Aus dem Leben eines Taugegarnichts

27.05.2005 um 18:23 Uhr

Großreinemachen

Hu, ich muss mal wieder die Hölle der Woche aktualisieren. Und vielleicht sollte ich sie besser auch gleich umbenennen...
Dass diese Hölle übrigens nicht nur ein Blog-Phänomen ist, sondern auch im realeren Leben vorkommt, erkennt man daran, dass mein Büromitinsasse inzwischen angesteckt ist.

Er: "*erzähl*...Pfarrerin... Sehr sympathisch..."
Centi: "Das sind die Schlimmsten."
Er: "??"
Centi "Naja, die müssen ja ein hohes Charisma haben. Das brauchen die, um besser bekehren zu können. Sagt schon das Rollenspielregulativ!"
Er: "*kopfschüttel* Hölle."

Für den gestrigen Feiertag hatte ich mir jedenfalls - um zum Thema zu kommen - vorgenommen, liegengebliebenen Papierkram zu erledigen und die Bude von hinten bis vorne zu putzen, bis man sich in allen Teppichecken spiegeln kann. Großreinemachen, verspäteter Frühjahrsputz, was auch immer, jedenfalls sollte die Wohnung so sauber werden, wie nie zuvor. Hatte ja den ganzen Tag Zeit zu putzen.
...
Es lief darauf hinaus, dass ich mich gegen halb zwölf aus dem Bett geschält habe und an den Computer geschlurft bin, wo ich erst mal Tee genommen habe. Zum Wachwerden.
Dann hab ich mich mit meinem reichhaltigen und ausgewogenen Frühstück (Nutella mit Filinchen) vor den Fernseher gesetzt, um mir den Star-Wars-Trickfilm anzusehen. Ja, das musste sein, weil ich den zweiten Teil erst einmal gesehen habe. Weil da kein Liam Neeson drin vorkommt (*stöhn* immer dieser Fangirls). Damit ich informiert bin, wenn ich den dritten Teil sehe.
Gegen halb zwei hab ich dann erst mal in Ruhe einen Cappuccino getrunken. Zum Wachwerden.

Das Wachwerdenwollen habe ich dann unterbrochen und mich auf meinen Südbalkon gelegt, um zu lesen und zu dösen. Herrliches Wetter! Warm und windig. Sommer ist so geil!
Zu Ally MacBeal gegen drei hab ich mir zur Feier des Feiertages eine Pizza gemacht, um mich danach wieder auf den Balkon zu legen.

Gegen sechs habe ich dann überlegt, ob es sich überhaupt noch lohnen würde, jetzt wenigstens noch zu saugen. Oder das Saugen für morgen (oder so) vorzubereiten.
Habe dann halbherzig eines der T-Shirts vom Haufen auf dem Sessel genommen, zusammengelegt und in den Schrank geworfen.
Beschlossen, dass das der Vorgeschmack auf die Vorbereitung zum Großreinemachen demnächst gewesen ist und bin duschen gegangen.
Zum Wachwerden.
Daraufhin habe ich das Wachwerden endgültig aufgegeben und mich mit dem Laptop auf den demnächst gesaugt werdenden Boden gelegt.

Später dann Nessi gesichtet. Sie ist immer noch da. Und ich glaube, das achtbeinige Ekelmonster ist gewachsen, passt aber noch immer in ihre Wohnung in dem Balken einen Meter links von mir. Einen halben Meter rechts von mir hat sich übrigens Pauline eingenistet. Sie ist etwas kleiner als Nessi (was keinesfalls heißt, dass sie klein ist!), hat dafür einen weißen Körper. Unter dem Kleiderschrank.
Ja, toll, ich hab zwei nichtzahlende Mitbewohner, mit denen ich nicht mal Skat spielen könnte, wenn ich es könnte, und die ich nicht rausschmeißen kann, weil sie nicht aus ihren Löchern kommen, wenn ich da bin.
Beschützt mich wer?

Heute wieder auf Arbeit gegangen. Im Gegensatz zu den meisten anderen, die Urlaub genommen haben. Zu viert auf einem Gang, auf dem normalerweise dreißig Leute arbeiten.
Habe mir also Cappuccino gemacht - um Wachzuwerden -, die Fenster geöffnet, um die morgendlich kühle Luft hereinzulassen (Nebenbei überlegt, ob ich die Spatzen da draußen süß finden oder vom Baum schießen soll), bis ich dann die völlige Verdunklung eingeführt und auf den Cola-light-Mann gewartet habe.
Der natürlich nicht kam.

Beschlossen, dass es zum Saugen heute zu warm ist. Viel zu warm. Habe gerade mein Thermometer auf den inzwischen schattigen Balkon gestellt. Es zeigt mir knapp 34°C an, klopft wild an die Scheibe und möchte wieder reingelassen werden. Ich geh's mal besser retten...

19.05.2005 um 21:40 Uhr

Steuererklärung und andere Boshaftigkeiten

Computer und ich haben eigentlich ein ganz gutes Verhältnis. Manchmal so gut, dass wir uns gegenseitig lustige Streiche spielen.
Besonders beliebt: Centi vor anderen als Idioten hinstellen.
Was tut der kreative streichspielende Computer dafür? Er funktioniert nicht. Centi kann dann versuchen, etwas zu erreichen, indem sie etwas anklickt und er wird sich weigern, darauf zu reagieren. Centi wird das eine Weile wiederholen und dann frustriert aufgeben. Und dann Hilfe holen. Sehr oft war das Centis Vater, der dann ankam.
Jetzt schlägt der Computer in all seiner Gehässigkeit zu: Bei exakt dem gleichen Mausklick wird er nun – funktionieren!
Centi ist nun in Erklärungsnot, was sie falsch gemacht haben könnten und der Computer bekommt ein breites Grinsen vom CD-Laufwerk bis zum Lüfter.

So auch heute. Word-Formular. Wie kriegt man die Kreuze in die Kästchen? Genau, man klickt drauf. Links geklickt, rechts geklickt, doppelt geklickt. Nichts.
In das nächste Büro gestürmt und den nächstbesten Kollegen zum PC geschleift.
Ratet.
Genau.
„*kicher* *lächel* Also so was... ähm... aber danke, dass du gekommen bist... ähm... hihi...“
Gah.

Ok, nun waren wir das ja von Computern gewohnt.
Aber von Stadtplänen?!
Diese gehässigen Biester sprechen sich also untereinander in den Streichen ab und machen sich nicht mal die Mühe, sich neue auszudenken.
Centi will also ihre Steuererklärung abgeben und sucht nun das Finanzamt. Stadtplan behauptet, die W-Straße läge auf dem Quadrat G8.
Centi starrt etwa 2 Stunden auf G8. Jede einzelne Straße wird abgesucht. Keine W-Straße.
Ok, das hat ja nichts zu bedeuten. Wir finden sie sicher. Das Finanzamt findet man immer (oder es findet einen, muahaha).

Dumm nur, dass ich bis 16:00 arbeiten muss und das Finanzamt 17:00 schließt. Ich hatte also 60 Minuten Zeit, die Arbeit hinzuschmeißen, das Büro aufzuräumen, das schätzungsweise zwei Kilometer lange Gebäude zu durchqueren, zur Bahn.... aber lest selbst. Nicht, dass ihr das nicht schon tun würdet. Egal.

16:00
Ich weiß, ich sollte jetzt los, aber da ist noch was zu erledigen. Nur noch die beiden Zeilen schreiben, dann bin ich fertig... argh, das Fax hat Papierstau. Aber morgen ist auch noch ein Tag.

16:08
Ja ich sollte los. Geh ja schon.
Meine Tasche ist vollgestopft mit Heftern, in denen die Unterlagen sind, die ich heute noch kopiert habe. Wiegt schätzungsweise 10 kg. Ehrlich.
Außerdem habe ich heute Morgen den dicken Pullover über T-Shirt und Hemd gezogen. Darüber dann Schal und Jacke. Weil es war kalt. Heute Morgen.
Die Temperatur ist gerade auf etwa 25°C angestiegen und hab ich schon meine 20 kg schwere Tasche erwähnt?

16:15
Erreiche die Bahn, die gerade einfährt. Yay!
Drinnen erst mal in einem kaum an Eleganz und Ästhetik zu überbietenden Akt (*ächz* *stöhn* *Leuteanstoß* *Haareverwirr*) den Pullover ausgezogen und auf den Stapel von Jacke und Schal auf meinen Schoß über die 30 kg schwere Tasche gelegt.
Bleibt noch Zeit für einen Blick in den Stadtplan. Immer noch keine W-Straße. Was hatte ich auch erwartet?

16:26
Bahn erreicht den Bahnhof.
Das obligatorische ein-Euro-Stück fällt mir aus der Jackentasche und ich muss mich durch die Menge quetschen, um es wieder aufzuheben. Sauer verdientes Geld.

35 Minuten, bis das Finanzamt schließt. Und ich habe keine Ahnung wo es ist. Aber G8 war ziemlich weit weg vom Bahnhof.
Die Stadtinformation war näher. Da also nachgefragt.
„Ich suche das Finanzamt, in der W-Straße. In meinem Stadtplan ist die irgendwie nicht eingezeichnet...“
Ratet.
Genau.
Die freundliche Dame wirft einen Blick in meinen Plan und zeigt mir dann, wie die große, gelbe Straße durch G8 verläuft. Argh.
„*kicher* *lächel* Also so was... ähm... danke, ich hatte sie echt nicht gefunden... ähm... hihi...“
Gah.

16:30.
30 Minuten Zeit, die gesamte verdammte menschenüberflutete City einmal zu durchqueren. Mit einer 40 kg schweren Tasche, einem Stapel an Klamotten unterm Arm und dem Stadtplan in der Hand durch die übervollen Straßen hechtend, während ich krampfhaft versuche, nicht wie ein Tourist auszusehen.
Natürlich geht dieses intrigante Teil von Stadtplan mitten auf der Straße auf und ich halte ihn nun also als 100x50 Centimeter großes Plakat mit der Aufschrift „TOURIST!!!“ vor mir und versuche weiter durch die Straßen auf ein bald schließendes Finanzamt, von dem ich nicht weiß, wo es überhaupt ist, zu jagen, während ich den Stadtplan zusammenzufalten versuche.

16:45
Ich erreiche tatsächlich die W-Straße. Yay! Nein, ich habe keine Ahnung, wo das Finanzamt ist. Vermutlich am anderen Ende der Straße. Wahrscheinlich erreiche ich es exakt 17:00.

16:46
Bin da! Da, auf dem Gebäude steht „Finanzamt“! Geil!
Unglaublich aber wahr, von da an geht alles glatt: Wenig Leute im Wartesaal, ich komme etwa 16:50 ins Büro.
Wir grinsen beide, als sie mir erzählt, dass ich mir die 50 kg Nachweise ersparen hätte können, weil mein Lohn im letzten Jahr unter einer keine-Ahnung-Grenze lag und ich meine 17,75 Euro ganz sicher wiederbekomme. Sauer verdientes Geld.

Schlage mich also wieder zurück zum Bahnhof durch – Links flankiert von Verkäuferinnen, die mir Parfum aufsprühen wollen. Buäääh! Mit dem Stapel Klamotten unter dem Arm und mit der 60 kg schweren Tasche – und komme irgendwann tatsächlich zuhause an.
Jetzt noch fürs Wochenende gepackt, das Kleid und der Zeigefinger sind sogar schon gebügelt und höre jetzt mit diesem Monstereintrag auf.


12.05.2005 um 19:18 Uhr

Frust.

Ich mag meine Arbeit eigentlich.
Was mich daran frustriert ist, dass sie mir immer sagen, dass sie mich wegen meines (imensen, unendlichen, unglaublichen, einzigartigen, grandiosen... eingebildeten...) Fachwissens eingestellt haben und dabei vergessen, dass in diesem Haus alles anders ist als in anderen Häusern (in denen auch alles anders ist) und dieses Fachwissen nicht nur für die Füße ist, sondern manchmal auch dazu führen kann, dass man manche Sachen eben zwei Mal machen muss [Na, haben wir die "dass" mitgezählt? Können wir jetzt ein Satzschema aufmalen?].
Kein Thema, ja, ich werde vergessen, was ich im Studium gelernt habe und genau das Gegenteil tun. Und mich abends betrinken, um die Professorenstimmen in meinem Kopf zu beseitigen.
Ich wusste, dass das übermotivierten Ex-Studenten mit hoch schwebenden Visionen, die frisch ins Berufsleben einsteigen und die Welt verändern wollen, so geht.
Aber mir?!
Argh.

Auch Stammtische können frustrieren. Wie das nunmal in einer heterogenen Gruppe so ist, in der alle gleichgestellt sind, ist es ziemlich schwer, einen gemeinsamen Termin zu finden. Nicht nur weil ja nie alle zur gleichen Zeit Zeit haben, sondern auch weil ja niemand in der Position ist, einen Richtspruch zu fällen. Richtig frustrierend wird es dann, wenn sich alle, aber auch jeder einzelne dieser Leute, darüber beschweren, dass "die anderen" es  nicht schaffen, sich auf einen Termin zu einigen.
Warum man selbst nicht eingreift?
Weil man nicht zur Kerntruppe gehört.
Warum nicht?
Weil es keine gibt.
Das frustriert mich. Irgendwann geht dieser Stammtisch ein, wenn sich nicht bald ein Diktator findet.
Demokratie funktioniert einfach nicht.

Die NRWler unter uns nehmen bitte trotzdem alle am 22.5. ihre demokratische Pflicht wahr, ja? Wer nicht wählt, wählt rechts.
(Boah, langsam wird das hier ein richtig politisches Bildungsblog!)

Und ich brauche endlich jemanden, der mir in den Hintern tritt, damit ich sämtliche Mails beantworte, deren Autoren sicher denken, dass ich sie vergessen habe, obwohl ich den ganzen Tag an sie denke... nur zum schreiben fehlt mir der Anlass.
Ein kleiner Teil davon geht dann an Leute, die mich durch die gleiche Schreibfaulheit an der Wahrnehmung meiner diktatorischen Pflichten für zwei kleinere Zusammenkünfte hindern.

Außerdem hatte auch noch mein Büromitbewohner Geburtstsag (Ja, genau der. Der Frischluftfanatiker, der morgens schon gute Laune hat. Das sind dann gleich zwei Höllen auf einmal.) und sagt mir nichts. Ich erfahre es eine Woche später, weil eine andere Kollegin ins Zimmer kommt, um ihm zu gratulieren.

Und dann wollte ich noch eine Datei per Mail verschicken, kündige das großartig an, und verschicke die Mail dann ohne Datei.
Jawoll.
Kann aber sein, dass mein Zerstreutheit daher rührte, dass ich danach zum Zahnarzt musste!
Wenigstens war der brav.

Hinterher hab ich dann noch Schokolade bei einer unfreundlichen Verkäuferin gekauft, die frustrierender Weise knapp 10(!) Euro(!) gekostet hat (nicht die Verkäuferin, du Depp), nicht für mich bestimmt ist und der man das Geld nicht ansieht. Hussel ist doof.

Aber egal. Vor mir liegt ein schönes Wochenende, dass etwa 530km von hier entfernt stattfinden wird.
Ja, das heißt, dass ich mich morgen im Stau ganz hinten anstellen werde.

Und nein, ich bin nicht frustriert.

EDIT, 19:59:
Und gerade bin ich mit einem Teller voller Biomüll aufgestanden und damit an der Tischkante hängen geblieben. Das Leben ist toll.