Zum Geburtstag hab ich den True Blood Omnibus (die ersten drei Bände der Sookie-Stackhouse-Reihe von Charlaine Harris) bekommen und damit bin ich schon vor einigen Tagen fertig geworden, aber der Fairness halber hab ich es noch nicht kommentiert, da ich abwarten wollte, was für ein Eindruck nach ein paar Tagen Abstand noch bleibt.
In einem Satz: Die Serie ist besser.
In vielen Sätzen:
Zunächst einmal ist der Schreibstil furchtbar. Schlechter noch als "Twilight".
Es ist voller teils abgedroschener, teils merkwürdiger Sprichwörter, die meistens nicht zur Situation passen. Ich kann gerade leider keine Beispiele nennen, da ich beim Lesen nicht auf die Idee kam, mir die Stellen zu merken. Nur den Ausspruch, den Sookie häufiger anstelle von "Fuck!" "Holy Cow!" oder "Jesus!" verwendet konnte ich mir merken, da ich den noch nie gehört hatte: "Jesus Christ, Shepherd of Judea!" ... Ist das ein Southern-Thing? Ist das irgendein Beiname von Jesus? Google gibt mir dazu hauptsächlich Seiten an, die sich auf die Sookie-Stackhouse-Reihe beziehen, und einige Seiten, die verdächtig nach evangelikalen Sekten aussehen. Dem Buch nach ist Sookie Methodistin. Da kenn ich mich nicht so aus. Entsprechend nervt sie im Buch auch häufiger mit aus dem Kontext gerissenen Bibelzitaten.
Und natürlich dem "Word of the Day". Sie hat einen "Word-of-the-Day-Calendar" und versucht diese offenbar immer anzuwenden, wobei sie danach auch immer brav erwähnt, dass es ihrem Kalender stand. Das ist jedoch immer noch spannender als die ständige, ausführliche Beschreibung, wie sie aufsteht, Zähne putzt, duscht, sich rasiert, Make-Up auflegt, verschiedene Kleidungsstücke ausprobiert und sich dann Frühstück macht.
So etwas kann ich einem Buch verzeihen, wenn es entweder nur ein einziges Mal vorkommt oder irgendeine Erklärung zur mentalen Verfassung des Charakters bietet. Aber hier ist es einfach nur nervig. Tatsächlich nehmen diese Alltagsbeschreibungen mehr Platz ein als die Action-Stellen (welche größtenteils nur in Retroperspektive und sehr knapp beschrieben werden) und die Romanzen-Stellen.
Da es aus Sookies Ich-Perspektive geschrieben ist habe ich nicht erwartet, dass die Nebencharaktere so viel vorkommen wie in der Serie, aber dass sie fast gar nicht vorkommen hat mich dann doch überrascht.
Lafayette ist recht schnell tot (was die Szene in der Serie hervorhebt, wo sie die Leiche von der Voodoo-Frau finden und hoffen, dass es nicht Lafayette ist, da es im Buch tatsächlich Lafayette ist).
Tara kommt bis zum Ende des 2. Buches nicht vor und ist im Grunde auch eine komplett andere Figur als in der Serie.
Insgesamt hat das Buch etwa ein Zehntel der Story aus der Serie. Der größte Handlungsstrang im Buch scheint zu sein, was Sookie sich wohl heute am besten anzieht!
Die Macher der Serie sind zu bewundern. Sie haben so viel Handlung ergänzt und abgeändert und dennoch den Geist des Buches beibehalten... ohne jeden Gang zur Toilette zu beschreiben.
Die Charaktere sind im Vergleich zur Serie sehr anders. Außer Sookie selbst.
Bill ist etwas mehr "badass", Eric etwas weniger, wodurch es nicht mehr ganz nachvollziehbar ist, warum Sookie Eric nicht so mag. In der Serie ist es recht klar, dass sie ihn schon aus rein moralischen Gründen nicht leiden kann, aber im Buch ist er genaugenommen moralisch korrekter als Bill.
Jason nimmt nur die Bruderrolle ein und scheint ansonsten nichts zu tun zu haben.
Sam ist anfangs ähnlich wie in der Serie, hat später aber eine etwas dubiose Beziehung zur Maenad, wo er glücklich dabei zuschaut, wie sie Leute abschlachtet. Das ist etwas unglaubwürdig.
Ach ja, die Maenad selbst hat mehr den Auftritt "Hello, I'm a plotline that goes nowhwere, bye!"
Besonders enttäuschend fand ich Godfrey. Damit ist Godric gemeint und während Godric in der Serie ein wahres Herzchen ist, so ist Godfrey im Buch einfach nur ein Arsch.
Zudem gibt es keinerlei Information zu Maker-Fledgling-Beziehungen. Es wird nur gesagt, dass Eric Pam erschaffen hat, sonst wird nichts erwähnt.
Der König von Mississippi hat anstelle eines Royal Consort eine Playboy-Villa mit einer Varietät an "Boy Toys". Und er nimmt zwar Bill gefangen und foltert ihn, um Informationen zu erhalten, als Bill aber befreit wird können sie sich plötzlich vernünftig unterhalten und stellen fest, dass sie gar kein Problem miteinander haben. Ähm. Das hätte man einfacher haben können.
Allgemein wird sehr viel Spannung aufgebaut und dann wird man sehr abrupt fallen gelassen.
Und egal in was für einer Situation die Charaktere sind: Sex geht immer vor.
Am Ende des dritten Buches kann Sookie zwischen 2 Vampiren, 1 Werwolf, 1 Gestaltwandler und 1 Menschen wählen, die alle was von ihr wollen. Aaaaaaaaaaah ja.
Oh, und ich habe "Bubba" vergessen. Vampir-Elvis. No fucking kidding.
Nun habe ich so viel Negatives geschrieben und muss nun doch zum Abschluss sagen: Es war dennoch ein Spaß, die Bücher zu lesen! Und ich werde auch noch mindestens das 4. Buch lesen.
Allerdings hätte es mir vermutlich nicht so viel Spaß gemacht, wenn ich die Serie nicht im Hinterkopf gehabt hätte, denn das Buch an sich gibt nicht sehr viel her und muss irgendwie "gefüllt" werden.
Zum Abschluss noch ein paar allgemeine Fragen zu Vampir-Dingen. Was hat es mit dieser Idee auf sich, dass Vampire nicht atmen? Wie können sie dann sprechen? Das wird ausgerechnet in der Twilight-Reihe mal angesprochen. Dort müssen die Vampire nur Luft holen, wenn sie etwas sagen möchten. Und wieso sollte ihr Herz nicht schlagen? Wie wird denn bitte das ganze Blut im Körper verteilt? Bei Anne Rice haben die Vampire Herzschlag.
Az.