Das Musical geht erst mal in eine halbjährige Pause; Ich nehme das zum Anlass, einen kleeeinen Backstagebericht, in erster Linie für mich, zu verfassen.
Ankunft am entsprechenden Theater etwa fünf bis acht Stunden vor Beginn der Aufführung. Die Bäänd ist schon lange da und baut fleißig auf, man begrüßt sich erfreut und wir richten die Garderobe, vorher wohl Wintergarten oder Abstellkammer, wohnlich ein. Der (gutaussehende, hui) Hausmeister versorgt uns mit Spiegeln.
Dann werfen wir uns in die Trainingsklamotten und proben. Die Bühne ist größer als die bisherigen, da muss man hier und da was an der Choreo schrauben, außerdem muss der Tanzbereich abgeklebt werden, die Mitte markiert usw.
Als nächstes werden die Schleier gebügelt (auf dem Steinfußboden, mit meinem alten Pullover als Unterlage), dann ist Zeit für ein gemeinsames Essen - diesmal keine Pizza, sondern Buletten, Fleischwurst und Salate. H. und U. jagen unsere Kinder und nötigen die kleinen Nörgler, was Gescheites zu essen, damit sie nachher nicht beim Tanzen umkippen.
Noch eine Stunde bis Beginn. Ich ziehe mich allmählich um und mache noch mal meine Mittänzerinnen mit meinem Geunke verrückt. Gehe früh genug zur Maskenbildnerin, um den baldigen Stau zu umgehen. Wir feilen noch an ein paar Feinheiten für den letzten Tanz im Stück, dann heißt es schon aufstellen für den Beginn.
Die Türen im Saal werden geschlossen und wir stellen uns hinter der Bühne auf. Die Spannung steigt ins Unerträgliche, weil der Regisseur, übrigens auch so ein Charisma-Ballungsgebiet, nach Verdunklung des Saals gern noch 1-2 Minuten wartet. Eigentlich um die Spannung im Saal zu erhöhen, aber hauptsächlich wirkt sich das wohl auf die Tänzer aus. Hibbel!!
Endlich die ersten Textzeilen, dann schreiten wir zum ersten Tanz. Der läuft im Groben gut ab. Die Kreise hätten runder sein können, aber mei. An einer Stelle will ich zu früh in den nächsten Schritt übergehen, aber dank der Aufmerksamkeit meiner Mittänzerin, mit der ich gerade Handfassung halte, bleibt der Patzer wohl fürs Publikum unsichtbar, wie die meisten Patzer, die so passieren.
Das Publikum, unterwandert von unseren eigenen Leuten, klatscht fleißig mit und applaudiert angemessen, während wir die Bühne wieder den Schauspielern überlassen. Wir helfen den Kindern beim Umkleiden, schicken sie zur Maskenbildnerin und auf die Bühne, dann ziehen wir uns um und warten, denn den Rest des ersten Aktes haben wir nichts zu tun.
Die Pause endet, wir, nun nur die Erwachsenen, stellen uns wieder hinter der Bühne auf und hibbeln erneut. Dieses Warten ist das Allerschlimmste. Wenn man erst mal auf der Bühne steht, ist alles gut. Aber das Warten! Endlich gehen die Lichter im Saal aus, ein paar Töne klimpern den Beginn des zweiten Aktes ein und wir schlurfen rollengerecht auf die Bühne.
Ich patze zwei Mal, einmal davon möglicherweise auffällig, und ärgere mich, lasse mir aber nichts anmerken. "Ich weiß, dass die anderen fünf Tänzer gerade etwas anderes gemacht haben als ich, aber ich bin die einzige, die es richtig gemacht hat, so." Immerhin sollte das auch der letzte Ausrutscher heute Abend gewesen sein.
Wir pöbeln gemütlich von der Bühne runter, dann wird es hektisch, denn ich habe zusammen mit einer Mittänzerin einen sehr schnellen Wechsel zu meistern. Aus der kompletten Klamotte raus, in eine komplett andere Klamotte rein, Haar öffnen und wieder rauf auf die Bühne, in einem kurzen Lied und ein paar wenigen Textzeilen. Dank der Hilfe von zwei Handpaaren und dank der kurzen Wege hier klappt der Wechsel bequem. Zur Premiere führten die langen Wege dazu, dass wir genau zu dem Zeitpunkt rennend die Bühne erreichten, als schon der erste Ton unserer Musik erklungen war. Puh!
Mein Lieblingstanz klappt sehr gut und wir stolzieren unter Applaus von der Bühne.
Ein erneuter Komplettwechsel von Klamotte und Frisur steht an, aber wir haben trotzdem noch genug Zeit, das gerade angerichtete Kostümchaos in der Umkleide zu beseitigen, etwas zu trinken und noch mal bei der Maskenbildnerin vorbeizuschauen, ehe wir wieder auf die Bühne gehen. D.h. diesen einen Tanz habe ich Trainerin H. überlassen, die darin natürlich sicherer ist als ich. Immerhin wird gefilmt.
Die Kinder, seit drei Szenen schon wieder in neuer Klamotte, fragen ungeduldig, wann wir auf die Bühne müssen. Aber erst mal kommen die anderen wieder rein, wechseln Strumpfhose und Haartracht und atmen kurz durch. Ein paar Minuten später führen dann Kinder und Erwachsene den zweiten und damit letzten gemeinsamen Tanz vor. Das Publikum rockt mit, der Tanz verläuft patzerfrei und wir haben enormen Spaß.
Mit dem Tanz endet der zweite Akt und die Pause reicht gerade so, das Outfit wieder komplett zu wechseln, diesmal mit Perücke und einigen Accessoires. Dann geht’s für vier von uns auf die Bühne, diesmal nur als Statisten für die Marktszene. Auch da fühlen wir uns immer sicherer und haben beim pantomimischen Tratschen, Feilschen, Spotten und Schmachten wieder gehörigen Spaß. Im übrigen erklingt zu dem Zeitpunkt mein Lieblingslied, was die Sache noch schöner macht. Hach. Dann wieder runter von der Bühne, ein Detail am Outfit verändert und noch ein Lied abgewartet. Der Showdown, das Tanzduell zwischen Indern und Kelten steht kurz bevor und der Priester, mit seiner unheimlich mächtigen und beeindruckend tiefen Stimme, weist uns an, ihm diesmal treu zu bleiben, anders als bei den letzten vier Malen.
Wir schreiten wieder auf die Bühne, kratzbürsten und zoffen uns mit den Kelten, haben unseren Spaß in pantomimisch-verbalen Auseinandersetzungen und duellieren uns tänzerisch besser als in den Aufführungen vorher. Erneut müssen wir aber den bösen Priester enttäuschen, erneut bleibt er letztendlich allein. Ach. Irgendwann müssen wir ihm mal den Gefallen tun und ihm gescheit beistehen...
Zur Abwechslung geht's mal runter von der Bühne und wieder in einen kompletten Outfitwechsel. Jetzt kommt noch ein bisschen Schlussgesinge, dann wird der Applaus abgeholt, ein kurzer Abschlussstep hingelegt und dann die allgemein entspannte Euphorie hinter der Bühne genossen.
Vor dem nächsten Umziehen gehen wir zum Publikum und holen uns von unseren Bekannten das angemessene Lob ab. Mein Bauchtanz kam gut an, yay, und generell stießen Story und Tänze auf großes Wohlwollen. Schön, schön.
Wir schwelgen noch ein bisschen, dann gehen wir in die Umkleide, wechseln von Bühnenglamour in Alltagsjeans, räumen auf und fahren nach hause.