
Da ich meinen Wecker für Samstag Morgen auf 5:00 stellen musste (statt 6:00 unter der Woche. Argh.), bin ich dann vernünftiger Weise doch mal eher ins Bett als sonst. 23:00. Das ist jetzt nicht wirklich früh, aber für meine Verhältnisse kann man das doch so bezeichnen. Dummerweise hab ich einen Biorythmus mit Wochenendfunktion. Oder vielleicht spielte auch ein wenig Aufregung mit, auch wenn ich mich freilich vehement dagegen wehre. Warum sollte ich auch aufgeregt sein. Nur weil ich vor Leuten mit Ahnung würde tanzen müssen, mich dabei wahrscheinlich blamieren würde und meine Mittänzer das sehen würden, mit denen ich ja doch noch vorhabe, eine Weile zu trainieren. Jedenfalls führte dieser hightech Biorythmus dazu, dass ich gegen 3:00 eingeschlafen sein dürfte. Ich hätte vier Stunden länger Oblivion spielen können, verdammt! 
Jedenfalls also nach zwei Stunden Schlaf (plus verschlepptem Schlafdefizit der vergangenen Tage) zum vereinbarten Treffpunkt gefahren und dann zu siebt an den Ort des Geschehens. Dort kamen wir kurz vor acht an, die Zeit, in der ich normalerweise meine zweite Tiefschlafphase habe. Deswegen auch nicht sonderlich motiviert erwärmt. Füße gedreht, ein bisschen gehüpft, wird schon passen, gehmirbloßwech.
Ich war für drei Beginners-Tänze, Soft Shoe, gemeldet, die gleich zu Anfang dran kamen. Die Tänzer wurden in Fließbandarbeit an den Start geschoben und angezählt, und nach ein paar Takten war auch schon wieder alles vorbei. Beim Light Reel, der Tanz, den ich eigentlich am meisten mag, der aber beim Training am Donnerstag am ehesten ein Problem war, strauchele ich ein bisschen, komme sonst aber gut durch. Hinterher fällt mir ein, dass ich eigentlich ziemlich kopflos getanzt habe und überhaupt nicht weiß, ob ich die Dinge, die am Donnerstag noch verbesserungswürdig gewesen waren, auch umgesetzt habe. Außerdem fangen die Füße an weh zu tun, weil ich mich nicht genug erwärmt habe. Ahahaha. Aber es nutzt nichts, wir bleiben in würdevoller Haltung ("Darf nicht hüpfen, darf nicht Füße drehen, muss würdevoll...") stehen, bis der nächste Tanz dran ist. Beim Slip Jig verpasse ich meinen Einsatz um einen kurzen Augenblick, komme aber schnell wieder rein. Außerdem scheint die Richterin eh grad nicht hinzusehen. Aber wahrscheinlich spürt sie auch, wenn jemand falsch tanzt. Letztendlich krieg ich immerhin das Single Jig gut über die Bühne, und bekomme von meinen Begleiterinnen in sozialpädagogisch korrekter Manier bescheinigt, ich hätte eine gute Figur abgegeben. Damit bin ich tänzerisch für den heutigen Tag auch schon fertig - 9:45 - und habe mein persönliches Ziel geschafft, mich nämlich wenigstens nicht bis auf die Knochen zu blamieren oder hinzufallen. Woohoo! 
Kleckerweise tanzen dann meine Begleiterinnen ihre Tänze und ich erweise mich hin und wieder als blutiger Noob.
"Ich geh mich dann mal umziehen, mir ist kalt."
"Neeeiiin, das kannst du doch nicht machen!!!"
"Wissu?"
"Na! *fuchtel* Die Siegerehrung! *fuchtelwedel* Da musst du doch im Tanzoutfit erscheinen."
"Hajonadann..."
"Und nach Beginners kommt dann Intermediate, richtig?"
"Nee, dann kommt erst mal Primary!"
"Oh, ich dachte, das wäre quasi schon die Profi-Klasse..."
Überraschender Weise gestaltet sich die Wartezeit recht kurzweilig. Obwohl die Lieder für die gleichen Tänze immer die gleichen sind und sich wegen der verschiedenen Altersstufen und Level, für die die Tänze jeweils getrennt laufen, ständig wiederholen. So nach dem 12. Mal kommt einem das Akkordeon-Gedudel dann doch entfernt bekannt vor. Auf eine "gebt mir eine Axt, dann zerleg ich diese Ziehharmonika samt Spieler!"-Art.
Um 13:00 ist die Siegerehrung für Beginners und Primary. Ich werde für das Light-Jig aufs Siegerpodest geholt. Super. Nur, dass ich diesen Tanz nicht vorgeführt habe. Ich mein, es ist nett, dass ihr mir am Gesicht anseht, dass ich den kann, aber... nee. 
Die Beginners werden also für eine Weile vertröstet, die Ergebnisse noch mal überprüft, und dann wird noch mal zur Siegerehrung gerufen.
"Light Reel, First Place: #StartnummervomCenti." What the? Ich hüpfe auf die oberste Stufe, bekomme eine Münze in die Hand gedrückt und beobachte fasziniert die Schlange, die sich neben mir für die nach mir Platzierten bildet. Ich mein, das waren viele Mittänzer. Jetzt kein Dutzend, aber doch genug. Und die sahen gut dabei aus. Ähm. Yay? Ja, schon: Yay!
Das Slip Jig brachte mir dann keine Platzierung ein, aber schon fürs Single Jig durfte ich wieder auf die oberste Stufe klettern.
Ich bin jedenfalls sehr zufrieden. Zwei erste Plätze für vor sechs Tagen spontan breitschlagen lassen. Was auch zwei Aufstiege bedeutet, von Beginners zu Primary. Was man wohl übersetzen könnte mit "von 'blutiger Anfänger' zu 'Anfänger'". Aber Beförderung ist Beförderung!
Wir schreiben nun 13:45 und wäre nicht die Fahrgemeinschaft, könnte ich nach hause fahren. Aber ich will ja noch wissen, wie sich meine Begleiterinnen so machen. Tanzen tun sie jedenfalls gewohnt grandios.
Gegen 17:00, das Lied für das Light Reel werde ich noch drei Wochen lang im Ohr haben, macht sich allmählich mein Schlafmangel bemerkbar. Stundenlanges Sitzen halt. Inzwischen tanzen aber auch schon die Intermediate-Open-Leute, die richtig gut sind, also so richtig-richtig gut. Allerdings erkennt man die richtig guten Tänzerinnen leider auch an ihren Tanzoutfits. Glitzernde Weihnachtsbaum-Kleider in schreiend bunten Farben in unmöglichsten Kombinationen, Ringellöckchen-Perücken und Krönchen. Gruslig. Mein übermüdeter Geist entwickelt eine Paranoia und füht sich von den Mustern beobachtet. Die Augen darauf verfolgen mich, ganz sicher. 
Dem Tanz an sich tut das allerdings keinen Abbruch. Ich weiß ja nicht, wo diese Damen Physik hatten. Aber mein Lehrer hat mir beigebracht, dass es sowas wie Erdanziehung gibt, und dass es deswegen unmöglich sein muss, in der Luft zu laufen. Überhaupt. Die Dinge, die die mit ihren Beinen gemacht haben. Waren das noch Gelenke oder schon Scharniere? Muskeln oder schon Hydraulik? Für einen entsprechenden Eindruck auf YT einfach mal nach "Irish Dancing Champion" suchen. Momente, in denen ich überlege, die Sportart zu wechseln. Nicht weil es keinen Spaß macht, wenn man nicht so gut sein kann, eher weil "Ich bin uuuunwürdig!"
Endlich dann die letzte Siegerehrung. Meine Begleiterinnen können einige gute Platzierungen verzeichnen; Bei der harten Konkurrenz können sie glaub ich wirklich zufrieden sein. Und irgendwann kurz vor 20:00 kommen wir los (Wir haben die Halle betreten, als es noch dunkel war, und verlassen sie, als es schon dunkel war), ich erreiche schlaftrunken gegen 21:30 meine Wohnung. Laaaaaanger Tag nach kurzer Nacht.
Und heute Abend läuft schon wieder kein Wrestling im TV. Blöd.