Aus dem Leben eines Taugegarnichts

30.07.2008 um 21:58 Uhr

Segeltörn 2008 - Von Urk nach Volendam

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Dienstag, 24. Juni 2008 (1/3)

Als ich am nächsten Morgen den Aufenthaltsraum betrete, steht da ein mir fremder Mann herum. Ich verkneife mir mein "MORGEN IHR LUSCHEN!" und grüße stattdessen auf die leise und nette Tour. Der Mann schaut ernst und eine Spur indigniert drein und schweigt. Na schön, er spricht vermutlich meine Sprache nicht, aber erstens ist er hier auf meinem unserem Boot Schiff, und zweitens ist es quasi noch mitten in der Nacht. Ich frage mich kurz, warum man ihn nicht schon längst von Bord geschmissen hat, als mir seine Uniform auffällt. Ah, so ein Hafenaufsichtsdingsbumsmensch. Will den Skipper sprechen, erzählt man mir, und irgendwer würde schon irgendwen Verantwortlichen holen.
Ich drücke mich also freundlich und möglichst unauffällig an dem Urker vorbei, mach mir was zum Frühstück und gehe damit an Deck, wo andere das gleiche tun. Außer Metatron, der frühstückt nur Nikotin und Koffein. Neben uns auf der Promenade ziehen in malerischer Weise Urker vorbei und glotzen blöd. Wir glotzen zurück. Bin froh, dass ich was esse, sonst müsste ich jetzt wieder "My father was my uncle" singen. Irgendwer hat Postkarten von Urk gekauft. Da gab es so auf historisch getrimmte, wo eine dreiköpfige Familie in... rustikalen Trachten drauf zu sehen war. Und wir konnten es nicht in Worte fassen, aber irgendwie sahen die... komisch aus. Besonders die Frau. Irgendwie... bäuerlicher als normale Bäuerinnen. Irgendwie... männlicher... so im Gesicht. Genau genommen hatte sie das Gesicht von Christian Tramitz. Hm...

 

Champagnerdeck

Die Champagnerdeck-Sonnenanbeterfraktion: Sabina, Fox, Lixa und Beri. Niniel fehlt unentschuldigt.


Skeptisch beobachten wir, wie der Bootsmann, der inzwischen geweckt worden ist, mit dem Hafenmenschen in dem Gebäude gegenüber verschwindet. Wenn der in zwanzig Minuten nicht wieder draußen ist, bilden wir ein Sonderkommando und holen ihn da raus. Wir haben schließlich Säbel, Küchenmesser und Regenschirme. Und Foxens Kaffee. Wenn man zu dem "Fass!" sagt, kriegt der bestimmt Beine. Meine Herren, für das Zeug brauchte man auch einen Waffenschein. Ich dachte ja, Stinakaffee wäre nicht mehr steigerungsfähig, ich hatte mich geirrt. Ich sach' mal: In Kombination mit ner gescheiten Feder hätte man den gut als Eisengallustinte verkaufen können.
Aber ich schweife ab. (Was wohl eher dienlich ist, weil ich die Fotos gesichtet habe, die ich gern in diesem Eintrag unterbringen möchte. Und so ein gewisses Verhältnis von Bild und Text möchte man als engagierter Blogger ja doch einhalten.)

 

Milad

Milad in Klamotte am Bug.


Tatsächlich gibt die Hafenaufsicht Liebelein irgendwann wieder frei, und ich weiß bis heute nicht, was sie überhaupt von ihm wollten. Vielleicht fanden sie ja unser Boot Schiff zu dreckig, denn kurz darauf drückt er Nimiel und mir einen Schrubber in die Hand und zu dritt machen wir uns daran, von der Promenade aus den Schiffsrumpf zu putzen. Die Soeverein soll noch mehr strahlen.
Danach wird das Schiff mit der tatkräftigen Unterstützung von Udo losgemacht und der Motor wird gestartet. Worüber wir ganz froh sind. Denn so liebenswert schrullig zumindest mir dieser Ort erschienen ist - ein bisschen suspekt sah der Trupp von einem knappen Dutzend Urkern, der sich in der Nähe formiert hatte, schon aus. Órin freut sich ja über den vermeintlichen Mob, aber ich habe schon in der sechsten Klasse von Daniel Defoe gelernt, dass man sich mit Eingeborenen nicht anlegen sollte.

 

Schrubben

Aktion "Unser Schiff soll schöner werden"


Kaum sind wir aus dem Hafen raus, werden wieder Segel gesetzt. Also Schoten anziehen und rote, blaue und weiße Seile nachlassen. Welche Schoten? Órin denkt an Chili, ich an Erbsen. Es ist ja ein Jammer, aber wir haben's noch nicht ganz gerafft, wann wir welche Seile anziehen müssen und welche nachlassen. Da Liebelein aber irgendwie davon auszugehen scheint, dass wir das wüssten, werden seine Gesten dahingehend leider immer knapper. Letztendlich stellen wir uns mit einer Mischung aus Intuition und Lotteriespiel an eines der Seile und liegen immerhin in den meisten Fällen noch richtig.



Segel gesetzt

Bald darauf segeln wir und können uns so dem herrlich entspannenden Alltag widmen, in dem sich bereits eine gewisse Rollenverteilung herauskristallisiert hat: Sabina, Fox, Lixa, Niniel und Beri liegen beim Zapfhahn neben dem Champagnerdeck. Dort ist die meiste Sonne und die größte Ruhe, Liebelein kommt öfter vorbei, man hat einen guten Überblick über Schiff und Umgebung und die Liegestühle sind einfach bequem. Treofan und Aki fotografieren, Gurthang liest, Milad näht, der Rest betreibt intensives und kreatives Rumhängen. WüRa hat an diesem Tag die Nase von ihrem Mittelaltermarkthemd voll und säbelt die Ärmel ab. Das Ergebnis ist ziemlich cool. Treofan und Eesti stülpen sich die Ärmel über den Kopf. Warum werde ich wohl nie erfahren.

WueRa

Beri schert manchmal aus der Sonnenfraktion aus, steckt sich die Stöpsel ihres MP3-Players ins Ohr und macht dann allein Party.

Beri

 

Und so nach und nach begibt man sich wieder in die Klamotte.