Last day hat
Freitag letzter Tag im OP, wenig Programm, unspektakuläre Fälle. Auf dem Schiff geht es diesbezüglich zu wie in anderen Kliniken auch geplant wird (oder werden sollte): Man lässt es zum Wochenende hin etwas ruhiger angehen, die ganz schweren Fälle muss man nicht gerade am Samstag und Sonntag auf der Station liegen haben, und mögliche Komplikationen lassen sich auch während der Woche mit vollem Team besser behandeln. Die Augenärzte haben an diesem Tag sogar ihren OP ganz stillgelegt - die schaffen sonst ein stolzes Programm von über 30 Katarakten (grauer Star) am Tag, mit zwei Operateuren in zwei Sälen, mutet fast wie Fließband an, wenn die loslegen.
Die Anästhesie verleiht mir den „Last day hat“, grüner Filz als Untergrund, rotes Blümchen obenauf - ich hätte ihn am letzten Tag zu tragen, wird mir dieses Schmuckstück als feste Tradition verkauft. Ich (er)trage es mit Würde :-). Nein, macht Spaß, selbst beim Essen im Dining Room behalten ich das gute Stück auf und schaue rundum in fröhliche Gesichter.
Abends Abflug ab Cotonou. Die mehrfachen Stromausfälle in der Abflughalle erregen kein großes Aufsehen. Auch in der Maschine stehen wir zeitweise ohne Licht, aber der Kapitän versichert, das liege ebenfalls an der Versorgung von außen, die Bordsysteme seien völlig in Ordnung. Am Nachmittag danach bin ich zu Hause. Der Stromausfall in Cotonou hat den Flug eine Viertelstunde verspätet, der Anschlussflieger in Paris hat da leider schon abgehoben. Eine gute Stunde vor Beginn des Firmgottesdienstes für meinen Ältesten treffe ich zu Hause ein. Sozusagen just in time, gut abgepasst auf 6.000 km Entfernung.
Was haben drei Wochen Benin mir gebracht? Einen strammen Stapel Fachzeitschriften habe ich abgetragen, die ältesten sogar noch von 2007, außerdem zwei Krimis gelesen. Dazu mal wieder Max Frischs „Homo faber“ - ich hatte mich erinnert an diese anstrengende Passage im Dschungel und dachte, die sollte man mal in passender Umgebung lesen. In drei Wochen im OP haben wir von der Anästhesie an die 200 Patienten in den verschiedensten Disziplinen betreut. Es hat wieder große Freude gemacht, in einem internationalen Team, mit freiwilligen Helfern aus aller Herren Länder, Hilfe zu leisten, wo es am allerdringendsten ist. Die freundlichen, dankbaren Patienten sind immer wieder schön zu erleben. Und auch fachlich erweitert man seinen Horizont, kann andere Methoden in der Praxis beobachten. Nach zwei Einsätzen im Nachkriegs-Liberia, mit angespannter Sicherheitslage und schwierigsten wirtschaftlichen Verhältnissen im Land tat es gut, einmal ein funktionierendes, freundliches, optimistisches Land kennenzulernen. Eines, in dem man sich frei bewegen kann und deutlich mehr afrikanisches Flair schnuppern. Viele gute Gründe, dass auf Betäuben in Liberia und Betäuben in Benin auch noch ein Betäuben woauchimmer folgen könnte...
