A film from a half remembered dream
Inzwischen ist es schon so lange her, dass ich den Film gesehen habe, dass es mir tatsächlich wie etwas aus einem halb vergessenen Traum vorkommt...
Das Fazit zuerst: „Inception" ist ein großartiger, genialer, hoch interessanter, wunderschöner Film.
Die Musik ist absolut passend und fantastisch. Insbesondere „The Dream is Collapsing", aber auch "Je Ne Regrette Rien" bekam ich lange nicht mehr aus meinem Kopf heraus. Das haben die so geschickt eingearbeitet...Siehe hier .
Die Special Effects sind hervorragend und die Optik insgesamt ist phänomenal.
Natürlich sind auch die Schauspieler und deren Rollen erstklassig.
Nur eine einzige Sache gibt es, die dafür sorgt, dass „Inception" es aus rein emotionalen Gründen nicht in die Reihe meiner absoluten Lieblingsfilme geschafft hat: Ich finde die Haupthandlung nicht.
„Inception" ist ein großes Labyrinth aus wirren Ideen, falschen Nebenhandlungen, vielleicht falschen Nebenhandlungen, falschen Haupthandlungen, vielleicht falschen Haupthandlungen und einer Reihe merkwürdiger Details. Und dieses Labyrinth hat mehrere Ein- und Ausgänge.
Mittlerweile glaube ich, dass die Macher des Films keine klare Interpretation im Sinn hatten und es tatsächlich dem Zuschauer überlassen wollten. Bei der Interpretation gibt es also kein richtig und falsch.
Wie es bereits Chester A. Bum ausgedrückt hat: „The twist is that there may or may not be a twist at the end. What?! That's furiously awesome! I'm so angry and yet that's so perfect."
Der Film lässt einen am Ende irgendwie zu sehr hängen. Ich finde alternative Enden gut, aber ich brauche dennoch am Ende eine klaren, zufrieden stellenden Handlungsfaden, mit dem ich dann die verschiedenen Ebenen und Alternativen weiterweben kann. So ist es am Ende nur ein wirres Knäuel. Das ist frustrierend.
Aber was ist denn nun meine Interpretation?
Ehrlich gesagt, habe ich einen Großteil wieder vergessen und ich warte auf die DVD, um mir den Film noch einige Male im Detail und mit den Möglichkeiten der Pause-Taste anzusehen.
Einiges ist mir aber dennoch im Kopf geblieben, bzw. die Seite, von der ich es hatte frischt es etwas auf ^^
Dies ist vermutlich eine der unwahrscheinlichsten und angreifbarsten Theorien bezüglich Inception, aber sie macht mir am meisten Spaß und bei einem Film, der scheinbar keine eindeutige Aussage zu haben scheint, kann ich genauso gut Spaß an weithergeholten Ideen haben ;-)
Dom hat irgendwas angestellt, das ihn in den Wahnsinn getrieben hat. Vielleicht hat er seine Frau umgebracht (real). Oder er befindet sich die gesamte Zeit über im Limbus und glaubt, er hätte seine Frau umgebracht, da er sie dazu überredete, sich vor den Zug zu legen. Er selbst könnte im letzten Moment aufgesprungen sein.
Egal was, er hat große Schuldgefühle und kommt nicht aus dem Limbus raus, weil er ihn für die Realität hält.
Aus der Realität versucht zunächst seine Frau Mal, ihn zurückzuholen, indem sie versucht, ihm klarzumachen, dass seine Realität nicht echt ist (Hotelzimmer + Sprung). Aber Dom glaubt ihr nicht und wird noch mehr von Schuldgefühlen geplagt, sodass Mal vielleicht erkennt, dass sie ihn nicht raus holen kann, solange er diese Schuldgefühle hat.
Also beginnen Mal und vielleicht ihr Vater eine Inception bei Dom, die Einpflanzung des Gedankens, dass seine Welt nicht real ist.
Dafür muss Dom sich erstmal mit sich selbst auseinandersetzen, also führen sie die verschiedenen Facetten/Archetypen von Doms Persönlichkeit zusammen.
Hier kommen wir nun zu dieser Seite , wo die Charaktere des Films den Jungschen Archetypen zugeordnet werden, nach der Theorie des schweizer Psychiater Carl Gustav Jung.
Demnach gibt es in allen Kulturen und in jedem Menschen bestimmte Bilder, Motive, Symbole oder Archetypen, die in gewissem Grad für alle gleich sind.
Diese Archetypen können dann in Träumen oder Phantasien bzw. Wahnvorstellungen auftauchen. „Die nun symbolisch wirksamen Archetypen zielen darauf ab, die Gesamtpersönlichkeit wieder ins Lot zu bringen, indem sie archetypische, durch Numinosität (göttliche Erscheinungen, sexuelle Begierde) sehr attraktive Zielbilder ins Bewusstsein aufsteigen lassen. Diese Bilder und die Beschäftigung der Seele mit ihnen haben die Aufgabe, der Persönlichkeit eine fundamentale Balance zurückzugeben, Sinn und Ordnung zu stiften. Sie manifestieren sich daher in symbolischen Bildern universeller Gültigkeit, die einen beträchtlichen Anteil am Leben eines jeden haben."
Kommen wir zu den Archetypen.
Dom ist der bewusste Teil der Seele, der die anderen Teile dominiert. Sein Name ist hierbei interessant. Er hat im Film ja auch die Führungsrolle.
Mal, seine Frau, ist der „Schatten", die dunkle Seite. Auch ihr Name: lat. male = schlecht, böse. Da er ihren Tod seiner eigenen dunklen Seite zuordnet, symbolisiert sie für ihn diesen „Schatten", der ihn überall hin verfolgt und den er nicht los wird. („Werd erstmal deinen Schatten los!") Dabei gefährdet sie die anderen Archetypen und Dom selbst immer wieder.
Arthur ist der „Held". Dom kann wohl kaum als Held bezeichnet werden. Diese Rolle übernimmt Arthur, der sie alle im Hotelzimmer/Flur/Aufzug rettet. Er ist mutig und loyal und „gets to kiss the girl", bekommt also das Mädchen ab.
Saito ist der „Vater", der mit seiner Autorität und seinem starken Willen Dom überwältigen könnte. Er hat fast grenzenlose Macht und Kontrolle und für ihn ist scheinbar alles machbar. Mit dieser Konkurrenz kann Dom nicht umgehen und so wird Saito schon früh angeschossen und somit ausgeschaltet.
Eames ist der „Trickster", der als Fälscher arbeitet und im Traum seine Gestalt ändern kann. Er hat seinen Humor behalten, aber er ist trügerisch. Er steht für die Doms Selbstlüge. Erst in Eames' Traum (Schneebasis) muss Dom sich endgültig seinem Schatten (Mal) stellen, die Fischer umbringt.
Fischer ist das „Kind", das die Akzeptanz seines Vaters sucht und die Unschuld verkörpert, nach der Dom sich sehnt. Dom belügt ihn, Mal tötet ihn, aber am Ende bringt Dom „das Kind" von den Toten zurück und kann so seine Gesamtpersönlichkeit wieder ins Lot bringen, wodurch ein Neuanfang entsteht.
Ariadne ist die „Anima", der gute Geist, die weibliche Seite. Sie scheint Dom an nächsten zu stehen und repräsentiert das, was Dom einmal war oder sein wollte. Sie treibt seine Selbstreinigung an, versucht, ihn von seinem „Schatten" zu befreien und ist diejenige, die bis in den Limbus hinein an seiner Seite bleibt. Sie führt ihn, wie ihre Namensgeberin aus der griechischen Mythologie, aus dem Labyrinth. Interessant ist auch, dass Mals Vater/Doms Schwiegervater Dom und Ariadne zusammenbringt.
Yusuf ist das „Selbst", die Verbindung zwischen dem Bewussten und dem Unterbewusstem. Er scheint Dom besser zu durchschauen als die anderen. In seinem Traum kommen sie alle zusammen.
Ich glaube, dass mit diesem Zusammenführen der Archetypen Doms Seele wieder ins Lot gebracht wurde und er endlich seine Schuld loslassen kann, wodurch ihm die Rückkehr in die Realität möglich ist. Auch denke ich, dass das Filmende mit den Kindern nur ein weiteres Symbol seiner Ausgeglichenheit ist, das „Nach-Hause-Kommen" und das dieser Szene das Aufwachen folgen müsste.
Das ist die Version, die ich am schönsten finde, aber natürlich fehlen hier viele Komponenten.
Ob der Kreisel am Ende nun fällt oder nicht ist meiner Meinung nach übrigens vollkommen egal, denn der Kreisel a) war nie Doms Totem, sondern das seiner Frau, b) funktioniert nur in den Träumen anderer Leute c) ist ohnehin merkwürdig, denn warum sollten die Architekten des fremden Traumes den Kreisel ewig kreisen lassen?
Viel interessanter an der Szene ist doch, dass Dom sich vom Kreisel abwendet und es ihm egal ist, ob er fällt oder nicht.
Warum sollte Dom überhaupt den Kreisel als Totem wählen, wenn es doch das seiner Frau ist? Wobei... er sagt etwas in der Art wie „Wenn Mal träumte würde er nie aufhören, sich zu drehen", also überprüft er vielleicht nur, ob er sich in Mals Traum befindet. Hmhm.
Ein weiteres Detail ist natürlich der Ehering. In allen Szenen, die im Film als „Realitätsebene" ausgegeben werden, trägt Dom keinen Ehering, in den Träumen schon. Wobei diese Hand leider gerade in entscheidenen Szenen wie der letzten nicht gezeigt wird.
Was hat es mit Szenen wie der Verfolgung und den näher kommenden Wänden auf sich? (Typische Traummuster, obwohl es die angebliche Realität ist)
Aber die wichtigste Frage von allen: Was hat es mit der Katze auf sich? SERIOUSLY! Die Szene, in der Dom auf Yusuf trifft, da zieht eine Katze auf der linken Seite hinter Yusuf meine vollkommene Aufmerksamkeit auf sich und dann ist sie plötzlich nicht mehr da. Da lief ja wohl nicht einfach zufällig eine Katze durchs Filmset oder?!
Da ich hier aber nicht weiter ausschweifen möchte über die unzähligen Theorien zum Abschluss einfach ein paar meiner Lieblingszitate aus dem Film, auf Englisch, da englische Zitate besser zu finden sind:
Cobb: For this to work, we'd have to buy off the pilots...
Arthur: And we'd have to buy off the flight attendants...
Saito: I bought the airline.
[Everybody turns and stares at him. Saito just shrugs]
Saito: It seemed neater.
Arthur: Quick, give me a kiss!
[She kisses him and then looks around]
Ariadne: They're still looking at us.
Arthur: Yeah, it's worth a shot.
Mal: You keep telling yourself what you know. But what do you believe? What do you feel?
Cobb: Guilt.
Saito: You remind me of someone... a man I met in a half-remembered dream.
Arthur: Paradox.
Ariadne: [Confused] Wait, whose subconscious are we going through exactly?
Mal: I'm the only thing you do believe in anymore.
Cobb: I wish. I wish more than anything. But I can't imagine you with all your complexity, all you perfection, all your imperfection. Look at you. You are just a shade of my real wife. You're the best I can do; but I'm sorry, you are just not good enough.
Professor: Come back to reality, Dom.
Cobb: [notices that he's being followed] That price on my head, was that dead or alive?
Eames: Not sure. See if he starts shooting at you.
Ariadne: You mind telling your subconscious to take it easy?
Mal: What are you doing here?
Ariadne: My name is...
Mal: I know who you are. What are you doing here?
Ariadne: I'm just trying to understand...
Mal: How could you understand? Do you know what it is to be a lover? To be half of a whole?
Ariadne: No...
Mal: I'll tell you a riddle. You're waiting for a train. A train that will take you far away. You know where you hope this train will take you, but you can't be sure. But it doesn't matter. How can it not matter to you where this train will take you?
Cobb: Because you'll be together.
Eames: Do they come here to sleep?
Thin Man: [Looking at Cobb] No, They come here to be woken up. Dream has become their reality! Who are you to say, otherwise?
Saito: So have you come to kill me? I've been waiting for someone to come for me...
Cobb: Someone from a half remembered dream...
Saito: Cobb? Impossible - He and I were young men together, now I'm an old man.
Cobb: Filled with regret...
Saito: Waiting to die alone...
Cobb: I've come back to remind you of something... something you once knew...
[Sees the top spinning without end]
Cobb: that this world isn't real...
Saito: To convince me to honor the arrangement.
Cobb: To take a leap of faith yes. Come back, and we'll be young men together again. Come back to me...
[Saito reaches for the gun]
Cobb: Come back...
Fischer: Couldn't somebody have dreamt up a goddamn beach?
Ariadne: My subconscious seems polite enough.
Großartiger Film mit interessanten Ideen, guten Schauspielern, passender Musik, phänomenaler Optik und großen Emotionen.
Az.

Und auch ziemlich verwirrend, wenn man den Film nicht gesehen hat. :)
Und das war ein schöner Eintrag Helen.
Ich könnte jetzt hier viel schreiben aber vermutlich eher nicht. Ich lasse es.