Stimmung: unlustig
Musik: mensch, wieso höre ich denn nie musik während ich schreibe?
Gestern vor 2 Monaten hab ich entbunden. Punkt. Für mich beschreibt dieser Satz meine momentane Gefühlswelt, ein ganzes Arsenal von Zuständen und Umständen. Für dich, lieber Leser, wird er nichts sagen, deshalb eine kleine Einführung in das Leben einer frischgebackenen Mutter.
Mir geht es gut. Alle Wunden, die ich mir bei der Geburt eingehandelt habe, sind gut verheilt. Naja, Risse sind nicht zu vermeiden, wenn ein kleines Riesen-Baby es so eilig hat auf die Welt zu kommen (4.510 g, 54 cm in 3 Stunden). Ich stille nicht mehr, also bin ich auch körperlich wieder fit und nehme schon langsam wieder zu. Ich habe bei der Geburt und innerhalb der ersten 2 Wochen danach 18 kg verloren (Fruchtwasser, Plazenta, Baby, Wassereinlagerungen, und ein paar Kilos in der Stillzeit wegen erhöhtem Kalorienverbrauch), bei einer Zunahme in der Schwangerschaft von 13 Kg bedeutet das ein Defizit von 5 kg. Das war mitunter auch ein Grund für die kurze Stillzeit. Und die war mitunter ein Grund für durchheulte Nächte. Frau fühlt sich als Versagerin, wenn sie ihr Kind nicht ernähren kann so wie es die Natur vorgesehen hat. Psychischer Stress, Gewichtsverlust und schlechte Ernährung - der Tod für eine harmonische Stillzeit. Vor 2 Wochen habe ich wieder meine Tage gekriegt - schön, jetzt sind alle Hormone dort wo sie hingehören.
Soweit so gut - doch wie schaut es in meiner Psyche aus? Die Trennung von meinem Freund habe ich halbwegs verkraftet, nur ab und zu bekomme ich noch eine riesen Wut auf ihn - glücklicherweise nicht mehr auf alle Männer. Der Wunsch nach einem neuen Partner regt sich auch schon langsam in mir, also es dürfte nicht allzu viel kaputt gegangen sein. Was mich nicht umbringt macht mich nur noch stärker, nicht wahr?
Mein kleiner Prinz ist bis auf ein paar anstrengende Tage ziemlich brav und lässt mir genug Zeit für mich. Ich kümmere mich um den Haushalt, kann "nebenbei" noch halbtags von zuhause aus arbeiten und ein Schönheitstag pro Woche geht sich auch aus. Bei unseren Spaziergängen kann ich die Seele baumeln lassen und den aufkeimenden Frühling geniessen. Was ich damit sagen will ist, dass es auch schlimmer sein könnte. Ich habe glücklicherweise genug Zeit um meinen Seelenfrieden wiederherzustellen.
Tja, was stimmt denn dann nicht mit mir? Gehe ich in der Rolle der Mutter schon dermaßen auf, dass ich vergessen habe was es heißt Frau zu sein? Oder habe ich ein Trauma durch die Gewalttätigkeit der Geburt erlitten? Dass kein Mann in greifbarer Nähe ist, wäre an und für sich kein Hindernis für die Wieder-Entdeckung meiner Weiblichkeit. Mich plagt jedoch die Unlust und das ist ganz und gar nicht lustig. Also schaute ich gestern auf der Homepage von einer bekannten deutschen Erotikzeitschrift vorbei *psssscht* um mir im Chat eine kleine "Anregung" zu holen. Ich genoss manchmal sehr diese Ausflüge in die Welt der verbalen Orgasmen. Armseelig? Beschränkt? Nicht für mich, denn ich finde es allemal besser als mich in der Disco abschleppen zu lassen (das betrifft Zeiten, in denen ich keine gefühlsmäßige Bindung eingehen möchte, klar?) Na, wie dem auch sei, gestern habe ich mich im Chat nur gelangweilt. Ich denke, jeder kann sich die riesigen, blinkenden Fragezeichen über meinem Kopf vorstellen. Und so kam es zu diesem Beitrag, wegen der Frust über die Unlust. Und das ist nicht lustig. Punkt.