher wissen "Die" das. Egal.
Ich hätte ihr noch verraten können, das die wirklich "peinlichen" Dinge eher bei Nachbarn zu erfragen sind und nicht der Geburtstag. Nachbarn erzählen gerne alles. Wahrscheinlich hätte mir auch jemand aus der Nachbarschaft ihren Tag verraten. Ihre Telefon-nr. steht ja auch im Telefonbuch.
PS
Einen hab ich befragt, der hat mir mit Lämmchen im Arm die Tür aufgemacht. Ein Lamm in der Bude! Herrlich!!!!!