Aus dem Leben eines Taugegarnichts

12.09.2008 um 20:19 Uhr

Muss i denn ahaus Schweheden hinaus...

von: Centaurea   Kategorie: Schweden

Freitag, 5.9.2008

Immerhin am letzten Tag unseres Urlaubs schaffen wir es noch, 9:30 an der Rezeption zu stehen und zu bezahlen, yay! Wir nutzen die Gelegenheit und lassen uns schon mal ein Taxi für morgen Früh bestellen. 4:00 möchten wir abgeholt werden, um rechtzeitig am Flughafen zu sein.

Órin ist heute nicht so gut zu Fuß, deswegen und wegen mangelnder Böcke haben wir doch beschlossen, nicht nach Stockholm zu fahren, sondern Beri und ich wollen uns die grüne Gegend um Nyköping herum ansehen. Wir gehen zur Touri-Info, um uns eine Karte zu besorgen, ich kauf noch fix Postkarten (die offenbar bis heute noch nicht angekommen sind. Hmpf.) und Marken.

Ufer


Wir sind ein kurzes Stück vom Hafen entfernt, von wo aus wir starteten, es ist 13:00 und Beri kehrt müde um. Hm. Muss was in der schwedischen Luft sein. Ich war auch schon wacher, aber ich will doch die Gegend ansehen, also ziehe ich forschen Schrittes allein los. Die Karte ist sehr akkurat und ich finde leicht vom Strand im Südosten zum Nordostende der Stadt. Hier hört die Karte dann auch auf, präzise zu sein. Ich gehe über einen bequem ausgebauten Waldweg, von dem eigentlich ständig links irgendwelche Wege abgehen sollten, die ich nehmen wollte, um die Tour nicht allzu lang werden zu lassen. Aber die existieren tatsächlich gar nicht. Der Wald wirkt wirklich idyllisch wie in einem russischen Märchen. Birken neben Nadelbäumen, unzählige Pilze, lange bärtige Flechten, die an Felsen wachsen. Die Heide blüht, Farnwedel hängen photogen über den Pilzen und am moosigen Boden tragen die Blaubeersträucher Früchte.

 

Weg

 

Dann wieder höre ich die gesamte Zeit im Wald den Verkehr der Straßen, die um den Wald herumführen, bei Rast werde ich von Mücken aufgefressen, in den Wald traue ich mich wegen meiner Zeckenparanoia nicht, und an den Blaubeersträuchern könnte ich mir ja nen Fuchsbandwurm einfangen. Früher war vielleicht doch manches einfacher...

 

Pilz


Vom Nordostende der Stadt laufe ich zum Westende, wo es einen weiteren Park gibt. Durch den laufe ich eine Weile, begutachte seltsame Wälle und einen Silberstollen, klettere über einen felsigen Hügel, dann beschließe ich, dass ich allmählich umkehren sollte. Wir wollen früh ins Bett und daher früher Abendessen, und ich bin auch müde und verspreche mir von dem Park sonst nichts mehr.
Beim Rückweg lasse ich mir Zeit und lasse mich auch nicht vom nahen Gewitter hetzen. Im Wald hat es auch schon vereinzelt geregnet, was da aber desto schöner war, weil teilweise gleichzeitig die Sonne geschienen hat. Der Weg führt mich am Fluss (Nyköpingsån) entlang, wo man einige Schautafeln aufgestellt hat. Dankbarer Weise teilweise in Englisch. Der Fluss hat ausgesprochen idyllische Abschnitte, und ich genieße auch noch die letzten Meter, auch wenn es da anfängt, so richtig zu regnen.

Regen

Regen bei Sonnenschein.

In der Herberge angekommen versichert mir Beri, sie hätte gar nicht die ganze Zeit geschlafen und wäre mindestens schon seit einer halben Stunde wach! Ich überschlage auf der Karte, dass ich heute etwa 14 Kilometer zurückgelegt habe, das soll mir reichen.
Ich nehme eine heiße Dusche, eine sehr heiße Dusche, ich glaube, so heiß hab ich noch nie zuvor geduscht. Und ganz ohne Schraubenzieher! Vor dem Essen schreibe ich noch schnell Postkarten, und während das Essen köchelt, schauen wir die schwedische Ausgabe von "Wer wird Millionär", die aufgrund des ungünstigen Kronenkurses aber deutlich weniger spektakulär ist als hier. (1 Mio Kronen sind grad was über 100 k Euro.) Immerhin, die ersten beiden Fragen beantworten wir sogar richtig!
Anschließend läuft die Golden League der Leichtathletik, was ich herrlich nostalgisch finde, weil ein paar bekannte Gesichter der olympischen Spiele dabei sind, die ich dieses Jahr sogar mal verfolgt habe.
Später gesellt sich eine schrullige ältere Russin (?) zu uns, die uns anspricht, und sich zunächst auch nicht daran stört, dass wir sie offensichtlich nicht verstehen. Ihre Tochter kommt später vorbei und erklärt mir auf Englisch, dass ich mit dem langen blonden Zopf gut als Schwedin durchgehen würde. Hu, Komplimente!

Wir gehen gegen 22:00 ins Bett, aber aus irgendwelchen Gründen bekomme ich kaum Schlaf ab.

 

Fluss

 

 

Samstag, 6.9.2008

Gegen 3:30 stehe ich auf und stelle fest, dass meine Mandeln geschwollen sind. Rats, ich hab mich erkältet! Wir packen alles zusammen und steigen dann in das pünktlich erschienene Taxi. Die Fahrerin ist nett, spricht - achnee - perfekt englisch, und erklärt, dass ihre Schicht erst in zwei Stunden zu Ende ist. Sie bremst für eine kleine Maus, die die Straße überquert, und kassiert von mir deswegen und weil ich keine Böcke auf Kleingeld habe, ein horrendes Trinkgeld.

Der Flughafen, den wir gegen 4:15 betreten, erwacht gerade so allmählich, viele Menschen haben hier offensichtlich die Nacht auf dem Boden und auf den Stühlen im Café verbracht. Ich könnt so ja nicht schlafen. Obwohl, jetzt so gerade, irgendwie schon. Ich investiere mein letztes Münzgeld, außer zwei Mal fünfzig Öre (ca. 12 Cent), die der Apparat nicht wollte, in ein Internetterminal. Weniger um meine Sucht zu befriedigen, als viel mehr, um es los zu sein.
Wir dösen noch ein bisschen vor uns hin, checken ein und verlieben uns noch ein paar letzte Male, ehe unser Flugzeug um 6:50 startet.

Ich bin noch nie so entspannt geflogen. Es gibt wahrscheinlich kein besseres Beruhigungsmittel als Erkältung und Schlafmangel, und so verbringe ich den Flug, wie auch Órin und Beri, trotz der fürchterlich unbequemen Sitze teilweise schlafend.

In Deutschland herrscht Mistwetter, meine Erkältung hat an dem Wochenende dann richtig zugeschlagen, und duschen muss ich hier auch wieder mit Schraubenzieher.

12.09.2008 um 19:30 Uhr

Alte Schweden

von: Centaurea   Kategorie: Schweden

Donnerstag, 4.9.2008

Wir haben ja gestern Abend noch gewitzelt. Morgen früh, so haben wir gesagt, wollen wir auf jeden Fall unsere Miete bezahlen. Bestimmt, war uns klar, wachen wir genau 10:55 auf. Das war fast korrekt. Immerhin gegen 10:50 schaffen wir es zur Rezeption - die heute offensichtlich einmal eher geschossen hat. Gnargh.

Nachdem Frühstück machen wir uns ins Museum auf, das Nyköpinghus, ein hübsches Schlösslein. Das Museum ist zwar sehr klein und besteht im Wesentlichen aus zwei Räumen. Die sind aber so liebevoll eingerichtet und angerichtet, und viele erklärende Tafeln sind auf Deutsch geschrieben, dass wir es dort eine ganze Weile aushalten. Im einen Raum erschrickt man erst mal, weil man plötzlich mit gregorianischen Gesängen konfrontiert ist, wenn man ihn betritt, es herrscht eine wundervolle Atmosphäre. Überall sind interaktive Dinge - man könnte (wenn man Kind wäre) die recht "a" wirkenden handgenähten Mittelalterklamotten anprobieren, die in einem Korb liegen, an der Wand ist eine riesige befellte Ratte angebracht, in deren Bauch sich eine Höhle befindet, für die ich mich auch interessiere. Aber kaum habe ich mich daneben niedergelassen, um meinen Kopf ins Loch zu stecken, als von drinnen Geräusche kommen, als ob irgendetwas Riesiges auf mich zugerannt kommt. Ich springe vor Schreck erst mal ein paar Sätze weit weg. Ja, die Schrecken der Pest, sehr anschaulich dargestellt.

Nykoepinghus

Der Königsturm des Nyköpinghus am Fluss.

In einem Schaukasten ist eine Miniatur des Schlosses, und man kann sich per Knopfdruck die Geschichte des Weihnachts-Bankettes 1317 erzählen lassen, als der schwedische König Birger seine beiden Brüder, die Herzöge Valdemar und Eric, nach langer Zerstrittenheit auf ein Versöhnungs-Mahl eingeladen hat. Er hat sie festnehmen und in ein Verließ sperren lassen, und danach den Schlüssel in den Fluss geworfen. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden dann zwei angelnde Jungen einen Schlüssel in ebenjenem Fluss, der ebenfalls in diesem Schaukasten hängt. Gruslig.

Nach dem Mittelalter-Raum kommen wir zur Renaissance, der noch aufwändiger eingerichtet ist als der vorige. Wir lesen alles, was uns auf deutsch in die Finger kommt, vergleichen das mit den Objekten im Schaukasten und enden dann zwischendurch in einer angeregten Diskussion über Reformation und die Rolle der Frau in Bibel und Religion.
Zwischendurch waren ab und an mal Leute an uns vorbeigezogen, in den Raum, die Objekte gescannt und wieder raus, wie lange wir drinnen sind, wissen wir gar nicht, als sich eine Museums-Angestellte zu uns gesellt und uns fragt, ob wir irgendwelche Fragen hätte. Geil!

Wir haben ja die ganze Zeit gewitzelt, ob man uns nicht beobachtet, und was man wohl von uns denken mag, aber dieses Engagement finden wir wirklich großartig! Auch wenn uns im ersten Moment überrumpelter Weise freilich keine Fragen einfallen. Aber so nach und nach kommen wir doch mit der Dame ins Gespräch. Wer denn diese Brigitta war, von der im anderen Raum die Rede gewesen war. "Das ist die einzige Heilige von Schweden." "Und warum ist sie eine Heilige?" "Weil sie reich war."

Wir reden mit ihr einige Zeit über die allgemeine Geschichte und die Unabhängigkeit und Rechte von Frauen in Schweden und Deutschland, damals und heute, sie stellt uns noch eben der Figur des Oberschatzmeisters des schwedischen Königs Karl IX (Der vorher Herzog gewesen war und da seinen Sitz in Nyköping gehabt hatte.), Nils Nilson, vor. Dann erklärt sie uns, dass sie allmählich wieder nach unten gehen sollte, sonst nähme man noch an, wir hätten ihr eins übergebraten. Wir verabschieden uns lachend, dann klappen uns die Kinnladen runter, als unser Blick au die Uhr fällt. 16:30, wir sind 12:45 ins Museum gegangen. Und dieses Museum besteht aus zwei kleinen Räumen! Außerdem schließt es in 30 Minuten. Wir schauen noch die letzten Objekte an, besuchen noch den Museumsshop, dann verlassen wir das Museum.

 

Tor

Plan war, morgen nach Stockholm zu fahren, dafür brauchen wir noch Zugfahrpläne, die wir hoffen, in der Touri-Info zu bekommen. Die jedoch ebenfalls um 17:00 geschlossen hat. Dafür hilft uns die freilich überirdisch schöne wunderbar englisch sprechende Bibliothekarin weiter, was sehr nett ist, weil ich mich schon kaum mit deutschen Bahnauskunfts-Seiten zurechtfinde. Der Preis, den sie uns angibt, überrascht uns. Etwa 32 Euro pro Fahrt erscheinen uns ungeheuer viel. Später am Abend geht uns dann auf, dass das wohl der Preis für drei Personen war...

Gehen wieder einkaufen und danach Schweden angucken. Pro Zwangsgewandung!

Zum Abendessen gibt es Lachs mit Reis. Beim Kochen werde ich von einem Mitbewohner angesprochen, der auf mich einredet. Ich blinzle ihnen einige Sekunden verwirrt an und überlege angestrengt. Da er mich so wasserfallartig anspricht, muss er englisch mit mir reden, das tun hier schließlich alle. Nur das, was er da spricht, ist kein englisch. Na toll, denke ich, wieder einer von denen, denen ich erst erklären muss, dass ich kein Wort Schwedisch spreche, und die das trotzdem nicht davon abhalten wird, weiter auf mich einzureden.
Einige Sätze später geht mir endlich auf, dass der Mann Deutsch mit mir spricht. Dummerweise hab ich nicht zugehört, weil ich ja vollauf damit beschäftigt war, die Sprache einzuordnen, also muss er alles wiederholen. Peinlich. Er wollte uns einfach nur seinen restlichen Reis anbieten, die er und seine Freundin nicht aufgegessen haben.

 

Einkaufspassage

Einkaufspassage in Nyköping. Palmen im Hintergrund, Schweden im Vordergrund. Wer oder was ist Gallerix?


Ein niedlicher Schwede gesellt sich in die Küche und spricht ein paar Brocken Deutsch, wir einigen uns dann aber doch noch auf Englisch. Er entschuldigt sich ehrlich für unsere Mückenstiche. "Na, du kannst doch da nichts für! Aber is schon doof", erklärt Órin und erzählt noch, dass sie ein bisschen allergisch auf die Viecher ist. Der Schwede entschuldigt sich noch inbrünstiger. Thii!

Wir werden aus der weiteren Unterhaltung gerissen, weil ein lautes Piepgeräusch ertönt. Der Schwede weist vielsagend an die Decke, wo ein Rauchmelder installiert ist. Ohje, tatsächlich gibt unser Fisch ziemliche Dünste ab. Das Gerät ist zwar etwas überempfindlich, aber haja. Wir öffnen Fenster und Türen und ich wundere mich zwischendurch, warum an dem Rauchmelder eigentlich nichts blinkt. Der Schwede schlägt sich gegen die Stirn und hält uns vielsagend sein Handy hoch. Das hatte er sich als Wecker gestellt, damit er die Lasagne, die er gerade isst, nicht im Ofen vergisst. Sein eigenes Handy!

Nach dem Essen erteilt uns Órin Nachhilfe-Unterricht in Geschichte und berichtet noch mal detaillierter über die Reformation in Deutschland. Dazu gibt's wieder das Fernsehprogramm von gestern und Wodka-O.

12.09.2008 um 18:20 Uhr

Schwedische Dörfer...

von: Centaurea   Kategorie: Schweden

Mittwoch, 3.9.2008

Wir stehen bereits um 9 Uhr auf, um zu frühstücken, denn heute geht's nach Trosa, wir wollen dann doch mal aus Nyköping raus. Auf dem Weg zur Dusche kommt mir der schwarze Jugendliche entgegen, der mir gestern Abend in der Küche auf den Zeiger gegangen war, weil er die ganze Zeit in einer mir fremden Sprache telefoniert hatte, während ich lesen wollte. Offensichtlich aus Richtung Dusche und oben ohne. Also... er kann das tragen...
Die Frau von gestern Abend kommt an unseren Frühstückstisch und verabschiedet sich, weil sie wieder heimfährt. Wir strahlen sie an und murmeln was in Richtung "bye" und "thank you", aber tatsächlich kramen wir gerade alle drei in unseren Hirnen nach irgendwelchen adäquaten Formen für "gute Fahrt", "alles Gute" und derlei, und hoffen dabei, dass wenigstens den anderen beiden irgendwas einfällt. Es entsteht peinliches Schweigen und Gehasple und letztendlich sind wir froh, dass wir die Frau nicht wieder sehen werden. Doh.
Beri und ich gehen eben noch mal in den Supermarkt, daher bleibt an diesem Morgen keine Zeit, unsere Miete an der Pforte zu bezahlen. Gestern waren wir zu spät hingekommen, um dann zu sehen, dass die Pforte nur bis elf auf hat. Na, morgen ist ja auch noch ein Tag.

An der Bushaltestelle angekommen ömmeln wir uns noch eine Weile über unser mieserables Englisch weg und gehen in Gedanken schon mal das anstehende Gespräch mit dem Busfahrer durch. "Eeeh, the cheapest way to Trosa..." - "The sheepest way?" Und tatsächlich kann sowohl die Kiosk-Verkäuferin, die wir fragen, wo man Tickets kaufen kann, als auch der Busfahrer besser Englisch sprechen als unsere deutschen Abiturienten. Also als wir.

Trosa

Da wir keinen Mietwagen genommen haben und mit dem Taxi nachts angekommen sind, gibt uns die Busfahrt (etwa 6,50 € für ne anderthalbe Stunde Fahrt) Gelegenheit, die schwedische Klischee-Landschaft im Sonnenschein zu bewundern. Hügel, Wiesen, Birken und Nadelbäume, Felsen und zwischendurch immer wieder diese Holzhäuser, die alle den selben rot-braunen Anstrich haben. Gab's den irgendwo billiger? Teilweise fährt der Bus über eine abenteuerliche Buckelpiste, bei der dann das Pfützenwasser unsere Scheibe vollspritzt. Einer der Hügel sieht so ein bisschen aus wie Edoras. Ich könnte mir ja vorstellen, dass die Schüler, die mit uns im Bus sitzen und offensichtlich einen Schulweg von teilweise über einer Stunde haben, sich ihren Teil denken, als sie uns so reden hören. Ich kann eh nicht ausschließen, dass die nicht doch alle auch deutsch können. :paranoia:

Hafen

Warum so ein langes Gesicht?

Irgendwann kommen wir in Trosa an, gehen in die Touri-Info am Markt, schlendern an entzückenden Häusern vorbei zum Hafen und machen es uns dort eine Weile am Ende der Welt gemütlich. Die Homepage von Trosa schreibt dazu: "Die Hafenmole endet mit einem Steinrondell, den man das Butterfass nennt. Wenn man hier hergekommen ist, befindet man sich am 'Ende der Welt' und muss den gleichen Weg zurückfahren, denn früher führte nur eine Straße nach Trosa. Deshalb hat die Stadt 'Ende der Welt' als diesen Kosenamen erhalten." 

Ende der Welt

Gruppenbild am Ende der Welt.

Die Stadt selbst wirkt auch sehr verschlafen, aber wir nehmen an, dass das daran liegt, dass die Saison seit drei Tagen vorbei ist. Aber das Wetter ist schön, und für mich sind solche kleinen Städte eh genau das Richtige.
Wir winken einem Segelschiff hinterher und kehren dann allmählich wieder zurück in Richtung Innenstadt. Auf dem Parkplatz am Hafen steht ein Reisebus aus Bayreuth. Órin kriegt ne Krise.

Der Hunger treibt uns in ein Café an einem Kanal, in dem die kleinen Boote der Einwohner liegen und der von vielen hübschen Holzhäusern umstanden wird. Die Bedienung, die wie erwartet akzentfreies Englisch spricht, kommt an, zückt den Notizblock und guckt uns abwartend an. Wir gucken dumm zurück. Das ist wohl die Stelle, wo wir bestellen müssten, was ohne Karte etwas schwer ist. Sie interpretiert unsere Gesichter richtig und erklärt uns, dass die Karte drinnen hängt. Dann geht sie wieder rein, und wir beginnen gerade, unsere Portemonnaies rauszukramen, als sie auch schon wiederkommt. Ihr ist eingefallen, dass wir die Karte da drinnen wohl eh nicht lesen können, weil die auf Schwedisch ist. Hätten wir auch selbst drauf kommen können. Sie fragt uns, worauf wir Lust haben, und trägt uns dann einfach den Teil der Karte auf Englisch vor.

 

Trosa1


Mit Bagels und Latte Macchiato (international und so) gestärkt ziehen wir weiter und kommen auch endlich an einem Spirituosen-Laden vorbei. Ein Supermarkt in Edeka-Größe voller Alkohol, wir schauen mal prüfend durchs Schaufenster und die Preise scheinen uns für schwedische Verhältnisse normal. Immerhin wissen wir jetzt, dass es in Schweden prinzipiell Alkohol gibt, es trinkt nur keiner welchen. Außer uns.

An der Bushaltestelle für die Rückfahrt angekommen, stellen wir fest, dass wir noch eine anderthalbe Stunde auf den nächsten Bus warten müssen. Der fährt um 18:55, der letzte Bus davor fuhr um 12:48. Als ein Bus mit einigen Jugendlichen auf der anderen Seite ankommt und anhält, möchte ich den Insassen zurufen: "Nein! Steigt nicht aus! Hier kommt ihr nie wieder weg! Ihr seid doch noch so jung!", aber wahrscheinlich wohnen die einfach hier.

Wir nutzen eben das WC in der Bibliothek neben der Touri-Info am Markt, wo es uns in den Sinn kommt, nach Internet zu fragen. Diesmal bin ich mal an der Reihe. Ich lege mir meine Sätze vorher zurecht und verhasple mich doch, wo die bildhübsche Schwedin - lasst es uns zusammen sagen - perfektes Englisch spricht. Wir drucken Beris Online-Check-In für den Rückflug aus - Beri ist froh, wieder nach hause zu dürfen, grüßen das Forum kurz (Auf der Tastatur gibt es übrigens Ös und Äs, aber keine Üs. "Es gibt kein Ü in Trosa, es gibt kein Ü. Drum geh'n wir nicht nach..." Ähja.), dann schließt auch schon die Bibliothek.

Haeuslein

Wir sitzen noch eine Weile am Markt herum, Órin holt sich etwas aus dem Supermarkt gegen die Mückenstiche, dann können wir in den Bus steigen. Den haben wir komplett für uns allein. Wie gebannt starren wir aus den Fenstern, um vielleicht doch noch einen Elch zu sehen. Die magere "Ausbeute" sind 9 Rehe, diverse schwarze Schafe und Büffel. Naja, wir wissen ja, wie Elche aussehen.

Daheim gibts nach langer Zeit mal wieder Nudeln mit Tomatensoße und Salat, dann schauen wir ein wenig fern. Amerikanische und schwedische Casting-Shows und Heroes. Auf englisch mit schwedischen Untertiteln, sehr Touri-freundlich.

11.09.2008 um 20:03 Uhr

Suwosamma!

von: Centaurea   Kategorie: Schweden

Dienstag, 2.9.2008

Nach neun kurzen Stündchen Schlaf begeben wir uns am nächsten Morgen auf Nahrungssuche. Wir beschließen, dass wir am Hafen am ehesten fündig werden würden. Weniger von selbstgefangenem rohen Fisch als mehr von den dortigen Cafés, die es tatsächlich in großer Fülle gibt. Unsere Herberge ist zum Glück auch nur 10 Minuten Fußweg vom Hafen entfernt, 10 Minuten Fußweg vom Stadtzentrum und etwa 2 Minuten Fußweg vom hiesigen geschichtlichen Museum.

Wir frühstücken gutaussehende Baguettes, Daim- und Snickerstorte und erfreuen uns am Anblick gutaussehender Schweden.

 

Hamn


Frisch gestärkt begeben wir uns zur Touri-Info, wo man uns erklärt, dass es hier frisch geräucherten Fisch gibt, aber nur bis August. Ob man denn Bootstouren machen könnte, fragen wir. Ja, sicher, antwortet man uns, übrigens in perfektem Deutsch, aber nur bis August.
Ah. Ja.

 

Die Dame empfiehlt uns stattdessen einige andere Sehenswürdigkeiten und wir ziehen von dannen, um mehr Geld zu beschaffen. Man weiß ja nie. Wir wechseln in der nahe gelegenen Bank Euro in Schweden-Dollar, und Órin stellt fest, dass ihre Kreditkarte im Juli abgelaufen ist.
Nun wird es Zeit, einkaufen zu gehen, aber wir haben keine Ahnung, wo der nächste Supermarkt ist. Wir beschließen, wehrlose Passanten danach zu fragen, bisher hat eigentlich jeder hier super auf Englisch mit uns korrespondieren können, außer eben der Touri-Info-Dame, die brauchte das ja nicht mal.
Unsere spontane zweite Wahl, nachdem mir mein erstes Versuchsobjekt gestikulierend zu verstehen gibt, dass es mich nicht hören könne, fällt auf ein halbes Dutzend blonder Jungs, die sich köstlich amüsieren, als wir sie nach einem Supermarkt fragen.

"Was für ein Supermarkt?"
"Äh, na irgendein Supermarkt. Wir brauchen halt Essen, Trinken, und so."
"Ah, McDonald's! *zeig*"

Sackerlzement, diese Jugend. Immerhin sind wir allesamt köstlich amüsiert. Der eine Junge, der mit uns spricht, wir, und auch die anderen Jungs, die währenddessen in alle möglichen Richtungen zeigen und dabei nach allem aussehen, aber nicht, als ob sie einen Plan hätten. Es war köstlich.
"Nein, nicht McDonald's. Wir brauchen Dinge zum Kochen." Kochen? Ihr kennt das Wort?
Unser Ansprechpartner scheint sich nun für eine Richtung entschieden zu haben und kommentiert dies mit dem Begriff "Homeshopping". Wie, das heißt bei euch nicht "Supermarkt"? Na, andre Länder...

Er weißt uns jedenfalls den Weg zum Supermarkt "Hemköp", der zufällig "Hemmschöp" gesprochen wird. Man erkennt Parallelen. Das ist jedenfalls ein ganz normaler Supermarkt, nur eben ist alles doppelt so teuer wie bei uns zuhause, und Alkohol gibt es hier nur in Form von Bier.

 

Innenstadt von Nyköping

 

Die City von Nyköong. Man beachte die Palmen...

Als wir unseren Einkauf beendet haben, setzen wir uns nach draußen auf eine Bank, tratschen und gehen unserem neuesten Hobby, Schweden-Watching nach. Die jungen Frauen hier sind unglaublich hübsch und wir bekommen nach kurzer Zeit Komplexe. Also gehen wir in unsere Herberge zurück und füllen den Kühlschrank in unserem Zimmer, damit der Wodka, den ich mitgebracht habe, nicht mehr ganz so alleine ist. Dann schnappen wir uns die Prospekte und setzen uns raus ins Grüne zwischen Herberge und Museum. Wir werden bald von Mücken aufgefressen und gehen wieder nach drinnen, wo Órin und Beri sogleich in einen beneidenswert tiefen Schlaf fallen. Haja, der Tag war ja auch lang und anstrengend.

Ich schnapp mir mehr Prospekte und ein Buch und mach es mir in der permanent penetrant sauberen Gemeinschaftsküche mit zwei Centiccinos gemütlich. Ein paar Stunden später sind Órin und Beri erwacht, wir kochen gesundes Abendessen und erhalten bald darauf Besuch von einer älteren Frau, die perfektes britisches Englisch spricht. Ich halte sie für eine Engländerin, bis sie uns erzählt, dass sie Schwedin ist. Irre.
Eigentlich wollte sie nur fragen, ob wir Tee für sie haben, aber dann finden wir uns in einem interessanten Gespräch mit ihr wieder. Sie gibt uns einige Ausflugsempfehlungen und klärt uns endlich darüber auf, wie der Ort, an dem wir uns befinden, eigentlich ausgesprochen wird. Nyschöping. Hm. Sprechen die hier jedes K wie ein Sch? Seltsame Sitten. Immerhin ist sie aber der Meinung, dass unsere Art zu reisen, nämlich völlig planlos einfach irgendwohin zu fahren, die beste Art zu reisen sei, sie habe das mit Rom auch schon so gehandhabt.
Unter anderem empfiehlt sie uns Trosa und die Altstadt von Stockholm. Nach Stockholm hatten Órin und ich gar nicht gewollt, weil Stadt halt. Unser Plan wäre Oxelösund gewesen, aber den redet sie uns aus. War wohl auch besser so, denn wir wären sicher schon beim Ticketkauf im Bus gescheitert.

"We want to go to Öxels... Öchels... Ochöl... Öchsol... Ochxsöl.... Ach, verdimmich, fahren wir halt nach Stockholm!"

Wir lassen den Abend bei Wodka-O ausklingen.

11.09.2008 um 19:55 Uhr

Schweden liegt in der Nähe von Veldenz...

von: Centaurea   Kategorie: Schweden

Ich bin aus Schweden wieder da. Und weil ich den Reisebericht dafür abgetippt haben möchte, ehe ich wieder in Irland bin, fang ich mal spontan damit an.
Aaalso:

Wir schreiben den 1. September des Jahres 2008 und wir befinden uns noch immer auf Schloss Veldenz. Hier haben viele viele Forumsuser 2-5 Tage abgehangen, gegessen, geplaudert, handwerkliche und näherische Hobbys gepflegt, sich in Waldläufergewandung bei schätzungsweise 30°C durch den Wald im Veldenzer Tal geschlagen, geschlafen, gedöst und sich gesonnt. Ich für meinen Teil habe die meiste Zeit mit Sonnen und Essen verbracht, unterbrochen von kleinen Pausen, in denen ich Burg und Aussicht genossen habe, die Abende klangen dann am Lagerfeuer aus. Den Sommer noch einmal genießen, der für meinen Geschmack dieses Jahr wieder viel zu ärmlich ausgefallen ist. Wie jedes Jahr eigentlich.
Es gab Workshops wie Schwertkampf, Kickboxen und Brettchenweben, die in einem sehr praktischen Raum im Ruinenteil stattfanden, so dass man von oben zuschauen konnte. Überhaupt war dieser grubenähnliche Raum gut geeignet für Aktivitäten, die gefährlich für andere waren. Schwertkampfübungen eben, oder Flötenunterricht.

 

Veldenz

 

Neben herrlicher Aussicht gab es auf dem spontan so getauften Sonnendeck übrigens auch wahnsinnig viele unglaublich niedliche Eidechslein, die dort den gleichen Genüssen fröhnten wie ich: Sonnen und Essen nämlich. Zwangsläufig entsponnen sich Dialoge wie...
Irgendwer: "...die werfen nämlich bei Gefahr ihren Schwanz ab. Der wächst aber wieder nach."
Beri: "Schade, dass das beim Menschen nicht auch so geht."


Was folgerichtig zu einem Running Gag wurde. Schwänze abwerfen bei Gefahr. Nuja.

Beri: "Ich bräuchte mal was, um meine Haare festzumachen."
Centi: *wühlkramsuch*
Beri: "Aach, du hast immer einen Gummi dabei? Falls mal Schwänze rumliegen?"
Centi: "Ja. ... Mist, ich krieg den Reißverschluss nicht auf..."


Man muss dabei gewesen sein.

Jedenfalls: Sonnen, essen, dösen auf ner Burgruine, und User abends am Lagerfeuer. Es war großartig!

 

Veldenz- Sonnenuntergang
Beri vorm Sonnenuntergang.

Montagmorgen jedenfalls, man schläft wieder gemäßigt aus, so bis 11, dann wird gepackt, geputzt, Leute werden zum Bahnhof geschafft und verabschiedet. Bis zum Schluss nur noch Órin, Beri und ich übrigbleiben, eben die drei, die gedenken, heute nach Hahn und von dort aus nach Schweden zu reisen.

Lebensmittelsichtung und ein letztes Mal kochen auf der Burg. Für drei Personen machen wir acht Steaks, zwei Maiskolben und eine Nachspeise, die aus 500g Quark, den Resten vom Sahnejogurt und einem halben Glas Erdbeermarmelade besteht. Wer weiß, wann wir das nächste Mal was kriegen.

Dann werden die Reste aufgeteilt in Müll und nicht Müll, es wird zu Ende geputzt und dann noch mal gepackt. Ich krieg meinen aufzugebenden Rucksack auf 10,5 kg gepackt, yay!

Dann werden die Autos mit Gepäck und Müll vollgestopft, letzterer stinkt mein Auto komplett aus, bis ich ihn endlich im Tal loswerde. Ürgs.

Wir kommen 19:45 am Flughafen an, 21:25 soll unser Flug gehen. Yay, Timing! Zunächst checken Órin und ich normal ein. Die Dame hinterm Schalter stellt fest, dass Órin bereits online eingecheckt ist - Was korrekt ist, denn Órin wollte zwei Sitze buchen, dafür dann sich einmal Gepäck mit Beri teilen, die dann ohne aufzugebendes Gepäck per online-check-in.... eincheckte. Das ergibt tatsächlich Sinn, auch wenn man das jetzt nicht so herausliest. - und ist angemessen irritiert. Denn erstens wäre sie ja dann zwei Mal eingecheckt, was so nicht geht, weil aufgrund eines Logikfehlers das Universum implodieren müsste, und zweitens hatte Órin wohl nur einmal Gepäck angegeben, und nicht darauf geachtet, dass sie nicht nur die 15-Kilo-Grenze einhalten muss, sondern eben auch nur ein Gepäckstück abgeben darf.
Die Sache ist schnell geregelt, indem wir einfach Beris und Órins Gepäck in dem Schutzsack für meinen aufzugebenden Rucksack packen, und damit wieder nur ein Gepäckstück aufgeben müssen. Tadaa.

Nach dieser Unterhaltungseinlage haben wir immer noch genug Zeit, die Beri umgehend nutzt, eine weitere Beruhigungspille einzuwerfen und sich telefonisch von ihrem Mann Händchen halten zu lassen. Sie ist so ein bisschen nervös, was den Flug angeht. Entsprechend ist sie auch blass geworden, als Órin auf dem Weg zum Rollfeld kommentierte, das Flugzeug sähe irgendwie asymetrisch aus. Nach der umgehenden Reanimation erklärt Órin ihr aber dann doch, dass sie die gezeichnete Boing auf dem Werbeplakat gemeint hat.

Ich für meinen Teil bin nicht ganz angstfrei, wofür ich aber Verständnis aufbringe, immerhin ist Fliegen nichts, was Menschen von Haus aus können, und vor unbekannten Dingen darf man auch mal ein bisschen Angst haben. Es hält sich aber in Grenzen, und unter den gröbsten Turbulenzen ist der Pilot wohl drunter durchgeflogen. Glauben wir jedenfalls. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob die Ansage auf Schwedisch oder Englisch war, und entsprechend hätte er da auch sonst was erzählen können. Immerhin Órin ist happy, die kriegt nämlich die vier männlichen Stewards Flugbegleiter, die sie sich gewünscht hat, plus einer hübschen Blondine. Na denn.

Wir landen gegen 23:00, betreten die Halle des Flughafengebäudes und schauen uns verwirrt nach Leuten um, die unseren Ausweis sehen wollen. Keiner da. Gepäck geholt, immer noch keine Ausweiskontrolle. Wir heben unsere ersten Schwedischen Kronen ab, schmachten unsere ersten Schweden an und verlassen dann die Halle. Keine Ausweiskontrolle. "Schweden - Kommt rein, wir nehmen jeden?"

Der Taxifahrer, den wir erwählen, scheint nicht wirklich einen Plan zu haben. Sein Navi kennt unsere Herberge nicht und er auch nicht und überhaupt bringt er uns erst mal zur Bahnstation und dann in die etwaige Gegend unserer Herberge. Dort steigen wir dankend aus und beschließen, dass es von hier aus nicht mehr weit sein kann und wir laufen werden. Tatsächlich war es sogar die richtige Straße gewesen, in die er uns entlassen hatte, nur die falsche Straßenseite. Man kann wohl nicht ganz Nyköping kennen.
Wir essen noch eine Kleinigkeit und gehen dann sogleich ins Bett - es gibt Doppelstockbetten und ich darf oben schlafen!