Stimmung: traurig
Hallo liebe Leser,
nachdem ich den Blog vor längerer Zeit öffnete, dachte ich, das zum Einen sich eh kaum jemand interssieren würde, und zum Anderen ich mehr Zeit aufbringen würde, diesen Blog mit Inhalten zu füllen. Schließlich bin ich daran interessiert, auch Andere zu hören (lesen), wie sie mit dem Thema umgehen und was sie zu sagen haben.
Nun stelle ich fest, es interessiert sich tatsächlich jemand dafür und man fordert mich auf, weiter zu machen. Nun, da ich heute eh den Blues habe, so sei es.
Es gibt hier einen Beitrag, der selbst als Borderliner sich zu Wort gemeldet hat, Du hast sicherlich Deinen eigenen Blickpunkt und Wahrnehmung. Die des Angehörigen sieht ganz anders aus. Am Anfang hatte ich das starke Gefühl, ich bekomme das hin, offesnichtlich typisch männlich und überzheblich zugleich. Obwohl es am Anfang aus meiner Sicht sogar stimmte. Aber dies nur, weil ich nicht genau hingesehen habe und eher dominant denn einfühlsam war. Wach geworden bin ich glaube ich erst, als die Selbstverletzungen meiner Frau immer schlimmer wurden.
Am Anfang waren es nur kleine Verletzungen, sogenanntes "Ritzen" mit einer Glasscherbe. Nun, sie haben geblutet, aber nicht besonders stark. Trotzdem war ich entsetzt, geradezu schockiert. Als es damals losging und ich es während eine Klinik-Aufenthalts meiner Frau mitbekam, hatte ich ein gutes Gespräch mit einer behandelnden Ärtztin. Sie brachte es mir nahe, was in meiner Frau zu dem Zeitpunkt des "Ritzen" in Ihr vorgeht. Die Unfähigkeit sich selbst zu spüren, der Unglaube in die eigene Unattraktivität und der damit verbundene Unglaube über haupt LIBENS-Wer zu sein, trieb sie dazu, sich zu verletzen. Für mich unvorstellbar und grotesk. Dennoch half es mir damals vor ca. 5 Jahren, es zumindest zu akzeptieren.
Wir trafen damals die Vereinbarung, das Sie sich nie schneiden würde, wenn Sie allein war. Ich fühlte mich nämlich vollständig ausgeschlossen, obwohl ich den geliebten Menschen beistehen und helfen wollte.So hatte ich zumindest die Chance, sie danach zu versorgen, zu reinigen und zu verbinden oder ein Pflaster aufzulegen. Es hat mir in so weit geholfen, das ich kein Aussenseiter war in der Sache, obwohl ich schon damls gelitten habe in den speziellen Situationen wie ein Hund. Aber ich war dabei, für mich unglaublich wichtig. Klar, ich habe, wie man mir auch riet, alles versucht, um sie davon abzuhalten. Und zwar, indem ich versuchte stärkere Reize oder Ablenkungen zu schaffen, die sie eben davon abhielten. Ist mir oft gelungen, ,manchmal spontan rausgehen, in die Sauna, zum Schwimmen, mit dem Hund raus, Kuscheln bis hin zu Sex. Wie gesagt, es hat oft gewirkt, aber eben manchmal kam ich zu spät (der Alltag frißt so vieles) oder ich hatte keinen Erfolg weil ihr Wunsch stärker war.
Zu der gleichen Zeit haben wir uns so oft gestritten, laut, lange, sinnlos und immer wieder. Ich glaube, sie warf mir ca 100 mal die Eheringe vor die Füße, etwas öfter brach sie die Beziehung ab oder wollte die Scheidung ohne es jeh durch zu ziehen. Ich Idiot konnte zwar eine Weile währenddessen ruhig bleiben, aber nach einer Weile bot ich ihr die Konfrontation und stritt mit ihr. Meistens ging ich nach einer Weile raus, irgendwan mit dem Schlafsack an den See für einer Nacht. Oder schlief im Auto. Hauptsach weg aus der Situation. Ich bemerkte nämlich, dass es mir immer schwerer fiel mich zu beherrschen. Mit sehr hoher Sicherheit traf sie mich immer wieder an meinen empfindlichsten Seiten und bohrte, es tat sehr weh. Und ich wurde wütend. Ja ich kochte förmlich, ballte meine Fäuste und war mehrfach kurz davor, ihr eine Ohrfeige zu geben, damit endlich Ruhe war. Ich schaffte es mit grosser Mühe, weg zu gehen. Das war für sie das Schlimmste, für mich, wenn ich handgreiflich geworden wäre,
Das ging ca 5 Jahre so. Dreimal wollte ich wirklich gehen, sie verlassen, dem Stress und Druck entfliehen. Raus, nur raus, RUHE, das war es was ich wollte. Aber es ging nicht. Jedesmal, wenn sie merkte, ich meine es ernst, weinte sie hemmungslos, und bettelte mich an, zu bleiben. Ich blieb immer, bis heute. Die Gründe dafür sind so einfach und trotzdem kompliziert. Zuallerst: Ich liebe Sie. Und ich hoffe und kämpfe und mach weiter. Zum anderen, es ist eine Verantwortung,die ich mit übernommen habe. Sie hat eine heute 13 jährigen Sohn, der bei uns lebt, meinen Stiefsohn, und einen Erwachsenen, der mittlerweile eigene Wege geht. Ich bin mir sicher, wenn ich sie verlasse, passiert etwas schreckliches. Das möchte ich weder für sie, noch für meinen Stiefsohn.
Für mich möchte ich aber Ruhe, Normalität!?
Vor ca drei Jahren wurden die Selbstverletzungen schlimmer. Ihr innerer Druck nahm zu, die Anspannung stärker, und die Selbstverletzungen nahmen einen quasi "Suchtcharakter" an. Nachvollziehbar, denn immer wenn sie sich schnitt, ging es ihr besser. Ich versorgte sie, sie war ruhig, und meine Nacht wurde zum Tag, denn dann ging es bei mir los. Die Werkzeuge wurden von der Glasscherbe durch Skalpelle ersetzt. Meine Frau arbeitet in einem Tiermedizinischen Labor, freier Zugang auf ihr tägliches Arbeitwerkzeug. Was dann in unserem badezimmer abging, möchte ich schildern, sehr detailliert und genau. Denn dies ist etwas, was ich nie aus meinen Kopf bringe, das mir nachts erscheint, und mich so brutal hilflos macht und meinen Kopf explodieren lässt. Zartbesaitete und Menschen mit bildhafter Fantasie sollten vielleicht überdenken, ob sie weiterlesen.
Die Vereinbarung galt nach wie vor, mich nicht auszuschliessen, trotzdem konnte ich fast 100%'ig davon ausgehen, das sie sich nach jeder Auseinandersetzung schnitt. Und zwar immer extremer. Ein Beispiel:
Wir hatte uns gestritten, und ich ging. In den kleinen Biergarten, wenige hundert Meter von uns entfernt. Lenkte mich mich ein wenig ab und versuchte runter zu kommen. Mein Telefon hatte ich immer dabei in solchen Situationen. Ca. 30 min. später kam mein ältester Stiefsohn aufgeregt angelaufen (er wusste als Älstester Bescheid). "Du musst sofort kommen, die Mama hat sich geschnitten.!" Ich sprang auf, und rannte los. Im Hausflur angekommen, kam meine Nachbarin, Gott sei Dank Arzthelferin von Beruf, mir entgegen, mit einem Beute mit Unmengen von Fliestüchern. "Sie ist oben" sagte sie. Ich lief weiter. Die Tüt stand offen, überall Blut, getrocknetes, Lachen, die noch glänzten, die Wände mit blutigen Fingerabdrücken gespenkelt. In unserem Hausflur saß meine Frau, blutverschmiert, den Unterarm notdürftig mit einer blutigen Mullbinde notdürftig versorgt. Sie war weiss, wie die Wand, an der sie lehnt. Mich überkam eine deratige Wut, das ich mit voller Wucht die Faust an den metallernen Türrahmen schlug. Es tat sehr weh. Stellt Euch sich vor, jemand macht Deine Frau oder Freundin auf einem Fest an, oder belästigt Sie unter Umständen sexuell. Man(n) geht hin und hautihm eine rein, oder zwei oder zwanzig. So wie es "normal" wäre. Aber das hier was dasselbe und doch vollständig anders. Das liebste, das man hat, zerstört das liebste was man hat. Der Konflikt in dem Moment ist unermeßlich und nicht nicht zu beschreiben. Man muss es erleben, um es nachvollziehen zu können. Das erklärt meine Wut und den Faustschlag an die Tür! Ich suchte einen neuen Verband und sterile Kompressen öffnete den alten durchgebluteten Verband, und erschrak!! 5 sehr tiefe Schnitte auf dem Unterarm kamen zum Vorschein. Sie füllten sich sehr schnell wieder mit Blut, und ich war froh, das meine Nachbarin wieder kam, und mir schnell halft, einen vernünftige Erstversogung zu machen. Danach fuhren wir in die Notaufnahme und liessen die Wunden versorgen und nähen. Später erfuhr ich, das si mehrere Minuten bewustlos gewesn ist und versuchte mich zu erreichen. Leidr fand sie die Nummer nicht. Der nächste Versuch war der Notruf, aber in ihrer Verwirrung wählte sie die Ortsvorwahl mit. Sie hatte großes Glück, das sie den Weg hoch zur Nachbarin fand und diese da war.
Solche und ähnliche Aktionen hatte ich in den vergangenen drei Jahren ca. 15 Mal. Ein oder zwei weitere Ereignisse werde ich noch mal in Ähnlicher Form schildern, aber heute nicht. Es strengt sehr an. Sie hat danach immer ein furchtbar schlechtes Gewissen mir gegenüber, weil sie weiss wie ich darunter leider, trotzdem es ihr besser geht. Meist bekommt sie aus der Notaufnahme ein Beruhigungsmittel, und sie schläft daheim zügig und ruhig ein. Es ist manchmal vorgekommen, das ich mir dann um 2 Uhr in der Nacht zwei gute Freunde eingeladen habe, sie hiessen oft Jonny und Wlker, oder Jack Daniels und Jim Beam
, und sie blieben, bis sie leer waren. Am nächsten Tage zu arbeiten war nur seh bedingt möglich (ich arbeite im Software Vertrieb).
Jetzt geht nix mehr. Ein ander mal mehr. Freue mich auf Eure Kommentare!!
Scorpillon