Betäuben in Benin

27.04.2009 um 00:16 Uhr

Schreck in der Abendstunde

Rückblende in den Januar, genauer den 4.1. Ein Schreck in der Abendstunde sucht mich heim: Mögliche Termine für einen neuen Aufenthalt auf dem Krankenhausschiff in Westafrika sind hin- und hergewälzt worden, mit den Terminen auf der Arbeit abgestimmt, optimal angesetzt, so gut wie fertig. Da kommt Frederiks Firmtermin dazwischen.

Schiet, ganz vergessen. Mein Ältester bereitet sich jetzt auf die Firmung vor, und wenn er sich dazu entschließt, ist der Termin im Juni schon fest. Glücklicherweise lässt es sich noch mit wenig Einschränkungen auflösen: Ich wollte ursprünglich beide Wochenenden vor meinem ersten Einsatz im OP und nach der letzten Narkose nutzen, um etwas von Afrika und Afrikaner an Land mitzubekommen. Gerade nach zwei Einsätzen in Liberia habe ich auch große Vorfreude auf dieses Kennenlernen. Liberia befindet sich immer noch im Aufbau nach einem langen Bürgerkrieg, das Land leidet noch unter der Verrohung der Sitten und es benötigt eine UN-Schutztruppe. Da ist die Bewegungsfreiheit für uns leider etwas eingeschränkt gewesen.

In Benin hoffe ich auf größere Möglichkeiten, mich auch an Land umsehen zu dürfen. Wegen des möglichen Firmtermins kürze ich aber am Ende ab und werde doch schon am Freitag zurückfliegen. Mit Eintreffen am frühen Samstagmorgen in Paris sollte ich zur Feier am gleichen Abend pünktlich daheim sein. 

11.04.2009 um 15:03 Uhr

Unverhoffte „Begegnung“

AnastasisJanuar 2009. Stella Rimington, die frühere Chefin des britischen Geheimdienstes MI5, hat vor einigen Jahren ihre Autobiographie veröffentlicht: Open Secret, das offene Geheimnis. Einige Zeit hatte sie in den 60er Jahren in Indien gelebt. Auf Seite 80 reist sie zurück nach Europa, mit einem Schiff der Lloyd-Triest-Linie von Bombay nach Venedig. Der Name des Schiffes ist mir vertraut: Es ist die „Victoria“. Mehr als 35 Jahre nach dieser Reise habe einige Wochen auf diesem Schiff verbracht. Es fuhr seit den 80er Jahren, umgebaut als schwimmendes Krankenhaus, unter dem Namen „Anastasis“ - Auferstehung - westafrikanische Häfen an und bot dort kostenlose medizinische Hilfeleistungen an. 2006 durfte ich mich erstmals daran beteiligen, als Anästhesist im Bord-OP.

Als ich Anfang des Jahres auf Seite 80 unverhofft der Anastasis begegne, bin ich gerade in der Planungsphase für einen erneuten, dritten, Aufenthalt im schwimmenden OP. Das Nachfolgeschiff „Africa Mercy“ liegt jetzt seit Februar in Benin. Für Mai/Juni habe ich eine Reise nach Westafrika verabredet.