Gerade – also kurz nach dem Mittagessen – auf dem Weg zur Post etwas interessantes gesehen. Einen himmelblauen Trabant Kombi, auf dessen Dachgepäckträger zwei oder drei Lautsprecher und ein stehender kleiner Tannenbaum montiert waren. Will ich wissen, was man damit vor hat? Eigentlich schon. Aber ich werde es wohl nie erfahren.
Also weiter.
Sonntag, 5.12.04
Keine lärmenden Teens und in näherer Zeit keine Termine, wir tun das, was Mel vermutlich „ausschlafen“ nennen würde. Mel lässt mich dann aber doch noch etwas länger schlafen.
Danke.
Irgendwann doch aufgestanden und von Mels Oma auf’n Schnaps eingeladen worden.
Vorm Frühstück. Okay....
Also runter zu Mels Oma und einschenken lassen. Das Zeug roch widerlich, schmeckte aber ganz gut und entwickelte dank des fehlenden Frühstücks und eines Alkoholgehalts, den man diesem eklig-klebrigen Zeug gar nicht zugetraut hätte, eine unerwartete Wirkung. Nach 3 bzw. 2 Doppelten lassen Mel und ich die vollkommen nüchterne 80-Jährige sitzen und schwanken betüddelt nach oben um zu frühstücken (Der Dalmatiner stützt sich mit einer Vorderpfote auf meinem Stuhl auf und legt mir die andere auf die Schulter. Ob sie’s mit der Diät auch nicht übertreiben?) und danach zwecks Ausnüchterung wieder ins Bett zu gehen.
Da wir ohnehin nicht vorhatten zu schlafen, holen wir uns aus Langeweile eins von Mels beiden Kaninchen („Syphi“ und „Bronchi“ mag sich der Leser selbst zusammenreimen, wie sie auf diese Namen kam...) ins Bett, das sich in die Decke kuschelt und sich brav streicheln lässt. Motiviert von diesem Gemütlichkeit ausstrahlenden Verhalten beschließt Mel, nun auch das andere Kaninchen dazu zu holen. Das zweite Kaninchen ist aber von einem Ausflug in die Nachbarschaft vor ein paar Wochen traumatisiert und scheint sich nun für einen Hund zu halten. Es gibt seltsame unkaninchenische Laute von sich und schnappt nach Mel.
Mel tut die Decke drüber und setzt es wieder in den Käfig.
Stattdessen schauen wir uns Zeitschriften an. Da sind ja zur Zeit die Horoskope für das kommende Jahr drin. Oder sollte ich lieber sagen „Horrorskope“?
Der Steinbock jedenfalls ist nicht zu beneiden. Implizit stand in den Horoskopen (die Mistkerle schreiben voneinander ab) jedenfalls, dass ich noch im Mai Bewerbungen schreiben werde und dass sich in der Liebe außer ein paar Flirts bis November nichts großartiges tun wird. Und im Mai wäre eine gute Gelegenheit, meine manigfaltigen Immobilien zu verschachern.
Und insgesamt wird dies eines der erfolgreichsten Jahre meines Lebens.
Zum Glück glaube ich nicht an diesen Scheiß, sonst müsste ich mich jetzt erschießen. Nein, mein 2005 wird großartig! [Mel, hör auf, so dreckig zu lachen!]
Lassen uns nachmittags über einen Weihnachtsmarkt in der Nähe treiben/schieben/quetschen und beschließen, abends einen kleinen Spaziergang durch das.... weihnachtliche... Hessen zu machen.
Hossa.
Hessen ist nicht das Erzgebirge, das war mir klar. Aber so...
Prinzipiell ist dort schon mal nur etwa jedes 20. Haus geschmückt. Aber das dann meist umso geschmackloser. [Ich weise noch mal darauf hin, dass dieser Eintrag von einer erzgebirgischen Weihnachtspuristin geschrieben wurde.]
Ich habe nichts gegen blaue Lichterketten, aber die sind nicht weihnachtlich. Ich finde auch Sterne toll, aber die müssen nicht zwei Meter Durchmesser haben. Und Lichterketten sind toll. Wenn sie nicht bunt sind und nicht blinken.
Nun, mit all dem könnte ich sogar noch leben, aber Mel hatte beschlossen, mir ein ganz besonders Bonbon zu teil werden zu lassen und führte mich in eine Straße des Grauens. Dort standen zwei Häuser, die den Schmückungsgrad Hessens um etwa 20% anheben dürften:
Ein Rentierschlitten, eine Plastikkrippe, Weihnachts- oder Schneemänner und diverse einen Meter hohe Kerzen im Garten (alles beleuchtet, groß, hässlich und aus Plastik), 2-3 blaue Lichterketten in einem Busch, eine weiße Lichterkette in einem Laubbaum, bunte blinkende Lichterketten am Treppengeländer und in der Glastür, sowie am Balkongeländer, wo auch einige leuchtende Heiligenfiguren (? Engel? Ich habe es erfolgreich verdrängt) prangten, beleuchtete Plastikzuckerstangen am Treppengeländer – kurz: alles, was man an hässlichen Weihnachtssachen so kaufen kann, prangte schamlos an diesen beiden Häusern, deren Besitzer ihren Stromzähler vermutlich als Ventilator benutzen können. [
Woran mich das nur erinnert...]
Haben an dem Abend dann die lange Herr-der-Ringe-Nacht fortgesetzt und kamen immerhin bis zum Fangorn. Mel, es ist mir ein Rätsel, wie du das Tripplefeature letztes Jahr überstanden hast.