Betäuben in Benin

25.05.2009 um 22:43 Uhr

Im Bayrischen (Ur-)Wald

Und schwupps... habe ich gleich ein Beispiel für das, was ich gestern geschrieben habe. Heute früh anästhesiere ich im Saal der Allgemeinchirurgen. Die machen Operationen wie Schilddrüsen und Leistenhernien, das Format ist allerdings etwas anders als in deutschen OPs. Wenn der deutsche Patient mit dem Knötchen in der Schilddrüse oder diffuser Vergrößerung zur OP kommt, dann haben die eine Größe, über die man hier nur lachen kann. Westafrikaner neigen offenbar zu Schilddrüsenvergrößerungen. Das liegt an genetischen Faktoren, auch an der Ernährung, an Umwelteinflüssen. Auch in Deutschland gibt es Schilddrüsengebiete, so führt im Bayrischen Wald der Jodmangel zur Häufung von „Kröpfen“. Ähnliches bietet offenbar auch der westafrikanische Urwald.

Nun ja, heute morgen lässt sich Irene von einer vergrößerten Schilddrüse befreien. Die Beule am Hals ist mindestens faustgroß, geht aber nach Aussage der erfahrenen OP-Schwester für westafrikanische Verhältnisse als wenig spektakulär durch. Im Laufe der OP besprechen wir im Team, ob sie wegen der auffällig weichen Luftröhre möglicherweise gefährdet ist für Atemprobleme nach der OP, ob sie nachbeatmet werden sollte, ob wir sonstige Maßnahmen ergreifen müssen. Wir lassen sie schließlich, extubiert, etwas länger im Aufwachraum beobachten. Und heute Abend geht sie wie üblich auf die Normalstation. Glücklicherweise stellen sich auch keine Komplikationen ein.

Gefunden auf http://www.travelblog.org/Photos/1121909.html

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwar kein Originalbild von Mercyships, aber wohl eine für westafrikanische Verhältnisse nicht untypische Schilddrüsenvergrößerung.

Nach meinem (fast schon rituellen) Gang aufs Oberdeck aber, wo ich abends regelmäßig noch etwas lese, Musik höre, aufs Meer blicke und entspanne, fällt mir doch die Patientin wieder ein. Und da ist es eben eine Kleinigkeit, auf dem Weg zur Kabine noch einen Abstecher zu machen. Suche die Patientin also erst auf B, wo sie gestern lag und heute nicht mehr, wo ich aber dafür einem anderen Patienten noch etwas Schmerzmittel verordnen kann. Finde sie dann auf Station A, wo sie zufrieden und gut versorgt ist, und kann beruhigt meinen Weg fortsetzen. So ist das, wenn man „über dem Laden“ wohnt.

Heute abend sind die Stationen übrigens fast nur deutsch besetzt. Mehrere Schwestern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz sind an Bord und sind vom Dienstplan heute zusammengewürfelt worden. Mein Englisch wird zwar von Aufenthalt zu Aufenthalt besser, aber es ist doch schön, wenn man sich im „Laden“ dann auch mal auf Deutsch verständigen kann.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenJari schreibt am 27.05.2009 um 16:45 Uhr:ich hatte vor etwa zwei jahren eine schilddrüsenüberfunktion. damals konnte ich mir darunter nichts vorstellen und fragte mich, warum ich deswegen medikamente nehmen soll. wenn ich deinen bericht damals gelesen hätte, wäre ich wohl nicht so frustriert gewesen....

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