Aus dem Leben eines Taugegarnichts

30.10.2006 um 08:02 Uhr

Kalenderwoche 43

Nicht dass es bahnbrechend Neues zu berichten gäbe, aber es ist einfach mal wieder an der Zeit für eine Meldung. Also die Nachrichten der letzten Woche ohne bestimmte Reihenfolge:

Ich dusche derzeit bei schätzungsweise 25°C. Leider habe ich kein wassergeeignetes Thermometer, um dies zu verifizieren. Oder vielleicht auch "zum Glück", sonst würde ich vielleicht gar nicht mehr duschen. Ich finde mich so schon mutig genug. Demnächst werde ich die Duscharmatur bei meinen Eltern einbauen und sehen, ob es an ihr liegt (Eine genial einfache Idee, die auch von mir hätte sein können. War sie aber leider nicht.) oder an was anderem. Ich hoffe, es liegt an ihr, sonst muss ich die Vermieter kontaktieren, die bestimmt blöde Fragen stellen, dann kommen vielleicht irgendwelche Handwerker, die mir sagen, dass sie zwischen 7 und 10 kommen, tatsächlich aber erst um 11 kommen, und ich muss mir die ganze Zeit von der Arbeit frei nehmen. Und dann kriegen sie es an dem Tag nicht hin und müssen noch mal wieder kommen.
Hoffen wir also auf einen kaputten Thermostat, am Wochenende finde ich es heraus.

Mein Laptop soll irgendwann diese Woche kommen, ebenso wie die erste Staffel Ally McBeal, die ich mir aus Frust bestellt habe, weil die Serie, die ich eigentlich wollte, nur in den USA auf DVD rausgekommen ist, was wohl auch so bleiben wird. Das bedeutet eben, dass sie Regionalcode eins hat. Zwar steht auf der Verpackung meines DVD-Players, dass er codefree ist, im Handbuch steht aber, dass er nur DVDs der Region zwei liest. Ich sollte Scott mal mailen, dass ein DVD-Player, der nur einen bestimmten Regionalcode erkennt, nicht codefree ist. Die Sache mit dem Regionalcode ist sowieso extrem sinnfrei, vor allem bei einer Serie, die vor 13 Jahren im deutschen Fernsehen lief. Sobald ich die Weltherrschaft an mich gerissen habe, schaffe ich das Gedöns ab.

Für Ende dieser Woche habe ich mich breitschlagen lassen, an einem Betriebsausflug mit Gästen des Betriebs teilzunehmen. Ich wollte eigentlich nicht, aber Cheffe hat mich mit großen blauen Augen angesehen und erklärt, dass er junge Leute haben will, die den Betrieb repräsentieren. Ich werde jetzt also mit Leuten, die ich nicht mag (ausgenommen ein paar), in meiner Freizeit an einen Ort reisen, der mich nicht interessiert, und mit oben genannten Leuten spät abends was essen, auf eigene Kosten of course.
Ich fühle mich aufgrund meines Alters diskriminiert.

Das Armband meiner Uhr ist kaputt. Was ziemllich doof ist, weil es ein Lederarmband ist und Digitaluhren mit Lederarmband schwer zu kriegen sind. Und das Band selbst hat ein drittel des Neupreises der Uhr gekostet. Ohne Uhr fühle ich mich irgendwie hilflos. Am Bahnhof hängen zwar auch Uhren, aber das sind analoge, ehe ich da die Zeiger auseinandergezählt habe, ist mein Zug schon zwei Mal durchgefahren.

Bilbo fährt. Ich muss mir das an dieser Stelle vor Augen führen, weil mein Internetanschluss zickt, mein DVD-Player doof ist, mein Lederarmband kaputt ist, meine Duscharmatur einen sadistischen Zug hat und die Random-Funktion meines MP3-Players nicht nennenswert funktioniert. Ich hab das tollste Auto der Welt.

21.10.2006 um 17:32 Uhr

Ich bin Klempner von Beruf... Teil 2

Also schön, da ich ohnehin erst mal in der Dusche herumspielen muss, kann ich auch Schlafanzug und Morgenmantel anlassen, das Zeug darf nass werden. Ich schnappe mir also Schraubenzieher und Gebrauchsanweisung und stelle mich unter die Dusche. Lege den Duschkopf auf den Boden, stelle einen Fuß auf den Schlauch, damit ich nicht doch komplett geduscht werde, und den anderen vor den Duschkopf, zwecks Temperaturfühlung. Folge den Anweisungen und nehme den Skalengriff ab, "ohne ihn zu verdrehen", dabei fällt mir ein Plastikring entgegen. Nach einigem Probieren finde ich heraus, dass der wohl für den Stop verantwortlich ist, der dafür sorgt, dass man sich nicht ausversehen verbrüht (Ha. Ha. ). Stecke den Griff wieder so drauf, dass die Markierung bei 38°C ist. Ernüchternd simples Prinzip, dass man einfach die Skala verschiebt.
Teste die Wassertemperatur erneut, mein Fuß meint, es wäre warm, Handkontrolle widerlegt dies vehement. Lauwarm.
Wiederhole die Prozedur, bis es nicht mehr funktioniert, weil der sich der Thermostat, inzwischen wohl irgendwo jenseits der 50°C einfach nicht mehr drehen lässt. An der tatsächlichen Wassertemperatur hat das irgendwie nichts geändert. Mist. Dafür ist jetzt mein Schlafanzug nass und ich bin um das Wissen der Funktionsweise dieses Stop-Knopfes reicher. Eine richtig warme Dusche wäre mir aber lieber.
Mist. Und jetzt?
Zurück zur Anleitung gegen "Unregelmäßige Arbeitsweise  - der Thermostat-Mischer versorgt ungenügend warmes oder kaltes Wasser"
1. Gebrauchsanweisung befolgt.
2. Thermostat auf kalt und heiß stellen, wiederholen und prüfen, b der Thermostat korrekt funktioniert. Tut er natürlich nicht.
3. Theromstat "abbauen".
Das bringt mich wieder zu dem Problem ans Auto zu müssen und mich vielleicht doch allmählich umzuziehen. Zumal der Pyjama ja ohnehin nass ist.
Ich könnte natürlich auch erst mal was zum Mittag essen. Seien wir ehrlich, zum Baumarkt (eigentlich wollte ich den Thermostat ja mal umtauschen...) komme ich heute ohnehin nicht mehr.
Also schnell umziehen und in die Tiefgarage, um die Rohrzange und einen alten Lappen aus dem Centimobil zu holen. Danach noch ein bisschen gesurft und nach einer neuen Jeans geschaut (online-Kataloge und digitales Shoppen, das hat direkt Zukunft) und was gegessen.

Inzwischen schreiben wir 16:45 und mein Thermostat-Problem steht noch. Seufz. Dann bauen wir ihn doch mal anleitungsgemäß ab. Aus. Was auch immer.
Und pünktlich kratzt das Internet wieder ab, manchmal glaub ich ja, da ist ein System dahinter. Also schön. Gehe mit der Rohrzange ins Bad, drehe das Wasser ab und baue die Armatur ab. Frage mich währenddessen, warum das Teil normalerweise eigentlich im Auto liegt, da hab ichs doch noch nie gebraucht.
So, Armatur ist abgebaut, und jetzt? "Prüfen Sie, dass die Rückflussverhinderer" - wer? - "und die Filter" - welche? - "korrekt funktionieren" - wie denn?! - "und dass es sich innig keine Unsauberkeit befindet." [sic!] Ahja. *am Kopf kratz* *Armatur herumdreh* Tja.... Ich könnts bei der Gelegenheit ja mal saubermachen...
Halte die Armatur unter den Wasserhahn und drehe auf, bis mir einfällt, dass ich das Wasser ja vor einer Minute abgestellt habe, was ja auch gut so ist. Okay. Wie auch immer.
Drehe das Teil planlos ein wenig in der Händen herum. Man könnte ja mal in die Zuleitungen reinpieksen. Piekse in die Zuleitungen rein und erfreue mich über die blubbsenden Geräusche, die es macht, wenn die Ventile zurück...blubbsen. Drehe das Teil wieder um und habe plötzlich eine größe Pfütze auf meinem Schreibtisch. Aha, ich schätze, ich hab gerade den Rückflussverhinderer entdeckt. Scheint zu funktionieren. Was in so eine kleine Armatur nicht alles für Wasser reinpasst.... fange das restliche Wasser mit dem Teller auf, der noch vom Mittagessen hier rumsteht.
"und dass es sich innig keine Unsauberkeit befindet." Von dem, was ich sehe - keine Unsauberkeit.
"4. In dem Fall dass diese sauber sind, nehmen Sie die Kartusche heraus" - was ist das denn nun schon wieder?! - "und putzen Sie die Zubehöre laut unserer Montageanleitung."
Montageanleitung? Hier ist keine Montageanleitung, die mir sagt, welche Zubehöre ich wie putzen soll.
Weiter im Text:
"Wenn das Thermostatmischer ist geschlossen" -  - "und dass Wasser aus dem Hauptauslauf ausfließt:" Äh... wiebidde? Ach so, wenn der Wasserhahn zu ist und das Wasser trotzdem läuft, ach so, ja. Nee.
Tja. Dann.... bauen wir den Thermostat doch mal wieder ein. Armatur wieder angebaut, Deckplatte beim Skalengriff wieder draufgepappt und das Wasser wieder angestellt.
Test - Hm... das Wasser ist nicht so warm, wie es sein sollte, wirkt aber ein Stück weit wärmer als vorher. Wahrscheinlich pure Einbildung, die mein Unterbewusstsein verursacht, damit die ganze Sauerei nicht umsonst war. Werde das weiter im Auge behalten. Müssen.

21.10.2006 um 13:29 Uhr

Ich bin Klempner von Beruf...

Endlich Wochenende. Und diesmal eins, an dem ich keine 200-600 km weit fahren werde. Endlich mal ausschlafen und gammeln. Die To-Do-Liste ist sogar recht übersichtlich, nachdem ich schon gestern Abend gesaugt und den größten Teil der Wohnung entmüllt habe. Es wird ein beschauliches, entspanntes Wochenende. So entspannt, dass ich Freitag Abend schon ab 22:00 zu kämpfen habe und eine halbe Stunde nach Mitternacht ins Bett falle. Das haben wir alles auch schon mal besser gesehen.

Die Nacht endet abrupt um 8:30, als mein Handy klingelt. Welcher dammichte Depp...?! Stehe auf, schwanke zum Handy hinüber, öffne die Augen und starre blinzelnd auf das lärmende Teil. "8:30 - Opa 82." Meine Schwester hat mir vor kurzem dankenswerter Weise ihr altes Handy überlassen. Zusammen mit allen Termineinträgen. Ich werde jetzt immer rechtzeitig unterrichtet, wenn eine ihrer Schülerinnen das siebzehnte Lebensjahr vollendet, sie irgendwen am Bahnhof abholen muss und was bei Amazon bestellen wollte. Soll noch mal wer sagen, ich wüsste nicht, was meine Familie so macht. Aber muss mein Opa um Himmels Willen um 8:30 82 werden?! Hätte das nicht auch noch bis 12:00 Zeit gehabt? Er hat den ganzen verdammten Tag Geburtstag!
Schmeiße das Handy wieder hin und mich zurück ins Bett.

10:30 schäle ich mich dann doch aus dem Bett, fahr den Laptop hoch, werf mir den Morgenmantel über, hole mir Weintrauben, Papaya und Schokolade zum Frühstück und wähle mich ins Internet ein, was nach ein paar Versuchen auch gelingt.
Ah ja, das Internet und mein USB-Anschluss, die unendliche Geschichte.
Inzwischen hat sich Dell nämlich wieder bei mir gemeldet (schrieb ich glaub ich in den letzten Kommentaren), meine Bestellung ist wohl "nicht durchgekommen" und ich soll doch bitte noch mal bestellen. Gnn. Drei Wochen umsonst gewartet. Gnnn.
Ich hab also am Montag noch mal bestellt. Inzwischen war das Angebot natürlich auch schon wieder ein anderes, Drucker und Maus gabs nicht mehr gratis dazu (hätte ich zwar eh nicht gebraucht, aber.), Lieferung nicht mehr gratis, dafür war er um einiges schneller. Oh, und ich hätte für 35 Euro mehr die Farbe bestimmen können, aber das mediterane Blau hat mir nicht wirklich gefallen, also bleibt es bei schlichtem Silber. Ist ja auch völlig egal, ich bin hauptsächlich auf funktionierende Anschlüsse, nicht hängenbleibende Festplatte und nicht zickendes Display scharf. < / Exurs >
Habe diesmal auch gleich die Bestätigungsmail erhalten und wartete nun darauf, dass ich online den Bestellstatus abfragen konnte.
"Leider wurde Ihre Bestellung nicht gefunden." Und ein Hinweis, dass die Bestellung innerhalb von 72 Stunden ins System übertragen wird und ich mich gedulden soll.
Ich geduldete mich vier Tage lang, am fünften schrieb ich eine weitere Mail an Dell, man wird ja vorsichtiger.
Das war also heute Morgen und keine zwei Stunden später erhielt ich einen Anruf von Dell, dass das alles in Ordnung sei, sie die Einzugsermächtigung prüfen und der Laptop nächster Woche in Produktion geht. Ich müsste ihn dann Anfang November erhalten.

Na bitte, erster To-Do-Punkt für dieses Wochenende schon erledigt, bevor ich überhaupt richtig wach war.
Nächster Punkt: Der Duschthermostat. Von mir vor einem anderthalben Jahr eingebaut, leistete er mir ein paar Monate lang gute Dienste im Kampf gegen die Idiotie des Durchlauferhitzers. Irgendwann musste ich ihn dann auf die heißeste Stufe stellen, um normalwarm duschen zu können, im Sommer brauchte es die kälteste Stufe, um nicht zu verbrühen, inzwischen duscht es sich bei eher lauwarmen Temperaturen auf der heißesten Stufe doch schon recht winterlich. Zum Glück ist da zwei Jahre Garantie drauf.
Den Karton rausgesucht und festgestellt, dass da keine Quittung drinnen liegt. Ich hasse es, wenn ich sowas tue. Immerhin liegt ein Hinweiszettel drin für "unregelmäßige Arbeitsweise":
"Der Thermostat-Mischer versorgt ungenügend warmes oder kaltes Wasser:
1. [Gebrauchsanleitung befolgen, ja, klar, blah.]
2. [... Im Prinzip empfehlen sie, rumzuprobieren.]
3. Wenn das Problem weiter besteht, bauen sie den Thermostat ab. Prüfen sie, dass die Rückflussverhinderer und die Filter korrekt funktionieren und dass es sich innig keine Unsauberkeit befindet."
Ah ja.
Okay. Also Wasser abdrehen und die Zange.... verdimmicht, die Zange liegt im Auto. Das Auto steht unten in der Tiefgarage, ich bin noch im Schlafanzug. Work, work, work.
Vorher noch ein Blick auf den Zettel. "1. Prüfen sie, dass den Gebrauchsanweisungen richtig gefolgt wurden." 'Wurde.' Gebrauchsanweisung? Ah, da.
"Blablubb 3. Entfernen sie die Deckplatte am Griff und drehen Sie die Schraube auf-" Deckplatte am Griff? Schlurfe ins Badezimmer, schalte das Licht an - der 120-Dezibil-Lüfter begrüßt mich - und entdecke tatsächlich zum ersten Mal die Deckplatte.
Schlurfe zurück zur Anleitung. "1. Stellen Sie den Skalengriff auf 38°C. 2. Drehen sie den Skalengriff im Uhrzeigersinn, um die Temperatur zu verringern. Drehen sie den Skalengriff gegen den Uhrzeigersinn, um die Temperatur zu erhöhen, bis am Auslauf eine Temperatur von 38°C erreicht ist. 3. Entfernen Sie die Deckplatte...."
Zu theoretisch für die frühe Stunde, ich mach mir erst mal nen Cappuccino.
Nach der Pause gehts weiter.

11.10.2006 um 21:19 Uhr

Stauimpressionen

Ich nutze die gerade entstandene Pause, die mein defekter, zickender USB-Anschluss hin und wieder (alle 1 - 420 min) verursacht, die Pause, die mich von der normalen Welt, dem Internet, abschneidet, um einen Eintrag abzutippen, den ich mal wieder offline geschrieben habe, diesmal im Auto. Vorletzten Freitag. Hey, ich bin ein vielbeschäftigtes Centi.

Szenerie: Strecke Bonn-Weimar, gewöhnlich zu schaffen in vier Stunden, Startzeit 13:50. Komme an den gewöhnlichen Staustellen ganz gut durch, will dann durchziehen. Plötzlich stockt es hinter Friedewald, ungewöhnlich, aber nicht wirklich bedenklich. Hier der Eintrag.


18:15
Das erste Mal hätte ich wohl skeptisch werden sollen, als die beiden THW-Lastwagen mit Blaulicht an uns vorbei gezogen sind. Das nächste Mal bei der Radiodurchsage mit den 20 km Stau zwischen Friedewald und Wommen.
Nach einer Kurve: "Oh, da vorn wird es einspurig! Das ist ein gutes Zeichen!"
Kurz darauf: "Oh. Sie evakuieren die Autobahn. Ein schlechtes, ganz mieses Zeichen..."

Die gesamte Autokolonne wird also von einem netten Polizisten - der übrigens sein Auto aufgelassen hatte... wollte ich nicht schon immer mal ein Polizeiauto fahren? Ich wäre vermutlich eher da... - die nächste Ausfahrt runtergescheucht. Irgendwo bei Wildeck, Berka und Gerstungen. Wer nicht weiß, wo das ist: Das ist mitten im Nirgendwo. Die Rebellen wenden irgendwo auf der Abfahrt und fahren die Auffahrtsspur wieder hoch. Und werden durchgelassen. Das versteh mal einer. Naja, ich folge erst mal der Kolonne. Die Richtung, in die wir müssen, ist Eisenach und gesperrt. Also fährt die gesamte von der Autobahn heruntergeworfene Kolonne die Umleitung nach Eisenach. Prostata. Im übrigen stand ich bereits etwa zwei Stunden im Stau und hätte allmählich mal einen Ausflug in die Landschaft nötig. Hnnnggg.... Selbstredend schließt sich just vor uns eine Bahnschranke und ein etwa zehn Kilometer langer Zug trudelt vorbei. Gefühlte Stunden später, ein paar Kilometer weiter ein geeigneter Feldweg, von dem aus sich wunderbar die Autoschlange bis zum Horizont verfolgen lässt. Rücklicht an Rücklicht, grandioser Anblick. Ein Blick in den Atlas verrät mir, dass wir von Eisenach etwa... unendlich weit weg sind, bei der Geschwindigkeit der Rücklichterschlange wären wir in etwa... zwei Tagen dort.
Beschließe, meine rebellische Seite herauszukramen und wieder auf die Autobahn zu fahren. Tue dies auch.
Wenige Minuten später fahre ich wieder auf die Autobahn, die wie verwandelt ist: Der Strom der abfahrenden Autos ist verebbt, dafür stehen auf der Autobahn jetzt wieder drei Reihen von Autos. Mit ausgeschaltetem Motor und ohne Licht. Und die Fahrer sind ausgestiegen und halten Stehpartys ab.
Ich hab da ein ganz mieses Gefühl.
Immerhin, nachdem ich ausgestiegen und einen halben Kilometer vorgelaufen bin, geht es ein Stück weiter.

19:00
Es hat doch immer was deprimierendes, wenn sie die Lichter ausschalten und aussteigen. Das Witzige daran ist, dass es genau zehn Sekunden danach weitergeht. Meistens jedenfalls. Also wenn, dann ist es witzig.
Rats, dass ich vor zwei Stunden das letzte Obst aufgegessen hab, ich hätte jetzt Hunger. Aber der Mann im Nebenauto ist süß und ich weiß, dass mir das Rücklicht-Licht schmeichelt. Höhö.
Ey, hinter mir bitte das Licht anlassen, ich kann so nicht schreiben!
Rats.
Blaulicht. Diesmal von der Polizei. Meine Scheiben sind saudreckig.
War das mit der Polizei jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Ich fänds ja peinlich, in einem weißen T-Shirt am Straßenrand zu stehen und zu pinkeln. Und dann auch noch zu zweit. Wo man doch immer Frauen nachsagt... egal.
Muss kleiner schreiben, hab nur ein A4-Blatt dabei.
Haben in 30 min etwa... zwei? Kilometer geschafft. Das macht eine Geschwindigkeit von... ziemlich langsam. Eher weniger. Seufz.
Mal sehen, wann mir die CD mit den Arrogant Worms und dem Firefly-Soundtrack, die ich seit 15:30 höre, mir auf den Keks geht.
Oh, hübscher Mann neben mir weg. Hätte jetzt Lust auf eine Kerze, ein Räucherstäbchen, ein gutes RPG und ein Glas Brombeerwein.

20:00
Laut Verkehrsfunk ist die Strecke, auf der ich gerade stehe, gesperrt. Kein gutes Zeichen. Man wird schon abergläubig, ne? Drehe die Heizung voll auf und stelle mir vor, es wäre Sommer.
Schweres Absperrgerät fährt an uns vorbei. Und ein Mercedes hinterdrein. Ja, die wirklich wichtigen Dinge haben halt Vorrang.
Ich hab Hunger und bei meiner Schwester steht Blumenkohl und Johannisbeerlikör mit meinem Namen drauf. Wie unshiny.

Atlas und Straße sagten ja schon 18:30 beide KEHR UM! In Caps Lock. Ich mag den Ausdruck "In Caps Lock". Ich mag den Caps-Lock-Witz, bei dem sich zwei Informatiker unterhalten. ("Und, wie ist das Wetter bei dir?" "Caps Lock." "?!" "Naja, shift ohne Ende.") Könnt ich mich drüber beömmeln. Ich könnt mich über das Wort beömmeln beömmeln.

Ich finde Staubloggen lustiger als nur Stau. Kann ich das beruflich machen? Im Stau ins Internet gehen und einen Dienstwagen haben mit der Aufschrift "SO blogging this". Würden allerdings die wenigsten verstehen. Oh well. Aber Internet....
Binjaschonruhig.

20:30
Laaaaangweilig.
Wollte seit 2-3 Stunden da sein.

21:00
Shiny Bauarbeiter vor mir sucht irgendwas im Lieferwagen vor mir. Shiny.

21:30
Werden wieder von der Autobahn runtergejagt. Diesmal keine reguläre Ausfahrt, sondern ein Weg, der nur für Einsatzfahrzeuge frei ist. Auch gut. Bilbo ist jetzt Einsatzfahrzeug. Wir sind Baustellenfahrzeug gewesen, und Forstfahrzeug, also warum nicht auch Einsatzfahrzeug. Wir fahren also wieder von der Autobahn runter.
Das ist doch alles nicht real.

Eine Lichterschlange zieht sich über das Land. Sehr romantisch. SHIT! In meine Richtung! Da darf ich mich anstellen! Auf ner Landstraße! Bis wohin auch immer! Fuck!



Es war dies kurz vor Herleshausen und es war dies mein letzter Eintrag, denn es ging im Schritttempo durch irgendwelche Käffer, deren Einwohner daraus ein ziemliches Hallodri gemacht haben und alle am Straßenrand standen. Hatte irgendwie was vom 9./10.11.1989. Jedenfalls ging es kurz darauf wieder auf die inzwischen freie Autobahn und ich war immerhin gegen 23:15 am Ziel.

Und jetzt werde ich versuchen, mich wieder einzuwählen. Über einen zum Glück nur halb kaputten USB-Anschluss. Wenn er noch kaputter geht, könnte es sein, dass ich nicht nur ständig aus dem Internet geworfen werde, sondern dass sich dann auch jedes Mal der PC selbstständig neu hochfährt. Inzwischen ist ein neuer PC bestellt - seit zwei Wochen, Dell hat sich bisher noch nicht gerührt und auch auf meine Mail noch nicht geantwortet - und ich habe inzwischen das System raus, bei welcher Fehlermeldung und Anzeige es sich lohnt, das Modem auszumachen, am Kabel zu wackeln und neu zu wählen und wann ich einfach nur zwei Minuten warten muss. Und dankenswerter Weise hat der USB-Anschluss gerade auch beim MP3-Player gestreikt, was zwar nervig ist, aber immerhin beweist, dass ich mit dem Kauf eines neuen PCs richtig liege.

04.10.2006 um 16:30 Uhr

Green Hell Blog Tour, Teil 2 - Das Reisen

 

 

 

Das Thema ist diesmal ein allgemeines: das Reisen. Schreibt über euer schönstes, schaurigstes, grässlichstes oder lustigstes Reiseerlebnis, oder von Orten, wo Ihr gerne mal hinreisen möchtet, oder über etwas ganz anderes, was Ihr mit dem Reisen verbindet.

Vor mir war aubloomiel dran.

 

Oh Herje. Reisen im Allgemeinen und im Besonderen. Und dazu ein Eintrag. Ein einziger. Schwer.
Ich habe daher beschlossen, ohne Sinn und ohne Konzept loszutippen. (Also ganz anders als sonst. ) So wie ich jetzt hier liege, mit meinem kaputten Laptop und meiner Erkältung. Ja, meiner Erkältung. Die hab ich mir gerade eingefangen, dieses Wochenende, im Urlaub im Thüringer Wald, auf Reisen. Grandioser Einstieg, so passend, und gleich die Überleitung mitgeliefert, ganz großartig.
Ich geh erst mal die Tasche weiter auspacken.

(Ein Pullover und eine Hose später:) Reicht erst mal. Wir wollen uns ja nicht überanstrengen, immerhin will ich am nächsten Wochenende nach Berlin, schon wieder verreisen.

Nein, ich kriegs nicht gebacken. Also machen wirs wie in der Schule, nehmen wir die Fragestellung auseinander und beantworten nach und nach:


>Schreibt über euer schönstes Reiseerlebnis

Der Flauscheesel bei den Muckross Traditional Farms. So spontan. Okay, für den alleine hätte ich nicht nach Irland gemusst. Aber außerdem war da noch Dingle im Nieselregen mit Ranwens Tin-Whistle-Gespiele und die Klippen und... hach, Irland im Allgemeinen.


>schaurigstes Reiseerlebnis

Die Handvoll Männer, die in diesem Venediger Parkhaus "Mafiosi" auf den Hüten stehen hatten und mir zusammen mit dem Fahrstuhl ein eingebildetes Fahrstuhltrauma beschert haben, das zu überwinden mich Jahre gekostet hat. Außerdem hats da gestunken.


>grässlichstes Reiseerlebnis

Öhm. Das Fliegen nach Irland, ja, ich glaube, das trifft es.
Da war übrigens eigentlich nicht immer so. Ich bin zwar vorher nicht oft geflogen, meine aber, da noch ein Urvertrauen gehabt zu haben, das noch recht ungetrübt war. Beispielsweise als wir an der Ostsee waren und eigentlich eine Bootsfahrt machen wollten. Das Boot/Schiff ist aber nicht ausgelaufen, weil es gerade irren Sturm hatte, mit ZIG Meter hohen Wellen (Was weiß ich, ich war acht oder so.). Was haben wir gemacht? Sind zum nächsten Flugplatz und haben uns bei selbigem Wetter in eine klapprige Cessna gesetzt. Und hatte ich Angst? Nein! Okay, ich war halt auch zu klein um aus dem Fenster zu sehen, aber ich hatte keine Angst. Und dann später, als ich elf war, der Flug nach Tunesien: Sandsturm bei der Landung. Hat mir das was ausgemacht? Pah!
Und dann kommt RyanAir, die nie abgestürzt sind, vorbildlicher Start, ruhiger Flug, vorbildliche Landung und das Centi stirbt tausend Tode. Soll einer verstehen.


>oder lustigstes Reiseerlebnis

Ich geh mir erst mal ne heiße Zitrone machen.
So. Komisch, mir ist nichts eingefallen. Ich hab dieses Jahr ständig gelacht, es war immer witzig, völlig egal, wo ich war, Hauptsache war nur, dass tolle Menschen um mich herum waren, und der Tollheitsgrad war dieses Jahr besonders groß.
Vor allem hab ich aber als witzig in Erinnerung: Die Scenic Route to Inch, auf Dingle über diese Schotterpiste. "Oh Emm Gee! Weh Tee Eff!" War sehr witzig, ja. Und natürlich "...und wenn sie morgen Früh um sieben wieder die Dusche anmacht, dann geh ich hoch und... und komm wieder runter und dann könnt ihr mal sehen, was ihr davon habt!"
Man muss dabei gewesen sein.


>oder von Orten, wo Ihr gerne mal hinreisen möchtet

Irland, weitere Male, und Island, und irgendwohin, wo es warm, trocken, grün und idyllisch ist und die Leute deutsch oder englisch sprechen. Und wohin ich nicht fliegen muss.


>oder über etwas ganz anderes, was Ihr mit dem Reisen verbindet.

Ich hab zu wenig Zucker in die Zitrone gemacht. Rats, jetzt muss ich noch mal aufstehen.

Das kann man nicht verallgemeinern. Reisen ist verdammt anstrengend, aber meist lohnt sich das alles ja doch, (vorausgesetzt man reist freiwillig und nicht weil die Eltern den siebenunddreißigsten Alpenurlaub für nötig erachten. *rostiges Messer*) aber das muss ich ja keinem erzählen, ne? Sofern man nicht beruflich reist, macht man das ja in der Freizeit und das ist ja per se schon mal positiv.
Ansonsten verbinde ich mit Reisen Sachen einpacken. Ich hasse es, Sachen zu packen. Und Autofahren. Ich liebe Autofahren. Und das Planen, das hasse ich auch. Aber meistens hat Reisen auch mit Schokolade zu tun, und mit Alkohol.

Also isses doch gut.

 

Nächster in der Reihe ist AnaDunari.