Zahnarzt
Wie gut kann ein Tag schon werden, von dem man weiß, dass er seinen Ausklang beim Zahnarzt finden wird?
Genau.
Es fing schon damit an, dass sich morgens ein Ekelvieh mit acht fürchterlich langen Beinen neben meiner Müslischale von der Decke herabließ. Brrrrr.
Aber egal. Also wieder Zahnarzt. Diesmal die Gruben im Unterkiefer zuzementieren. Yay. Erst noch die große Frage, ob mit oder ohne Spritze. Prinzipiell bin ich ja ein zimperliches Centi, aber die Drohung, eine Betäubung würde nicht nur die Lippen, sondern auch noch die Zunge komplett lahm legen, veranlasste mich dann doch dazu, es eben mal ohne zu probieren. Waren ja keine Tiefen Löcher. Nur Löchelchen.
Also mal ohne, ja, tschacka, ich schaff das! Bohre ohne! Gib’s mir! Ich bin ein mutiges Centi, und ein Centi kennt keinen Schmerz!
Zumindest die ersten zehn Sekunden nicht. Die elfte überredete mich dann doch, in einem an Liebreiz kaum zu überbietenden Ton („Hnnngg!!!“), die eventuelle Möglichkeit einer Betäubung doch noch mal so rein hypothetisch anzubringen, damit ich durch einen friedlichen Konsens mit dem Dentisten den Status Quo meines Modus Vivendi und meine Menschenwürde doch behalten könnte.
Und der Arzt seine Finger.
Ganz geheuer war mir die Androhung einer tauben Zunge aber noch immer nicht, also entschieden wir uns in der Betäubung für einen genialen Kompromiss, eine andere Spritze, die einen wunderbaren Mittelweg bereitete:
Sie betäubte die Zunge ebenso wenig wie die Zähne, was sie aber bei der Unterlippe wieder wett machte. Ich musste also nicht auf die Wohltat des Bohrgefühls verzichten, brauchte mir aber auch keine Sorgen zu machen, was ich mit der inzwischen auf gefühlte 3 Kubikdezimeter angeschwollenen Lippe denn so anstellen sollte, weil sie mir – gefühlt – ohnehin schlaff in der Kniekehle hing.
Eine für mich sehr interessante Neuerung in der Denterolog... in der Denteorolog... in der Denterolog... in der Zahnheilkunde ist die Sandstrahlmethode. Ja, Sandstrahlen. Das, was sie damals auf unsere Neubaublöcke gerichtet haben, um die Jahrzehnte alten Dreckablagerungen zu entfernen.
In meinem Mund!
Mit Kalk in den Arterien und Wasser in den Beinen kann man da schon fast einen Baustoffhandel aufmachen, super. Immerhin hat mein Zahnarzt einen tollen Humor. Hätte ich an seiner Stelle wohl auch. Ich solle mir vorstellen, ich läge am Strand und wäre gerade hingefallen.
Und ich durfte nicht mal kontra geben („Ich geb’ dir gleich hingefallen!!“), weil in meinem Mund war ja neben dem halben Ostseestrand auch noch eine beachtliche Sammlung an komplizierten denteorolog... denterolog... zahnärztlichen Geräten. Wobei ich mich unwillkürlich fragen musste, bei wie vielen Geräten sein Rekord lag. Wäre wahrscheinlich ein „Erinnern Sie sich etwa nicht an letzte Woche?!“ zurückgekommen. Sagenhafter Humor, ich erwähnte es bereits.
Dass das Zeug nicht nur in meinem Mund blieb, sondern seinen Weg natürlich auch noch auf mein Gesicht fand, war dahingehend mild zu bewerten, dass als nächstes ja dann die Wasserduschen kamen, die den Sand wieder fortspülten. Ich wartete regelrecht wieder auf den Strandvergleich, aber der blieb aus.
Irgendwann hatten wir dann die Fugen verdichtet und ich bekam ein Lob, wie toll ich mich gehalten hätte. Ja nee, is klar. Außerdem hat er sein Versprechen, mir dafür was aus der Wühlkiste (Klappergebisse!!!) zu geben, auch wieder vergessen. Pff.
Und ich war wieder frei und machte mich zusammen mit meiner neuen Freundin, der drei-Kubikmeter-Lippe auf den Weg zur U-Bahn. In der mich natürlich alle anstarrten, da bin ich mir ganz sicher!
Und in der ich noch immer Reste des Ostseestrandes auf meinem Gesicht wiederfand und mir möglichst unauffällig weg zu wischen versuchte. Fragt nicht, wie unauffällig man sich in einer U-Bahn mitten in NRW Sand aus dem Gesicht wischen kann.
Tja, hier sitze ich nun und warte zum einen darauf, dass ich wieder ordentlich reden kann, damit ich Mel anrufen und ihr zum Geburtstag gratulieren kann. Im Moment wäre das noch irgendwie ein wenig umständlich. „Ä-i Ersdee tu ju, Ä-i Ersdee tu, Ä-i Ersdee, li-e E-hel…”
Käme komisch.
Zum anderen schreibe ich diesen Eintrag hauptsächlich, um die Stunde zu überbrücken, bis ich endlich wieder etwas essen darf.
Jetzt darf ich.
Genau.
Es fing schon damit an, dass sich morgens ein Ekelvieh mit acht fürchterlich langen Beinen neben meiner Müslischale von der Decke herabließ. Brrrrr.
Aber egal. Also wieder Zahnarzt. Diesmal die Gruben im Unterkiefer zuzementieren. Yay. Erst noch die große Frage, ob mit oder ohne Spritze. Prinzipiell bin ich ja ein zimperliches Centi, aber die Drohung, eine Betäubung würde nicht nur die Lippen, sondern auch noch die Zunge komplett lahm legen, veranlasste mich dann doch dazu, es eben mal ohne zu probieren. Waren ja keine Tiefen Löcher. Nur Löchelchen.
Also mal ohne, ja, tschacka, ich schaff das! Bohre ohne! Gib’s mir! Ich bin ein mutiges Centi, und ein Centi kennt keinen Schmerz!
Zumindest die ersten zehn Sekunden nicht. Die elfte überredete mich dann doch, in einem an Liebreiz kaum zu überbietenden Ton („Hnnngg!!!“), die eventuelle Möglichkeit einer Betäubung doch noch mal so rein hypothetisch anzubringen, damit ich durch einen friedlichen Konsens mit dem Dentisten den Status Quo meines Modus Vivendi und meine Menschenwürde doch behalten könnte.
Und der Arzt seine Finger.
Ganz geheuer war mir die Androhung einer tauben Zunge aber noch immer nicht, also entschieden wir uns in der Betäubung für einen genialen Kompromiss, eine andere Spritze, die einen wunderbaren Mittelweg bereitete:
Sie betäubte die Zunge ebenso wenig wie die Zähne, was sie aber bei der Unterlippe wieder wett machte. Ich musste also nicht auf die Wohltat des Bohrgefühls verzichten, brauchte mir aber auch keine Sorgen zu machen, was ich mit der inzwischen auf gefühlte 3 Kubikdezimeter angeschwollenen Lippe denn so anstellen sollte, weil sie mir – gefühlt – ohnehin schlaff in der Kniekehle hing.
Eine für mich sehr interessante Neuerung in der Denterolog... in der Denteorolog... in der Denterolog... in der Zahnheilkunde ist die Sandstrahlmethode. Ja, Sandstrahlen. Das, was sie damals auf unsere Neubaublöcke gerichtet haben, um die Jahrzehnte alten Dreckablagerungen zu entfernen.
In meinem Mund!
Mit Kalk in den Arterien und Wasser in den Beinen kann man da schon fast einen Baustoffhandel aufmachen, super. Immerhin hat mein Zahnarzt einen tollen Humor. Hätte ich an seiner Stelle wohl auch. Ich solle mir vorstellen, ich läge am Strand und wäre gerade hingefallen.
Und ich durfte nicht mal kontra geben („Ich geb’ dir gleich hingefallen!!“), weil in meinem Mund war ja neben dem halben Ostseestrand auch noch eine beachtliche Sammlung an komplizierten denteorolog... denterolog... zahnärztlichen Geräten. Wobei ich mich unwillkürlich fragen musste, bei wie vielen Geräten sein Rekord lag. Wäre wahrscheinlich ein „Erinnern Sie sich etwa nicht an letzte Woche?!“ zurückgekommen. Sagenhafter Humor, ich erwähnte es bereits.
Dass das Zeug nicht nur in meinem Mund blieb, sondern seinen Weg natürlich auch noch auf mein Gesicht fand, war dahingehend mild zu bewerten, dass als nächstes ja dann die Wasserduschen kamen, die den Sand wieder fortspülten. Ich wartete regelrecht wieder auf den Strandvergleich, aber der blieb aus.
Irgendwann hatten wir dann die Fugen verdichtet und ich bekam ein Lob, wie toll ich mich gehalten hätte. Ja nee, is klar. Außerdem hat er sein Versprechen, mir dafür was aus der Wühlkiste (Klappergebisse!!!) zu geben, auch wieder vergessen. Pff.
Und ich war wieder frei und machte mich zusammen mit meiner neuen Freundin, der drei-Kubikmeter-Lippe auf den Weg zur U-Bahn. In der mich natürlich alle anstarrten, da bin ich mir ganz sicher!
Und in der ich noch immer Reste des Ostseestrandes auf meinem Gesicht wiederfand und mir möglichst unauffällig weg zu wischen versuchte. Fragt nicht, wie unauffällig man sich in einer U-Bahn mitten in NRW Sand aus dem Gesicht wischen kann.
Tja, hier sitze ich nun und warte zum einen darauf, dass ich wieder ordentlich reden kann, damit ich Mel anrufen und ihr zum Geburtstag gratulieren kann. Im Moment wäre das noch irgendwie ein wenig umständlich. „Ä-i Ersdee tu ju, Ä-i Ersdee tu, Ä-i Ersdee, li-e E-hel…”
Käme komisch.
Zum anderen schreibe ich diesen Eintrag hauptsächlich, um die Stunde zu überbrücken, bis ich endlich wieder etwas essen darf.
Jetzt darf ich.
