Wie es so ist im Leben: Wochenende und fast nix vor, außer mit den Blauen Augen auf ein Straßentheaterfestival. Wir haben letzten Samstag vier (!) Stunden miteinander telefoniert, eigentlich ist das ja ein gutes Zeichen, aber das Pausebräuschen kennt sich: Das bedeutet gar nix. Ich bin schließlich weiblichen Geschlechts, da sind vier Stunden Telefonat ein lauer Wind am Rande des Universums.
Absolut beängstigend fand ich sein Statement zu meiner Scheinehenplanung: Ich hatte kurz überlegt, ob ich mein achtjähriges Versetzungsgesuch mit dem Eingehen einer Ehe beschleunigen kann. Der Kandidat müßte lediglich unverheiratet, Deutscher sein und in Berlin wohnen, damit man mir nicht unterstellen kann, ich würde eine Scheinehe eingehen. So ein bißchen wie in diesem Film mit Gerard Depardieu und Andie McDowell, wo sie ihn ehelicht, um die Wohnung mit dem Dachgarten zu bekommen. Hier geht es aber nicht um einen Dachgarten, sondern um die Perspektive, nicht jeden Tag drei Stunden Fahrzeit hinter sich bringen zu müssen. Ehemänner ziehen als Versetzungsgrund enorm, ähnlich sieht es mit schwerbehinderten, pflegebedürftigen Familienangehörigen aus, von denen ich gottseidank keinen vorzuweisen habe.
Ich habe diesen Gedanken einem befreundeten - unverheirateten - Mann vorgestellt, um mal testweise in Erfahrung zu bringen, ob sich Männer mit den genannten Attributen ABSTRAKT mit dem Gedanken anfreunden können. Mein Bonusprogramm sähe die Hälfte des Verheiratetenzuschlags vor plus dem Angebot der privaten Krankenversicherung, im Falle einer Schwangerschaft (na das wollen wir ja nicht hoffen, daß der Heilige Geist nach 2000 Jahren ausgerechnet bei mir zuschlägt - und ein anderer kommt nach dem Stand der Dinge wohl kaum in Frage) müßte der Gatte allerdings die Vaterschaft anfechten.
Alles Lüge, soeben hat Journalist I sich gemeldet, fragt nach Verabredung. Das ist ja der Einzige aus der Riege, den ich wirklich RICHTIG nett finde, so auf Kumpelebene zwar, aber was heißt da schon zwar. Das hat so mancher bei mir nicht erreichen können, ich sage nur:Designer. Dieser meldete sich heute auf dem Handy, erfreulicherweise war ich gerade ein menschliches Rühren auf der Zugtoilette zu beseitigen. Handy aus, sicher ist sicher.
Doch zurück zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Ehemännern, besser dem Ehemann. Also, der befreundete Mann war leicht überfordert, hat den persönlichen Stiefel allerdings nach Entwarnung abgestreift und war von der Idee - interessiert, auf neutraler Ebene, nicht persönlich. Meine Kernfrage zu dem Zeitpunkt war eigentlich: Kein Mensch/Mann heiratet heutzutage mehr, wenn nicht der Schwiegervater/eigene Vater mit Enterbung droht. Dann ist es doch eigentlich logisch, dieses steuerbegünstigte Bündnis mit jemandem einzugehen, von dem keine Gefahr in Form von emotionalen Unwägbarkeiten einzugehen. Die Ehe klappt, weil sie eben nur auf dem Papier besteht. Ich fand meine Argumentation rational, logisch und umwerfend.
Zwei Tage später habe ich den Gedanken aber schleunigst selbst verworfen, denn... ich will nicht mit irgendjemandem verheiratet sein. Ich will irgendwo tief in mir drin doch ein bißchen stolz und angetan auf und von meinem Papiermann sein, auch wenn er nicht Bett, Kloschüssel und andere Dinge mit mir teilt. Und wenn ich das will, sieht das die Gegenseite wohl genauso. Eine Annonce aufzugeben, ist daher wohl kaum das Richtige, allerdings ist das eine nette Idee, wenn man einen Mann mal richtig rennen sehen will: Vielleicht sollte ich dem Designer mal die Frage stellen, ob er mich heiraten will, grins. Aber der sagt zum Schluß noch ja, lieber nicht.
Die Blauen Augen waren hingegen von ausgewogener, ja fast zu ausgewogener Neutralität in der Reaktion. Das sei doch die Wiederbelebung der Versorgungsverbindung, praktisch und realitätsnah. Wo er recht hat, hat er recht. Ich habe den Plan jedoch ad acta gelegt, Recht hin oder her.
Realität sieht sonst ganz anders aus: Keine Meldung vom Altersfascho, der scheint in der letzten Urlaubswoche echt zu tun zu haben, der Journalist II ist in der Versenkung verschwunden, das maulfaule Stück, und auch ansonsten: Nada. Allein aus dem tiefsten Westen meldete sich der Mantel wieder. Aber die Geschichte erzähle ich ein anderes Mal, mir wurde auf die Tastatur gepinkelt, ich bade schon lange genug meine Hände in Katzenurin.