Aus dem Leben eines Taugegarnichts

25.05.2004 um 20:02 Uhr

Mir doch egal.

Deeeeeeeeeeeeprimiert. Oh, was bin ich deprimiert. Faleri... deprimiert... falera.... deprimiert. Habe gestern einen Brief von meinen Brötchengebern gekriegt, in dem sie mir die Zeiten für meine Prüfungen mitgeteilt haben: 1x 4h schriftliche, 2x4h mündliche Prüfung. Aber hey, keine Details, ihr müsst mir nicht sagen *worin* ich geprüft werde!
Der Leser kann sich ein etwaiges Bild von meiner Lernmotivation machen, indem er sich die Ambitionen eines Nichtschwimmers, den Pazifik zu überqueren, oder eines Gärtner, einen Sumpf zu gießen, vorstelle.
Ich - habe - keinen - Bock! Wofür auch? Weil eine mit drei bestandene Diplomprüfung auf'm Arbeitsamt besser angesehen ist, als gar keins? Leckt mich!

Was meine Freunde von der Umweltverwaltung angeht: Auch ihr dürft mich lecken! Nachdem ihr euch nun vier Wochen lang nicht gemeldet habt, habe ich durchaus andere (ja doch, legale) Mittel gefunden, meinen Müll loszuwerden.
Eine weitere Möglicheit wäre, keinen Müll mehr zu produzieren, was bedeuten würde, nichts mehr zu essen. Wär eh besser, ist ohnehin alles zu teuer.

Ja, auch heute wieder der obligatorische positive Aspekt des Lebens: Die Arbeit macht Spaß, die könnte ich ein paar Jahre machen. Allerdings ist die Ende der Woche erledigt und nicht gut für meinen Rücken. Autsch.

Heute ist mir aufgefallen, dass mir noch irre viele Details vom Bussfahren erinnerlich sind. Die Busse, die Stationen, die Gäste, die Aussicht....

Gleichgültigkeit, Centi, Gleichgültigkeit....

23.05.2004 um 12:05 Uhr

Titel

Status der Gleichgültigkeit: Geht so. Ich muss wirklich mehr üben und mich mehr bemühen, so werde ich jedenfalls niemals Diplom-alles-egal-Finderin.
Vrdimmisch, hab ich ein Heimweh... aber vorbei ist vorbei. *seufz* Weil selbst wenn ich irgendwann nach Marburg zurückkehren könnte - was sollte es? Es wäre ohnehin nie wieder das Gleiche und das wäre vermutlich noch deprimierender. Denn was wäre Marburg außerhalb der "Marburger Zeit"? Eine nette Stadt, mehr nicht.
Uuuuhhh, ich vermisse diesen Balkon, und die Aussicht, und alles andere eigentlich auch.

Werfen wir also spontan noch einmal einen Blick auf das derzeitige Stellenangebot:
"Zur Zeit ist uns keine Stelle gemeldet."
Is' ja auch egal. (Ich lern' das schon irgendwann!)
Nur so langsam wird die Zeit knapp und ich sollte mir ein paar Ausweichmöglichkeiten überlegen. *seufz*
"Geh' in den Staatsdienst", haben sie gesagt, "da findest du schon 'ne Stelle." haben sie gesagt...

Nun gut, da die Zukunft derzeit (wie eigentlich immer) wenig erquicklich aussieht, besinnen wir uns also auf die Gegenwart:
Habe selten soviel geschlafen wie diese vier Tage (übrigens: Guten Morgen!), das sollte eigentlich für die kommende Woche reichen. Aber ich hatte eben zu nichts anderem Lust und bin zwischen Laptop und Bett hin und her gependelt. Aber immerhin war ich abends oder nachmittags immer aus.
Meinen Kornblumen geht es klasse, ich sollte sie nur wirklich mal ein wenig düngen und wenn ich richtig gut bin, werde ich nachher meine Steuererklärung ausfüllen und die Scherben von der Lampe entfernen, die ich gestern versehentlich runtergeschmissen habe.
Aber jetzt werd' ich wohl erstmal ins Bett gehen und etwas lesen...

P.S.: "Bitte gebe einen Titel für Deinen Eintrag an" Argh! Das heißt "gib"! "GIB"! Gebe... *kopfschüttel* Außerdem fehlt da ein Punkt.Und "du/deine/dich" wird schon lange nicht mehr groß geschrieben. Ok ok, ich mach ja schon...

20.05.2004 um 12:04 Uhr

Booooring...

Stimmung: who cares?

So, dann ist das Wochenende jetzt also ran... yeah....

Ich habe inzwischen den niederen Kreis des Deprimiertseins verlassen und bin zum Kreis der Gleichgültigkeit aufgetiegen. Das ist sehr viel netter.
Kein Job - who cares?
Nicht einkaufen gewesen weil kein Bock und daher nichts gescheites Nahrhaftes im Haus - pah, Essen wird bekanntlich überbewertet.
Ich werde vier ganze Tage größtenteils mit Nichtstun verplempern - na und, wer nichts macht, macht nichts verkehrt.
Die Sonne scheint - *schulterzuck*
Die Sonne scheint nicht - was auch immer.

Neues Motto also: Völlig..... egal......
Nicht übel. Noch in der Testphase, aber nicht übel. Ich werde das eine Weile so beibehalten, da könnte man sich glatt dran gewöhnen.

19.05.2004 um 15:53 Uhr

Langes Wochenende!

Stimmung: gelangweilt

Jippieh! Klasse! Jetzt kann ich endlich mal.... äh... Wochenende... machen... also... ich könnte...
Meine Rauhfasertapete anstarren.

Kann mir irgendjemand spontan einen Tipp geben, was man mit einem 4tägigen Wochenende anstellen kann?? Ich könnte zu meinen Eltern fahren (und deren Rauhfasertapete anstarren), aber doch nicht vier Tage lang, da krieg' ich doch die Krise.

Ok, ok, keine Panik, denk' nach....
Also: Laaange schlafen. Aufstehen, forumsen (wird nichts los sein, wegen Feiertag)... Computerspielen (Da dieses vermaledeite Win2000 mein Lieblingsspiel Zork Nemesis nicht mehr erlaubt, spiele ich derzeit die Völker. Nett, aber kein Vergleich.)... äh... pff... lesen.... Mittagessen.... die Steuererklärung machen, Fensterputzen (fragt mich in einem halben Jahr nochmal danach).... ähm.. Ach ja: eMails schreiben, habe ich arg vernachlässigt - Entschuldigung an meine lieben Marburger ExKollegInnen, ich vermisse euch weiterhin mit starrköpfiger Verbohrtheit!

Klasse, das klingt doch nach einem Plan.

Kornblumenstatus: Sie haben's definitiv überlebt, die größte ist derzeit ca. 15 Centi-Meter hoch (ist aber arg in die Breite gegangen), die kleinste 5, die hatte es auch am schwersten erwischt.
Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Blätter etwas schmaler, ich überlege, sie mal zu düngen.
[Mit egal, ob ihr das alles wissen wollt. :P ]

10.05.2004 um 16:58 Uhr

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied...

Stimmung: deprimiert

...hat jemand gesagt, mit dem ich mich über genau dieses Thema unterhalten habe. Oder gestritten.
Denn ich sehe da gleich den Umkehrschluss: Jeder ist für sein Schlammassel selbst verantwortlich. Und das stimmt einfach nicht.
Wenn es stimmen würde, wäre nämlich der Mann meiner Kollegin aus eigener Schuld heraus Sozialhilfeempfänger geworden. Er war Architekt in Duisburg, unkündbar. Er hat diese Stelle gekündigt, um sich selbstständig zu machen und war daraufhin 10 Jahre lang erfolgreich. Dann gingen zwei seiner Auftraggeber pleite. Und seine Firme ebenfalls. Nun ist er also Sozialhilfeemfänger, mit 57. Er, der dachte, er könnte noch mit 70 als Architekt arbeiten, hat sich ein Jahr lang in ganz Deutschland beworben, vergeblich.
Seines eigenen Unglückes Schmied?
Sein Sohn sucht eine Lehrstelle und war beim Arbeitsamt. Er hat 7 Berufe angegeben, die er gern machen würde, bodenständige Handwerksberufe. Nichts. Ich weiß nicht, ob er in ganz Deutschland suchen lassen hat, aber er hat hier eine Freundin, mit der er zusammenbleiben will, vielleicht eine Familie gründen, geht man da nach Hamburg?
Meine Mutter, ursprünglich Chemie-Ingenieurin, hat zu DDR-Zeiten in einer Schuhfabrik gearbeitet. Die Wende kam, seitdem ist sie arbeitslos. Und seitdem es für mich kein Kindergeld mehr gibt, wurde sie in der Arbeitslosenhilfe zurückgestuft, ihr derzeitiges monatliches Einkommen liegt bei 0 Euro.
Zur falschen Zeit den falschen Beruf ausgewählt, und wer mir nun erzählen will, dass sie daran selbst die schuld trägt und ihr Glück schon hätte schmieden können, hätte sie nur gewollt, sollte mir besser nicht vor die Augen treten.

Ich selbst mache - wenn alles gut läuft - im September mein Diplom, ich sehe mich noch nicht einen Job haben. (Im Moment sehe ich mich noch nicht einmal bei einem Vorstellungsgespräch, wenn ich mir die Stellenmarktsituation so ansehe...) Ob ich noch einmal studieren könnte, weiß ich nicht. Da mir der Staat bereits eine Ausbildung (Ausbildung nach Bedarf, höhö) finanziert hat, darf ich kaum auf Bafög hoffen und aufgrund enormer Finanzmittelknappheit müsste ich nebenbei jobben. Wäre die nächste Frage, was ich studieren sollte. Lust habe ich natürlich nicht, die Bank erneut zu drücken, doch hätte ich eine Wahl?
Im Westen mag es möglich sein, zur Not einfach bei Aldi zu arbeiten, um über die Runden zu kommen. Hier? No chance, nicht, nachdem sie hier gerade junge fest Angstellte, gute Arbeitskräfte entlassen haben.
Oder ich kratze bei Ausbildungsende mein Restgeld zusammen, finanziere einen blinden Umzug und hoffe auf Aldi im Westen?

Vielleicht ist ja jeder seines eigenen Glückes Schmied. Aber what is an archer without his arrow und was ist ein Schmied ohne Metall.
Man kann Gelegenheiten nur ergreifen, wenn sie sich einem auch bieten und man kann nur Jobs bekommen, die auch existieren und wenn man irgendwann das Glück hatte, die richtige Ausbildung dafür zu machen und clever genug zu sein.

06.05.2004 um 19:14 Uhr

Rain in May...

Stimmung: trüb. *grumml*
Musik: Maids of Culmore

So. Gaaaanz toll. Jetzt hat es sich endgültig eingeregnet. Das reinste Novemberwetter.
Der nächste, der "Rain in May" singt, wird von mir eigenhändig erdrosselt. Sowas deprimierendes.

Dafür gibt es Positives von meinen Kornblumen zu berichten: Nachdem ich sie gestern noch ewig Blättchen für Blättchen vom Dreck befreit und umsorgt habe, scheinen sie es vermutlich/hoffentlich zu überstehen. *freu*

Was gibt es sonst zu berichten:
Die Arbeit ist zwar definitiv nicht gut für Fingernägel, aber sie macht Spaß, also hab ich mich freiwillig für morgen gemeldet. Dürfte ich vermutlich nicht, wegen Versicherung, Arbeitsschutz und was weiß ich für sesselfurzerische Bestimmungen, aber wer nicht fragt, kriegt keine unliebsamen Antworten .

An dieser Stelle ein Gruß an meine mitlesenden Ex-Marburger-KollegInnen: Ich vermisse euch! Wollen wir uns nicht am Wochenende verabreden, an einem nahegelegenen Ort, der zwischen Münster, Peine und Zwickau liegt?
Hawaii wäre toll, da ist das Wetter sicher besser...

Nun gut, machen wir das Beste daraus: Man nehme eine Kerze, einen Teddy, ein Gläslein Johannisbeerwein, beschließe, dass Regen romantisch ist und dass es nichts ausmacht, wenn man MASH schon wieder verpasst hat (argh!).

05.05.2004 um 16:26 Uhr

I'm singin' in the Weltuntergang...

Stimmung: nass, aber sonnig
Musik: I'm siiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiingin' in the rain....

Habe heute eine nette neue Aufgabe bekommen und helfe diese Woche in einer Schule, die geschlossen wird, die Akten auszusondern. Dabei muss also jegliches Metall (Büroklammern, Affenklammern - ich könnte mich erinnern, heute morgen noch Fingernägel besessen zu haben) und sämtliche Folien (huiiiiiiiii, die alten dünsten so schön *schwank*) entfernt werden.

Jedenfalls hat das natürlich einen Grund, dass die Schule geschlossen wird: Der Stadtteil, in dem sie steht, stirbt nämlich aus. Verheerend.
Man stelle sich ein Neubaugebiet vor von der Größe einer Kleinstadt.
So gut wie unbewohnt.
Kurz nach der Wende hat man sämtliche Blocks mit tollen neuen Türen ausgestattet, mit Gegensprechanlagen, neuen Fenstern, manche hat man klasse renoviert. Und dann hat man zusehen müssen, wie die Bewohner auszogen.
In manchen Häusern wohnt gar niemand mehr, in anderen sind noch ein oder zwei Wohnungen belegt.
Auf meinem Rückweg (Ein Kollege hatte mich zur Schule mitgenommen, war dann aber wieder weggefahren - hätte ich das gewusst, wäre ich mit meinem Auto gekommen. *hmpf*) musste ich also durch dieses Gebiet durch und fühlte mich auf surreale Weise an die neueren Bilder von Tschernobyl erinnert. Sehr gruslig und vor allem sehr, sehr traurig und bedrückend.

Zu dieser Stimmung passten denn auch die Gewitterwolken und der Donner, der offenbar immer näher rückte.
Ich schaffte es gerade noch bis zu einer Straßenbahnhaltestelle, als es losging: Der ultimative Weltuntergang.
Als hätte jemand 200 Meter über mir eine Schleuse geöffnet, prasselten Hagelkörner, die teilweise so groß wie weiße Bohnen waren, auf die Straße, die in kaum einer Minute weiß war. Unnötig zu erwähnen, dass die Haltestelle sowohl oben als auch unten nicht dicht genug war, um alles abzuhalten, also stand ich nur vor den gröbsten Kugeln geschützt mit einer Frau, die kurz nach mir und eben so nass wie ich eingetroffen war, da und beobachtete fasziniert, wie meine Hose nass wurde, kleine Eiskügelchen in meine Schuhe (wo doch eigentlich die Hose drüber war) kletterten und wie sich die Straße in einen kleinen Fluss verwandelte, der lustig Eiserbsen und -bohnen mit sich trug. Hin und wieder fiel ein grünes Blatt von oben herein und die Autos, die schon seit einer Weile stehen geblieben waren, erhielten ein Peeling.
Nach ein paar Minuten kam endlich die Straßenbahn, die ich schwarz und triefend nass betrat, um dem Geschehen von da aus weiter zuzusehen.
Allmählich beruhigte sich das Unwetter etwas, der Hagel hatte aufgehört und ich stieg ein paar Stationen weiter aus. Um festzustellen, dass auf der Straße liegendes Eis auch im Mai verdammt glatt sein kann.

Vorsichtig, aber so schnell wie möglich (obwohl es ohnehin egal war...) machte ich mich auf den Weg, wurde mal eben von vorbeifahrenden Autos vollgespritzt (ätsch, ich war ja schon nass!) und bewunderte selbst meine ausgesprochen gute Laune.
Auf der Brücke, die durch das Eis aussah, als wäre sie mit Styropor bedeckt, konnte ich mir dann ein "Ah, Zwickau!" nicht verkneifen und verwirrte wohl die Autofahrer, die neben mir im Stau standen, mit meinem Grinsen.
Irgendwann ließ der Regen dann doch noch nach und ich stapfte in triefender Hose und in einer um etwa zwei Kilo schwereren Jacke weiter durch die knöchelhohen Hagelkörner.
"Knöchelhoch? Moment, _so_ hoch lagen die doch eigentlich nicht, was...? Oh..."
Ja, natürlich war eine der tausend Pfützen knöchelhoch und natürlich verbarg sich dieses Mistloch unter einer Schicht Hagelkörner, so dass ich zu spät merkte, dass sich meine doch nicht ganz so dichten Schuhe fröhliglich mit Wasser füllten.
Aber das war ja nun auch egal. Ich machte einen gemütlichen Schritt auf den Bordstein beiseite und warnte dann eine entgegenkommende Fussgängerin vor dem Treibsand... Treibeis... was auch immer.

Zuhause verging mir das Grinsen dann ein klein wenig, als ich einen Blick auf meine Kornblumen warf, die natürlich nie von Regen auch nur berührt worden waren, wenn ich vergessen hatte, sie zu gießen, aber nun von Hagelkörnern bedeckt waren.
Hoffentlich kommen wenigstens ein paar von ihnen durch...