Segeltörn 2008 - Im Hafen von Lelystad
Donnerstag, 26. Juli 2008 (2/2); Freitag, 27. Juli 2008
"Blööd!" - Wir sind dagegen.
Der Schmach nicht genug, soll jetzt auch noch das Deck geschrubbt werden. Angeblich müssten Schulklassen das jeden Tag machen, wir nur einmal in dieser Woche, und wir wären doch sehr privilegiert. Aber das erzählen sie doch jeder. Crew.
Deck schrubben.
Als man sich im Boden an Deck spiegeln kann, wird der Grill angeworfen und Salate aufgetragen. Ein Teil der Crew macht sich die paar Meter bis zur Arche oder zur Batavia auf und geht sozusagen fremd. Danach und davor widmen wir uns einem unserer Lieblingshobbys und posen auf der Plattform am Bug.
Auch ein großes Gruppenbild folgt, und das Gästebuch wird verziert.
Beim Abwasch sind wir zu viert und intonieren erneut "Hoist the colours high" in einer schätzungsweise zwanzig minütigen Dauerschleife. Wahrscheinlich konnten sich die Fußballfans nebenan nur schwer zurückhalten, uns über Bord gehen zu lassen, und wir haben auch ein wenig ein schlechtes Gewissen, aber es war so schön meditativ. Ich trage währenddessen eine Klamotte, die am ehesten an Fräulein Rottenmeier erinnern mag und lebe mich in dieser Rolle schon viel zu bald ein. "Da hinten ist noch was dreckig. Das da ist noch nicht blankpoliert genug. Ist das etwa Alkohol?! Alkohol ist der Weg in die Hölle! ... Oh Gott, ich muss aus dieser Klamotte raus."
Werfe mich dann auch direkt nach dem Abwaschen wieder in die Schlampe, es folgen weitere Fotosessions. Jeder mit jedem, sozusagen. Im Sonnenuntergang. An dieser Stelle einfach mal wieder ein paar Bilder, es war stärker als ich:
"Siehst du die Wolke da hinten?" - Beri und Fox.
Geballte Männlichkeit.
In den Sonnenuntergang! Fox und Sabine.
Danach folgt das übliche gemütliche abendliche Abhängen. (Nicht zu vergleichen mit dem ganztägigen Abhängen. Weil ohne Sonne, dafür mit Alk. Also ich nicht.) Das Fußballspiel scheint relativ öde zu sein und die Mehrheit der Crew bleibt an Deck um die Raucherkiste herum. Die hatten wir "Dead Man's Chest" getauft und wollten eigentlich fünfzehn Leute draufstellen ("15 men on a dead man's chest - yohoho and a bottle of rum."), haben das letztendlich aber doch nicht umgesetzt. Jedenfalls raucht man in trauter Runde, die meisten Zigaretten, Gurthang Pfeife. Als Liebelein einen Zug aus selbiger nimmt, windet er sich kurz aber herzlich in einem halben Asthmaanfall und trägt ein charmantes "Godverdomme!" vor. Kihi!
Zum Schluss huldigen wir noch der Monsterpackung Kartoffelpüree, die uns am Leben erhalten hat: 119 Portionen!
Milad wirbt im endlich fertig genähten Kleid für Kartoffelbrei.
Praise the Kartoffelbrei!
Wir hängen noch bis spät nachts beieinander, und ich habe etwa eine reichliche Stunde Schlaf abbekommen, als mein Wecker klingelt und ich wieder aufstehe. Draußen herrscht richtiges trübes Abschiedswetter Wir packen alle Sachen zusammen, verteilen die restlichen Lebensmittel und lassen das Frühstück ansonsten ausfallen. Der Bootsmann steht sogar noch zu dieser unpiratigen Zeit auf, um uns zu verabschieden, dann kommt auch schon der Bus, in den wir unsere Siebensachen verfrachten. Traurig winken wir im Nieselregen den Masten der schönen Soeverein zu, Metatron stößt seinen Kopf noch mal wehmütig an einer Kante im Bus, dann fahren wir los. Einige Crewmitglieder fahren dann später in Eigenregie zurück, die Wege der Busfahrer trennen sich dann so nach und nach in Willich. Milad bringe ich noch zum Bahnhof in Bonn, dann folgt ein langes, eintöniges Wochenende ohne Wellen - allerdings mit Wellengang, denn mein Wohnzimmer schwankt doch noch zwei Tage ziemlich nach - ohne Segel, ohne Vla, ohne Piratenklamotte, ohne Tanz, ohne todbringende Cocktails, ohne Sonnenuntergänge über dem Meer, ohne lurkende Urker, ohne Mastklettern, ohne Fox' Kaffee, ohne "hoist the colors", ohne Beamer und 18 Toiletten, ohne Reiher, ohne Sonnendeck, ohne Entenkücken, ohne das Sofa im Aufenthaltsraum, ohne Waschmaschinen nachahmende Bullaugen, ohne Piratenkinder, ohne Schoten, ohne Órin, ohne Nimiel, ohne Milad, ohne Beri, ohne Hoppi, ohne Alca, ohne Fox, ohne Udo, ohne Niniel, ohne Treofan, ohne Falathar, ohne Metatron, ohne Gurthang, ohne Eesti, ohne Caitlin, ohne Sabine, ohne Lixa, ohne Liebelein und ohne Schätzekin.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so wollen sie auch heute noch zurück. Ich danke allen Beteiligten für sechs ausnahmslos geniale Tage, und allen Fotografen für ihre Fotos und Videos.
Zum Abschluss noch mal ein Rundgang durch das Schiff: Video.





