Aus dem Leben eines Taugegarnichts

12.07.2007 um 09:17 Uhr

Wenn das Radio schweigt

:wut:
"Jaa", hab ich gesagt, "ich wollte ja schon längst mal wieder bloggen", hab ich gesagt. "Aber", meinte ich, "es passiert ja halt auch nix, was soll ich da auch groß schreiben?"

Also nicht "nichts". Aber nichts Bloggenswertes. Und ein "Gestern bin ich nach Köln gefahren, um mit ein paar Leuten Billard zu spielen, es war toll und dann bin ich wieder nach hause gefahren" wäre ja auch langweilig, ne?
Naja. Das Schicksal erbarmte sich meines Blogs. Ich wollte gestern nach Köln fahren, um mit ein paar Leuten Billard zu spielen.

Zwecksdessen fuhr ich ausnahmsweise mal mit dem Auto zur Arbeit, tolle neue CDs im Gepäck, die man auf Autofahrten gut anhören konnte.
Wenn denn das Radio geht. Was es natürlich nicht tat. Stromversorgung war da, das verriet das rote Lämpchen, allein es ging nicht an, was ich auch versuchte. Und ich versuchte viel.
Ich verfluchte also so ein bisschen Tag und Radio, während ich auf dem halbstündigen Weg zur Arbeit weiter versuchte, letzteres anzuschalten.
Ich absolvierte den Arbeitstag und stieg wieder ins Auto. Das Radio schwieg weiter. Jetzt ist die halbe Stunde Autofahrt nach Köln ja ohne Radio nicht so schlimm, am Wochenende hatte ich aber vor, länger unterwegs zu sein, und 4-6 Stunden Autofahrt ohne Radio sind echt hart.

Die Strecke gestern bin ich übrigens schon mehrmals gefahren. Einfach die A59 langfahren, bis zu der Stelle, wo sie rechts abzweigt und geradeaus in die A559 mündet, die man dann bis zur entsprechenden Ausfahrt nimmt. Auf keinen Fall darf man mit der A59 abbiegen, weil die dann in die A3 mündet, und an der Stelle gibt es einen täglichen Stau of the Year.

Ich ärgerte mich also auf der A59 über das Radio, das nicht anging, und aß aus Frust Kekse, während rechts von mir Oldtimer den Abzweig der A59 besetzt hielten. Aber das war nicht schlimm, weil die A59 zweispurig abbog, wie ich entzückt feststellte. Ich nahm also die linke der beiden Abbiegespuren und in dem Moment, als sich die beiden Autobahnen teilten, war mir eins klar:

Ich hatte gerade Scheiße gebaut.

Jetzt ist es ja normalerweise kein Problem, auf einer Autobahn die falsche Ausfahrt zu nehmen. Man nimmt halt die Nächste, dreht und fährt zurück.
Ich befand mich aber auf der A3. Kurz vor dem Kreuz Köln Ost.
Jetzt ist das mit den Kreuzen ja normalerweise genausowenig ein Problem. Man fährt halt unter der Brücke durch, drüben rechts auf die A4 gen Westen, runter auf die A3 gen Süden, fertig.
Aber unter der Brücke war die A3 dicht, so richtig dicht, weil da wird ja gebaut und da herrscht chronischer Stau, so richtig. Ich wusste also, dass ich da auf keinen Fall rein darf, sonst bin ich vor 30 Minuten da nicht wieder draußen, und fuhr stattdessen auf die A4 Richtung Osten. Das war die falsche Richtung, klar. Aber normalerweise ist das ja kein Problem. Man fährt die nächste Ausfahrt runter und in die Gegenrichtung wieder drauf.
Nur dass die nächste Ausfahrt in einer Bundesstraße mündete, auf der man nicht wenden konnte.
Ich fuhr also die Bundesstraße, bis ich runter konnte, eine gefühlte halbe Stunde an einer roten Ampel stand und dann endlich umkehren konnte.

Langsam war abzusehen, dass ich mich ein bisschen verspäten würde, aber zwischen diversen Autobahnkreuzen mag ich nicht telefonieren, davon abgesehen, dass es eh verboten ist, und wenn jetzt alles gut läuft, hab ich grad 10 Minuten Verspätung, das geht.

Und für eine Weile lief es ja auch ganz gut. Ich kam von der Bundesstraße wieder auf die A4 in Richtung Westen, fuhr runter auf die A3 in Richtung Süden - ohne Stau, yay! - und auf die A59 in Richtung Süden. Während der Zeit schwieg das Radio übrigens. Probeweise noch mal ein bisschen rumprobiert - ich hab ja grad Zeit - es ging nicht.

Jetzt musste ich eigentlich nur noch eine Ausfahrt runter, wieder rauf und auf die A559. Und die nächste Ausfahrt war auch schon in Sicht und das war auch gut so, denn direkt hinter der Ausfahrt tat sich ein imposanter Stau auf.
Die Ausfahrt war die Nummer 32.
Das anvisierte Dreieck hatte die Nummer 33.
Was ich nicht bedachte, war, dass die 33 nördlich der 32 liegt und ich daher eine Ausfahrt zu früh genommen hatte.

Und das Schicksal nahm erneut seinen Lauf.

Während das Radio weiter schwieg, fuhr ich wieder auf die A59, die in diesem Moment einen weiten Bogen beschrieb und sehr elegant in der A3 mündete.

Nicht. Schon. Wieder.

Ich hätte wahrscheinlich in Wutgeheul oder Gebrüll ausbrechen müssen, aber ich war einfach viel zu fasziniert. Denn egal wie ich es drehte und wendete: Vor mir lag gerade die gleiche Runde wie eben. Nur dass der Stau inzwischen etwas länger war und schon bis zu mir reichte.
Also doch mal anrufen. Das Radio schwieg eh, das brauchte ich nicht abdrehen, während ich mein Handy hervorkramte und die Nummer suchte. Und suchte. Und feststellte, dass ich sie nicht eingespeichert hatte.
Das passte ja auch. Ich warf das Handy also auf den Beifahrersitz, das sich daraufhin mit einem wütenden Klingeln beschwerte.
M. fragte, obs denn noch lange dauern würde, hier finge es gerade an zu regnen. Ja, was steht der auch draußen, der kennt mich doch. "Du wirst es nicht glauben *lach* aber..."
Ich legte dann auf, weil ich wieder Schalten musste, und fuhr von der A3 runter auf die A4 gen Osten. Nahm die nächste Ausfahrt auf die Bundesstraße, fuhr von der Bundesstraße runter, wieder rauf. Wieder auf die A4 in Richtung Westen und wieder auf die A3 in Richtung Süden. Dann weiter auf die A59 und das Radio schwieg. Was deswegen so scheiße war, weil ich diesmal in den Stau, den ich bei der letzten Runde hatte umgehen können, mitten rein musste. Und es war ein schöner Stau, nahezu ein Prachtexemplar. Eine zweispurige Autobahn, die einspurig wird und danach in einer zweispurigen Autobahn mündet, auf der es auch staute. Ich stand also und es regnete wie in ner Waschstraße. Das Radio schwieg inzwischen schon deutlich lauter.

Irgendwann später konnte ich dann endlich die richtige Ausfahrt nehmen.
Die in eine Bundesstraße führte, auf der man nicht wenden konnte.
Mich wunderte ja eh nix mehr. Fuhr ich also geduldig die Bundesstraße so lange, bis ich endlich an ner Kreuzung wenden konnte. Dann fuhr ich die wässrige Bundesstraße wieder zurück bis zur Auffahrt auf die A59.
Diesmal fuhr ich links. Aber sowas von links. Einfach, um nicht wieder auch nur in die Versuchung zu kommen, wieder zur A3 abzubiegen. Da, das Schild zur A559, passiert und - ich war auf der A559!
Bald darauf stand ich, mit einer Verspätung von 55 Minuten, am Haus von M. und wartete. Im Halteverbot, aber egal.
Womit können wir uns denn mal die Zeit vertreiben? Ah, ich weiß, wir - ahahaha! - könnten ja mal - kicher - das Radio - Lachkrampf - anschalten.

Ich schaltete das Radio an.

Und es ging an.