Arbeit macht das Leben süß...
Oh, das ist toll. Da hat man es schon mal geschafft, sich morgens aus dem Bett zu quälen, aus dem fluffig weichen, warmen, mit Biberbettwäsche bezogenen Bett mit dem Kuscheltier und dem perfekt zurechtgerückten Kissen, hinaus in die kalte Welt, in die niesende Straßenbahn, in den niesenden Betrieb und ist schon beinahe sowas wie auf dem besten Weg zum ersten Schritt hin zu dem Beginn des Anfangs eines Anflugs von Motivation und dann gibts Netzwerkstörungen und das Programm, mit dem man arbeiten müsste, fährt gar nicht erst hoch. Erfahrungsaustausch mit den Kollegen, denen gehts ebenso.
Man ruft frustriert die Adminabteilung an, die zu solch früher Stunde natürlich noch nicht besetzt ist (Informatiker halt.) und wartet.
Aber immerhin, keine halbe Stunde später werde ich von einer sehr müden Stimme zurückgerufen, weil ja meine Nummer auf dem Display war. Ich schildere der müden Stimme meine Probleme und sie verspricht, sich darum zu kümmern. Das kann ja nichts werden. Selbst wenn das ein Informatiker war, dann wird der doch vor der dritten Tasse Kaffee nicht wach genug sein, um meine Probleme zu beheben.
Ich beschließe, einer Kollegin meinen Frust mitzuteilen, da hängt sich auch noch unser Mailsystem auf.
Da werden Montagsgefühle wach (wenn schon nicht der Informatiker).
Dann kann ich auch weiter bloggen, wenn es sonst eh nichts zu tun gibt. (Jaja, unsere übertechnisierte Gesellschaft, wenn da mal was ausfällt, herrscht gleich überall Stillstand.)
Zum Beispiel von den leuchtenden Tafeln, die hier derzeit an den Straßenbahnhöfen angebracht sind.
"Verehrte Gäste", verkündeten die im November, "hier entsteht bis Dezember 2005 ein neues dynamisches Informationssystem."
Das steht da seit Januar natürlich nicht mehr. Seit Januar haben sie das "Dezember 2005" durch "in Kürze" ersetzt. Find ich amüsant.
Oder ich könnte berichten, dass ich wieder mal Biff spielen war. Und diesmal war ich richtig gut. Ich hab Leute verbunden, ohne sie aus der Leitung zu hauen, ich hab die Gespräche zurückgenommen, wenn am anderen Ende doch keiner war, und niemand ist aus der Leitung gefallen, ich habe Auskünfte gegeben und Professionellsein gespielt und immer gelächelt.
Na schön, etwas hab ich gemacht, was ich eigentlich bei näherer Überlegung... aber letztendlich ging es gut aus.
Das hab ich dann meiner Kollegin Y. berichtet:
"Ob er [ein Kunde] seine Sachen im Spint eingeschlossen lassen dürfe, hat er gefragt. Weil die Tasche sei schwer und er wolle noch wohin, hat er gesagt. Und bis wann er sich das wieder abholen könne, hat er gefragt.
Dass hier ab 17:00 niemand mehr sei, hab ich geantwortet, und dass er danach nicht mehr an seine Sachen rankäme, hab ich ihm erklärt.
Dass er seine Sachen auch eingeschlossen lassen könne, hat er gemeint, er käme morgen eh wieder, hat er gesagt, da könne er sie auch drin lassen, wenn ers nicht bis 17:00 schafft, hat er verkündet.
Okay, hab ich gemeint. Leicht übertölpelt gewesen.
Da ist jetzt ne Tasche in dem Fach, und er nimmt den Schlüssel mit heim, fällt mir ein. Die Tasche wird diese Nacht den Betrieb sprengen und ich bin schuld, wird mir klar.
Ich setz mich nach Südamerika ab, beschließ ich."
Y. zeigt tiefes Verständnis für meine Situation und beweist wieder mal hervorragendes Einfühlungsvermögen.
"Du hast echt ne Meise!!!"
Hatte daraufhin mit einer anderen Kollegin gesprochen, die den Mann schon kannte und mir erzählt hat, dass er Filmemacher sei und er da drin seine schweineteure Kameraausrüstung eingeschlossen habe. Der käme sicher wieder und würde den Betrieb schon nicht sprengen.
Ich wende mich wieder an Y.:
"Wenn der Schlüssel weg ist, hat sie gemeint, wäre das nicht weiter schlimm, und sprengen wird er den Betrieb wahrscheinlich nicht. Sagt sie. Fliegt German Wings eigentlich auch nach Rio?"
Y. ist wieder mal das Verständnis in Person, selbstaufopfernd bis zum Letzten, um ihren Freunden zu helfen.
"Cool, welches Schließfach hat er?
Ne Kamera könnte ich gut gebrauchen und danach komme ich mit nach Rio..."
Immerhin, in unserem großen hellen ruhigen Büro ist sie nun ganz alleine und natürlich vermisst sie mich.
"Bin hier so einsam... und allein... und verlassen... und erwähnte ich schon, dass ich einsam... und allein... und verlassen bin?! Na jetzt weißt du ja, dass ich einsam... und allein... und verlassen... und erwähnte ich schon, dass ich einsam... und allein... und verlassen bin?!"
"Japp.
Aber mal was anderes:
Fühlst du dich da oben nicht völlig einsam, allein und verlassen?!"
Wir sind vom Idiotenclub und laden herzlich ein,
bei uns ist jeder gern gesehen, nur blöde muss er sein...
P.S.: Jetzt funktionieren übrigens wieder alle Programme. Aber ich kann nicht mehr drucken, weder hier noch auf dem Zentraldrucker. Oh, und nachdem ich eine halbe Stunde darauf gewartet habe, dass Halbcheffe aus seiner Kleinbesprechung zurückkommt, weil ich ihn was fragen will, ist er ganz verschwunden.
Ich kann so nicht arbeiten.
