Es windet!
Ach wie schön, es windet. Stark. Und winden ist ein Wort. So. Nicht zu verwechseln mit sich winden.
Und was flattert immer so schön im Wind? Zeitungen!
Deswegen heute eine Kostprobe davon, wie es wäre, wenn ich über das blögge (Ha! Konjunktivbildung durch Umlautung möglich!), was in der Zeitung steht.
In diesem Fall ist die "Welt am Sonntag" gemeint. Zunächst großer Artikel über Deutschland als Nation der Säufer bzw. neutraler ausgedrückt: die Affinität der Deutschen zu alkoholhaltigen Getränken und deren Stellung in Kultur und Gesellschaft im Laufe der Zeit.
Fazit: Die Germanen haben schon gesoffen, die Römer hatten Trinkgelage und heute gehört es geradezu zum guten Ton, ein Glas Sekt oder Wein oder ein Bierchen mitzutrinken. Gerne auch alles drei auf einmal und auch mehr als nur ein Glas. Es sei gerade Politikern nicht möglich, ihr Amt nüchtern auszuführen.
Meine Meinung dazu:
Ja, man merkt es doch stark, dass diese Entspannungsmittelchen und Stimmungslockerer zum sozialen Leben einfach dazugehören. "Trink doch ene met!" Ob es nun das Feierabendbierchen, das Glas Wein in geselliger Runde, das Sektglas für kleine und große Anlässe oder das Schnäpschen (das Wort sieht komisch aus) für die Gesundheit bzw. unter Kollegen ist: Wenn man es ablehnt wird man auf jeden Fall schräg angeschaut.
Mehr will ich dazu nicht sagen, es ist, wie so vielerei, ein zu weites Feld.
Ansonsten bot der Kulturteil noch eine Rezension zu "Alice im Wunderland", die insgesamt sehr gut ausfiel, wobei mich zwei Dinge störten. Zunächst sprach der Autor sehr abfällig von dem Originaltext und aus einem mir unerfindlichen Grund bezeichnete er die rote Königin "talibanesk" und betitelte seinen Kommentar sogar mit "Die rote Taliban". Wtf?
Kopf ab! sag ich da nur.
Direkt daneben ein kurzer Artikel über Guido Westerwelle, der bei der Eröffnung des "Jahres der deutschen Sprache" einen Vortrag hielt. Ich wusste gar nicht, dass wir Jahr der deutschen Sprache haben! Und... warum? Naja, Herr Westerwelle soll wohl von Worten wie "Alpenglühen", "Waldeslust", "Abendrot" und "Morgenstern" geschwärmt haben. Bei "Morgenstern" gebe ich ihm vollkommen Recht, das ist ein grandioses Wort. (Mein Lieblingssatz aus Dogma, welcher gestern Abend lief, ist auch "Du redest wie der Morgenstern!" Auch wenn das natürlich in einem anderen Zusammenhang steht...) Die anderen Wörter sollte er meines Erachtens aber nicht in seine Reden einbringen. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören solche wie "Nacht", "sang", "Licht", "Sinn", "Ende", "gewiss", "wunderlich", "Jüngling" und natürlich "Knabenmorgenblütenträume" ;-) Habt ihr auch welche?
Nach diesen drei Artikeln war meine Kaffeetasse leer und mein morgendliches Lektürepensum erfüllt, daher habe ich nicht weitergelesen. (Oder: "daher las ich nicht weiter." für die Freunde des Imperfekts. Und ja, ich sage Imperfekt dazu, weil das Präteritum in fast allen Fremdsprachen, die ich erlernte, Imperfekt heißt. Und der Aspektunterschied ist doch nun wirklich kleinlich. Hauptsache, man sagt "buk" statt "backte" und "büke" statt "würde backen". Gibt es eigentlich schon ein Buch mit dem Titel "Würde stähle dem Konjunktiv die Würde"?)
Nun, sagt an, wie steht's mit dieser "Zeitungsrubrik"? Sie führt offenbar dazu, dass meine Schriftsprache nicht ins Internetjargon abrutscht, wozu sie sonst gerne neigt Nur "Wtf?" lass ich mir nicht nehmen; das ist in vielen Fällen der einzig passende Ausdruck.
Az.
Und mit diesem Aufnahmegerät komm ich auch noch nicht so ganz klar... Ach, im Zweifel muss ich in der Hausarbeit schreiben, dass ich zu blöd war und hoffen, dass diese Selbsterkenntnis als "Zeichen wissenschaftlicher Denkweise" angesehen wird.

