In der Vergangenheit habe ich mich häufiger über die Glitzervampire (mehr jedoch über deren Fans) lustig gemacht und gebe hiermit offiziell bekannt: Emo-Glitzervampire und hysterische Teenie-Anfälle verdienen Spott, die Twilight-Saga selbst jedoch nicht.
Habe nun die 4 Twilight-Bände gelesen und musste spätestens in Band 3 eingestehen, dass es sehr spaßig, unterhaltsam und erstaunlich spannend sowie leicht und schnell zu lesen ist. Die Charaktere sind trotz minimaler Hintergrundgeschichte erstaunlich 3-dimensional und die Story ist abwechslungsreich, sowie in sich verhältnismäßig stimmig.
Man merkt, dass es für Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren geschrieben ist und wenn man sich damit erstmal abgefunden hat ist es kein Problem, sich da rein zu finden. Vermutlich ist es so, wie bei denen, die erst im späteren Alter Harry Potter lesen. Ich habe Harry Potter genau zwischen 11 und 18 gelesen, das macht natürlich einen anderen Eindruck als wenn man es mit 20,30,40 liest.
Natürlich gab es auch noch Dinge, die mich gestört haben, z.B. die Inkonsequenz der Ich-Perspektive. Die Bücher sind aus Bellas Perspektive geschrieben, an einigen Stellen erzählen ihr allerdings andere Charaktere ihre Geschichte und Frau Meyer hat sich da scheinbar nur wenig Mühe gegeben, den Schreibstil anzupassen. An anderer Stelle steht ein Zeitungsartikel, der entweder aus der schlechtesten Zeitung der Welt stammen sollte, oder den Frau Meyer einfach nicht im Stil eines Zeitungsartikels hatte schreiben können. Außerdem wechselt die Ich-Perspektive im letzten Band für 200 Seiten zu Jacob, was einen erstmal aus dem Konzept bringt, weil auch hier der Schreibstil nur minimal angepasst wird. Allerdings muss ich dazu sagen, dass es an der Stelle durchaus Sinn hatte, die Perspektive zu wechseln... dennoch inkonsequent.
Und der moralische Unterton ist zumindest für Menschen über 16 ein wenig zu aufdringlich. Kein Sex vor der Ehe; wie soll man sich verhalten, wenn man nachts allein durch die Gegend läuft; Motorräder sind gefährlich etc., etc.
Ansonsten eine Menge "Aber ihr habt doch Kühe!"-Momente.
Und ein Mensch-Vampir-Baby? Wirklich? Are you fucking kidding?
Gerade der 4. Band erinnerte mich von Art und Ideen her stark an FanFictions. Da kam mir auch das erste Mal wieder seit dem ersten Band "Hello, Mary Sue" in den Sinn.
Als ich mir dann heute nochmal den 1. Film ansah, stellte ich auch noch fest, dass der mit den Büchern im Sinn um einiges stimmiger und stimmungsvoller ist.
Soweit meine Meinung. Robert Pattinson ist aber immer noch nicht schön, Glitzervampire sind lächerlich und der "Konflikt" zwischen Harry Potter- und Twilightfans ist vollkommen überflüssig.
Ach ja, als ich auf einer Zugfahrt den 3. Teil las fragte mich eine blonde Frau mittleren Alters, die ein brandneues Buch von Diana Gabaldon in den Händen hielt, ob das der 3. Teil sei, da ja das Cover anders aussehe und dass es ja 4 Teile gibt und dann noch andere, die aber nicht dazu gehören, ich das aber gewiss wisse und dass es ihr sehr gefallen hätte.
Da ich aufgrund dieses Redeschwalls in Panik geriet, mich auf derselben Ebene eingefunden zu haben, wie eine blonde Frau mittleren Alters, die Diana Gabaldon und Twilight liest und fremde Leute im Zug auf ihre Bücher anspricht, erwiderte ich zunächst, dass ich es eigentlich nur lese, um herauszufinden, ob es so grauenvoll ist wie ich denke oder nicht und dass es da ja durchaus diverse Meinungen gäbe. Daraufhin war sie ganz fassungslos und als ich fortführte, dass viele es nicht mögen, sagte sie nur noch beleidigt "Also mir hat's gefallen." und begann, ihr Diana Gabaldon-Buch zu lesen.
Wieso habe ich eigentlich auch noch Vorurteile gegen Leser von Diana Gabaldon? Ich weiß nicht mal, was das für Bücher sind, aber irgendwie habe ich das instinktive Gefühl, dass ich mich nicht mit solchen Leuten unterhalten möchte. Wie kommt das? Was schreibt Frau Gabaldon für Bücher? Moment, eine Beschreibung des Buches "Feuer und Stein":
1946. Claire Beauchamp Randall, die gerade noch mit ihrem Ehemann Frank Ferien in Schottland machte, erwacht aus tiefer Bewusstlosigkeit - und findet sich plötzlich im Schlachtgetümmel schottischer Rebellen wieder, im Jahr des Herrn 1743. Dank ihrer beeindruckenden Kenntnisse gerät die unfreiwillige Gesandte aus dem 20. Jahrhundert bald in den Ruf, eine Hexe zu sein. Glücklicherweise findet sich ein Beschützer für Claire: Jamie Fraser, der aufständische Clanführer, ein prächtiger Bursche mit breiten Schultern, feuerrotem Haar und einer Leidenschaft, vor der Claire nur zu gern kapituliert. Bis sie sich entscheiden muss - zwischen der Zukunft, in die sie gehört, und der Vergangenheit, in der sie lebt ...
Stellt ihr euch auch ein Cover vor wie bei diesen billigen Frauenromanen, die alle gleich aussehen, mit so einem halbnackten, muskelbepacktem Kerl, der eine leicht bekleidete Frau in den Armen hält? In etwa so:
Übrigens bin ich tatsächlich im Besitz von "Im Bann des Highlanders", falls jemand interessiert ist.Oh, kommt euch die Handlung auch irgendwie bekannt vor? :
Der wilde und schöne Highlander Ewan MacLaughlin ist stolzer Burgherr von Glenbharr Gastle. Als er eines Tages eine seltsam gekleidete Frau entdeckt, die sich im Wald versteckt, nimmt er sie kurzerhand fest und lässt sie in den Kerker werfen. Denn sie sieht einer Hexe, die sein Vater zum Tode verurteilt hatte, sehr ähnlich. Er kann nicht ahnen, dass Joan eigentlich aus dem 21. Jahrhundert stammt...
Aaaaahja. In denke, ich werde meine Vorurteile gegenüber Leserinnen von Diana Gabaldon noch eine Weile behalten.
Nun würde mich ja interessieren, ob die Anne-Rice-Chronik dem direkten Vergleich noch stand hält. Die Vampirchronik von Anne Rice las ich mit 12-15 Jahren und größtenteils auch nur ein Mal, dennoch sind mir die Bücher noch sehr gut in Erinnerung. Leider konnte ich sie nie nochmal lesen, da ich jedesmal nach spätestens 5 Seiten gelangweilt das Buch zur Seite legte. Was schade ist, denn mit 12-15 habe ich garantiert nicht alles verstanden... Die Bände 1-3 und den letzten (für mich hört die Chronik mit "Blut und Gold" auf) habe ich auch noch auf Englisch, den 1. zusätzlich noch auf Italienisch... hm, hm. Vielleicht versuche ich es einfach noch mal mit "Queen of the Damned", das war mein Lieblingsband.
Wenn es nicht klappt wird es wohl ein erneuter Durchgang der Black Jewels Reihe, die liest sich so schnell durch ;-)
Az, die sich mehr mit Unidingen als mit merkwürdigen Büchern beschäftigen sollte.