Aus dem Leben eines Taugegarnichts

12.03.2008 um 18:48 Uhr

Morbide Gedanken

Optimismus
Spongebobs Bester Freund wohnt in meinem Haus. Ich hab nie eine Folge gesehen, und da wohnt natürlich nicht wirklich ein Meeresbewohner, aber er hat ein Poster von dem Schwamm mit diesem Text drauf an der Tür hängen. Spongebobs Bester Freund.
Spongebobs Bester Freund wohnt drei Stockwerke unter mir, also unter dem, der unter dem wohnt, der unter mir wohnt, und ist Fan von irgendwelcher metallischer Musik. Wenn ich mich darin auskennen würde, könnte ich sogar die Band bestimmen, denn Spongebobs Bester Freund, ich werde ihn fortan SBF nennen, mag die Musik so gern, dass er sie gern laut hört. Sehr laut. Abends. Ich hab Verständnis dafür, dass man Musik auch mal laut hören will, vor allem wenn ich nicht zuhause bin. Aber abends, so ab 22:00, hört meine Toleranz allmählich auf, und nach 23:00 ist es damit gänzlich vorbei.
Jetzt war ich zwar zu feige, im Schlafanzug allein vor SBFs Tür zu treten und mich zu beschweren (in Neuköln würde das ja auch keiner tun wollen, denk ich), hämmerte aber immerhin einmal fröhliglich mit dem Steppschuh gegen den Lüftungsschacht. Nicht, dass es was gebracht hätte, außer der Erkenntnis, dass das echt laut ist. Vermutlich aber doch nicht so laut wie SBFs Musik. Immerhin, dachte ich mir, isses was Metallisches. Irgendwann hatte hier auch schon mal jemand Wolle Petry angehört, laut genug, dass man hätte mitgrölen können, würde man das wollen, was ich mir ja nicht vorstellen kann. Und ich sag mal: Es gibt Musik, der ich eine anständige Schlagbohrmaschine nachts um drei im Nebenzimmer vorziehen würde.
Immerhin hörte man so nach und nach, als es auf 23:00 zuging, auch anderweitige Klopfgeräusche, die aufgrund ihres nicht zur Musik passenden Rhythmusses eindeutig als Äußerung einer ablehnenden Haltung gegenüber metallischer Musik mit mehr als 120 dB nach 22:00 gedeutet werden können, und irgendwann kurz vor halb zwölf ließ sich SBF dann doch erweichen und drehte die Musik ab.

Sorge macht mir nur, dass SBF das auch letzte Woche Dienstag schon gebracht hat, ich hoffe ja nicht, dass das zur Tradition wird. Vielleicht sollte ich mal vernünftig mit ihm über das Problem reden. Ihm sagen, dass er übrigens in der Wohnung lebt, in der man vor etwa einem Jahr eine Leiche gefunden hat, nachdem man ihr Vorhandensein aufgrund olfaktorischer Gegebenheiten hatte annehmen können. Der Geruch hing noch 1-2 Tage im Treppenhaus und etwa drei weitere Monate in meiner Nase. Ürgs.
Vielleicht sollte ich die Geschichte noch ein wenig interessanter erzählen. Ihm sagen, dass der Mieter dieser Wohnung jeden Dienstag laute Musik gehört hat. Und dass man sich schon wunderte, als dies einen Dienstag mal nicht so war. Und dann habe man seltsame Geräusche aus der Wohnung gehört, einen Schrei, Kratzgeräusche, Scharren und so. Daraufhin sei es wieder ruhig gewesen, bis es ein paar Tage später komisch gerochen habe. Da habe man nachgesehen. Ein trauriges Kopfschütteln und einen ernsten Seufzer später würde ich SBF dann sagen, dass das angeblich kein schöner Anblick gewesen sei, das Gesicht der Leiche vor Schrecken verzerrt, und dass man die Todesursache nie hatte feststellen können.
Dann würde ich von einer Sekunde auf die andere ein fröhliches Gesicht aufsetzen und ihm noch einen schönen Tag wünschen. Und im Treppenhaus diabolisch lachen.

Aber wahrscheinlich werde ich einfach wieder mit dem Steppschuh gegen die Wand schlagen.