Aus dem Leben eines Taugegarnichts

30.12.2004 um 20:41 Uhr

Wohnungssuche II.

Maaaaine Güte.
Habt ihr schonmal versucht, in Bonn eine Wohnung zu finden? Unglaublich, für mich als Außenstehende sieht es aus, als hätten die da den totalen Wohnungsnotstand.

Die Mietpreise sind für mich absolut umwerfend. Das liegt vermutlich daran, dass ich damals in Hessen eine sehr kleine Wohnung hatte, und hier in einer wirklich aussterbenden sächsischen Stadt wohne.
Aber DAS! In Bonn krieg ich für den Preis, den ich hier warm für 42m² zahle, gerade mal 30 kalte! (Die Nebenkosten dort sind meist 2-3 Mal so hoch wie meine...)

Andererseits: Was rege ich mich überhaupt auf, schließlich finde ich ohnehin keine...
zumindest keine ohne deftige Maklerprovision. Sobald eine provisionsfreie Wohnung einen Tag im Internet ist, ist sie auch schon vergeben, und von hier aus kann ich da ziemlich wenig spontan reagieren.

Halloo?! Die Bonner sollten doch alle nach Berlin gezogen sein, da muss doch jetzt unendlich viel Wohnraum frei sein! Kann das denen bitte mal einer sagen?

Is' schon ok. Die Rheinaue soll sehr schön sein, und hat sicher ein paar Brücken für mich

Egal, ich werde jetzt erstmal Silvester in Hessen genießen und fahre eben nicht gleich von dort aus weiter nach Bonn, sondern wieder heim, weiter suchen, recherchieren, telefonieren und Bissspuren in der Tischplatte hinterlassen.

Und damit wünsche ich euch, euren Verwandten, Bekannten, Freunden, Haustieren, Zimmerpflanzen, Vorgesetzten, Nachgeordneten, Autos und Silberfischchen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Diesmal wird es viel besser als das letzte. Wirklich. Ganz sicher. Ehrlich.

29.12.2004 um 19:13 Uhr

Wohnungssuche

Ein sehr ergiebiges Thema, immer wieder... stressig, frustrierend und nervtötend. Man möchte meinen, nachdem ich das nun in den letzten drei Jahren drei Mal durch habe, hätte ich so was wie Routine. Weit gefehlt.
Schon jedes Mal der halbe Herzinfarkt, wenn man zum Hörer greift, um wildfremde Menschen zu bitten, einem in fünf Tagen ihre private Wohnung zu zeigen (der dann mit einem Anrufbeantworter belohnt wird *grumml*).

Und das ganze Drumherum erst. Man sucht sich Internetseiten, kauft sich einen Stadtplan. Dann sucht man sich die Gegenden heraus, in denen man wohnen kann, ohne jeden Tag eine Weltreise auf sich zu nehmen, um an seinen Arbeitsort zu kommen. Man muss dabei natürlich die Nahverkehrsanbindung beachten, weil man vermutlich keine Lust hat, sich jeden Tag die Rushhour anzutun. Auch wenn die Rushhour in öffentlichen Nahverkehrsmitteln auch nicht wirklich angenehm ist, aber eine Wohnung in Laufweite der Arbeitsstelle ist ja schließlich absoluter Luxus.

Dann sucht man sich die Angebote raus, die die eigenen Suchkriterien erfüllen.
Zwischendurch schluckt man einen Schnaps, um die Preise ertragen zu können. Dann schluckt man noch einen Schnaps, um den Maklerfirmen und Immowelt.de und Immobilienscout24 doch keine Morddrohungen zu schicken.
Dann sucht und studiert man Seiten, die Wohnungen ohne Maklerprovision anbieten, versucht Abkürzungen zu entschlüsseln und aufkeimende Bedenken gegen zweideutig formulierte Inserate und unbekannte Inventarteile niederzukämpfen:
„Ideal als Singlewohnung“ heißt das Partys ohne Ende? „Haustiere erlaubt“ Erwartet mich da etwa ein Zoo? „Gasheizung“ waaah, wo sich derzeit die Gasexplosionen so sehr häufen? Was ist ein analoges Telefon? Ist ein „ruhiges Haus“ überhaupt bewohnt? Was heißt „Top-Wohnlage“? An der Autobahnausfahrt? Was kommt mit einem Sateliten-TV auf mich zu und ist eine Kochnische überhaupt möbliert?

Bernd, das Brot hätte wohl gesagt:
Ich muss innerhalb eines Monats eine Wohnung am anderen Ende Deutschlands suchen und ich gerate nicht in Panik.
Und diese Wohnung soll bezahlbar, in angenehmer Umgebung und keine Weltreise vom Arbeitsort entfernt sein, ich muss sie Anfang nächster Woche besichtigen und Ende Januar beziehen können und ich gerate nicht.... ich gerate nicht... ich gerate.... ich gerate sehr... ich gerate unverzüglich in heil-lose PANIK!

24.12.2004 um 01:29 Uhr

Frö-höliche Weihnacht

Ich hab'n Job. Es ist einfach unglaublich...

Also werde ich bis zum Februar etwa 500km weit weg ziehen, heißt: Bis dahin muss ich eine Wohnung gefunden, gemietet und eingeräumt haben. Ein Monat ist viel, kein Thema, immer mit der Ruhe, nur nicht die Panik verlieren...

Wobei es mich immer noch wundert, wie ich überhaupt dazu kam, wenn ich so an das Vorstellungsgespräch zurückdenke...
"Können Sie Sich mit [Unternehmen] identifizieren?"
"Naja, so ein klein wenig..."
"Was wissen Sie über unser Unternehmen?"
"Relativ wenig, Engagement hier und da... und so...."
"Sind Sie in dieser Richtung interessiert?"
"Eigentlich weniger..."
"Haben Sie schon einmal in [zukünftiges Arbeitsgebiet] Erfahrungen gesammelt?"
"Keinen Deut."
....
"Wir würden Sie gern einstellen."
"Öhm... ok...?"

Ok, etwas stilisiert dagestellt, aber den Kern trifft's. Vermutlich haben sie mich genommen, weil sie entweder gelost haben, die Ossi-Quote erfüllen mussten oder gemerkt haben, dass ich ehrlich, flexibel, jung, dynamisch und käuflich bin.

Also gehöre ich jetzt auch endlich zur privilegierten arbeitenden Bevölkerungsschicht, für zumindest 2-3 Jahre (weil befristeter Vertrag). Hu. Mit einem heiter'n, einem nassen Aug. Willkommen in meiner Welt.

Aber dies über alles: Euch allen ein frohes, harmonisches, von Kerzenlicht erhelltes und von kitschigster Weihnachtsstimmung durchflutetes Fest!

(Wundert euch nicht, wenn ich die nächsten Tage nicht schreibe, da gibt es gerade so ein paar unbedeutende Ereignisse in meinem Leben...)

 

Edit: Und wer Tipps für meine Wohnungssuche in Bonn hat, kann sich meiner ewigen Dankbarkeit versichern, indem er sie mir zuteil werden lässt...

16.12.2004 um 16:03 Uhr

Anruf beim Arbeitsamt

Gewöhnlich rufe ich dafür Frau F. an, aber die geht heute entweder nicht ans Telefon, oder es ist besetzt, nach dem 5. Mal oder so ruf ich die Zentrale an.
„Diiiing dingding ding, ding ding dingding – Bitte warten, Sie werden verbunden - Diiiing dingding ding, ding ding dingding –Bitte warten, Sie werden verbunden....“
*klickklack*
„Bundesagentur für Arbeit, Zentrale.?“
„Centaurea, guten Tag, ich brauche einen Antrag auf Reisekostenerstattung...“
„Kleinen Moment bitte“
„Diiiing dingding ding, ding ding dingding – Bitte warten, Sie werden verbunden - Diiiing dingding ding, ding ding dingding –Bitte warten, Sie werden verbunden....“
*klickklack*
„Bundesagentur für Arbeit, B.?“
„Centaurea, guten Tag, ich brauche einen Antrag auf Reisekostenerstattung, Frau F. ist heute scheinbar nicht da...“
„Kleinen Moment bitte“
„Diiiing dingding ding, ding ding dingding – Bitte warten, Sie werden verbunden - Diiiing dingding ding, ding ding dingding –Bitte warten, Sie werden verbunden....“
*klickklack*
„Bundesagentur für Arbeit, F.?“
„[Aha, es gibt sie also doch noch!] Centaurea [*griiins* Sie sind Nr.3 heute], guten Tag, ich brauche einen Antrag auf Reisekostenerstattung...“
„Kleinen Moment bitte“
„Diiiing dingding ding, ding ding dingding – Bitte warten, Sie werden verbunden - Diiiing dingding ding, ding ding dingding –Bitte warten, Sie werden verbunden....“
*klickklack*
[Wie jetzt, was, normalerweise macht die das doch?!“]
„Bundesagentur für Arbeit, Irgendwer [kleines Azubi-Stimmchen]“
„Centaurea, guten Tag *grins* *Kichernverkneif* Ich brauche [einen Plattenspieler] einen Antrag auf Erstattung von Reisekosten wegen eines Vorstellungsgespräches...“
„Kleinen Moment bitte...“
[Wie?!?! .... Ach so, sie geht nur kurz weg vom Telefon... Stimmen im Hintergrund.... Ich kichere leise vor mich hin, während ich merke, dass das Mädel schon längst wieder am Telefon ist. Uuups...]

Dann fragt sie mich nach Kundennummer, Geburtsdatum, Reiseziel, Zeit, Blutbildanalyse und dem Namen meines Haustieres und ich kann mich endlich bedanken, auflegen, loslachen und bloggen.

15.12.2004 um 17:52 Uhr

Wochenend' und Weihnachtsmarkt, Teil 3

Gerade – also kurz nach dem Mittagessen – auf dem Weg zur Post etwas interessantes gesehen. Einen himmelblauen Trabant Kombi, auf dessen Dachgepäckträger zwei oder drei Lautsprecher und ein stehender kleiner Tannenbaum montiert waren. Will ich wissen, was man damit vor hat? Eigentlich schon. Aber ich werde es wohl nie erfahren.
Also weiter.

Sonntag, 5.12.04
Keine lärmenden Teens und in näherer Zeit keine Termine, wir tun das, was Mel vermutlich „ausschlafen“ nennen würde. Mel lässt mich dann aber doch noch etwas länger schlafen.
Danke.
Irgendwann doch aufgestanden und von Mels Oma auf’n Schnaps eingeladen worden.
Vorm Frühstück. Okay....
Also runter zu Mels Oma und einschenken lassen. Das Zeug roch widerlich, schmeckte aber ganz gut und entwickelte dank des fehlenden Frühstücks und eines Alkoholgehalts, den man diesem eklig-klebrigen Zeug gar nicht zugetraut hätte, eine unerwartete Wirkung. Nach 3 bzw. 2 Doppelten lassen Mel und ich die vollkommen nüchterne 80-Jährige sitzen und schwanken betüddelt nach oben um zu frühstücken (Der Dalmatiner stützt sich mit einer Vorderpfote auf meinem Stuhl auf und legt mir die andere auf die Schulter. Ob sie’s mit der Diät auch nicht übertreiben?) und danach zwecks Ausnüchterung wieder ins Bett zu gehen.

Da wir ohnehin nicht vorhatten zu schlafen, holen wir uns aus Langeweile eins von Mels beiden Kaninchen („Syphi“ und „Bronchi“ mag sich der Leser selbst zusammenreimen, wie sie auf diese Namen kam...) ins Bett, das sich in die Decke kuschelt und sich brav streicheln lässt. Motiviert von diesem Gemütlichkeit ausstrahlenden Verhalten beschließt Mel, nun auch das andere Kaninchen dazu zu holen. Das zweite Kaninchen ist aber von einem Ausflug in die Nachbarschaft vor ein paar Wochen traumatisiert und scheint sich nun für einen Hund zu halten. Es gibt seltsame unkaninchenische Laute von sich und schnappt nach Mel.
Mel tut die Decke drüber und setzt es wieder in den Käfig.

Stattdessen schauen wir uns Zeitschriften an. Da sind ja zur Zeit die Horoskope für das kommende Jahr drin. Oder sollte ich lieber sagen „Horrorskope“?
Der Steinbock jedenfalls ist nicht zu beneiden. Implizit stand in den Horoskopen (die Mistkerle schreiben voneinander ab) jedenfalls, dass ich noch im Mai Bewerbungen schreiben werde und dass sich in der Liebe außer ein paar Flirts bis November nichts großartiges tun wird. Und im Mai wäre eine gute Gelegenheit, meine manigfaltigen Immobilien zu verschachern.
Und insgesamt wird dies eines der erfolgreichsten Jahre meines Lebens.
Zum Glück glaube ich nicht an diesen Scheiß, sonst müsste ich mich jetzt erschießen. Nein, mein 2005 wird großartig! [Mel, hör auf, so dreckig zu lachen!]

Lassen uns nachmittags über einen Weihnachtsmarkt in der Nähe treiben/schieben/quetschen und beschließen, abends einen kleinen Spaziergang durch das.... weihnachtliche... Hessen zu machen.
Hossa.
Hessen ist nicht das Erzgebirge, das war mir klar. Aber so...
Prinzipiell ist dort schon mal nur etwa jedes 20. Haus geschmückt. Aber das dann meist umso geschmackloser. [Ich weise noch mal darauf hin, dass dieser Eintrag von einer erzgebirgischen Weihnachtspuristin geschrieben wurde.]
Ich habe nichts gegen blaue Lichterketten, aber die sind nicht weihnachtlich. Ich finde auch Sterne toll, aber die müssen nicht zwei Meter Durchmesser haben. Und Lichterketten sind toll. Wenn sie nicht bunt sind und nicht blinken.
Nun, mit all dem könnte ich sogar noch leben, aber Mel hatte beschlossen, mir ein ganz besonders Bonbon zu teil werden zu lassen und führte mich in eine Straße des Grauens. Dort standen zwei Häuser, die den Schmückungsgrad Hessens um etwa 20% anheben dürften:
Ein Rentierschlitten, eine Plastikkrippe, Weihnachts- oder Schneemänner und diverse einen Meter hohe Kerzen im Garten (alles beleuchtet, groß, hässlich und aus Plastik), 2-3 blaue Lichterketten in einem Busch, eine weiße Lichterkette in einem Laubbaum, bunte blinkende Lichterketten am Treppengeländer und in der Glastür, sowie am Balkongeländer, wo auch einige leuchtende Heiligenfiguren (? Engel? Ich habe es erfolgreich verdrängt) prangten, beleuchtete Plastikzuckerstangen am Treppengeländer – kurz: alles, was man an hässlichen Weihnachtssachen so kaufen kann, prangte schamlos an diesen beiden Häusern, deren Besitzer ihren Stromzähler vermutlich als Ventilator benutzen können. [Woran mich das nur erinnert...]

Haben an dem Abend dann die lange Herr-der-Ringe-Nacht fortgesetzt und kamen immerhin bis zum Fangorn. Mel, es ist mir ein Rätsel, wie du das Tripplefeature letztes Jahr überstanden hast.

14.12.2004 um 13:55 Uhr

Wochenend' und Weihnachtsmarkt, Teil 2

Samstag, 4.12.

Bin ich mit meinen Einträgen ein klein wenig hinterher? Naaaain. Naja. Ein bisschen. Minimal.

Ich weiß auch schon gar nicht mehr wirklich, was wir an dem Vormittag gemacht haben. Ich erinnere mich daran, dass Mels Bruder etwa 5341 Mal aufgefordert wurde, sein Zimmer aufzuräumen, nachdem die Teenagerbande verschwunden ist und an ein ausgiebiges Brunch mit einem halbverhungerten Dalmatiner.
Nachdem nämlich am Freitag beide Besuche darauf hingewiesen hatten, dass das Tier 3-4 Kilo zuviel auf den Rippen hat, hat man nun beschlossen, es auf Diät zu setzen. Heißt: Nur noch ein Leckerlie pro Gelegenheit, nicht mehr eine Handvoll, und vom Tisch wird schon gar nicht mehr gefüttert (*hüstel* sollte man ohnehin nie tun, Mel...).
Der Hund, der eine solch rüde Behandlung nun gar nicht gewohnt ist, legt mit einem fütter-mich-ich-hungere-Blick seinen Kopf auf meinen Schoß. Ich schaffe es unter Aufbietung all meiner Kräfte, dem standzuhalten und esse unter seinen leidenden Blicken tapfer weiter. Das Leben kann echt hart sein.

Irgendwann ziehen wir uns dann ein paar Schichten Kleidung über, nehmen die Jacken und Mäntel und setzen uns ins Auto, um gen Ronneburg zu fahren, wo wir auch bald darauf ankommen und die restlichen Schichten Kleidung anlegen.

Auf der Ronneburg hat sich nicht viel verändert, seit ich das letzte Mal – September 2003 – dort war. Es ist genau so schlammig, es sind noch immer viel zu viele Kinder und andere Leute und die Stände sind größtenteils auch alle die selben und am selben Ort. Ich fühle mich also inmitten von Rauch, Met, Rittern und.... Met wieder wie daheim. Begrüße die Rasselbande, mit der wir dort verabredet waren und wir setzen uns in das Räucher- pardon, Aufenthaltszelt am Schottenstand. Also ein Zelt mit nem Feuer drin.
Das Loch in der Decke schafft nicht viel Abhilfe gegen den Rauch und das Feuer ist nicht besonders warm, (heißt: wir frieren und stinken) aber das Feeling ist klasse.
Beginnen, Weihnachtslieder zu singen und werden von englischsprechenden Leuten angesprochen, die sich als Amis rausstellen. Erhalten interessante Informationen über die Quadratmeterpreise von bebauten Grundstücken in Deutschland und den USA und Tipps für unseren weiteren Lebensweg. Mel wird Dolmetscher und ich Sängerin.
Gut, dass wir drüber gesprochen haben.

Verbringen einen schönen Tag und gehen abends in das Restaurant ebenda. Die Kellner sind wenig begeistert von unserer nach Räucherschinken stingenden Bande lärmender Halbgewandeter und wir wenig von ihren Preisen. Restaurants mit Tischdecken sind einfach nichts für uns. Wir ignorieren alle Widrigkeiten, haben einen klasse Abend und machen die Kellner glücklich, indem wir irgendwann wieder gehen.

Wir verabschieden uns nacheinander von einander (Ich umarme den dritten gutaussehenden und netten Schwulen an diesem Wochenende...) und fahren heim, um dort bei Heidelbeerglühwein und Met die lange Herr-der-Ringe-Nacht fortzuführen.
Während Boromir stirbt, schläft Mel ein und wir beschließen, die lange Herr-der-Ringe-Nacht ein ander Mal fortzuführen.
Sonntag zum Beispiel.

09.12.2004 um 14:40 Uhr

Kurzer Einschub

Wir erinnern uns, dass ich vor einer Woche kein Wasser mehr hatte?
Das Wasser geht jetzt wieder.
Dafür ist die Baustelle vor meinem Haus (Ist es nicht schön, von zwitschernden Presslufthammern geweckt zu werden?) größer geworden und da steht ein Schild mit der Aufschrift "Wasserrohrbruch".
Das erklärt einiges.

Jedenfalls haben sie jetzt die Straße noch ein Stück weiter aufgerissen. Und dabei wohl meinen Kabelanschluss gekillt:
Kein Breitbandinternet
Kein Fernsehen


Aufschwung Ost, hm?


Heißt: jetzt bin ich gerade wieder mit Modem im Internet. *Haarerauf*

Oh, dafür hab ich entdeckt, dass sie bei mir gleich die Straße runter eine Aushilfe suchen.
In einem Erotikladen.
Was für ein Tag.

09.12.2004 um 11:42 Uhr

Wochenend' und Weihnachtsmarkt, Teil 1

Zurück aus einem entspannenden langen Wochenende. Was heißt schon Wochenende, wenn man eh zu hause ist, aber egal. Also das Wochenende.
In einem Anflug von Nostalgie und Ich-weiß-nicht-ob-ich-das-in-einem-Eintrag-unterkriege, habe ich beschlossen, es mal wieder in der Tagebuchform zu verfassen. Jauchzet. Frohlocket.


Freitag

Aufgestanden. Daran erinnert, dass gestern das Wasser abgedreht war.
Wasserhahn aufgedreht. Nichts. Mist. Putze die Zähne mit Vitell und verfluche Vermieter, Bauarbeiter und wer auch immer für das abgestellte Wasser verantwortlich ist.
Packe meine Sachen, drehe hin und wieder die Wasserhähne auf und zu.

Seit zwei Tagen ist inzwischen GameBanshee.com down, meine Lieblingsseite was Karten für Baldur’s Gate angeht. Wenn die Seite nicht bald wieder auf die Beine kommt... dann... fluche ich weiter. Garfield.com ist offenbar auch nicht mehr erreichbar und Nina wird viel zu selten aktualisiert.
Das Internet muss mich hassen.

Überlege, was ich essen könnte. Nudeln. Nein, dafür braucht man Wasser und mir Nudeln in Vitellwasser zu kochen, halte ich für stillos.
Milchreis. Klar, und den Topf mit dem angebrannten Milchreis lasse ich dann übers Wochenende stehen.
Bleiben also noch die Lebkuchen, die vom Ausstand bei meinem Praktikumsbetrieb übriggeblieben sind. Brunche also Lebkuchen und stecke mir noch welche für die Fahrt ein.

Fahre los.
Es ist ein Zusammenhang zwischen der CD, die man während der Fahrt hört, und der Fahrtzeit festzustellen. Für die Strecke zu Mel brauche ich gewöhnlich 3 Stunden mit Schelmish-Musik (Dudelsack und Trommeln). Höre in meiner akuten Weihnachtsstimmung erzgebirgische Weihnachtslieder (Zitter und Harmoniegesang) und brauche 3 ½. Wäre sicher eine nähere Untersuchung wert.

Egal, ich komme irgendwann an, begrüße Mels Toilette (Rückblick: Ich wollte nicht austesten, wie viel Wasser noch in meinem Spülkasten war), den Dalmatiner und Mel.
Besuch, der „nur auf’n Kaffee“ 2 Stunden mit uns quasselt. Es folgt weiterer Besuch: zwei hübsche, junge, große, starke, nette und hilfsbereite Männer, die mich zum Abschied umarmen. Hach.
Wir blenden an dieser Stelle aus, dass sie stockschwul sind und wärmen auch keine Hübsche-und-nette-Männer-sind-schwul-Klischees auf.

Wir beschließen, mit Toffee-likör und Met die lange Herr-der-Ringe-Nacht zu machen, mit der SEE von FotR und TTT. (Nicht HdRler müssen doch angesichts von Abkürzungstiraden wie dem TTTTT (The Two Towers Teaser Trailer) oder LOTR FOTR SEE in OV leicht ins Grübeln kommen...)
Mel schläft beim Caradhras ein und wir beenden die lange Herr-der-Ringe-Nacht kurz vor Moria und schlafen gegen Mitternacht ein. Und gegen eins. Und gegen zwei noch mal. Mels Bruder feiert nämlich Geburtstag. Unüberhörbar.

Muss eine Mordsparty sein, gegen 3 Uhr hören wir Stimmen aus einem Raum am anderen Ende des Ganges, die uns von Gläserrücken berichten. Es werden Geister angerufen. Schwerhörige Geister. „WIR RUUUUFEN DICH!“
Wir überlegen uns Mordvarianten und schlafen wieder ein. Das letzte Mal wohl kurz vor fünf. Gegen halb neun dann die Stimme von Mels Bruder, die seine Freunde bittet, ruhig zu sein, weil er nun schlafen möchte.
Quäle mich aus dem Bett.

Damit haben wir Samstag, aber das ist eine andere Geschichte...

03.12.2004 um 01:23 Uhr

Angst

Hin und wieder braucht man das wohl einfach. Zurückgeholt zu werden in die Realtität, die harte, kalte, unbarmherzige Wirklichkeit. Da suhlt man sich im Luxus, nutzt die Errungenschaften der modernen Technik, lebt unbedarft in den Tag hinein und nimmt alles für selbstverständlich.
Und dann, durch einen winzigkleinen und unvorhersehbaren Dreh höherer Mächte, unabwendbar für den unbedeutenden, machtlosen und zum Zuschauen verdammten Menschen, wird einem die Nichtigkeit des eigenen Seins gnadenlos vor Augen geführt.
Und man lernt wieder Demut, lernt sich an den einfachsten Dingen zu erfreuen, und sei es eine bloße Volvic-Wasserflasche.

Ohne Nachzudenken genoss man den Komfort eines guten Mittagessens, eines Cappuccinos oder gar einer Dusche und dann sieht man plötzlich, dass dies alles eben nicht selbstverständlich ist. Dass gar nichts selbstverständlich ist. Die eigene Existenz zur völligen Bedeutungslosigkeit abgesunken, sieht man sich herausgerissen aus der bisherigen Wirklichkeit und Dinge, die vorher wichtig waren, werden sekundär.
Bedenken und Ängste treten zu tage, die man in Geschichtsbücher und Erzählungen der Alten verbannt hatte, niemals aber hier und jetzt für möglich gehalten hätte.
Heute ging es also noch einmal gut. Aber was wird morgen? Wird alles wieder gut? Wird jemals wieder alles so wie vorher?

Verdammt, ich hoffe wirklich, sie drehen morgen das Wasser wieder auf, die Klospülung ist bald leer.