Börsenfieber

09.11.2008 um 21:15 Uhr

Blödheit

Jeps, ich bin eine Wutz. Ich habe hier ewig nichts geschrieben und passiert ist doch eine ganze Menge, aber nichts von männlicher Seite. Vielleicht hab ich es einfach wieder mal nicht kapiert?
Fakt ist, daß ich mir in meiner unendlichen Blödheit zumindest eine riesige Brandblase auf dem Fußrücken zugezogen habe. Man und auch frau sollte halt doch nicht mit Wärmflasche ins Bett steigen, wenn man vorher vier Gläser Wein in sich hineingegossen hat.

Nach dem Backenzahndesaster der letzten Wochen der zweite Versuch der Selbstzerstörung ohne hinlängliches Ergebnis, aber mit dauerhaftem Schmerz. Mein Kater ist nach zwei Wochen Verleih an den Altersfascho auch wieder bei mir und damit die einzige männliche Bezugsperson (kastriert) meines Daseins.

Außerdem rückt diese beknackte Fortbildung immer näher und weil das Leben ja sonst langweilig werden könnte, habe ich mich noch auf eine Stelle beworben, um endlich mal die Pendelei nach Frankfurt/Oder zu beenden. Ich werde also älter, draußen wird es kälter, das Leben dümpelt so vor sich hin und ich bin weder am Boden zerstört noch himmelhochjauchzend, sondern einfach mittendrin. Leidenschaftslos. Ich gebe mich dem Abstumpfen hin und trinke dabei Alkohol, rauche und esse zuviel Schokolade. Naja, jeder hat das Recht auf Verwahrlosung, das habe ich immerhin während des Studiums gelernt.

09.10.2008 um 20:54 Uhr

Brontosaurus mogolus

Um es kurz zu fassen: Keine Männer weit und breit. GUT SO! Ich bin von dem Paarungswillen so weit entfernt wie vom Mond. Paarungswillen im Sinne von Paarbildungswillen, um das mal klar zu stellen. Das hat auch nichts damit zu tun, daß meine Mutter von letztem Donnerstag abend bis einschließlich Montag mittag auf meiner Pelle klebte und jegliche Nahaufnahme damit für die nächsten Monate ausgeschlossen sein wird.
Immerhin habe ich es geschafft, mein Profil in der Singlebörse auf Null zu beamen, alles Aussagefähige bzw. -kräftige ist gelöscht. Nach zwei Wochen habe ich es zudem auch geschafft, dem Mantel auf seine Nachricht zu antworten, der Rechner stellt für mich momentan keine Verbindung zur Außenwelt, sondern eher einen Dämon dar, der in meiner Wohnung auf mich lauert. Wie die unbezahlten Rechnungen. Brav, folgsam und aus Angst vor bösen Konsequenzen ziehe ich es daher vor, nun mein Konto zu leeren. Dann wird noch der Schulranzen für morgen gepackt und das Wochenende steht mit seiner unglaublichen Menge Freizeit vor der Tür, mal sehen, wie ich das dieses Mal bewältige.

26.09.2008 um 22:29 Uhr

Langeweile?

Wie es so ist im Leben: Wochenende und fast nix vor, außer mit den Blauen Augen auf ein Straßentheaterfestival. Wir haben letzten Samstag vier (!) Stunden miteinander telefoniert, eigentlich ist das ja ein gutes Zeichen, aber das Pausebräuschen kennt sich: Das bedeutet gar nix. Ich bin schließlich weiblichen Geschlechts, da sind vier Stunden Telefonat ein lauer Wind am Rande des Universums.

Absolut beängstigend fand ich sein Statement zu meiner Scheinehenplanung: Ich hatte kurz überlegt, ob ich mein achtjähriges Versetzungsgesuch mit dem Eingehen einer Ehe beschleunigen kann. Der Kandidat müßte lediglich unverheiratet, Deutscher sein und in Berlin wohnen, damit man mir nicht unterstellen kann, ich würde eine Scheinehe eingehen. So ein bißchen wie in diesem Film mit Gerard Depardieu und Andie McDowell, wo sie ihn ehelicht, um die Wohnung mit dem Dachgarten zu bekommen. Hier geht es aber nicht um einen Dachgarten, sondern um die Perspektive, nicht jeden Tag drei Stunden Fahrzeit hinter sich bringen zu müssen. Ehemänner ziehen als Versetzungsgrund enorm, ähnlich sieht es mit schwerbehinderten, pflegebedürftigen Familienangehörigen aus, von denen ich gottseidank keinen vorzuweisen habe.

Ich habe diesen Gedanken einem befreundeten - unverheirateten - Mann vorgestellt, um mal testweise in Erfahrung zu bringen, ob sich Männer mit den genannten Attributen ABSTRAKT mit dem Gedanken anfreunden können. Mein Bonusprogramm sähe die Hälfte des Verheiratetenzuschlags vor plus dem Angebot der privaten Krankenversicherung, im Falle einer Schwangerschaft (na das wollen wir ja nicht hoffen, daß der Heilige Geist nach 2000 Jahren ausgerechnet bei mir zuschlägt - und ein anderer kommt nach dem Stand der Dinge wohl kaum in Frage) müßte der Gatte allerdings die Vaterschaft anfechten.

Alles Lüge, soeben hat Journalist I sich gemeldet, fragt nach Verabredung. Das ist ja der Einzige aus der Riege, den ich wirklich RICHTIG nett finde, so auf Kumpelebene zwar, aber was heißt da schon zwar. Das hat so mancher bei mir nicht erreichen können, ich sage nur:Designer. Dieser meldete sich heute auf dem Handy, erfreulicherweise war ich gerade ein menschliches Rühren auf der Zugtoilette zu beseitigen. Handy aus, sicher ist sicher.

Doch zurück zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Ehemännern, besser dem Ehemann. Also, der befreundete Mann war leicht überfordert, hat den persönlichen Stiefel allerdings nach Entwarnung abgestreift und war von der Idee - interessiert, auf neutraler Ebene, nicht persönlich. Meine Kernfrage zu dem Zeitpunkt war eigentlich: Kein Mensch/Mann heiratet heutzutage mehr, wenn nicht der Schwiegervater/eigene Vater mit Enterbung droht. Dann ist es doch eigentlich logisch, dieses steuerbegünstigte Bündnis mit jemandem einzugehen, von dem keine Gefahr in Form von emotionalen Unwägbarkeiten einzugehen. Die Ehe klappt, weil sie eben nur auf dem Papier besteht. Ich fand meine Argumentation rational, logisch und umwerfend.

Zwei Tage später habe ich den Gedanken aber schleunigst selbst verworfen, denn... ich will nicht mit irgendjemandem verheiratet sein. Ich will irgendwo tief in mir drin doch ein bißchen stolz und angetan auf und von meinem Papiermann sein, auch wenn er nicht Bett, Kloschüssel und andere Dinge mit mir teilt. Und wenn ich das will, sieht das die Gegenseite wohl genauso. Eine Annonce aufzugeben, ist daher wohl kaum das Richtige, allerdings ist das eine nette Idee, wenn man einen Mann mal richtig rennen sehen will: Vielleicht sollte ich dem Designer mal die Frage stellen, ob er mich heiraten will, grins. Aber der sagt zum Schluß noch ja, lieber nicht.

Die Blauen Augen waren hingegen von ausgewogener, ja fast zu ausgewogener Neutralität in der Reaktion. Das sei doch die Wiederbelebung der Versorgungsverbindung, praktisch und realitätsnah. Wo er recht hat, hat er recht. Ich habe den Plan jedoch ad acta gelegt, Recht hin oder her.

Realität sieht sonst ganz anders aus: Keine Meldung vom Altersfascho, der scheint in der letzten Urlaubswoche echt zu tun zu haben, der Journalist II ist in der Versenkung verschwunden, das maulfaule Stück, und auch ansonsten: Nada. Allein aus dem tiefsten Westen meldete sich der Mantel wieder. Aber die Geschichte erzähle ich ein anderes Mal, mir wurde auf die Tastatur gepinkelt, ich bade schon lange genug meine Hände in Katzenurin.

23.09.2008 um 21:57 Uhr

Das wahre Leben

Seit gestern arbeite ich wieder, ganz ungewohnt nach drei Wochen Freizeit. Losgesagt von den Herren der Schöpfung kann ich mich jetzt ganz auf meine Karriere stürzen, also besser, auf die Vermeidung von Streß, ich bin ja Beamtin. Dazu habe ich mich gestern überreden lassen, auf einer Fortbildung einen anderthalbstündigen Vortrag zu halten. IcH! Ich weiß auch nicht, was mich da gebissen hat, aber ich werde das Kind schon schaukeln, bis Mitte November habe ich für die Vorbereitung Zeit und dann... werden wir erfolgreich untergehen oder eben nicht.

Gestern war ich zur Einstimmung auf die Arbeitswelt dann zunächst auf dem Wandertag, zehn Kilometer an der Oder entlang, ein bißchen socialising unter Kollegen - und wenn man nicht zu viel erwartet, dann wird sowas ja auch nett. Ich habe die üblichen doofen Tussis brüskiert, weil ich mit den entsprechenden Herren getanzt, gelacht und gequatscht habe; es tut mir leid, aber manchmal erscheint mir eine Behörde wirklich nur als Fortsetzung des Kindergartens oder der Schule, die hängen ein Leben tagtäglich aufeinander und erwarten wer weiß was vom anderen. Hey, ich gehe dahin, weil ich Geld brauche. Ende der Durchsage. Ich muß da keinen lieb haben und auch von niemanden geliebt werden, dafür gibt es im Idealfall ja die Freizeit, auch wenn bei mir kein Idealfall herrscht. Kann ja noch kommen oder eben nicht, aber deswegen muß ich doch nicht in der Krabbelgruppe unter Alkoholeinfluß aufdringlich werden, hm?

21.09.2008 um 18:46 Uhr

Nachwehen

Hm. Da verkünde ich im Internet den Beschluß, den Männern den Rücken kehren zu wollen und stelle mich innerlich darauf ein, einsam, verlassen und folgerichtig frustriert durchs Leben zu ziehen - da melden sich die Kandidaten der vergangenen Wochen zurück.

Zunächst der Designer. Irgendwie drängt sich mir der Gedanke mit dem Finger und der ganzen Hand auf, wenn ich gerade mal 48 Stunden später wieder mal einen Anruf auf meinem Telefon finde, den ich gnädigerweise durchs Duschen verpaßt habe. Kein Rückruf, stattdessen telefoniere ich mit meiner Mutter, mit der ich mich mittlerweile wieder vertragen habe und schildere einer erfahrenen Frau das Problem. Von ihrer Seite kommt dann: Das paßt überhaupt nicht zusammen und der scheint ja völlig in seinem eigenen Film zu leben. Genau, Mama hat's erfaßt, das Schlimme ist, der Film ist zudem von Verfressenheit geprägt und von den sich ständig wiederholenden Erzählungen über seine gutsituierte Familie. Gähn. Wie ich mit meiner besten Freundin neulich feststellte: Langweilig sein kann ich besser alleine; zu zweit langweilig sein ist der blanke Horror.

Journalist I meldet sich, nachdem ich ihm die Woche auf den AB gesprochen habe, verspricht, sich erneut zu melden, tut dies aber immer dann, wenn ich nicht zu Hause bin. Das ist zwar irgendwie doof, aber so läuft das eben auch mal. Ich melde mich da schon wieder, aber erstmal ist ja Ruhe angesagt.

Und dann hatte ich gestern abend noch ein vierstündiges Telefonat mit den Blauen Augen, der sich ja nunmehr dem Angebot der Volkshochschule ausgeliefert hat und vom Yoga- über den Spanischkurs zum Badminton eilt und sich fortbildet. Grob haben wir aber vereinbart, kommendes Wochenende auf den Boulevard of Broken Dreams zu gehen, das ist so ein Straßen-Theater-Festival, da kann nicht viel schiefgehen.

Soeben piepst mein Handy und der Junge fragt an, was ich heute mache. Ich nähere mich unaufhaltsam dem Verfolgungswahn. Meine Haare sind fettig und ich bin auch eigentlich nicht in der Stimmung, mich jetzt nochmal aus dem Haus zu jagen, morgen muß ich ja nach langer Abstinenz mal wieder arbeiten. Ich gönne mir zumindest eine Pause, bis ich antworte. Eigentlich müßte ich heute noch dem Altersfascho eine Mail schreiben, aber puh, wann?