Autobiografie
Ich hab mich schon eine Weile mit dem Gedanken herumgetragen, habe aber keinen so rechten Anfangspunkt gefunden. Inzwischen bin ich aber der Meinung, eine Autobiografie ist dringendst und endlich notwendig und sollte verfasst werden. Die richtige Gelegenheit dafür hab ich leider knapp verpasst, aber das soll ja kein Hinderungsgrund sein, besser spät als nie.
Tatsächlich hätte ich diese Autobiografie am 28.11. verfassen müssen, denn an dem Tag hat sich Bilbos Erstanmeldung zum zehnten Mal gejährt.
1997 haben ihn meine Eltern neu gekauft, als Zweitauto. Centi war da noch vier Jahre von ihrer Fahrerlaubnis entfernt und ist immer hinten mitgefahren. Zu den Großeltern zum Beispiel. Mir ist dabei regelmäßig schlecht geworden, aber das Problem hatte ich dann als Fahrerin nicht mehr.
Sehr überraschend hab ich 2001 meine Fahrerlaubnis bekommen, Vattern und ich haben das Plastikkärtchen von der Zulassungsstelle abgeholt und anschließend gleich Bilbo auf mich mitversichert. Vom Versicherungsfuzzi bis nach hause war es etwa ein Kilometer, den ich sogleich gefahren bin. Reines Glück, dass nichts passiert ist. Ich war schließlich von der Fahrschule einen großen starken VW Golf gewohnt, der losfuhr, wenn man nur die Kupplung losließ und stand, wenn man das Bremspedal nur berührte.
Bilbo ist da ja anders. Also war das Losfahren schon mal eine Leistung für mich. Und dann war da die Kreuzung.
"Brems, Centi."
"Ich bremse..." Ich bremste wirklich. Das Bremspedal war bestimmt schon zu einem Viertel durchgetreten.
"Richtig bremsen!"
"Ja doch!"
Tatsächlich kam ich dann endlich zum Stehen. Mitten auf der Kreuzung. Gut, dass an der Stelle und um die Zeit außer mir da eh niemand lang gefahren ist.
Nächste Gelegenheit war dann, la familia zu den Großeltern zu karren. Mit fünf Leuten war das Auto voll besetzt und eine Ampelkreuzung an einem bösen, bösen Berg hat mich richtig geärgert. Ich hab eine komplette Grünphase damit zugebracht, den Motor einige Male abzuwürgen, bevor wir endlich wieder vom Fleck kamen.
Aber wir gewöhnten uns aneinander, lernten uns kennen und kamen immer besser miteinander aus. Im Herbst bin ich dann weggezogen und habe Bilbo mitgenommen, der damit begann, mein ständiger Wegbegleiter zu werden, und daher natürlich einen Namen brauchte. Der Herr-der-Ringe-Hype war gerade im vollen Gang, als ich ihm im März 2002 den Namen Bilbo gab. Es passte einfach.
Ein weiterer Umzug 2002 und der erste Unfall, als ich am Ende einer Schlange vor einer Kreuzung fest auf das Losrollen meiner Vorderleute vertraute, etwas vom Boden aufhob und plötzlich dem Dienstwagen irgendeiner christlichen Organisation auf der Anhängerkupplung saß. Huupps.
Zu dem Zeitpunkt war Bilbo noch nicht mein und für eine minimale faustgroße Beule drohte Vattern gefährlich hoch gestuft zu werden, also meldeten wir den hydrantroten Peugeot gleich auf mich um. Bilbo war nun offiziell mein und wurde im Übrigen auf meinen heimatlichen Nebenwohnsitz angemeldet, weil ich ausbildungs- und berufsbedingt auch zukünftig umziehen würde und weil wenigstens einer von uns auf dem Papier Erzgebirger bleiben sollte. (Ich weiß, dass Bilbo Franzose ist, Ruhe auf den billigen Plätzen!)
Im Dezember des selben Jahres wurde Augenstern das erste Mal krank. Wir standen noch auf dem Parkplatz, als mir auffiel, dass er sehr komisch klang. Und auch nicht richtig zog. Vattern per Handy angerufen, während ich um das Auto herumschlich, um vielleicht herauszufinden, was er hatte. Nach ausführlicher Schilderung der Lage, konnte Vattern natürlich schlecht eine Ferndiagnose stellen, tippte aber zielgenau auf die Zündkerzen, während ich - es war schweinekalt - im Wintermantel auf Knien um Bilbo herumrobbte.
"Vati?"
"Hm?"
"Es ist der Auspuff."
"Wie kommst du denn jetzt darauf?!"
"Er liegt drunter..."
Damit er nicht auf dem Boden schliff, hab ich ihn fachgerecht abgebaut (dass es einfacher ist, ihn hochzubinden, hab ich dann später mitgekriegt) und in den Kofferraum geworfen. Dafür war der Auspuff natürlich zu groß und die Klappe musste ein bisschen aufbleiben, während ich mit dem allbekannten Rattern zum Autoarzt gefahren bin.
Nächster Zwischenfall war, als Schatz arglos auf dem Parkplatz stand und angefahren worden ist. Fahrerflucht natürlich, und der Kofferraum war eingedellt und ein Rücklicht kaputt. Nachzulesen hier .
Die Polizei hat zwar Lackspuren genommen, aber das Verfahren natürlich nach einer Weile ergebnislos eingestellt.
Lange Zeit war dann wieder alles in Butter, im August 2004 war der Auspuff wieder durchgerostet und hatte sich hinter die Plastik-Stoßstange geklemmt, um diese fröhliglich vor sich hinzuschmelzen, und ein Monat später machte er schon wieder komische Geräusche. Inzwischen weiß ich, dass komische Geräusche zwischen 200 und 300 Euro kosten, in diesem Fall war es die Antriebswelle auf der einen, ein Jahr später die auf der anderen Seite.
Das letzte Mal war der Auspuff dann im April dieses Jahres kaputt, ansonsten läuft und lief alles wie am Schnürchen und wir waren und sind ein tolles Team.
Wir sind bei 35°C gefahren, haben bei gleicher Hitze im Stau gestanden, sind durch Schneeverwehungen (zwanzig Zentimeter Neuschnee auf der Straße, yay!), Regengüsse und Hagelschauer mit Weltuntergangs-Flair gefahren. Wir haben Umleitungen und "Nur für Forstfahrzeuge/Baustellenfahrzeuge"-Schilder ignoriert, Ausweichstrecken erkundet, triefendnasse Freunde durch Leipzig gekarrt, Umzüge gemeistert, Starthilfe gegeben, in Parkhäuser-Auffahrten gewendet, uns verfahren und sind dann doch irgendwie aus Versehen in der richtigen Straße gelandet. Über Autobahnen, Bundesstraßen, Feldwege und Waldwege, die irgendwann endeten, sind wir gerollt und haben Kilometer geschrubbt.
Und das soll auch so weitergehen.
) und "Dreizehnhunderteuro" (Den Namen muss man mit der richtigen Betonung (Also im Sinne von "Ogottogottogott, wie konnte ich nur so ein Schweinegeld ausgeben?!") aussprechen und es kommt besonders gut, wenn man sich dabei mit einer Hand an die Stirn schlägt.)(Ich würde zu gern wissen, wie viele meiner Leser das gerade ausprobieren.) noch keinen Namen habe (Ha, ihr musstet jetzt den Satzanfang nachschauen, ne?), ohne den ich in diesen stillen Zeiten ("Stihille Nacht, heilige...") aber ziemlich aufgeschmissen wäre. Und ohne den ich direkt sinnvolle Dinge tun müsste. Let me not think on't.
