Aus dem Leben eines Taugegarnichts

21.09.2011 um 20:48 Uhr

Nach dem Feis ist vor dem Feis

Da hatte ich mich schon gefreut, dass ich mich beim letzten Mal von der Kategorie Beginner verabschieden konnte, weil ich dann ja nicht mehr ganz so früh raus muss, um auf die Feisanna zu gehen. Hab ich übersehen, dass meine Mittänzerinnen ja noch zumeist Beginner sind, und ich ja schon schauen will, wie die sich schlagen. Also muss ich doch immer noch früh hin.
Das sind wir aber im Begriff zu ändern.

Ich selbst war auf dem Wettkampf per Ibuprofen gedopt. Hatte nämlich eine kurze fiebrige Phase am Morgen, gepaart mit der üblichen Ausdauerschwäche. Hätte auch schwören können, dass da eine richtige Erkältung draus wird, war aber nach 10 Stunden Schlaf am nächsten Tag (meine letzte Freilichtwandertheater-Reitvorstellung dieses Jahr) wieder auskurriert, zum Glück. Den ersten Tanz lang stand ich trotzdem irgendwie neben mir, soll gut ausgesehen haben, aber das lag wohl nur dran, dass ich den seit drei Jahren kann und der einfach schon im Stammhirn sitzt. Mir ist wieder mal aufgefallen, wie wichtig die endlose Vorbereitung ist. Während des Tanzens auf dem Wettkampf denkt man nämlich an exakt gar nichts - Turnout, Crossing, Kick-the-Butt - was nicht sitzt, kommt auch nicht mehr.

 

Oury
 

Primary:

Light Jig:
2. Platz. Sehr zufrieden. Gewonnen hat eine weiß-lila Tänzerin aus Russland, die gegen mich angetreten war und mich dabei trotz des galaktischen Platzes ziemlich bedrängt hat. Hätte sie angeblich bei anderen auch getan. Aber sowas tut man doch nicht absichtlich?

Hornpipe:
3. Platz. Woohoo! Zum ersten Mal angetreten. Und bei weitem nicht alle Passing Clicks und Back Clicks (ahahaha) getroffen. Und ich muss dringend das Ende abändern, das geht gar nicht.

Traditional Set (Blackbird):
1. Platz! Wooooohoooooo! Das war der einzige Tanz gewesen, mit dem ich beim letzten Feis leer ausgegangen war. Die Arbeit daran hat also gelohnt. Fürs Intermediate kann ich mir dann aussuchen, ob ich "King of the Fairies", "Garden of Daisies" oder "Job of Journeywork" tanzen möchte. Hach, die Sets klingen immer netter als sie zu tanzen sind.

Intermediate:

Reel:
2. Platz. Woooohoooo! Eigentlich ist das der beste Platz, den ich erreichen kann. Drüber komm ich schon ins Open, und ehe ich mich da traue anzutreten... Allerdings tanzt sich das Reel auch sehr schön. Nicht in der Tanzschule, da trau ich mich wegen des rutschigen Bodens nicht, völlig auszutanzen. Hab immer noch einen handflächengroßen blauen Fleck an der Seite, weil's mich vor zwei Wochen mal ordentlich hingelegt hat.
Auf den Feisanna haben sie einen schönen rutschfesten Boden, da kann man dann richtig loslegen. Und Alter, bin ich gesprungen! Ich hatte ehrlich das Gefühl, noch nie so hoch gesprungen zu sein. Als ich so in der Luft hing, war ich kurz echt irritiert. "Uh. Wow. Hoch! Hm. Beim nächsten Schlag muss ich aber wieder unten sein. Hm. Ich bin ja immer noch oben..."
War jedenfalls toll. Beim Training hab ich beim Reel oft den Eindruck, dass die Schwerkraft heute wieder ganz besonders hoch eingestellt ist. Aber der Adrenalinschub beim Wettkampf hat mich sogar die Bunny Hops ganz leicht nehmen lassen. Toll.
Ich hab aber durchaus immer noch einige Ecken, an denen ich noch Arbeiten muss. Da geht noch viel.

Slip Jig: Da hinter dir, ein dreiköpfiger Affe!! Nuja. Das erste Mal angetreten, und da ist auch noch einiges dran zu tun. Beim Füße-verknot-Teil am Schluss hab ich mich tatsächlich etwas verheddert. Das is' aber auch schwer. Aber Slip Jig ist so schön, da macht auch die Arbeit daran Spaß.

Single Jig: Das Wetter war ja auch schon mal besser, oder? Single Jig ist eh so ein komisches Ding. Wie beim Light Jig darf man nämlich nur Beginner-Schrittmaterial verwenden, es soll dann aber doch irgendwie nach Intermediate aussehen. Da steh ich noch etwas ratlos da.

Insgesamt bin ich wieder sehr zufrieden. Nicht nur dass sie mich nicht wieder zurückgestuft haben (das wäre das erste Mal in der Geschichte des Irish Dance gewesen, aber manchmal beim Training hab ich fest damit gerechnet), ich bin sogar einmal aufgestiegen.

Mindestens genauso cool sind aber die Ergebnisse der Mädels:
Yasmin, die vor einem Jahr das erste Mal auf einem Feis war, nicht viel gewonnen hat, und dann ein Jahr lang gehadert hat, wieder anzutreten, ist direkt drei Mal aufgestiegen (Reel, Light Jig und Slip Jig). Und ihre Mutter kam hinterher zu mir und meinte, das wäre ja auch zu einem großen Teil mein Verdienst (ich coache die Mädels schon etwas, wenn Cathy nicht da ist) und ich wäre ja Yasmins großes Vorbild.
Gut, dass ich saß.
Aaw.
Sara ist noch mit dem Slip Jig aufgestiegen und hat sogar ein paar Platzierungen in Primary-Tänzen erhalten - auf ihrem zweiten Feis! Und Annas großer Wunschtraum ist endlich in Erfüllung gegangen und sie ist mit dem Reel ins Intermediate aufgestiegen. Hat auch einen ersten Platz im Beginner Traditional Set (St. Patrick's Day) geholt. Hö.

Auch Jenny ist endlich wieder angetreten und ist im Single Jig und im Treble Jig (wo ich sie noch in der letzten Stunde ewig getrietzt hab, bis mir der Rhythmus gefallen hat und Shuffle und Toe ordentlich gekreuzt waren) endlich aufgestiegen.

Und jetzt machen wir nicht wieder erst Pause - im November ist der nächste Feis und es gibt viel zu tun!

08.09.2011 um 13:45 Uhr

Rhythm, rhythm, rhythm!

Große Dinge werfen ihr Zeugs voraus: Bald ist das nächste Feis! Und wie schon erwähnt hab ich in den Ferien viiiel zu wenig gemacht.
Was neuerdings in halbpanischen Muskelaufbau- und Stretching-Orgien mündet.

Cathy war im Gegensatz zu mir in den Ferien sehr fleißig und hat ein Tanzcamp in Irland mitgemacht. Wir erinnern uns, dass Cathy unsere beste Tänzerin ist, die einfach ganz toll und großartig tanzt. Hat man in Irland anders gesehen. Die Trainerin dort war wohl ein richtiger Coach, und hat diverseste Fehlerchen, Nachlässigkeiten und Unsauberkeiten entdeckt, angesprochen und gnadenlos ausbügeln lassen. So muss das sein.
Die paar Stunden haben ihr auch tatsächlich gut getan, die Verbesserungen - wo sie doch vorher schon so gut war! - sieht man doch recht deutlich.
Das Ganze hatte außerdem noch zwei Folgen:

1. ist sie jetzt von unserem gruppentanzlastigen und, hm, freundlichen Tanzunterricht noch mehr desillusioniert. Sie kommt hier einfach nicht mehr vorwärts. Tatsächlich coacht sich unsere kleine Wettkampfrunde mehr gegenseitig als, hm, wie es sein sollte. Das System ist abwärtskompatibel - die Beginner profitieren gut von den besseren Tänzerinnen. Eine Opentänzerin hat davon aber nichts mehr. Sie überlegt daher inzwischen sehr konkret die Schule zu wechseln. Wenn das wirklich passiert, gibt's ein großes Drama. Ich halte das aber auch für sehr notwendig. Man wird sehen. Und

2. sieht sie jetzt natürlich auch bei uns, also auch mir, noch mehr Verbesserungsbedarf, als mir ohnehin schon klar war. "Nach den Points mehr sliden, mehr Turnout, mehr pointen, die Butterflies gestreckter, die Bunnies ordentlicher, aufrechter, die Leaps mehr freezen, in der Drehung die Füße mehr zusammen, die Ballchanges mit mehr Vorwärtsbewegung, kick your butt, Rhythm, Rhythm, Rhythm, viiel mehr Turnout!" und überhaupt treff ich wieder mal nur 15% meiner Passing Klicks (von den Back Klicks fang ich gar nicht an, ich bin so deprimiert).

Meine Erwartungen an das Feis sind also auf ein "hoffentlich blamier ich mich wenigstens nicht ganz bis auf die Knochen"-Maß runtergesetzt.
Allerdings bin ich bisher ohnehin schon viel weiter gekommen, als ich je gedacht hätte. Und allein in diesem Jahr hab ich schon so viel erreicht. Eigentlich könnt ich mich ja auch mal auf meinen Erfolgen ausruhen.

Hng.

Ich geh mal meine Points sliden.

05.09.2011 um 17:24 Uhr

Endlich Sommer! Teil II

Zu den Wochen und Monaten, die man rein kalendarisch dem Sommer zuschreiben würde, werde ich mich einfach mal gar nicht äußern. Dann schämt er sich vielleicht wenigstens angemessen. Hmpf.
Ich berichte lieber über den Fortgang meiner Ferienzeit.

Der Dressurkurs war überaus lehrreich, vor allem in Verbindung mit dem Buch, das ich mir zuvor aus der Stadtbibliothek ausgeliehen hatte. In meinen zwei Jahren Reitverein hat mir ja kein Mensch gesagt, wie ich mir eine korrekte Gewichtshilfe überhaupt vorzustellen habe.
Einzige Mörderaktion war, dass sie mich tatsächlich noch mal zum Longieren aufs Pferd setzten. Ohne Steigbügel. Im Trab. Schmerz lass nach.

Mord war auch, dass ich an dem WE eigentlich Besuch hatte, wir Freitag bis nachts DSA gespielt haben und ich mich um 8 Uhr morgens aus dem Haus schleichen musste, um zum Kurs zu kommen. Gäste waren tagsüber eh auf der Feencon. Abends nach dem Kurs noch kurz auf dem Congelände vorbeigeschaut, weil ich die Feuershow uuunbedingt sehen sollte - anschließend noch zwei Stunden mit Tami und Tamischwester getanzt und gesungen, Bett, Reitkurs.

Montag Arbeit, anschließend noch bei Jenny eine Tasche genäht, Dienstag Arbeit, anschließend den Hänger mit dem Lagerkram miteingeräumt und dann selbst Taschen gepackt - dann Mythodea, woohoo!

Mythodea war natürlich großartig, aber insgesamt nicht viel anders als letztes Jahr. Außer, dass ich es noch frustrierender fand, eher Zuschauerin als Spielerin zu sein. Jenny und ich haben uns aber schon vorgenommen, das zu ändern und für nächstes Jahr eine Spielerkarte zu kaufen. Mal sehen, ob wir's tatsächlich tun, und was die anderen dazu sagen...

Was sonst war, worüber ich aber nicht ausführlich bloggen werde:

- Satzvey-Auftritt. Lief gut, auch wenn die Bühne immer schlimmer wird. Da müsste mal ein neuer Boden rein. Nach unserem Auftritt kam eine Band, und nach dieser noch eine, mit der wir ja bereits letzten Oktober einen Auftritt hatten. Und einen der Tänze haben wir (zwei Tänzerinnen und ich) dann auch die gesamte Zeit zwischen unseren Auftritten aufgefrischt und neu gebastelt. Hatten also von der Veranstaltung selbst eher wenig. Hm.

- Sommer! Ungefähr 4 Tage lang, irgendwann Mitte August. Dass ich das noch erleben durfte!

- Die kirchliche Trauung einer Mittänzerin. Ich war soo tapfer! Ich hab mir fast alle der dämlichen Witze verkniffen, die einem als Häretikerin* und Heirat-nicht-romantisch-Finderin einfach kommen *müssen*! Dabei gab es solche Steilvorlagen! Ich war ja so tapfer. Der Part der Hochzeit, den die Mittänzerin maßgeblich gestaltet hat, war aber sehr stilvoll.

- Auftritt auf Stadtfest. Lief. Muss mir aber dringend angewöhnen, mich vor 1-Stunden-Auftritten in sengender Hitze aufzuwärmen. Kreislauf war jedenfalls offenbar sichtlich down genug, um mir äußerst beunruhigte Blicke meiner Mittänzerinnen einzubringen. Eine hat mir dann auch Rescue-Tropfen eingeflößt. Muss bei Gelegenheit mal nachschauen, womit ich da gedopt wurde.

 

Nächster Eintrag soll sich dann endlich mal wieder intensiver mit Tanzen beschäftigen. So viel erst mal: War in den Ferien viel faul. Es gab zwar auch 3- und 4-stündige Intensivtrainings, aber davon abgesehen hab ich Muskelaufbau und Stretching ziemlich schleifen lassen. Hatte einfach einen dringenden allgemeinen Erholungsbedarf, dem ich den Ferien auch mal richtig nachkommen konnte. Ich meine: Nach der Arbeit nach hause kommen und nicht direkt wieder loshetzen müssen - ich hatte quasi Urlaub!


*... Was mich, völlig zusammenhangslos, vor kurzem amüsierte:
Wikipedia schreibt:
"...Die Fahrt verlief stürmisch und das Schiff geriet in Seenot. Der Legende nach soll Walburga die ganze Zeit im Gebet kniend an Deck verbracht haben, bis das Schiff heil in den Hafen von Antwerpen einlief.
Daher gilt sie bis heute als Schutzpatronin der Seeleute und Schutzheilige gegen Sturm."

Ich finde den Gedanken, dass sie in Wirklichkeit gar nicht im Gebet kniete, sondern einfach kotzend über der Reeling hing, gerade ganz köstlich.