Samuel wartet
Mein Handy dient gleichzeitig als Wecker und mp3-Player. Und ist mit dieser Dreifachfunktion offensichtlich überfordert, hat sich nämlich letzte Nacht entladen... im Aufwachen kommt mir nur merkwürdig vor, dass ich nicht das typischen Weckgeräusch im Ohr habe. In der dunklen, fensterlosen Kabine bleibt sonst wenig Anhalt für weitere Orientierung. Ein Blick auf den Reisewecker meines Roomies - der bricht schon immer früh zu seinen Zahnruinen auf - zeigt, dass ich hoffnungslos verschlafen habe. 9.00 Uhr. Während ich in meine Scrubs schlüpfe, klopft auch schon Alison an die Tür, sie ist die OP-Managerin und damit meine Chefin. Und mit grenzenlosem Verständnis ausgestattet. Also nichts wie in den OP, der erste Patient ist noch nicht bestellt worden, so ohne Anästhesist. Die OP-Schwester besorgt mir wenigstens noch einen Kaffee, aufs übrige Frühstück verzichte ich in aller Demut.
Der erste Patient, der nun etwas längere Wartezeit hatte, ist Samuel, 13 Jahre alt, schon ziemlich groß gewachsen für sein Alter. Ein freundlicher Junge, mit dem ich mich beim Prämedizieren nett unterhalten habe. Er hat einen Klumpfuß, also eine Fehlstellung des Fußes, der eine Fuß ist so verdreht, dass sozusagen der Fußrücken nach unten zeigt und er seit 13 Jahren darauf laufen muss. Das wird man bei uns nie zu sehen bekommen, weil der Orthopäde eben in Nullkommanix so ein Kind unters Messer nimmt und das Problem beseitigt. Hier in Afrika dauert das halt 13 Jahre, bis so ein Schiff mit Knochendoktor und OP-Saal kommt. Und an schlechten Tagen auch noch eine Stunde länger, wenn der Anästhesist verpennt. Aber jetzt ist alles in Ordnung gebracht.

:-)))
liebe Grüsse !