Aus dem Leben eines Taugegarnichts

14.01.2006 um 01:07 Uhr

Es lebt!

Und ich hatte gedacht, dass das vor einem ausgefüllten Wochenende ein geruhsamer Freitag werden würde. Ich hatte die Rechnung ohne mich gemacht.

Szene: Spät abends, daueronline, Blogigo-Chat und BG2. Hatte gerade den Tempel des Amaunator befreit, im Chat geschäftiges Schweigen, Zeit für einen Blick in die Weiten des Internets. Das ging aber langsam.
*Fingertrommel*
*Liedpfeif*
Das ging wirklich langsam.

Es sind Momente wie diese, die einen auf die dümmsten Ideen kommen lassen. Diese klicken-wir-doch-mal-hier-Momente.
Windows-User werfen an dieser Stelle mal einen Blick rechts unten in die Statusleiste. Da, wo die Uhrzeit steht. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Da sind doch Symbole, deren Bedeutung ihr eventül gar nicht kennt? Sachen, die vielleicht euer Vorgänger installiert hat, oder ihr selbst, vor ypsilon Jahren? Die ihr seit Monaten nicht gebraucht habt, aber nie deinstalliert habt, weil ihr keinen Bock hattet oder keine Ahnung?
In meinem Fall war das das Quicktime-Symbol. Quicktime hab ich im Jahre 2002 mal gebraucht, als die ersten Trailer zu "Die zwei Türme" rauskamen. Nun hat zwischendurch zwar mein PC zwei Mal gewechselt, aber ich habs auch hier wieder drauf, allerdings nie gebraucht. Jetzt kann ich da natürlich auf "exit" gehen, dann ist das Teil weg. Bis zum nächsten Hochfahren. Für den umständlichen Weg durch die Was-weiß-ich-Configurations-Programme war ich nicht nur zu faul, sondern auch zu... faul.
Also dieses Icon war unverwüstlich, das hatte ich mir gemerkt.
[Übrigens versucht mich Bob inzwischen seit einer halben Stunde chatterisch anzuleiten, das Teil zu entfernen. Ziemlich amüsant.]

Nun war diesmal aber mein Internet langsam, und dann war da dieses Icon mit dem süßen kleinen Bildschirm drauf. Und von dem Bildschirm ging eine stilisierte Leitung weg, die in einem roten X endete. Nun wissen wir ja spätestens seit Indy 3, dass ein X sowieso nie irgendwohin führt, und seit Quicktime, dass man die Icons da unten getrost wegklicken kann. Und es war ja eigentlich auch nicht mein relevantes Interneticon.
Rechter Mausklick auf das lustige Bildschirm-Icon. Deaktivieren? Klar, deaktiviere doch mal.
Pling!
Pling!
Pling!
Chat und Firefox erklärten mir daraufhin, dass ich nicht mehr mit dem Internet verbunden sei. Das Icon, das mir anzeigt, ob ich mit dem Internet verbunden bin oder nicht, das behauptete steif und fest, ich sei noch immer online.
Leidgeprüfter DSL-Kunde, der wir sind, startete ich das Erste-Hilfe-Programm:

Level 1:
Modem aus, Verbindungen überprüfen, Modem an, Verbindungsassistent.
Nichts.
Modem aus, Verbindungen überprüfen, Modem an, Verbindungsassistent?!
Nichts.
Oh...

Level 2:
PC neu starten.
Nichts.
Modem aus, noch mal neu starten, Verbindungen überprüfen, Modem an, Verbindungsassistent...
Nichts...
Oh oh....

Level 3:
Aufkeimende Panik.
Und die Erkenntnis, dass der lustige Bildschirm wieder da hin muss, wo er war. Es folgte eine unschön anzusehende Klickorgie an der Taskleiste, in deren Verlauf ich zwar festgestellt habe, dass ich mein Antivirenprogramm mal wieder erneuern sollte, aber - wir erraten es - der Lösung meines eigentlichen Problems kein Stück näher gekommen bin.

Level 4:
Wahlloses Treiber-CDs-Dings-Gedöns-Teile Suchen und der ebenso wahllose Ansatz, Treiber zu installieren. In meinem Fall den USB-Anschluss. Ich finde die CD nicht. Gut, beginnen wir mit was Leichterem, installieren wir die Internetzugangssoftware neu und suchen wir dafür die DSL-CD.
Schublade mit Computer-CDs - nichts.
Laptop-Tasche - nichts.
Ich durchsuche jetzt aber doch nicht meine ganze Wohnung!
Ok, der Plan war Müll, wir gehen über zu

Level 5:
Nach Hilfe umsehen.
Nun war es nachts halb zwölf und da gibt es nicht SO viele Leute, von denen ich weiß, dass sie mir jetzt gerade dabei helfen möchten, einen Bildschirm auf meinen Bildschirm zu kriegen, oder die wenigstens noch wach waren. Bob war einer von ihnen, aber seine Telefonnummer war irgendwo, nur ausnahmsweise mal nicht in meinem Adressbuch. Aber im Handy war sie doch sicher gespeichert? Möglich. Das Handy hatte sich aber vor drei Stunden ausgeschaltet, weil der Akku leer war.
Er hätte mir ohnehin nicht helfen können, beschloss ich, und kam noch mal zurück auf

Level 4:
Die DSL-CD.
Schublade mit Computer-CDs - nichts.
Obendrauf - nichts.
Laptop-Tasche - nichts.
Auf dem Schreibtisch - nichts.
In der Kramecke unter dem Tisch - nichts.
Im Netzwerkkram auf dem Schrank - nichts.
Abstellkammer - nichts.
Letztendlich sah meine Wohnung nun aus, als wäre gerade eine Herde Wildschweine, von einem Zaubertrank-gedopten Obelix verfolgt, hindurch gejagt, aber die CD war immer noch nicht da.

Fortschreitende Panik.
Überlegte einen Augenblick, in Tränen auszubrechen. Plan verworfen wegen bringt ja nix. Eventuell ein kleines Besäufnis zwischendurch? Bringt genausowenig und ich hab ja morgen was vor. Schlafen konnte ich jetzt nicht, unmöglich!

Da wir uns nun langsam Mitternacht näherten, dann auch noch mal probeweise im Uhrzeigersinn auf dem linken Bein um den Laptop gehüpft, was wider Erwarten auch nichts gebracht hat.
Dann noch mal zur Ruhe gekommen und systematischer vorgegangen.

Bei der Fehlermeldung, die ich bei dem Verbindungsversuch gekriegt habe, ging doch noch ein Details-Link ab. Viel kann ich ja nicht mehr kaputt machen. *klick*
Und schwups war ich im Netcologne-Support-Tool angelangt, vollkommen offline. Tolle Sache, das. So übersichtlich und blondinensicher.
Ich hatte nun die Wahl zwischen 11 Optionen, entschied mich für eine, klickte das Bildschirmchen an, an dem was mit "USB" stand, wurde freundlich darüber aufgeklärt, dass das deaktivert wird, wenn es nicht geht und man es sonst ruhig aktiviert lassen kann. "Weiter" für aktivieren, "Abbrechen" für deaktiviert lassen. "Weiter" und "Fertig stellen", eine Erfolgsmeldung und euphorische Interneteinwahl - TaDA! Ich war wieder mit dem Rest der Welt verbunden und schwöre nun, nie wieder ein Symbol rechts unten zu deaktivieren, von dem ich mir nicht ganz, ganz sicher bin, dass ich es nicht mehr brauche.

[Und Bob konnte mir mit dem Quicktime-Icon auch nicht mehr weiterhelfen. Gnihi.]

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenGEF schreibt am 17.01.2006 um 21:33 Uhr:sei bloß froh, dass du noch DSL hast. Wir sind ins DSL-unbekannte Land gezogen und dürfen jetzt analog! ich sag dir, das ist vielleicht ein Mist. Freu dich über jeden kleinen Aufreger, wenn es danach nur wieder geht.



  2. zitierenGEF schreibt am 17.01.2006 um 21:34 Uhr:sei bloß froh, dass du noch DSL hast. Wir sind ins DSL-unbekannte Land gezogen und dürfen jetzt analog! ich sag dir, das ist vielleicht ein Mist. Freu dich über jeden kleinen Aufreger, wenn es danach nur wieder geht.




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