Aus dem Leben eines Taugegarnichts

28.03.2006 um 09:27 Uhr

Großstädte

Mit Großstädten kann ich ja bekanntlich nicht besonders viel anfangen. Und eine gewisse Kneipe dieses Wochenende in Köln hat nicht gerade dazu beigetragen, meine Skepsis zu beseitigen. Oder auch nur mindern. Oder wenigstens auf Status Quo zu lassen.

Szene: Hässliche Kneipe mit hässlichen Möbeln und hässlichen Tapeten. Aber der Rauchabzug hat funktioniert, immerhin.
A.: "Ich hätt gern ne Kölsch-Cola."
Kellner: "Sowas machen wir hier nicht."
A. [braucht eine Weile sich zu sammeln]... "Äh... dann ein Kölsch..."
Kellner: "Kannst ja sie [weist auf T., die eine 0,2l-Flasche Cola vor sich stehen hat] fragen, ob du was abkriegst."
Kellner ab, alle: "?!"

A. bestellt dann noch eine Limo und trinkt diese aus.

A.: "Ich hätt gern noch ne Cola."
Kellner: "Du trinkst aber ganz schön durcheinander."
A.: "..."

Großstädte halt.


Aber mein Verhältnis ist ohnehin geprägt. Vom ersten bewussten Berlin-Erlebnis. "Bewusst" deshalb, weil meine Eltern mir immer von gar wunderlichen Plätzen erzählen, die ich schon besucht haben soll. "Nee, da war ich noch nie." "Doch, klar, das weiß ich noch genau!" "Wie alt war ich denn da?" "Naja.. so... 1 Jahr.. na, ok..." "..."

Jedenfalls: Berlin. Wir schreiben Oktober, vermutlich im Jahre 1996. Meine Eltern machen sich, und das ist ihnen hoch anzurechnen, mit ihrer schwer archäologiebegeisterten Tochter und ihrer immerhin großstadtbegeisterten Tochter auf den Weg, sämtliche historisch irgendwie interessanten Museen abzuklappern. Hätten sie vermutlich nicht, wenn sie geahnt hätten, dass Centi völlig fasziniert jedes einzelne Rollsiegel begutachten würde, während sich der Rest der Familie seit drei Stunden (sic!) auf dem Sitz vorm Ausgang niedergelassen hat.

Nach Berlin brauchte man damals noch ein bisschen länger, es staute zudem und wir gerieten allmählich etwas in Unruhe, weil das Hotelzimmer nur bis 23:00 reserviert war, und sich die Uhr bedächtig in Richtung 22:45 bewegte. Immerhin, wir waren schon im stockfinsteren Berlin. Am falschen Ende, aber egal. Mein Vater übertrat ein paar Verkehrsregeln und irgendwie schafften wir es doch noch, gerade rechtzeitig anzukommen.

Es war also Oktober. Schweinekalt, zappenduster, spät in der Nacht (also damals hab ich das noch als spät empfunden) irgendwo in Charlottenburg.
Und sogleich begegnete mir der erste Mensch in einer Großstadt: Es war ein älterer Herr um die sechszig, der einen weißen Haarschopf und Bart hatte, der dem Weihnachtsmann Ehre gemacht hätte. Und er trug in dieser kalten dunklen Oktobernacht nichts außer einer hellblauen Unterhose, einem weißen Rippenunterhemd und ich meine, es waren Sandalen. Er trug nichts außer diesen Kleidungsstücken und einer Leiter über der Schulter.

Und auch heute noch bleibt mir nur mehr, rätselnd zu schweigen.

 

22.03.2006 um 13:46 Uhr

Geröstet, nicht gehört

Neulich gab es im Haus eine Feuerübung. Eigentlich lief es ganz gut. Außer dass die Hälfte der Mitarbeiter wohl nicht mehr rechtzeitig raus gekommen wäre. Der eine Teil weil er im Keller an drei Feuertreppen vorbeigerannt ist, um den altbekannten Weg neben dem Fahrstuhl zu nehmen, der andere Teil weil in ganzen Gebäudeteilen die "Schallgeber" ausgefallen sind und man deswegen dem armen Hausmeister ein Megaphon in die Hand gedrückt hatte (willkommen im Jahr 2006) und der bemitleidenswerte Kerl halt nicht überall gleichzeitig rumbrüllen konnte.
Ich hab es Vizecheffe (Vizeobercheffe? Ich komme ganz durcheinander hier) ja vor fast einem Jahr schon gesagt. Wenns hier mal brennt, hab ich gesagt, weiß keiner, was er tun soll. Hat er mir geglaubt? Nein, hat er nicht. Immerhin, jetzt hat jeder einzelne seiner Mitarbeiter jeden verdammten Fluchtweg im Haus persönlich kennen gelernt und mit Vornamen angesprochen, und es werden mehr Schilder angebracht, damit man die Fluchtwege im Ernstfall auch findet.

Wenn ich erst mal Bundeskanzlerin bin, dann werd ich staatlich verordnete Feuerschutzübungen einführen. Dafür gründe ich dann einen gut bezahlten Feuerschutzarbeitskreis. Um den zu finanzieren, könnte ich ja beispielsweise die Feuerwehrautos von Coca-Cola sponsorn lassen, die müssen dann nur noch ihren weißen Schriftzug aufbringen und fertig.
Aber bevor ich Bundeskanzlerin werde, müsste ich echt was an meinen Haaren ändern. Ich könnte ja ausnahmsweise mal zum Frisör gehen. Ich stell mir da so ein nettes Goldblond vor und einen ohrlangen Pony mit 1-3 dunkelblauen Strähnen drin.

10.03.2006 um 11:00 Uhr

Lyrisches zur Jahreszeit

Wenn im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt,
Dann ist ihm sein Traktor davon wohl gerannt.
Er vergaß, die Handbremse nur anzuziehn,
Und schon fing sein Traktor an, vor ihm zu fliehn.

Derweilen der Bauer rennt hinter ihm her.
Dass er so strunzdumm war, das ärgert ihn sehr.
Er rennet und sauset und fluchet dabei,
Der Traktor fährt weiter, ihm ists einerlei.

Und plötzlich, da gibt es nen riesigen Krach.
Der Traktor geschwinde fährt in einen Bach.
Der Aufprall, der schlägt das Gefährt kurz und klein.
Darum spannt der Bauer die Pferde heut' ein.

Tralalala....

 

[ © Kleiner-Centi vor 7, 8 oder 9 Jahren. Bei Oma beim Rommé Spielen. ]

08.03.2006 um 19:18 Uhr

Ich-Tag

Um mal wieder dem politisch-informativen Auftrag meines Blogs gerecht zu werden: Heute ist Weltfrauentag, internationaler Weise.
Nachdem die Frauenheit ja nun das aktive und passive Wahlrecht erhalten hat (vor langer Zeit und doch viel zu spät), müssen wir uns jetzt weiter wagen und die Emanzipation vorantreiben. Und was immer dem sich neigenden Leser bei diesem oft diffamierten Wort in den Sinn kommen mag: Ich meine vor allem die Abschaffung sämtlicher Rollenklischees und Schubladen. Und an der Stelle komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass es keine weitere weibliche Emanzipation geben kann, wenn die männliche nicht ebenso vorangetrieben wird. Jeweils von beiden Seiten, die ruhig auch mal aufhören könnten, sich als Seiten zu sehen.

Also frei nach Nathan dem Weisen - Sind Mann und Frau eher Mann und Frau als Mensch? Ah, wenn ich einen mehr in Euch gefunden hätte, dem es g'nügt, ein Mensch zu heißen! - frei nach Nathan bin ich also für die Abschaffung von Männer- und Frauentag (man könnte ja ersteren als "Wir rennen mit dem Bollerwagen durch die Gegend und saufen uns die Hacke voll"-Tag bezeichnen, was man ja mit WRMDBDDGUSUDHV-Tag, oder mit W-Tag abkürzen könnte) und für die Einführung eines Emanzipationstages, den es wahrscheinlich ohnehin schon gibt, und den ich natürlich wiedermal nicht kenne, der dann jedenfalls also für alle Menschen gedacht ist, auf dass sie aufhören mögen, in "'Ich handle zu 75% wie ein Mann und zu 25% wie eine Frau'- und 'Ich besitze (k)ein Y-Chromosom, ich muss sowas nicht können'"-Schemata zu denken, und anfangen, im "Ich bin zu 100% ich"-Schema zu leben.

Mal sehen, in wie weit ich das dann als Bundeskanzlerin umgesetzt kriege. Zwecks dieser Umsetzung fehlt mir noch ein Familienministerium, Kollegin Y. hat sich leider nur als Umweltministerin (Einführung des Haustierführerscheins) und Vorsitzende des Ausschusses zur Einführung des Zentralabiturs angeboten, Arianrhod postet nicht mehr im HdRF-Forum und Bobbes (der mMn für diesen Posten ohnehin ausfällt) möchte bitte - er weiß von seinem Glück noch nichts - Systemadministrator des Bundeskanzlerinamtes werden.


Ganz nebenbei, aber weit ab vom Thema: Ich hab jetzt endlich auch einen MP3-Player, yay. Dieses kleine Wunderwerk der Technik zeichnet sich u.a. durch akurate Übersetzung der Funktionen aus. Im Verzeichnis "Wiederholen" kann man sich beispielsweise zwischen "Alle", "Einzeln" und "Faltprospekt" entscheiden. Nein, da ist kein Drucker integriert (na, was nicht ist...).Außerdem bin ich zu doof, mir die Stöpsel richtig in die Ohren zu stecken.
Aber den Arbeitstag mit den "Lowlands of Holland" zu beginnen, das hat echt was.