Aus dem Leben eines Taugegarnichts

29.05.2009 um 09:54 Uhr

Philosophie im Schweiße

Gestern beim Volleyball (Wir waren tatsächlich 13 Leute. Ich finde ja nach wie vor, in ein Volleyballfeld gehören nicht mehr als vier Spielende, aber es ging doch erstaunlich gut.) ist mir, während ich schwitzend auf der Auswechselbank saß, Interessantes aufgefallen:

Von außen betrachtet fliegen die doch recht harten Bälle mit einer enormen Geschwindigkeit herum. Mit einem lauten Knall schlagen sie gegen Boden und Wände und wenn sie auf einen Mitspieler zufliegen, fragt man sich manchmal, ob das nicht weh tun müsse, wenn der getroffen wird.
Doch der streckt einfach seine Arme aus. Der Ball prallt folgenlos daran ab und das Spiel geht ganz normal und genau so weiter wie bisher. Es breitet sich ein gewisses Staunen in mir aus, über den Mut des Spielers, und irgendwie frage ich mich, obwohl ich es besser weiß, ob ich in der Situation nicht doch eher den Kopf eingezogen hätte und dem Ball ausgewichen wäre.

Dann wird man wieder eingewechselt, fügt sich ganz selbstverständlich wieder in den Fluss des Spieles ein, bekommt den selben Ball auf gleiche Weise ab und spielt ihn auf die gleiche Weise, genau so folgenlos weiter wie der zuvor beobachtete und für mutig erachtete Mitspieler.

Ah, welch wunderbare Allegorie.

In diesem Zusammenhang könnte ich eigentlich endlich einfach mal einen Zahnarzttermin ausmachen...

28.05.2009 um 14:30 Uhr

Tellerrand

Etwa einmal im Jahr kommt es tatsächlich vor, dass ich feststelle, dass es neben Morrowind und Baldur's Gate 2 auch andere Spiele gibt.
Gerade ist wieder so eine Phase. Und nachdem ich dann normalerweise trotzdem nur bekannte Spiele abgrase, halte ich gerade sogar Ausschau nach neuen.

In der erwähnten PC-Spielezeitschrift (Ich könnte irgendwie auch sagen, dass es die Gamestar ist.) hab ich eine Hitliste der besten Rollenspiele gefunden und dort eigentlich laut Punktevergabe einen super Anwärter für mein nächstes Spiel: In allen spielrelevanten Kriterien 9 bis 10 Punkte, nur in der Grafik schlecht, so dass auch mein Laptop Chancen hätte, es zu bewältigen: Knights of the old Republic.
Freund Wiki teilte mir dann mit, dass es sich um die Star-Wars-Welt handelt. SciFi. Mist.
Dann eben nicht.

Irgendwann hatte ich mir auch, inspiriert von einem un-heim-lich toll gemachten Musikvideo, in dem Szenen aus dem dritten Teil mit Kate Rusbys herzerweichender Ballade "No going home" unterlegt waren, vor einiger Zeit jedenfalls Metall Gear Solid 2 gekauft. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt die Verpackung entfernt habe. Und wo es liegt. Wahrscheinlich in der Nähe von Kyrandia, das auch irgendwie verschollen ist.

Das Spiel würde ich wahrscheinlich kaum übers Editorial hinaus schaffen. Erstens hab ich null Erfahrung mit 3D-Action-Shootern und zweitens war mir eigentlich schon Thief I viel zu spannend. Hab bei Kapitel 2 aufgehört, weil es so gruslig war. Aber reizen würde mich das Genre trotzdem mal.


Ohne Zusammenhang: Irgendwann werde ich eine Fabel schreiben, in der ein Pudel und ein Mops drin vorkommen. Ich find die Rassenamen einfach so witzig. Pudel. Mops. Moppps. Mopsmopsmops. Kchchchchch.

27.05.2009 um 12:22 Uhr

Aufreger des Tages

Das Bild-würdig zu nennende Konzept "Ich habe keine Ahnung, ziehe keine Erkundigungen ein und beschuldige dann andere Leute meiner eigenen Inkompetenz, ohne auch nur im Mindesten daran zu denken, ein paar Fakten zu überprüfen" geht offenbar für den Herrn Schröder voll auf, der damit immerhin seine paar Minuten öffentlichen Ruhm erhält. Nein, nicht den alten Bundesgerd meine ich, sondern Klaus Schröder vom Forschungsverbund SED-Staat, von dem ich wie wohl so viele bisher offenbar zu Recht noch nichts gehört habe.

Wer sich das Interview in toto antun will, kann das hier tun. Meinem von permanent niedrigem Blutdruck gebeutelten Kreislauf tat das jedenfalls gut.

Schon der Einstiegssatz ist grandios falsch und zeugt von einer gut gepflegten Abneigung gegen jede Form von Recherche:

"Die Birthler-Behörde hat ihre Aufgabe, die ostdeutsche Bevölkerung darüber zu informieren, was die Stasi über sie gesammelt hat, mittlerweile erfüllt."

Fakt ist, dass die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, kurz BStU, wie die Behörde korrekter heißt, nach wie vor in Anfragen ertrinkt. Selbst auf der Homepage ist nachzulesen, dass eine erste Antwort gut 12 Wochen dauern kann. Das ist nicht, weil die Post so lange braucht oder weil sie jeden Brief erst mal in einer großen Polonaise quer durch alle Häuser tragen. Das kommt daher, dass sie so viele Anfragen kriegen. Echt wahr!

In so weit würde dann die Schlussfolgerung stimmen:

"Denn es geht nun darum, die Erschließung und Archivierung der Unterlagen professionell voranzutreiben. Das hat die Birthler-Behörde bislang nicht vermocht."

Das ist schlicht korrekt. Er legt diesem Fakt nur die falschen Ursachen zugrunde.

Kurzer Exkurs dazu: Eines der Hauptanliegen der BStU war ja, die betroffenen Bürger darüber aufzuklären, welche Informationen zu DDR-Zeiten über sie gesammelt worden sind. Und das sind einfach scheiße viele:
Wie auf der HP der BStU nachzulesen ist, gab es bei einer Bevölkerung von 16,4 Mio. gut 91000 offizielle Mitarbeiter (Jeder 180. DDR-Bürger war quasi einer...) des Ministeriums für Staatssicherheit und 174.000 IM und GMS (inoffizielle und gesellschaftliche Mitarbeiter). Es gab übrigens zuletzt auch etwa 3.000 bis 3.500 als IM registrierte Bundesbürger. (Zahlen von gegen Ende der DDR, nicht insgesamt, mind you.)

Weit über 100 Regal-Kilometer an Akten gäbe es also zu verzeichnen. Vielleicht mag der Herr Schröder ja einfach schon mal damit anfangen. Oder er könnte sich sicher auch freiwillig fürs Kleben melden: 15500 Säcke mit zerrissenem Schriftgut stehen bereit.

Die Zeit haben die Mitarbeiter des BStU nämlich im Moment schlicht nicht. Die sind vollauf damit beschäftigt, Anfragen zu beantworten und Auskünfte an die Betroffenen zu erteilen, bevor sich dieses Problem dank demografischer Entwicklungen von selbst erledigt, weil nämlich die Betroffenen auch mal irgendwann sterben.

Daher jedenfalls hatte die Auskunftstätigkeit gegenüber der Verzeichnung und Forschung bisher vollkommen zurecht Vorrang. Depp.

Die Ursachen sieht er allerdings komplett woanders:

"Im Bereich der Erschließung der Akten gibt es große Defizite, weil viele Leute, die dort arbeiten, keine Spezialisten sind, sondern aus dem ehemaligen DDR-Staatsapparat übernommen wurden."

Das liest sich natürlich wunderbar empörend. Stasi-Mitarbeiter, die ihre eigenen Unterlagen verwalten, muahaha.

Müll, natürlich. Je nachdem, was er überhaupt mit Spezialisten meint. Vielleicht sähe er ja gern Politologen im Amt. Kompetente Archivarinnen und Archivare jedenfalls werden und wurden nach wie vor eingestellt.

"Die notwendige personelle Potenz fehlt in der Behörde. Deshalb sollten die Akten vom Bundesarchiv übernommen werden. Nur wenn es dadurch zu einer Einschränkung im Zugang käme, wäre ich dagegen. Notfalls brauchen wir ein Überleitungsgesetz. Ich denke, dass der Bundestag in der kommenden Legislaturperiode einen entsprechenden Entschluss fassen wird."

Ich bin mir nicht sicher, wie er auf die Idee kommt, das Bundesarchiv wäre eher in der Lage, diese enormen Aktenmassen zu bewältigen. Die haben nämlich durchaus auch selbst genug Arbeit. Ansonsten ist das tatsächlich ein Punkt, der diskutiert wird, wohl aber eher aus anderen Gründen. Direkt putzig finde ich ja, dass Herr Schröder offenbar hofft, wohl auch einfacher an Akten heranzukommen, in denen ja zuweilen recht persönliche Dinge von Privatpersonen stehen, die dementsprechend gesetzlich geschützt sind. Datenschutz und derlei. Ich rate mal ins Blaue: Nicht in deinem Leben.

Es geht niedlich weiter:

"Als dort vor einigen Monaten die Unterlagen zu Kurras gefunden wurden, hätte man uns doch sofort informieren müssen. Stattdessen sind die Akten dort wahrscheinlich monatelang im Haus hin und her gewandert. Als außenstehender Wissenschaftler oder Journalist wissen sie überhaupt nicht, was in der Behörde eigentlich an Unterlagen vorhanden ist, was wirklich gesucht wurde, und wie und wo gesucht wurde."

Immerhin hat er Recht: Er weiß überhaupt nicht. Aber er hat immerhin genug Fantasie, um sich da etwas zusammenzureimen.

Irgendeine Art von Kontaktversuchen hat er anscheinend auch nicht unternommen. Geschweige denn dass er, wie tagesschau.de und Frau Birthler korrekt vorschlagen, einfach mal nachgefragt hätte:

"Das ist doch kompletter Quatsch, ein völlig schwachsinniges Argument. Wenn man alles schon vorher wissen soll, was man gar nicht wissen kann, dann braucht man ja gar nicht forschen. Man will doch herausbekommen, wer für die Stasi gearbeitet hat, das weiß man doch nicht schon vorher. Man fragt doch nicht nur nach einzelnen Dingen, sondern man gibt das Thema an und grenzt es dann ein."

BULLSHIT!
Der letzte Satz lässt sich in mir den Eindruck verfestigen, dass er in seinem Leben noch keine Archivarbeit im Allgemeinen und im BStU-Archiv im Besonderen geleistet hat. Und Archive, wie so viele, mit Bibliotheken vergleicht. Was allein ja nicht für eine Todesstrafe reichen würde, aber auf dieser Fehlannahme baut er ja seine gesamte Argumentation auf!

Der Rest des Interviews verläuft dann ähnlich. Er wiederholt falsche Schlüsse und unterstellt im Vorbeigehen den Ostdeutschen im Allgemeinen noch eben einen "Widerwille[n] und Argwohn gegen die Behörde" und der BStU Willkür und Unterschlagung von Fakten.
Außerdem überbewertet er diesen Sensationsfund aus meiner Sicht eklatant.

Ahaber was tut man nicht alles für seine fünfzehn Minuten. Sogar hier hatte er sie jetzt.
Mist.

26.05.2009 um 13:44 Uhr

Main Theme

Mein Kollege hat mir einen Stapel an Spiele-Soundtracks überlassen und ich stelle angenehm überrascht fest, dass es sich damit im Ohr ausgezeichnet arbeiten lässt. Es ist ambientig und überdeckt störende Nebengeräusche, lenkt aber nicht unnötig ab. Da ich die Spiele dazu nicht kenne, tritt noch nicht mal der "Will wieder spielen"-Effekt ein, höchstens ein schwacher "Hm... mal wieder Kino"-Moment. Der sich aber leicht mit einem Blick auf Kinoprogramm und Terminplaner verflüchtigt.

Termine für Proben und Auftritte gekriegt. Viele Proben und einige Auftritte. Ab August dann auch das Musical. Dessen Tänze ich größtenteils schlicht nicht kann. Einschließlich orientalischem Teil, wozu mir meine beiden Mittänzerinnen gestern erklärten, dass sie in meiner Urlaubsabwesenheit mit der Choreo so weit durch wären. Ich hätte halt noch ein Solo-Stück, aber mei.
Arghsn. Ich hab doch schon so ziemlich alles, was ich kann, in die bisherige Choreo mit eingearbeitet.
Ich überstrapaziere diesen Satz allmählich, aber: Das wird ein Spaß. Fröhlich

Wetter: Nachdem gestern wieder meine Tropentauglichkeit geschult worden ist, hatte es ja nachmittags gewittert. Hatte meinen Aufbruch zum Tanzen auch spontan verschoben, weil ich immer skeptisch werde, wenn der Himmel grün wird. War dann aber doch kaum was los. Heute jedenfalls wieder sehr angenehmes Klima.
Schwarzteestatus: Hoppla, geht der Kaffeeweißer aber schnell zur Neige.

25.05.2009 um 09:11 Uhr

Monday, Monday - badaa, badada da

Uh, Montagmorgen. Der kam auch wieder mit der Dampfwalze an. Immerhin schön zu sehen, dass es den Kolleginnen und Kollegen hier nicht viel anders geht. Hier hält man sich immerhin an das noch zu schreibende Gesetz, dass man sich morgens mit "Mrgn" begrüßt und dann erst mal eine Stunde lang schweigt. Großartig, das!

Eigentlich hätte ich heute Nacht doch gut schlafen müssen. Bei dem Blutverlust gestern. Ich benutze ja keine protektierenden Mehdchen-Rasierer. 5 cm langer Schnitt. Ging mit viel Fantasie als Schwertstreich durch. Direkt mal vorm Spiegel posiert. Wenn jemand fragt, sag ich, ich hätte ein Kind vor einem herannahenden LKW gerettet, das kommt immer gut. Heroismen des Alltags. Oder eine Messerstecherei mit Bankräubern. "Ihr solltet mal die anderen sehen!"

Wochenende war großartig. Simon 1+2 durchgespielt, wieder Gefallen an Keepsake gefunden. Müsste mal ein Review schreiben. Müsste allerdings auch noch über England bloggen. Oh well. Wetter war auch gut, hallooo Sommer!
Jetzt erst mal den Arbeits-Koffeinpegel erreichen. Dann kann ich auch wieder richtige Sätze.

22.05.2009 um 08:44 Uhr

The sea, oh the sea, is gra geal mo chroi

Ja, was soll ich große Worte verlieren. Irland ist einfach... Irland. Meer, Wind, Gras, Klippen, Regen, Sonne, Burgen, Ruinen, Friedhöfe, Torffeuer. Und auf Schwarzen Tee musste ich auch keinen Tag verzichten. Und was da alles geblüht hat. Hach!

Dingle

Und jetzt? Bin ich wieder auf Arbeit, ich habe einen Termin beim Optiker und habe keine Ahnung, ob ich zu Pfingsten (omgwtfStau. Außerdem hab ich so viel Lust zu verreisen wie ein Schneemann auf Pfefferminzbonbons*.) nach hause fahren soll oder dann, wenn ich das nächste Wochenende frei hab: Mitte Juli. Fröhlich

Immerhin hab ich dieses Wochenende frei, noch nicht mal Sondertraining. Das war das letzte Mal am ersten Märzwochenende der Fall.
Halloooo, Computerspiele! freu
Hab ich doch den Fehler gemacht, mir am Flughafen eine Computerspiele-Zeitschrift zu kaufen, mit der Vollversion von Siedler 5 drin. Hng. Nicht dass ich meine letzten Tage vor dem Abflug nicht voll mit Siedler 2 (die einzig wahre 1996er Version) verschleudert hätte. Und nachdem ich wieder hier gelandet war, hab ich dank des Artikels über Book of Unwritten Tales wieder Lust auf Adventure gekriegt und *Simon the Sorcerer 1+2 wieder ausgegraben. All hail the bandit king scummvm!
Und dann wäre da immer noch Morrowind. Und Oblivion. Und ich hatte irgendwann mal Keepsake angefangen. Das versprach gut zu werden, ich war nur zu dumm und ungeduldig dafür. Und wenn ich schon Zork Nemesis nicht zum Laufen krieg, könnt ich's ja mal mit Myst probieren. Oder mal wieder ganz nostalgisch Kyrandia einwerfen, wenn ich's denn wiederfinde. Wälder, Edelsteine, Blümchen und dumme Kommentare - das war großartig!

Naja, jetzt erst mal wach werden und hier dings, wieheißtesnochgleich, weißt schon, ähm, ach ja, arbeiten. Die Kolleginnen wollen heute Mittag Pizza bestellen. Mal schauen.

10.05.2009 um 16:23 Uhr

Neue Drogen braucht das Land

Koffeeeiiin!
Wie erwähnt habe ich ja neuerdings Schwarzen Tee für mich entdeckt. Was insofern bemerkenswert ist, als dass ich das Zeugs bisher kaum mit der Kneifzange angefasst habe. Die Wende brachte wohl der letzte Irlandurlaub, als ich es das erste Mal mit Milch probiert habe, was ich vorher ja für eine Perversität kurz unterhalb von lila Karottenhosen gehalten hatte.

Jedenfalls trank ich neuerdings tagsüber im Büro Schwarzen Tee und glaubte, am Wochenende ohne auskommen zu können. Das erwies sich als falsch vermutet, und so warf ich mich entgegen meiner Neigungen am Samstag Nachmittag noch mal in Schale, um im Supermarkt Schwarzen Tee mit Vanille-Aroma zu kaufen.

Ich bin ja neu in diesem Milieu. Ich wusste nicht, dass ich für diese Droge noch nicht reif war. Und ich konnte ihre Wirkung noch nicht einschätzen und lag daher erst mal eine Weile mit tellergroßen Augen im Bett. Das - und das stundenlange 'Nur-schnell-ein-Spiel' im alten Siedler2, was ich erst weit nach Mitternacht mit viereckigen schielenden Augen beendete, obwohl mein Wecker mich unbarmherzig halb acht wecken würde, weil ein (Überraschung.) Sondertraining anstand - führte jedenfalls dazu, dass ich diese Nacht waaayyy zu wenig geschlafen habe.

Was sich morgens und tagsüber aber wunderbar mit ein paar Tassen Schwarzen Tees kompensieren lässt.

Ein Teufelskreis.


Btw.: Öfter Kabarett als politische Diskussionsrunden anzusehen kann zu dem surrealen Effekt führen, dass einem ein Gesicht überhaupt nichts sagt, aber man den Aha-Moment "Ah, die Stimme kenn ich, die hat Urban Priol mal nachgemacht!" erlebt.

08.05.2009 um 16:45 Uhr

Verschwörungstheorien

Anderweitig in alten Blogeinträgen gestöbert und schon Ende letzten Jahres auf die Finanzkrise gestoßen. Da hatte ich sie noch ignoriert. Gut, das würde ich jetzt auch gerne tun, aber irgendwie funktioniert das ja nicht, wenn man sich nicht Wachs in die Ohren träufelt und sich von seinen Gefährten am Türrahmen festbinden lässt, aber auf solcherlei Praktiken steht ja nun auch nicht jede(r).

Die Finanzkrise ist nämlich in allen Medien präsent, nur außerhalb davon krieg ich kaum was von ihr mit. Gut, die Preise in England sind derzeit ein Traum, aber sonst bin ich in schwachen Moment direkt geneigt, in der Mär von der Finanzkrise einen cleveren Marketingschachzug gängiger politmanipulierter Medien zu vermuten. Superwahljahr und so. Wenn wir den Wählern, dem sozusagen blind regierenden Souverän, jetzt einreden, wir hätten alle am Abgrund gestanden und wären nur durch die Finessen unserer patenten Politiker (Muahaha.) davor bewahrt worden, ein zweites Neunzehnneunundzwanzig zu erleben, dann wählen sie uns vielleicht voller Dankbarkeit wieder. Was einigermaßen optimistisch wäre, wo sich doch Wahlen heutzutage wirklich nur noch auf das kleinere Übel beschränken.
Die Firmenvorstände sind auf den Zug aufgesprungen und gönnen sich eine Auszeit, zufinanziert durch das Kurzarbeitergeld. Die letzten Jahre haben sie auch genug geackert, legal oder unmoralisch hin oder her.

Um die Garagen leer zu kriegen, in denen die massenhaft hergestellten Neuwagen stehen, und die jetzt zu Partykellern, Swimming Pools und Solarien ausgebaut werden sollen, hat man noch schnell den Ultimativbomfog Abwrackprämie erfunden. Wir schaffen eine künstliche Nachfrage, verlagern unsere Probleme und ignorieren die möglicherweise verheerenden Folgen, die das eines Tages haben könnte. Und geben dafür Geld aus, das wir nicht haben.

Nach einer Weile haben die Politiker und Journalisten dann festgestellt, dass es langweilig wird, nur über dieses Thema zu fantasieren, und haben sich mal was Neues ausgedacht. Eine Krankheit, die ein bisschen pervers klingt und aus einem, hu, wirtschaftlich rückständigen Land kommt, das uns sowieso ein bisschen suspekt ist, wohlweislich darauf vertrauend, dass generation RTL2 nicht checkt, dass die unter 50 schweinegrippenbedingten Todesfälle auf der ganzen Welt in keinem Verhältnis stehen zu den um die 20 000 Menschen, die jährlich allein in Deutschland an der "normalen" Grippe und ihren Folgen sterben.

Hu, das waren viele schokolierte Kaffeebohnen gerade.

07.05.2009 um 17:22 Uhr

Die Gefahren von Soundtracks

Zork Nemesis

"I've lost my only love. And I've lost my life."


Ich würde töten, um Zork Nemesis wieder spielen zu können. Die Elementaristen, die Elemente, der heulende Wind, die Visionen, die Geschichte, die Atmosphäre, die Geige. Die Geige!
"Sometimes a single act can be so evil it can curse the world."

Aber es ist ja unter >/= Win2k nicht zu installieren. (Spielen ja, installieren nein, mind you.) Rats.

"I have but one hope left. And that is you. No one else dares come here."

Ich müsste meinen alten Laptop platt machen und Win95/98 installieren. Dann ginge das vielleicht.
Aber so weit muss ich auch wieder nicht gehen.

07.05.2009 um 08:17 Uhr

Late in the evening

Der Auftritt gestern war... interessant. Aber den Umständen entsprechend gut, wie man so schön sagt, wenn man einen traumatischen Verkehrsunfall erlebt hat. Die Umstände, das waren jedenfalls: Eine halboffene LKW-Garage, deren unebener Betonboden auf einem klitzekleinen Rechteck mit einer dünnen hellblauen Folie bedeckt war, die sich wellte (Und so ein bisschen aussah wie das Folien-Wasser beim Sandmann.) und schon vom zu scharfen Hinschauen Löcher bekam, und nicht zuletzt zu erwähnen das Publikum, das in der großen Mehrheit schlicht abwesend war, wegen eines spontanen Einsatzes. Die wenigen, die da waren, waren aber besoffen genug, mit ein bisschen Hilfe von uns und unserem mitgebrachten Fanclub (= Die Eltern der hüpfenden Kinder.) ein gerüttelt Maß an Handgeklapper beizusteuern. Inbrünstig. Da klatschte man dann auch schon mal einen 4/4-Takt zu einem Jig im 6/8-Takt.
Aber abgesehen davon, dass ich einmal etwas auf der welligen Plane gestolpert bin und mehr als einmal gerutscht, lief es wirklich gut. Jedenfalls haben wir Freude gebracht und Spaß verbreitet und unser Programm halbwegs routiniert abgespult.

Als wir dann fertig waren, hab ich beschlossen, dass ich jetzt auch noch ein paar Minuten im Pub vorbeischauen kann, die Fast Session stand ja wieder an und findet nur einmal im Monat statt. Also hin. Etwas später als sonst, daher war schon alles ziemlich voll, aber wir sind ja wegen der Musik hier, nicht wegen der bequemen Barhocker. Böse verraucht war es diesmal, aber was nimmt man nicht alles auf sich. Nach einer Weile kamen die Musiker, wieder zahlreich und wieder mal mit Verstärkung von weiter weg, richtig in Fahrt, es wurde etwas leerer im Raum und ich beschloss, wegen der fortgeschrittenen Stunde, "Nach diesem Lied geh ich." Das beschloss ich dann so 5-10 Mal, dann kam ich noch mit zwei Musikern ins Gespräch, denen ich vorjammerte, dass sie sich doch bitte nicht jetzt noch so ins Zeug legen sollten, ich müsste morgen früh um sechs aufstehen. "Müssen wir auch alle" sprach's und spielte weiter. Hng. Kurz vor Mitternacht konnte ich mich dann losreißen.

Aber wofür hat man denn Schwarzen Tee auf Arbeit. Auch wenn ich den gerade 20 Minuten hab ziehen lassen. Hng.

06.05.2009 um 13:17 Uhr

...aber eine geile Grafik

Mir gegenüber blüht ein Baum, der ohnehin schon sehr hübsch ist, weil seine Blätter so einen frühlingshaft hellgrünen Ton haben, und dessen goldene Sprenkel im Herbst auch besonders reizvoll sind, gerade in einem frischen Violett, das mich, meines Zeichens Möchtegern-Nerd, aufdringlich an die Weintrauben in "Die Völker" erinnert hat. Möglicherweise waren die auch bei Siedler 3. Beides lange her. Und Siedler 3 war auch relativ einfach. Und weit uncharmanter als Siedler 2. Jedenfalls kam ich dann auf die Idee, mir dieses Spiel, das via Amazon geradezu aufreizend billig ist, mal zuzulegen, denn seinerzeit war es ja nur vorübergehend geliehen gewesen. Dann könnte ich es mal wieder spielen. Mal wieder in den Rausch versinken, den man bekommt, wenn die kleine Siedlung, die irgendwann mit Holzfällerhütte, Förster und Sägewerk begann, allmählich anfängt, die benachbarten Völker niederzumetzeln. (Sie werden so schnell erwachsen.)

Ich hab es sein gelassen. Ich bin schon seit knapp drei Wochen nicht mehr auf Vvardenfell gewesen, hab nur gestern eine halbe Stunde lang ganz bescheiden Monopoly gewonnen, ehe ich zum Tanzen gegangen bin.

Ach, das Real Life. Gibt noch nicht mal Guare hier. Traurig

05.05.2009 um 10:01 Uhr

...and the dance goes on

Wochenanfang, und ich bin seit Donnerstag jeden Tag am Tanzen. Und ich schlafe nach wie vor zu wenig. Und ich bin fitt. suspekt Und motiviert.
Außerdem trinke ich neuerdings Schwarzen Tee. Mit Zucker und Milch. suspekt 
Immerhin hat die Völlerei vom Wochenenden keine bösen Konsequenzen gehabt und ich bin längst wieder in meinem normalen Essensrhythmus.

Nebenbei bemerkt: Der Intermediate Treble Jig hätte mir bekannt vorkommen sollen, weil wir den vor einem Jahr mal hatten. Aber damals war ich noch schlechter als heute und hab die Töne nicht getroffen. Daher wohl das neu-Gefühl. Den neuen Musical-Tanz werde ich nie können und der Auftritt am Mittwoch wird ein Desaster. Dochja.

Hoffentlich schaffe ich am Wochenende dann endlich die Steuererklärung, danach muss ich auch schon wieder für Irland packen.
Wird Zeit, dass die Urlaubszeit vorbei ist, dann kann ich endlich mal wieder ausruhen. Fröhlich

03.05.2009 um 20:26 Uhr

Burg Fürsteneck

Am Wochenende war ich genau auf dieser hübschen hessischen Burg. Ein Workshop war angesetzt, für irische Musik und irischen Tanz. Laut Ausschreibung war Ziel des Kurses, die Musiker und Tänzer letztendlich zusammenzubringen, also Tanzen zu life-Musik. Auf einer hessischen Burg eben. Das konnte ich mir wie gesagt nicht entgehen lassen und stürzte mich am Donnerstag todesmutig in den Stau, der pünktlich zum verlängerten Wochenende zu Hochformen auflief. Immerhin war ich aber früh genug losgefahren.

 

Burg Fuersteneck

 

Dort angekommen konnte ich auch gleich die Schlüssel zu meinem Einzelzimmer in Empfang nehmen. Einzelzimmer freu! Es war bis zuletzt nicht ganz klar, ob ich eins kriegen würde, weil einige Doppelzimmer eben nur als Einzelzimmer vergeben werden, wenn das zweite Bett nicht gebraucht wird. Desto mehr hab ich mich gefreut. So konnte ich mich schon mal frei ausbreiten und musste mir auch keine Gedanken machen, abends jemanden zu wecken. Respektive geweckt zu werden, weil ich ein beachtliches Schlafdefizit im Koffer und beschlossen hatte, dieses Wochenende etwas davon zu reduzieren.

Und schon das Abendessen hat mich auf das vorbereitet, was etwa zwei Drittel dessen war, was das Wochenende so toll gemacht hat: Essen und Leute. Das Essen war einfach großartig. Fettarm, vollwertig, gemüselastig, dersertgespickt und reichhaltig. Vivec, hab ich gefressen. Morgens, mittags, nachmittags, abends.
Und die Leute, die waren auch toll. Diverse Altersschichten, Bundesländer und Berufsgruppen waren vertreten und die Grüppchenbildung hat sich auf ein Minimum begrenzt.

Das letzte Drittel war dann das Tanzen, obwohl das sehr viel mehr Zeit in Anspruch genommen hat. Es ging gleich am Donnerstagabend los. Wo ich schon dachte, nach der Begrüßung (Stuhlkreis!) hätte ich die Möglichkeit, gar vor 22:00 ins Bett zu kommen. Kähä. 21-23:00 haben wir direkt noch mal getanzt. Wenn auch "nur" Ceilis. Am nächsten Tag ging es von 9 bis 18:30, am Samstag dann auch noch nach dem Abendessen weiter. Genauer gesagt, gab es am Samstagabend quasi das gemeinsame Abschlusskonzert von Musikern und Tänzern. Die gelernten Tänze wurden in einem etwa halbstündigen Auftritt vorgeführt, eben Tanzen zu Life-Musik. Großartiges Gefühl, ganz anders, als wenn es von der Konserve kommt. Zuletzt haben wir immerhin ein paar Leute aus dem Publikum zu einem weiteren Ceili nötigen können.
Darunter der Leiter der Burg, der dauernd so eine latente Glücklichkeit versprühte. Ich kann mir ja gut vorstellen, wenn man auf einer hessischen Burg wohnt, deren Leitbild schon beginnt mit

"Weiterbildung bewegt - Begegnung in Freiheit, der Blick auf das Ganze. Burg Fürsteneck ist ein Ort freier und kreativer Weiterbildung. Respekt und Toleranz bestimmen das gemeinsame Leben und Lernen in den historischen Gemäuern."


Quasi ein Land im Land. Während draußen RTL2 geschaut und Blöd gelesen wird, verschreibt man sich drinnen dem systemischen Mentaltraining, den folkloristischen Tänzen, Taiko, Bordunmusik und dem Training von Kommunikations- und Konfliktkompetenz. Irgendwie eine Parallelwelt. Deswegen ist es da auch so schön. Und das Essen war gut. Aber das erwähnte ich schon.

Nach Tanzen, Essen und Duschen klang dann der Abend immer im Aufenthaltsraum am Kamin aus, wo ich mir zu den einlullenden Klängen der spontanen Sessions der Musiker und zu interessanten Gesprächen einen hessischen Cidre gegönnt habe. Hach.

 

Hardshoes

 

Bei den Tänzen schaffen sie es tatsächlich irgendwie, die vielen verschiedenen Niveaus irgendwie unterzubringen. Manche Tanzen das erste Mal irisch, andere schon seit vielen Jahren, irgendwo dazwischen stehe ich mit vielen anderen. Ich hab ja Respekt vor den ganz "Neuen". Ich hab am Anfang soweit ich mich erinnere weit länger gebraucht für die ersten Schritte. Reespekt.

Außerdem liegt die Burg idyllisch. An einem Abend hab ich irgendwie noch die Motivation aufgebracht, eine Runde um die Burg zu drehen, was kaum zweihundert Meter gewesen sein dürften, die sich aber angefühlt haben wie ein Dreitagesmarsch. Aber der Sonnenuntergang vor den blühenden Apfelbäumen im hessischen Mittelgebirge haben doch gut entschädigt.

Und das erste, was ich gemacht habe, als ich wieder zuhause war, war natürlich, den Intermediate (ieks) Treble Jig noch mal durchzugehen. Trotz schmerzender Knie, Rücken (Parkett. Ohne Schwing.), Füße und Waden. Und noch nicht ausgepackter Taschen. Ähem.