Stimmung: müde
Musik: Damien Rice - The blowers daughter
Da hat man nun einige Beziehungen. Beziehungen aus Langeweile, Beziehungen, die nach genauerer Überlegungen eigentlich gar kein waren. Beziehungen, die nach 2 Tagen schon wieder vorbei waren, Beziehungen, die einem schon nach 2 Wochen auf den Sack gingen und Beziehungen, von denen man dachte sie würden zumindest etwas länger dauern und nach deren Ende man dachte, welcher Teufel muss einen geritten haben um sie überhaupt erst einzugehen.
Und irgendwann tauch dann jemand auf, von dem man nie gedacht hätte jemals mehr als Freundschaft zu haben, von dem man das erste mal zu 100 % sicher ist, dass diese Person es genauso ernstt meint wie man selbst. Das erste mal wirklich Angsthaben, diesen jemand zu verlieren und doch zu wissen, dass man unglaublich viel Mist bauen kann und sie trotzdem noch da ist.
Also geht man mit dieser Person eine Beziehung ein, hat eine unglaublich schwere schöne Zeit und freut sich jedes Mal wie ein Schnitzel wenn man nachts um 5 Uhr aufwacht und dieser Jemand immer noch neben dir liegt, ist dermaßen am Boden zerstört wenn sie nicht da ist, zieht ein Gesicht, bei dem wildfremde Leute dich fragen ob alles Ok ist und fühlt sich wie auf Drogen wenn man dann doch wenigstens die Chance hat, für ein paar Minuten miteinander zu telefonieren.
Dann kommt irgendwann der Tag an dem man beschließt Schlusszumachen, beispielsweise wegen zu großer Entfernung, Geldmangel und Autoritätspersonen, die mit der Art, wie man lebt, nicht einverstanden sind. Darauf folgt Phase 1, in welcher einem alles Leid tut was man gemacht oder nicht gemacht hat, usw.
Dann Phase 2, in der die oder der verlassene den Ex-Partner verflucht. Schwierig wird’s dann, wenn die Beziehung beidseitig beendet wurde, wegen Gründen, für die keiner der beiden etwas kann.
Gegen wen sollte man jetzt seine Wut richten?

Auf das Land, in dem man ungewollterweise lebt, auf das Arbeitsamt, das einem nicht weiterhilft, weswegen man unter chronischem Geldmangel leidet und sich dadurch kein Auto leisten kann, auf die Deutsche Bahn, deren Tickets sich ein Schüler oder Student sich kaum leisten kann?
Wütend sein ist leicht solange man seine Wut gegen eine Person richten kann. Aber auf Dinge wütend sein? Man schreit nicht den Kühlschrank an, wenn in dessen inneren gähnende Leere herrscht. Man schreit die Person an, die wieder mal vergessen hat einzukaufen.

Ich persönlich käme mir ziemlich dumm vor beispielsweise am Bahnhof zu stehen und jeden vorbeifahrenden Zug zu verfluchen und ihn mit Glasflaschen zu bewerfen..
Die Wut zu unterdrücken kann nicht gesund sein. Sie an Menschen auszulassen, die dir was bedeuten und die vor allem damit gar nichts zu tun haben ebenfalls.
Und man fragt sich ob es nun besser ist die Wut zu unterdrücken oder and sich selbst auszulassen.
... vielleicht sollte man doch das Altglas nehmen und dem Bahnhof einen Besuch abstatten. Oder wahlweise sich im Baumarkt ein paar Spraydosen mit augenkrebs-erregenden grellen Farben besorgen und Richtung Arbeitsamt marschieren ...