Aus dem Leben eines Taugegarnichts

06.07.2006 um 18:01 Uhr

Freitag, 19.5., 17. und letzter Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


6:15
Der Wecker klingelt. Buäh. Das heißt, dass ich 1. aufstehen muss und 2. heute fliegen muss. Das ist ja noch schlimmer als ein Montagmorgen.

7:00
Die Sachen sind gepackt, wir gehen frühstücken. Beide ohne rechten Appetit. Aber wir haben da noch die letzten Reste unserer Erdnussbutter und ein fast leeres Nutellaglas. Trotzdem flaues Gefühl.
Krieg zwei Scheiben Toast gegessen und schmiere mir eine weitere.

8:20 - 8:45
Busfahrt von Killorglin nach Killarney. Was für eine schöne Gegend. Die grünen Weiden mit diesen wunderschönen Bäumen, die Lichtverhältnisse, die Berge um den Gap of Dumbledore Dunloe.
Kurzer Aufenthalt in Killarney, hier hat noch kein Geschäft auf und normalerweise schlaf ich ja selbst um diese Zeit noch. Aber ich fühle mich sehr, sehr wach.

9:20
Bus kommt am Flughafen an. Zitter. Wir sind natürlich viel zu früh und verbringen die Zeit mit Kartenspielen und Kreuzworträtseln.

11:50
Eingecheckt, es wird auf das Flugzeug gewartet. Sorge, Zitter, Heimwill, Bibber.
"Kennst du den, wo die drei Passagiere im Flugzeug sitzen und-"
"NOT helping!"

12:30
Sitzen im Flieger. Ranwen hat mir bei ihrer Abreise eine Mini-Flasche Contreau (40%) dagelassen. Kippe mir etwa ein Schnapsglas hinter die Binde, auf nüchternen Magen. [Nicht zu viel. Sollte ich den Flug überleben, muss ich nachher noch Auto fahren.] Merke von der Wirkung nicht viel, ein richtiges LMAA-feeling will nicht aufkommen, aber so ein winzigkleines bisschen bin ich wohl schon ruhiger gewesen. Im Sinne von Kreislaufzusammenbruch statt Herzinfarkt oder so.
Bekomme ziemlichen Hunger, aber an Essen ist natürlich nicht zu denken. Die Flügel wackeln. Und da sind Wolken unter uns. UNTER uns. Hallo?! Das ist widernatürlich! OMGKurve. Wolken rechts und Himmel links. DAS ist widernatürlich.
Karten mischen. Ich zähl besser noch mal, ob alle Karten da sind. Und Karten austeilen.
Imke, jetzt hör auf, da raus zu sehen und leg ne Karte hin.

"Das Flugzeug vibriert, ist das normal?" "Luftlöcher." "Aber so lange?!" "..."

13:30
Lautsprecherdurchsage. Erst auf Englisch, dann auf Deutsch. Erster Offizier bittet um Entschuldigung, dass der Flug Verspätung hatte, aber durch günstige Winde haben wir das wieder aufgeholt und werden in etwa 20 Minuten in Frankfurt Hahn landen, (1,5 h statt 2 h, das nenn ich mal fix.) blablaWetter 12°C, leicht bewölkt, starker Wind aus Westen (weswegen wir ja auch so wahnsinnsschnell waren).
Daaahhaaa, schon wieder eine Kurve, sachma!

13:45
SINKFLUG! Festkrallen, Karten anstarren, beunruhigt das bedenkliche Schwanken des Fliegers im Westwind beobachten. Ausgiebiges, inbrünstiges Kartenmischen. Mit geschlossenen Augen.

13:50
Auf der Erde aufgesetzt, gebremst, eingeparkt. Himmel, wir sind da. Ich bin gerade wieder geboren worden und fand deutschen Boden noch nie so schön. Yay! Schalte das Handy nach zweieinhalb Wochen wieder an. Keiner hat versucht, mich zu erreichen, das heißt, dass alles in Ordnung ist. Yay2!

Uhren umstellen, was gerade 14:00 war, ist schon wieder 15:00.

15:15
Gepäck abgeholt und in den Shuttle gesprungen, der mich zurück zu Augenstern bringt. Bilbo steht unverändert da (Na, etwas voller Blütenstaub) und sieht schöner aus als je zuvor. Hach, dass ich dich wiederhab!
Ich esse schnell die Scheibe Brot, die ich mir geschmiert habe und fahre dann los.
Eine Woche links fahren hat keine Folgen hinterlassen, aber irgendwie hab ichs gerade mit der Geschwindigkeit und muss mich arg zusammenreißen, die Begrenzungen wenigstens so ansatzweise einzuhalten, oder dass man zumindest den guten Willen erkennt. Sind das die Nachwirkungen vom Flug, der Gegendrang zum Caravan-Trott oder einfach ein "Yay, ich hab mein Auto wieder"?

17:50
Nach einer Odyssee durch die Bundeststadt komme ich am Bahnhof an. So oft, wie ich mit dem Auto zum Bahnhof gefahren bin, so viele verschiedenen Routen bin ich gefahren. Ich glaube nicht, dass eine davon die schnellste war.
Verabknuddele Imke und mach mich zur nächsten Station auf, dem Wochenendeinkauf.

18:35
Die Kaufhalle ist groß, voll und schwül. Und ich habe seit 12 Stunden genau drei Scheiben Toastbrot gegessen und daher jetzt Bauchschmerzen. Kassenfrau weist mich wieder mal darauf hin, dass ich den Rucksack eigentlich vor dem Einkauf einschließen müsste. Lächle, nicke und werde ihn auch nächstes Mal wieder mit reinnehmen.

19:00
Home, sweet... naja, egal. Irgendwas fehlt hier, fällt mir nach dem Aufschließen auf. Gestohlen ist nichts, aber etwas ist anders.
Oh, Moment, ich hab ja aufgeräumt und saubergemacht, bevor ich los bin. Shiny!
Schmeiße die Taschen in die Ecke, fahre den PC hoch und rufe Eltern und Großeltern an.
Werfe mir Baguettes in den Grill, füttere das Gefrierfach (und zwei Stunden später auch den Kühlschrank) mit Einkaufsgedöns.
Es sind 500 Favoritenpostings nachzulesen, vom restlichen Forum ganz zu schweigen. Hu.

2:00
Favoriten nachgelesen. Bett.
2:30
Bett!

[Zu sagen an der Stelle wäre noch, dass die Ankunft zuhause wirklich toll war. Aber kaum hatte ich nach dem Rechten gesehen, wusste, dass alles in Ordnung war, wollte ich auch schon wieder zurück. Zu den Hügeln, den Schafen, den Pferden, den Hunden, den Klippen, den Stränden, den Wäldern, den Ruinen, den Menschen, den Städten, den Straßen, den OMGWTFREISEBUSsen, dem Regen, den Wolken, der nächtlichen Kälte, dem Torfkamin, den Cottages, den... naja, got the point of it, nicht?

Außerdem ist noch zu sagen, dass, während wir in Irland Regen hatten, hier schon Sommer losging. Das führte dazu, dass mir hier sämtliche Balkonpflanzen - inklusive fünf meiner acht Kornblumen eingegangen sind und mir eine traurige Begrüßung verschafft haben.
Die nächsten Wochen sollte es übrigens auch in Deutschland regnen. Danke, Petrus.]

05.07.2006 um 18:13 Uhr

Donnerstag, 18.5., 16. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


9:00
Frühstück. Ich habe das traditionelle fetttriefende Frühstück mit Ei, Würstchen und Schinken gewählt. Und einen Kaffee, der stark an Stinas erinnert. Lecker.
Von den vier Frühstückstischen sprechen drei deutsch und einer französisch.

10:00
Es regnet heute Morgen übrigens, und wir passen wieder mal den schlimmsten Regenguss ab, um aus dem Haus zu treten.
Laufen ein wenig planlos die Straßen Killorglins auf und ab - diese Stadt ist übrigens wirklich sehr hübsch -, finden auf einer Infotafel heraus, dass es hier ein Kino geben muss und erfahren in der Touri-Info, dass selbiges seit 10 (zehn!) Jahren geschlossen ist.
Einmal runter zum Fluss, König Puck fotografiert, eine Runde durch den Woll-Souvenir-Shop, wieder den Berg rauf.

12:00
Der Regen lässt nach und wir finden eine Straße über den Berg, dahinter tut sich bald ein großer See auf. [Ich sollte dazu sagen, dass die Straße zwar ganz nett war, aber auch sehr steil bergab ging. Und auf der anderen Seite des Berges war eine kleine Siedlung, bei der uns eine Fußhupe von hinten angefallen und uns beinahe einen Herzinfarkt verpasst hat. Der Mistköter liegt da bestimmt den ganzen Tag nur auf der Lauer, um Touris zu erschrecken.]

12:45
Am See angekommen. Naja fast, weil das Ufer aus einer Sumpflandschaft bestand. [Und See ist wohl auch das falsche Wort, weil das die Stelle sein dürfte, an der die Laune ins Meer fließt.]
Bin auf der Suche nach einem netten Toilettenplätzchen auf einer Kuhweide im Schlamm versunken. Ich hoffe, es war Schlamm.

14:00
Kommen wieder im B&B an [nach einem endlos erscheinenden Aufstieg über den Berg. An der Stelle rächte sich das so gar nicht sportgeeignete Frühstück...], setzen uns in den Aufenthaltsraum, spielen scrabble. Und ja, die CD läuft wieder. Hach.
Aufkommende Flugangst.

19:00
Wir gehen wieder in das nette Dingens von gestern Abend essen. Fortschreitende Flugangst.

20:30
Ein deutsches Pärchen hat unseren Aufenthaltsraum in Beschlag genommen. Hass. Und Flugangst.
Wir spielen noch etwas Rommé und gehen dann ins Bett (ich nicht, ohne mir vorher zumindest die Texte meiner CD noch mal durchgelesen zu haben. Hach. Zu dumm nur, dass die alle von Tod und Verderben handeln und ich morgen fliegen muss.....)

04.07.2006 um 18:02 Uhr

Mittwoch, 17.5., 15. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


7:00
Weckerklingeln. Uff.
Es folgt geschäftiges Einpacken

9:15
Einen der Indianaer getroffen. Der Weg nach Camross war wohl doch weiter als sie ihn in Erinnerung hatten [Sie waren angeblich die erste Nacht schon mal hingelaufen.], und so haben  sie rückzu von irgendwem das Angebot angenommen, sich fahren zu lassen.
Der ist diese Strecke wohl in einer etwa anderthalben Minute gefahren, und die betrunken Jungs hatten schon mit ihrem Leben abgeschlossen. Gnihihi.
Er wollte dann wissen, wie man unsere Namen schreibt, weil er ein Tagebuch führt. Entzücken.

9:40
Übergabe abgewickelt, wir sind per Bringdienst an der Bushaltestelle Mountrath angekommen. Der Bus soll 10:10 kommen, es nieselt.

10:30
Der Bus kommt. Hmpf. Ein älterer Herr, der mit uns gewartet hat, hilft uns mit dem Gepäck, Imke tritt ihm auf seine Zeitung.

14:00
Irgendwo zwischen Limerick und Killarney (war es in Castleisland?) steigt ein Pärchen in wadenlangen armeegrünen Regencapes in den Bus. Bei Nieselregen. Da steht doch "deutsch" direkt in Großbuchstaben auf der Stirn. Sie steigen in den recht vollen Bus ein und setzen sich jeweils links und rechts vom Gang, so dass sie beide noch je einen Sitzplatz neben sich frei haben. An der Stelle unterhielten sie sich dann, was unsere Vermutung natürlich bestätigte. Dann rückten sie näher zusammen und gaben sich über den Mittelgang einen Schmatz den man wohl außerhalb des Buses auch noch gehört hat. Üüüüürgs. Wie Stina sagen würde: You! Out of my country! You make my country look stupid.

15:00
Umsteigen in Killarney in den Bus nach Killorglin. Irgendwie hatte das Passieren des Ortseingangsschildes etwas von Heimkommen. Hach. Killarney.

15:30
Ankunft in Killorglin, wo wir die nächsten beiden Nächte schlafen werden. Und dann gehts wieder nach Deutschland. Per Flieger, aber das verdränge ich noch erfolgreich.
Das Bed & Breakfast ist schnell gefunden. Es hat einen wunderschönen Aufenthaltsraum mit genialem Ausblick auf den Fluss Laune, der übrigens sehr wasserreich ist. Es regnet, ich wollte das nur noch mal erwähnen.
Und - jubel - im Aufenthaltsraum steht ein CD-Player! Zivilisation!

17:00
Drehen eine Runde durch die Stadt und ziehen uns dann wieder in den Aufenthaltsraum zurück, bis die Restaurants aufmachen. Haben heute recht wenig gegessen, seit dem Frühstück eigentlich nur ein Sandwich...

17:30
Kate Rusby, wie hab ich sie vermisst, im CD-Player. Regen prasselt gegen den Wintergarten-ähnlichen Aufenthaltsraum, toller Ausblick auf den Fluss und die grünen Hügel dahinter - hach.

18:00
Gehen in ein süßes kleines Dingens essen, das irgendwo zwischen einem Restaurant und einer Kneipe liegt. Ruhig, nettes Personal, rauchfrei und miz einer wunderschönen Lampe. (Also da waren viele Lampen, aber eine blaue in stilisierter Blumenform, die fand ich besonders toll.)
Wir wissen jetzt wieder, warum wir sonst nie essen waren. Nicht mal so sehr wegen der Preise, sondern eher wegen unserer Unkenntnis hiesiger Gebräuche: Zahlen die hier an der Kasse oder kommt die Kellerin? Gibt man Trinkgeld, und wenn: wieviel? Und warum heißt Cola light hier Diet Cola?
Lasse tapfer die beiden verlockend aussehenden Schokoladentortenstückchen liegen, obwohl ich derzeit ein ziemliches Süßigkeitsbedürfnis habe [Na schön, sie wurden mir beide kurz vor der Nase weggeschnappt.], und kaufe mir auf dem Rückweg eine Stange Cadbury's Schokolade.

22:00
Imke  ist schon im Bett, aber ich bin weder müde noch kann ich mich von Musik - Kate Rusby! - und Aussicht losreißen. Wirklich, wunderschön. Die Wolken, durch die das blaue Abendlicht dringt, der Sturm, der an diesem Glaskasten entlangschrammt, der Fluss, die Lichter der Stadt [Centi, lass das. Was sollen denn die Leute denken!] und die am anderen Ufer. Höm. (Und die Schokolade, haja.)

23:15
Bin zwar nicht müde, reiße mich aber im Sinne allgemeinen Hausfriedens von Musik und Ambiente los und gehe ins Bett.

03.07.2006 um 20:51 Uhr

Dienstag, 16.5., 14. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


11:15
Das Pferd ist unverletzt und wir auch. Nix wie weg hier, auf zur letzten Etappe.

Heute wieder recht radikalen LKW-Fahrern begegnet. Überholen ohne mit der Wimper zu zucken, bevor wir die nächste Ausweichmöglichkeit erreicht haben, mit ungedrosseltem Tempo zwei Centimeter an uns vorbei. Waah!
Bewölkt, aber regenfrei, nette Landschaft, nettes Pferd. So lässt sich's leben.

14:00
Erreichen den Hof (Kilvahan), geben Pferd und Geschirr ab und lunchen.
Die fünf Indianaer kommen kurze Zeit später an. Muss sie unbedingt fragen, ob die Reise wirklich spannender war als das Leben in Indiana.

Postlunchisches Gedöse, Rommé mit imaginären Mitspielern, Abendessen.

Machen mit Julia, der Dame des Hofes, Orgakram für den morgigen Abreisetag aus.

21:00
Haben die Indianaer getroffen und etwas mit ihnen geplaudert. Die waren echt zu fünft in diesem Caravan, der uns zu zweit gerade groß genug war, und ihnen war auch schrecklich kalt. Ursprünglich hatten sie wohl geplant, einen draußen im Zelt schlafen zu lassen, haben sich seiner aber dann doch noch erbarmt.
Ihre Route war etwas anders, aber in Grangebeg waren sie auch und auch sie waren entzückt von der Familie. Währenddessen standen Imke und ich da und waren wiederum von den Jungs entzückt. So niedlich. [Es war wohl tatsächlich etwas aufregender als bei ihnen daheim, was vermutlich marginal damit zusammenhängen könnte, dass sie jeden Abend irgendeinen Pub besucht haben. Hoch die Tassen.]

21:15
Imke verbreitet Hektik und fängt an zu packen. Würde jetzt auch gern was packen, aber ich brauche fast alle Klamotten für die Nacht, und was ich nicht anhabe, dämmt das Bett gegen die kalten Wände ab. Stehe etwas ratlos rum und stelle dann meinen Wecker für morgen Früh noch eine Viertelstunde vor.

22:00
Die Jungs klopfen an die Tür und fragen, ob wir mit nach Camross in nen Pub wollen. Eigentlich ja nicht ungern, aber es ist spät, Imke hat die letzten zwei Nächte schlecht geschlafen und wir wollen ja morgen früh raus. Also lassen wir sie schweren Herzens alleine losziehen. (Sie werden so schnell erwachsen...)

23:20
Machen uns allmählich bettfertig. Erinnere mich, dass ich Freitag wieder fliegen muss. Määäh.
Vermisse Bilbo. Und Internet. Und stöhne, als ich daran denke, was ich noch alles zu bloggen habe. [Japp, deswegen dauerts auch gerade so lange...]
Aber erst mal den Flug überstehen....

Letzte Nacht in der Kälte des Caravans, ab morgen dann in einem zivilisierten Bett - yay!

28.06.2006 um 18:15 Uhr

Montag, 15.5., 13. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


8:30
Es beginnt zu regnen. Genau jetzt. Kannjawohlnichtwahrsein.

9:35
Aufstehen. Immer noch Regen. Beschließen, trotzdem nicht wieder so lange zu warten. So schlimm isses ja schließlich gar nicht.

11:30
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit den Farmeiern aus Farran [und dem üblichen leckeren Soda Bread *vermiss* mit Erdnussbutter, Nutella und Banane] gehen wir zu Ida und Noel - das Pärchen, dem der Hof hier gehört - um zu bezahlen. Die beiden laden uns nach einem kurzen Gespräch spontan auf einen Kaffee ein. Die sind SO süß! Beide versteht man richtig gut und Noel, der ohnehin wie ein Teddy wirkt, hat einen richtig entzückenden Dialekt. Und dieses Strahlen, als sie von ihren Enkeln erzählt haben und dass sie schon 30 Jahre verheiratet sind und irgendwann in den nächsten 30 Jahren das Haus umbauen wollen [Weniger umbauen, als viel mehr... "rebuild". Komplett abreißen und komplett wieder aufbauen. Viel Vergnügen.]. Zusammen. Whee!
Werden mit Tipps fürs Pferd versorgt, sie versichern uns noch mal, dass Daffie die Steigungen sehr wohl schafft und uns nur herausfordern will. Ha, Daffie, komm du mir nur nach hause!

12:30
Als wir mit dem Geplauder fertig sind, hat's auch schon aufgehört zu regnen.
Vom Pferdaufzäumen haben wir beide inzwischen Ahnung, das könnten wir auch im Schlaf. Nur für das Halfter (das *Halfter*) bin ich zu doof. All die Riemen, Schnallen, das ganze Geschirr - kein Problem. Aber das Halfter krieg ich nicht über den Pferdeschädel. Rätsel.
Es ist so peinlich, mit einem brav wartenden Pferd auf der Weide zu stehen, das aufgelöste Halfter in der Hand und Imke rufen zu müssen. D'oh.

Dubh hat noch ab und an mal angehalten, aber wir haben den Boss raushängen und ihm nichts durchgehen lassen, irgendwann hat er sich dann gefügt. Yay us!
Die Autos waren heute besonders breit. Manche - die "Memmen" - haben ihre Mini-Flitzer zwar für breiter gehalten, als sie tatsächlich waren, und haben ängstlich gewartet, bis wir vorbei waren, aber andere - die "Männer" - sind auch mit LKW oder Riesenanhänger mit einem Abstand von 2 Centimetern [sic!] unbeeindruckt und ungebremst an uns vorbeigerauscht.

Es nieselt hin und wieder, aber nach diesem tollen Tagesstart und einem braven Dubh sind wir versöhnt und relaxt.

16:00
Ankunft am Golfclub, wo wir diese Nacht verbringen werden. Übliches Prozedere, außer, dass sie diesmal im Voraus bezahlt werden wollen, und der Wagen steht diesmal eher auf etwas, das wie ein Hinterhof wirkt, statt auf einer großen saftigen grünen Wiese.
Spaziergang in die nächste Stadt, Castletown, wo wir noch ein paar Vorräte einkaufen.
Auf dem Rückweg werden wir von einem Golden Retriever verfolgt, der (im Gegensatz zu den anderen hundert Hunden, die uns auf unserer Fahrt so angebellt haben) wirklich böse aussieht und uns auch recht nah kommt.

23:00
Gehen ins Bett. Die Hunde des Hofes oder eines Hofes in der Nähe fangen an, das Pferd über die Weide zu jagen, und wir trauen uns kaum zum Waschhaus rüber, weil die Viecher wirklich agressiv wirken.
Schlafe mit Mordgedanken ein.

20.06.2006 um 18:56 Uhr

Sonntag, 14.5., 12. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


8:30
Bin wach, bleibe aber liegen. Es regnet ohnehin.

9:50
Stehe auf, auch wenns immer noch regnet.

10:55
Frühstück beendet. Es regnet. Beschließen, mit dem Anspannen noch zu warten.
Rommé. [Wir haben in dieser Woche sehr viel Rommé gespielt. Und sechsundsechzig. Und Offiziersskat. Und Mau.]

13:30
Haben zu Mittag gegessen, das Pferd angeschirrt und sind losgefahren, nieselt nur leicht.
Daffy ist heute etwas störrischer und bleibt hin und wieder stehen, als könne er die schwere Last nicht schleppen. Mistgriebel. Außerdem liebt er die rechte Straßenseite heiß und innig.
Der Gaul macht mich wahnsinnig!
[Tatsächlich haben wir seinen großen schwarzen Augen geglaubt und sind bei den meisten Steigungen abgestiegen, um ihm seine Last zu erleichtern. Manipulativer Mistgriebel.]
Kommen an weiteren netten Ruinen vorbei und vertreiben uns die Zeit mit Horrorrätseln.

16:00
Ankunft auf dem Gut bei Abbeyleix. Die Leute hier sind besonders nett und bieten uns ständig verlockende Dinge an, die wir wohlerzogener Weise natürlich ständig ablehnen.
Nein, danke, die Nächte sind saukalt und wir ziehen übereinander, was geht, aber wir brauchen keine zusätzliche Decke, wirklich, nein, ist nicht nötig, aber vielen Dank. Gnn.
Erfahren, dass "dubh" das gälische Wort für "schwarz" ist. Kein Deutscher würde sein Pferd "Schwarzer" oder "Schwarz" nennen, aber "Blacky" und "Dubh" - das ist okay.
Hier sind außerdem drei liebe wohlerzogene Hunde, Gizmo ist besonders süß und holt sich später noch mal eine Portion Streicheleinheiten ab.

17:20
Lassen uns in die Stadt fahren. Abbeyleix ist ein Kaff, aber im Vergleich zur letzten Woche ein Muster an Zivilisation. Sie haben eine sehr hübsche Kirche hier und einen sehr romantischen Pub, Morrissey's. Wir stecken kurz die Köpfe rein, schauen uns das Innere an, das erfreulich rauchfrei ist - [an dieser Stelle noch mal die Bitte an Deutschlands Häupter, dieses Rauchverbot auch hier einzuführen. Bitte bitte.] - allerdings ist es hier auch bis zum Bersten voll, daher gehen wir in ein Fastfood-Restaurant [McDoof-Verschnitt] und warten 20 Minuten (!) auf einen Burger. Einen Burger mit gebratenen Zwiebeln. Ürgs. Nehme mir vor, in Deutschland gleich wieder einen Burger King aufzusuchen.

19:30
Kommen wieder am Caravan an, es regnet. Ziehe die ersten sechs Schichten für die Nacht an.

20:10
*aufstoß*
Woah, wie kann man nur gebratene Zwiebeln in einen Burger packen?!
Es wird kontinuierlich kälter, wir küren "Wouldn't it be loverly" ["Wäre det nich wunderscheen" - My Fair Lady] zur Hymne der zweiten Irlandwoche. Wir können es inzwischen auswendig und singen jeden Satz mit Inbrunst.

21:54
Unter meinem linken Schulterblatt juckt's. Unter inzwischen 8 (ACHT!) Schichten Klamotten. AAAaaaaaaahhhh!!!!!!!

18.06.2006 um 15:39 Uhr

Samstag, 13.5., 11. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


9:00
Ich bin seit ner dreiviertel Stunde wach, weigere mich aber, bei der Kälte aufzustehen.

9:30
Aufstehen, Baum, Frühstücken.

11:15
Aufbruch. Haben uns selten so verlottert gefühlt: Meine langen, abgebrochenen Fingernägel enthalten genug Dreck, um damit Häuser bauen zu können, meine Hose ist voll mit Lederfett und stinkt immer noch nach nassem Hund, ich selbst inzwischen wohl auch, mein Pullover ist voll mit Pferdesabber und meine Haare sind fettig (und wurden auch schon angesabbert).

Überall, wo wir an Kühen vorbeikommen, sind wir die ultimative Hauptattraktion. Alle starren uns an und manchmal verfolgt uns die komplette Herde. Kann mal jemand dieses Phänomen kuhpsychologisch erklären?
Zwängen uns an einem LKW vorbei, dessen Fahrer unbedingt an dieser Engestelle halten musste, um mit nem Typen zu schwatzen, und nehmen später einen Umweg über eine Landstraße, um die Aghaboe Abbey zu besuchen. Der angrenzende Parkplatz ist für Fahrzeuge über 1,80 oder so gesperrt, weswegen wir den Wagen in die minikleine Einfahrt stellen, Fotos machen, den Wagen beinahe auf der Stelle drehen und wieder auf die Landstraße fahren. Autofahrer lieben Pferdekarren, die im Schritttempo auf Landstraßen rumschleichen, aber die erwarteten Hasstiraden bleiben glücklicherdings aus.
Könnten theoretisch eher von der Staße runter, aber die Einfahrt in die kleinere Seitenstraße wird von einem Traktor versperrt, der uns anglotzt. Wie das sehr viele heute schon getan haben.

14:15
Biegen in die Einfahrt zum Gehöft in Farren (Traditional Farm Hostel) ein. Riesige Schafweiden, zwei Lämmer (mit Flauschefell und Pummelschwänzchen :Entzücken: ) folgen uns. Halte kurz am Zaun an, um ausgiebig zu betatschen und besqueen.

16:10
Pferd versorgt, Geschirr geputzt, Mittag gegessen. Ich geh jetzt duschen.

17:15
Bin geduscht, manikürt, eingecremt, Haare sind gewaschen, gepflegt und gekämmt und ich habe beinahe saubere Sachen an. Wow!

18:00
Spaziergang. Dutziwutzipuschisüße [Das hab ich wirklich so geschrieben.] Lämmchen noch mal betüdiwüdistreichelt [*Augenbraue*] :Herzchenaugen:

19:00
Abendessen. Wenn man aus dem linken Fenster sieht, sieht man Schafe. Wenn man aus dem rechten Fenster sieht, sieht man Schafe. (Und wenn man Glück hat, auch mal das Horsie, das sie irgendwo auf dem Riesengelände der Weide gegenüber rumtreibt.)
Man fühlt sich irgendwie umzingelt. Wer weiß, was das Mähen tatsächlich zu bedeuten hat. :Paranoia:

22:00
Es wird etwas frischer und fängt - oh Wunder - an zu regnen.
Gehen Zähne putzen. Mit warmem Wasser. Hab ich eigentlich schon von meinen sauberen Fingernägeln und den gewaschenen Haaren geschwärmt?

17.06.2006 um 17:31 Uhr

Freitag, 12.5., 10. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


8:45
Werde geweckt, weil der Caravan wackelt. Entweder Imke tut irgendwas im Vorderbereich des Wagens oder Horsie scheuert sich gerade am Caravan. Irgendwie hat es ja was Gemütliches, dieses Schaukeln.
Diese Nacht war saukalt. Hab irgendwann mal die Nase aus der Decke genommen und wäre fast gestorben. Aber die Decke hielt soweit noch warm.

9:30
Essen die letzten Farmeier zum Frühstück. Daffie hängt seine Schnauze zum Fenster rein und sabbert uns das [unglaublich leckere irische Buttermilch-]Brot voll. (Das zum Glück eingepackt ist.)
Isser nich süß.
Frühstück wird unterbrochen vom Schaukeln des Wagens, Tee schwabbt über, Zeug fällt runter. Daffie juckts. [Erfahren später, dass er gerade sein Winterfell verliert. Sah man ihm nicht an.]

11:15
Fangen das Pferd wieder ein. Was nicht ganz korrekt ist. Eigentlich kommt er auf uns zugelaufen und lässt sich bereitwillig das Halfter anlegen. Daffie Putzen. Mit dem Hufeauskratzen teilen wir uns rein, weil das Vieh etwa soviel wiegen dürfte wie mein Auto. Spannen das Pferd wieder vor den Karren. War der Riemen jetzt so oder... nee, unten rum. Und dann durch den Ring. Und dann noch die Riemen mit der Schnalle und dann...
Schaffen es irgendwie, die tausend Riemen und Schnallen wieder korrekt zusammenzufriemeln, während Daffie engelsgleich stehen bleibt.

12:30
On the road again. Hin und wieder wird wie üblich Fahrzeugen ausgewichen. Ein Lieferwagen ist gezwungen, an einer sehr engen Stelle auf uns zu warten. Die Fahrerin isst gemütlich ein Sandwich und meint dann zu uns, als wir vorbeifahren, etwas in die Richtung, dass wir uns ruhig hätten Zeit lassen können, damit sie ihr lunch finishen könne.
Sind entzückt.

12:45
Old Lady in older Auto hält neben uns an und kurbelt die Scheibe runter. Bei den ersten Worten dachte ich noch, sie will sich beschweren, weil wir mit dem Mistkarren die ganze Straße versperren, aber die Brocken, die wir verstehen sind ein strahlendes "seen it before" und "beautiful!"
Sind vollkommen entzückt.

13:00
Fahren an einem Gehöft vorbei, vor dem ein niedlicher alter Mann steht und übers ganze Gesicht strahlend unseren Wagen anstarrt, die ganze Zeit, bis wir außer Sicht sind.
Pures Entzücken.

13:20
Mini-Straße, die gerade so breit wie der Wagen ist. Hinter einer Kurve: Schulbuss auf 12 Uhr.  Aaahhh!
Der ist dann ein paar Meter zurückgefahren und wir konnten uns an einer Einfahrt vorbeiquetschen.

14:00
Ankunft in Grangebeg. Pferd abschirren, Pferd putzen, Pferd auf die Weide schaffen - diesmal eine, die vom Wagen getrennt ist -, Geschirr putzen. Es fängt an zu regnen. Müssen Nahrung einkaufen (die Erdnussbutter ist alle!!!) und werden von einem der Männer des Hofes in die nächste Stadt gefahren. [Haben sehr viel später erfahren, dass das der hiesige Sargmacher war...]
Der spricht mit einer unglaublich schönen Stimme, aber das ist nicht der Grund, warum ich ihn alles zweimal sagen lasse.

16:15
Haben lecker zu Mittag gegessen und abgewaschen und wollen gerade anfangen, die Tagebücher vollzuschreiben, als sich der Regen in Gewitter verwandelt. Imke meint, Gewitter wären toll, und schaut entzückt aus dem Fenster. Ich habe immer noch ein wenig Schiss vor Gewitter, versuche, es zu ignorieren, und hoffe, dass es uns nicht zu nahe kommt.

Ein Blitz schlägt etwa 50 Meter von hier ein und taucht die Gegend in rotes Licht. Der Donner ertönt zur gleichen Zeit. Imke ist entsetzt, ich fühl mich bestätigt.
Die Tatsache, dass hier im Wagen eine Gasflasche ist und dass wir unter einem ziemlich hohen Baum stehen, beruhigt uns nicht gerade. Wir würden gern ins Haus rennen, aber es hagelt erbsengroß. (Das arme Pferd...)

16:25
Die Dame des Hauses fährt gerade in den Hof ein und weist uns durchs Autofenster an, um Himmels Willen ins Haus zu gehen. Kommen der Bitte nach Ende des Hagels gern und sehr schnell nach, sind aber in 3 Sekunden bis auf die Haut nass.

Bekommen Kaffee, Tee und Gebäck und unterhalten uns eine Weile sehr nett.
Hier ist der Strom ausgefallen und Trish, wie sie heißt, hat telefoniert, aufgelegt und meinte dann, die Frau habe gesagt, sie würde in 20 Minuten zurückrufen, was hieße, in 8 Stunden oder am Montag. Wer "Die Wahrheit über die Iren" gelesen hat, kann sich unseren Lachanfall vorstellen.
Sitzen also gemütlich im hellen freundlichen Wohnzimmer der Familie, außer uns zwei Männer, zwei Frauen und drei Kinder. Und Trish kann man echt gut verstehen. Fühlen uns pudelwohl.

17:45
Kehren in den inzwischen komplett ausgekühlten Caravan zurück, der Regen lässt allmählich nach.

18:45
Habe unserem durchgeweichten Pferd einen Apfel gegeben und dann einen pitschnassen Hund gestreichelt. Habe ein nasses Knie und stinke... nach nassem Hund halt. [Ich muss aufhören, jeden Hund streicheln zu wollen, ich muss aufhören, jeden Hund streicheln zu wollen, ich muss aufhören, jeden Hund streicheln zu wollen...]
Ich muss mal, aber weil die Wasserpumpe im Haus elektrisch läuft, und dieser blöde Blitz in den Trafo der Gegend geschlagen hat, haben die da kein Wasser.
Hnngg.

19:23
Es ist kalt, die Blase drückt, alles ist nass und... die Blase drückt. Hnnngg.

20:14
Wir müssen inzwischen beide. Versuchen, uns mit Singen abzulenken, aber jetzt regnet das wieder. Ich werd wahnsinnig!

20:40
Wir haben soeben 99 Bottles of Beer on the Wall komplett runtergesungen.
Dann bin ich hintern Baum gegangen. Da ging es hin, das letzte  Stück Zivilisiertheit.

21:00
Es klingt, als hätten sie den Generator angeworfen, Vogelgezwitscher , Regengeprassel. Auch diese Idylle ist lauter als man denkt.

21:50
Es ist schweinekalt, weswegen wir beschließen, ins Bett zu gehen. Habe drei Pullover, drei Paar Socken, 2 T-Shirts und 2 Hosen an und ziehe mir die beiden Kapuzen über den Kopf. Ein paar Stunden später sind sogar meine Füße warm.

16.06.2006 um 19:42 Uhr

Donnerstag, 11.5., 9. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


9:30
Haben die Nacht doch gut überstanden und frühstücken zwischen Zigeunerwagen und Pferdeweide bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Hach, Idylle.
Habe mir den Nacken über Nacht weiter verspannt. Hgmpf.

11:40
Holen gemeinsam mit den fünf Indianaer Jungs die beiden Pferde von der Weide, werden ins Anspannen eingewiesen und bekommen noch ein paar Tipps. Also den Riemen hier oben um die, nein unten um die Stange rum und dann durch den Ring, den Riemen so fest wie möglich, diesen eher locker und bei dem isses egal. Dubh, unser schwarzer Kaltblüter, ist ein Engel und bleibt bei all unseren Bemühungen und bei allen Riemen, die um ihn herum gelegt, über sein Gesicht gestreift und um ihn herumgetragen werden, stehen. Fertig angespannt? Also losfahren! Aaaahhh!
Da ich auch noch nie mit Anhänger Auto gefahren bin, sind Kurven noch ein bisschen Glückssache.
Die Jungs aus Indiana fahren das erste Stück des Weges hinter uns her. Können immer noch nicht glauben, dass die diesen Urlaub machen, weil in Indiana nichts los ist. (Auch wenn wir inzwischen erfahren haben, dass sie gestern Nacht noch in nem Pub in der Nähe waren und wohl ziemlich blau heimkamen.)

13:00
Es ist verdammt warm und der Kutschbock hat den Strandkorbeffekt, dass man sich dort zu Tode brutzelt. Außerdem steigen wir bei jeder größeren (und kleineren) Steigung und an den Hängen ab, um Dubh, den wir fortan "Daffie" nennen, zu entlasten. [Das hat dann von Tag zu Tag nachgelassen, aber am Anfang ist man ja gern etwas überrücksichtsvoll.]
Auf dem Weg nehmen wir wieder eine Kirche mit. Ruinös oder nicht, wir kommen ohnehin nicht rein, zudem wollen wir das Pferd ja nicht allein stehen lassen.
Am Wegesrand Mamma mit Kiddie von irgendwo unter sechs an der Hand, das völlig fasziniert Wagen und Horsie beglotzt. Halten den Wagen an, damit es unseren prächtigen Schwarzen mal anfassen kann, aber es krallt sich in den Nacken des auch noch herbeigelaufenen Pappas fest. Wir unterhalten uns ein paar Sätze lang nett mit den Eltern, sagen dann Tschüß und rollen weiter.

14:00
Biegen in das Gut ein, in dem wir diese Nacht Pferd und Wagen abstellen werden. [Pike of Rushell. Oder auch Rush Hall. Je nach Laune.]
Absteigen, Wagen bugsieren, Hallo, schönen guten Tag, da lang? Danke! Pferd abschirren, Pferd putzen, Pferd Wasser geben, Geschirr putzen.
Dann selbst essen.
Pferd und Wagen stehen übrigens auf der selben Weide. Finde das unglaublich romantisch, wie er uns auf den Wagen guckt und aussieht, als wolle er mit reinkommen. Auf den Weiden gegenüber grasen Stuten mit ihren Fohlen, die Hengste stehen eine Weide weiter. Hach.
Der Besitzer des Anwesens reicht uns sechs Eier rein. Yay! Dann können wir uns ja die Dose rote Bohnen mit Rührei machen. (Im Wagen gibt es einen Gasherd.)

15:05
Der Dosenöffner funktioniert nicht.
Imke bekommt die Dose aber nach einer Weile mit dem Schweizer Taschenmesser auf. Huld!

15:30
Fertig mit Essen, fühlen uns wie erschlagen [vom Essen oder vom Kutschefahren?]. Abwaschen ist anstrengend, weil mit kaltem Wasser aus nem Kanister. [Auch eine Spüle ist im Wagen, aber natürlich kein fließendes Warmwasser...]

16:00
Es fängt an zu schiffen wie nix Gutes. Brettchenweben, Flöte spielen, Daffie anschmachten.

18:10
Regen hat aufgehört, wir beschließen, einen Spaziergang zu machen und ein Stück die Straße langzugehen. Wir sind hier übrigens am AdW. In jede Richtung 10 Kilometer nach nirgendwohin. In Indiana muss es verdammt öde sein. Verdammt öde.

18:25
Kommen an der Bundesstraße N 7 an. Die müssen wir morgen überqueren. Mit Pferd und Wagen. An dieser Stelle.
Tod und Verderben, wir werden alle sterben...
Das hier ist ne 4-spurige Kurve, und da pfeifen Autos mit hundert Sachen an uns vorbei. Weia.
Gehen ein Stück die Bundesstraße rauf. Riesige LKW, die auf zwei Meter Entfernung an uns vorbeirauschen. Kontrastprogramm zur Idylle auf unserer Weide.

18:45
Sind hungrig und stellen fest, dass hier nichts ist. Kehren wieder um.

19:00
Abendessen, Imke kriegt die Dose Ambrosia Tapioca wieder sehr elegant mit dem Taschenmesser auf. Das Zeuch sieht übrigens aus wie Froschlaich, ist allerdings sehr lecker. Note to self: Rausfinden, was Tapioca ist, es steht nicht im Wörterbuch und mit der Beschreibung im Einsprachigen, dass es eine "tropische Frucht" ist, kann ich auch nicht viel anfangen.

20:00
Abgewaschen. Daffie weiß vermutlich nicht, dass er kein Mensch ist, und will mit in den Wohnwagen. Herzchenaugen, wie süß!

22:30
Gehen ins Bett. Vogelgezwitscher, Hundegebell, die N 7 wirkt gerade richtig nah. Verdammt laut, die Idylle hier.

14.06.2006 um 13:47 Uhr

Mittwoch, 20.5., 8. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

7:30
Wecker klingelt. Heute heißt es trennen - Ranwen und Stina fliegen wieder heim, Imke und ich brechen nach Laois auf, um den gemieteten Zigeunerwagen zu beziehen. Vorher noch frühstücken und einpacken.
Schieben kollektiv Panik und stellen fest, dass die Taschen geschrumpft sind.
"Stinaaa? Ist das hier deine Dose?"
"AAaaargh!"
Zucke erschrocken zusammen, lege die Dose vorsichtig auf die Türschwelle und entferne mich rückwärts wieder von ihrem Zimmer.

9:00
Ranwen hat in einem panischen Packmarathon ihre circa 50 Instrumente und 20 Spiele eingepackt, wir gehen noch mal durch das Cottage und dann zu Brian um zu bezahlen.
Er erfährt, dass Imke und ich mit dem Zigeunerwagen umherfahren wollen, wünscht uns viel Spaß und meint, wir wären danach sicher "very relaxed". Ah. Ja. Er betet also für uns, damit wir nicht an Langeweile sterben. Danke.

9:30
Kommen am Bahnhof an und fragen uns zur Bushaltestelle durch, die - oh Wunder - hinter dem Gebäude ist.

9:45
Verabknuddeln Ranwen und Stina, wünschen guten Flug - OMG, irgendwann muss ich auch - und setzen uns in den Bus nach Limerick.
Genießen die Landschaft zur Linken, zur Rechten und wieder zur Linken. Mein Nacken tut vom dauernden Linksstarren bald höllisch weh.

12:10
Zwischenstopp in Limerick. Eine stockhässliche Großstadt (nach irischen Maßstäben). Setzen uns eine anderthalbe Stunde in den sonnigen Park.

13:45
Während der Fahrt des Buses von Killarney nach Limerick gerast ist (Imke und ich haben unabhängig voneinander ganz uncool den Gurt angelegt), schläft dieser hier fast ein. Was auch an diesem fürchterlichen Radiosender liegen könnte. Keine Musik, nur kryptische Diskussionen. Bah.

Die Landschaft verändert sich zusehens. Stellenweise ähnelt sie hier allmählich den flacheren Stellen deutscher Mittelgebirge, nur weniger bewaldet und hier gibts auch mehr Ruinen, vom kleinen Cottage bis hin zum Herrenhaus. Sehr hübsch.

15:30
Bus hält in Mountrath, Imke und Centi steigen aus. Eigentlich sollte da noch jemand sein, der uns abholt, aber wir stehen hier eine ganze Weile blöd an der Straße und lassen uns von Autofahrern beglotzen.
Hmpf.

16:00
Mir wird es zu doof, ich schnappe mir Geld und Telefonnummer und frage im nächstbesten Laden - eine Zoohandlung - ob ich telefonieren darf.
Das Telefon/Faxgerät ist sauleise, aber die Frau am anderen Ende der Leitung entpuppt sich bald als Deutsche. Yay!
Sie hätten uns für Juni eingetragen.
What?!
Auf jeder Buchungsbestätigung, auf meiner Überweisung, auf jeder Korrespondenz stand "MAY". Außer auf der letzten Mail aus Irland, das die letzt Rate an Geld eingegangen ist, da lookten sie forward to meet mich in June. Aber da hab ich sogar zurückgemailt, dass es "MAY" ist. Ich kann so nicht, ich möchte einmal mit Profis, Himmelherrgnah.
Aber kein Thema, sie sind auch auf spontane (...) Gäste eingerichtet.

16:20
Werden abgeholt, auch der Mann ist Deutscher. Und überfährt eine Taube. Schonmal was von Bremsen gehört, Depp?! Hgrmpf. All kinds of hate.

17:30
Werden dem Caravan vorgestellt, in dem wir die nächsten sieben Nächte schlafen werden und bekommen ein Handbuch mit den Dos und Don'ts beim Kutschefahren und eine Karte der Gegend in die Hand gedrückt.

21:00
Unterhalten uns eine Weile mit einer netten Neuseeländerin, die hier arbeitet. Brauchen eine Weile, um den Code zu entschlüsseln, nach dem sie die Vokale auf die Worte verteilt und reden dann über Wetter, Landschaft und Preise von Alkohol und Schokolade, und sie hat zwei Mal "holy shit" gesagt. Aber sie war niedlich, sie durfte das.
Unsere Caravan-Nachbarn für diese Nacht sind fünf Jugendliche aus Indiana, die um diese Uhrzeit Bücher lesen. o_O Sie erzählen uns, dass sie diesen Tripp machen, weil in Indiana nichts los sei. Aha. Deswegen setzt ihr euch stundenlang ins Flugzeug und kurvt dann mit einem Pferdewagen eine Woche lang durch eine der unspektakuläreren Gegenden Irlands. Indiana muss der ödeste Ort der Welt sein.
Verspüren das Bedürfnis, ihnen in die Wange zu kneifen. (Mei, vor fünf Jahren hätten wir sie vielleicht noch angeschmachtet...)

21:15
Nach Sonnenuntergang wird es verdammt kalt und sehr feucht hier. Brr.

23:00
Gehen ins Bett. [Noch] mit [nur] drei [dünnen] Schichten Klamotten.
Imke: "Wir werden so frieren, sieben Tage lang / wir werden so frieren, so ein Scheiß..."

07.06.2006 um 20:40 Uhr

Dienstag, 9.5., 7. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

8:10
Frühstück heute eher, wir wollen den Ring of Kerry bestaunen und das is' ne Ecke zu fahren. Sind dafür auch eine Stunde eher aufgestanden. *blinzel*
Ranwen: "Gib mir mal das Gebräu, das du Kaffee nennst."
Stina: "Du disst meinen Kaffee?!"
Ranwen: "Ich disse deinen Kaffee nicht, ich finde nur, dass er die Hälfte an Wasser enthält, die eigentlich nötig wäre."

9:30
Lady's View. Stina nimmt beim Einparken die steinerne Brüstung mit, aber die Stoßstange unseres Chevys entpuppt sich als Entfaltungswunder. Die Kratzer... die wird heute vielleicht der Schlamm des Ring of Kerry verdecken.
Btw.: Geniale Aussicht.

9:45
Molls Gap. Auf den Straßen hier - eine anderthalbe Autobreite breit, rechts Schlucht, links Felsen, darf man 100 fahren. Heben kollektiv die rechte Augenbraue und fahren 45.

11:00
Kurven auf der Suche nach dem Druid Circle ne Weile durch Kenmare, finden ihn und tatschen eine Weile völlig irrational auf dem mittleren Stein herum. Der weist übrigens seltsame Löcher und Rinnen auf. "Wozu wohl diese Kerben da sind?" "Das waren bestimmt alles die Touris, alle haben da den Finger reingesteckt..."

Verliebe mich in einen schönen Warmblüter auf einer angrenzenden Weide. Er knabbert mir die Haare an, sabbert mir auf den Pullover und will kuscheln. Stina meint, er passe nicht in den Kofferraum. Pf!

Fahren weiter und erreichen den Ring of Kerry. Landschaft, viel Landschaft, enge Straße, Landschaft....

12:00
Staigue Fort bei Caherdaniel. Kreisrunder Steinhaufen, auf dessen Mauern man toll herumspazieren und picknicken kann.
Genieße eine halbe Stunde mit meinen Gefährtinnen die Sonne, steige dann hinunter und entdecke ein großes Schild, das zum Eingang zeigt und das in CAPS LOCK darauf hinweist, dass es hochoffiziel höchst verboten ist, auf den Steinmauern rumzuklettern. Weise die Drei darauf hin, diese brechen nach kurzem Stutzen in schallendes Gelächter aus, weil sie das Schild natürlich - wie es ja auch konzeptioniert ist - gleich im Eingang gesehen haben. Und trotzdem hochgeklettert sind. Alles Verbrecher. Machen dann noch ein Foto von der Tat, das ich eigtenlich bei Bedarf für Erpressungen verwenden könnte, weil ich fotografiert hab. Höhö.

13:30
Waterville. Kurze Pause am Strand, werfen Postkarten in einen Briefkasten (oder Mülleimer, das kann man nicht genau sagen) und unterhalten uns eine Weile über Online-Rollenspiele. Frage mich zum x. Mal, was meine Charas gerade tun. Und habe etwas Heimweh nach Internet.

14:00
Nach Portmagee ins Museum Skellig Experience. Wir wären auch gern auf die Skelligs, aber dafür muss man 1. 9:00 da sein und 2. Heidengeld blechen. Allein für den Tripp zu den Inseln und zurück, ohne Anlegen, wollten sie 25 Euro pro Person. Woah.
Das Museum war zwar ganz nett, hätte aber gern auch irgendwie... größer sein können...
Oh, Souvenirshop, shiny!

14:30
Valentia Island. Fahren zu einer Grotte, die eigentlich ein sehr lauter Steinbruch ist ("IDYLLISCH HIER!" "WAS?!"), mit einer Marienstatue irgendwo weit über dem Eingang und wohl eigentlich nur zur Orientierung für die geniale Aussicht von dem Hang davor taugt. Schmachten eine Weile Küste, Cottages und Leuchtturm an und machen uns dann wieder auf den Ring of Kerry.

Landschaft links, Cottage rechts, OMGWTFREISEBUS!!!

16:00
Entdecken in Glenbeigh die geniale Ruine eines großen Herrenhauses und versuchen, irgendwie hinzukommen (Hl. Wendehammer, steh uns bei), um weitere Loreena McKennit-würdige Fotos zu machen, aber natürlich steht das Teil eingezäunt auf Privatgrund und man kann nicht ran.
Frage mich, was wohl meine Rollenspielcharas... aber wir fahren auch rasch weiter.

17:00
Killorglin. Imke und ich wollen hier die letzten beiden Tage unseres Urlaubs verbringen, und haben noch immer keine Ahnung, wo das B&B ist, dem ich schon 50 Euro vorab in den Rachen geschoben habe. Aber wir wissen auch nicht wirklich, ob die Bus Station Killarney, bei der wir morgen um 10 sein müssen, wirklich da ist, wo der Hl. Faltplan behauptet, bei einem Besuch sah das nämlich nicht so aus. Karthografen ohne Grenzen für Irland!

17:30
Kommen wieder in Killarney an. Imke und ich zweifeln mit jedem Tag mehr an der Sache mit dem Zigeunerwagen. Das wird langweilig, kalt und alles in allem unerquicklich.

19:00
Stellen außerdem fest, dass wir unerschöpfliche Vorräte an Chips, Schokoriegeln und Schokoladentafeln haben. Auf dem Tisch liegen 5 Chipstüten und eine Keksrolle. Und eigentlich müssten wir auch noch Nudeln zum Abendessen machen. Bwääh!
Vermisse meine Rollenspielcharas und versuche meinen Kummer mit 5,3%igem Cider zu ertränken. Ha. Ha.

[Ich habe mir - und ich schäme mich beinahe dafür - an dieser Stelle eine weitere F5-Taste ins Buch gemalt...]

21:00
Ranwen hat guten deutschen Heidelbeerwein mitgebracht und der CD-Player spielt seit einer Stunde das selbe Lied (Kate Rusby) und keiner merkts. Stina ist von vier Gläsern von diesem wässrigen Cider blau. Süß.
Ranwen: "Wie geht denn das?!"
Imke: "Ganz einfach, ein Glas davon und ich sing schweinische Lieder."
Ranwen und Stina reichen wortlos den Alk rüber.

21:20
Gehen zum Auto und machen Symbol-Gruppenfotos mit St. Faltplan.

21:47
Brian, der Besitzer der Cottages, dessen Tochter wir vor 4 Stunden gebeten haben, Brian vorbeizuschicken, kam gerade vorbei. Stürmte zur Tür rein, besah sich die vollgelaufene Spüle und meinte: "Ah ja. Ich komm morgen Früh wieder."
Stürmte wieder raus und ließ uns mit einem WTF?!-Blick zurück.

22:04
Imke und Stina sind ins Bett gegangen, aber Brian kam gerade wieder und unterhält sich jetzt in einer wirklich faszinierenden Sprache mit Ranwen. Imke und ich werden dieser Sprache in den nächsen Tagen allein begegnen müssen.
Wir sind so doomed.

31.05.2006 um 18:47 Uhr

Montag, 8.5., 6. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


11:45
Lassen das Auto auf einem Parkplatz oberhalb des Torc Waterfall und laufen zu selbigem nach unten. Es geht steil hinab. Sehr steil Aber man hat von hier aus eine tolle Aussicht. Den Wasserfall schon im Blick werden wir von einer jungen deutschen (Hachja.) Familie (Kind kann gerade laufen), die vom Parkplatz unterhalb des Wasserfalls kommen, gefragt, ob es sich lohnt, den Weg nach oben zu steigen. Die Slytherpushingfraktion überlegt wohl einen Augenblick, fies zu sein, aber letztendlich erzählen wir ihnen dann doch, dass sich das nicht lohnt.
Bewundern den Wasserfall und lassen unbescholtene Passanten Gruppenfotos von uns schießen.

12:10
It's a long way to the Parkplaaatz... Und steil. Keuch. Hechel. Luftschnapp.

12:20
Also es kam einem schon länger vor, egal, was die Uhr behauptet.
Parkplatz erreicht. Mei, was ist das denn für ein toller Chevy. Den nehmen wir doch!

13:00
Kommen am Parkplatz zum Gap of Dumbledore an. Mieten uns wieder eine Pferdekutsche und lassen uns durch die flachalpin anmutende Landschaft karren. Es mangelt der Kutsche übrigens an einem Kutschbock, weswegen der Kutscher zunächst nebenher läuft und dann auf den flacheren Abschnitten zwischen die Sitze klettert.
Saukälte. Und der Kutscher fragt uns, ob wir noch zur Schule gehen. Hm. Ranwen wird außerdem das ypsilonste Mal in diesem Urlaub gefragt, ob sie Yankee ist. (Tjaja, ein Jahr in Amiland...) Höhö. Schafe, Ruinen, Kälte, Wasserfälle, Seen, mehr Schafe.
Cause we've got rocks and sheep, and sheep and rocks,
and rocks and sheep, and sheep and rocks,
and rocks and sheep, and sheep and rocks,
and rocks and sheep, and sheep and rocks,
and WATER.

14:30
Mieten uns vom Ross Castle am Lough Lea ein Motorboot nach Innisfallen Island. Dort am Südufer angekommen gibt uns der Fährmann eine halbe Stunde, um die verfallenen Klostermauern ausm Mittelalter zu begutachten.

14:55
Begutachten verfallene Klostermauern ausm Mittelalter. Haus, zwei kleine Häuser, Kirche mit knapp tausend Jahre altem Kreuz darin.
Gehe ein Stück über eine Wiese und durch ein Stück Wald zum Ostufer.
Wie die Wellen des Sees gegen die Baumwurzeln schlagen und die Sonne durch das Blätterdach scheint. Hach.
Kehre wieder um.

15:10
Langweilig. Gehe mit Ranwen ein Stück das Westufer entlang. Mei, was ne Idylle.
Kommen an einer bildschönen Lichtung an - eine große altehrwürdige Buche, bemooste umgefallene Baumstämme, Orchideen und diese hübschen blauen Blumen.
Versuche eine Weile, die Atmosphäre per DigiCam einzufangen und schaue dann nach, ob das Bild geworden ist. [Es wird der Atmosphäre natürlich nicht gerecht.]
Oh, Fotos ansehen. Shiny! =)

15:25
Bin bei den Bildern von Freitag angekommen und stelle erschrocken fest, dass der Fährmann eigentlich genau jetzt wieder zurückfahren wollte. Sollte also umkehren. Aber der Weg am Ufer entlang hat ja einen ganz schönen Bogen geschlagen. Ich könnte also abkürzen. Jaa, es hat schon Tradition in meiner Familie, dass Abkürzungen doppelt so lange dauern wie der normale Weg, aber ich weiß ganz genau, dass ich nur über diesen kleinen idyllischen Hügel südlich von hier muss, um gleich direkt auf die Klosterruinen zu stoßen.
Kämpfe mich durch eine einen Meter breite Mauer aus Stechpalmen und Brombeersträuchern. Stehe plötzlich in einem Ring, der von 2 Metern Dornensträuchern umgeben ist. Fluche und kehre wieder um.
Kämpfe mich durch mehr Gestrüpp unter Umgehen von Spinnennetzen und komme gegen
15:30 am [vermeintlichen] Ostufer an. Yay! Schöner Uferweg mit blauen Blümchen auf einem Teppich aus hellem Moos. Hach, was für eine wunderschöne Insel!
So, und da vorne nach rechts, dann bin ich bestimmt gleich wieder bei den Klosterruinen.

15:35
An dieser Stelle sieht das Ufer wirklich so aus, wie als ich da vorhin mal hin bin.
Der Pfad macht eine seltsame Wendung und ich bin plötzlich in völlig unbekanntem Gebiet. Ich sollte vielleicht umkehren, aber ich bin die letzten 10 Minuten gerannt und außerdem bin ich sicher eh gleich da. (Und so groß war die Insel von außen ja gar nicht.)
Da vorn seh ich ein Südufer hinter einer kleinen Anhöhe, yay!

Die Anhöhe entpuppt sich als Landzunge. Ich muss 100 Meter zurück, um mich wieder Richtung Osten in die Büsche schlagen und einen neuen Pfad suchen zu können. Und überall die frischen Spuren eines Rehes. Hoffentlichen wirklich Reh...

Werde paranoid. Dies hier ist eine Mönchsinsel und ich bin lästernder Atheist. Wääähh...
Sehe mich bestätigt, als ich gezwungen bin, über einen umgefallenen Baum in Brusthöhe zu klettern. Der Boden ringsum ist übersäht mit kopfgroßen Steinen. Losen Steinen. Wenn ich mir hier den Knöchel breche, finden sie mich nie! Laufe vorsichtiger.
Wieder eine Landzunge. Muss wieder umkehren. Sachmal, so groß war die Insel doch gar nicht!
Weitere Dornensträucher. Glaube inzwischen an Fairys.
Wie macht man eigentlich ohne Streichhölzer Feuer?

15:45
Die Stelle sieht hier zum zehnten Mal so aus, wie das Ostufer, das ich vor einer dreiviertel Stunde mal erkundet habe. Der Weg macht einen Rechtsknick und tatsächlich - die Klosterruinen!
Selten froher über verfallene Mauern gewesen.
Werde von einem Touristen, der mir begegnet (Mensch! Freude!), gefragt, ob ich das "deer" sei, dessen Spuren auf dem Weg seien. Certainly not (Idiot.), aber ich war da, wo es war.
Treffe meine Gefährtinnen wieder, die irgendwie ruhig froher sein könnten, mich zu sehen.
Stina bezichtigt mich, ein Changeling der Fairys zu sein. Lächle und werde sie diese Nacht töten. Wenn die Fairys mich nicht vorher holen, weil ich ihnen auf Innisfallen Island entkommen bin.
:paranoid:

17:00
Kommen in Aghadoe aufm Friedhof an. Mehr Kreuze, eine weitere verfallene Kirche ausm Mittelalter. Gähn. [SAKRILEG!!]
Zu unserer und der Unterhaltung aller Anwesenden (wobei die Lebenden stark in der Unterzahl sind) erzählen wir fiese Christenwitze. 10 Points to the house of Slytherpushing.

18:00
Mir ist kalt und ich hab nasse Füße. Beschließe zu duschen. Unten, weil da das Wasser einen besseren Druck haben soll.
Das Wasser wird leicht handwarm und kühlt dann bis unter die Schmerzgrenze ab. Warte eine Weile mit einem Bein unter der Dusche ob es besser wird, dann gebe ich auf, wickle mich in ein Handtuch und versuche (unter dem fiesen Gekicher meiner Gefährtinnen, mögen euch die Fairys holen!) die Dusche oben.
Habe dort die Wahl zwischen eiskalt und kochend. Hass!
Bespritze mich mit Wasser, werfe die Seife meiner Gefährtinnen zwei Mal runter und erkläre das Duschen für beendet. Trockne mich ab, wickle mich in Handtuch und Bettdecke und gehe wieder nach unten um mich umzuziehen. (Höre ich da Gelächter?!)
[War das eigentlich der selbe Tag, an dem ich auf meine Brille getreten bin? Würde ja passen...]

19:00
Bringe das Feuer zum Brennen und beginne nach dem Essen, mir einen Wolf zu schreiben. (Blog und Postkarten)
Der Abend endet wieder brettchenwebend zu Kate Rusby.

30.05.2006 um 22:35 Uhr

7.5., 5. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

Fetthaltiges halbtraditionelles (es fehlen die gebratenen Tomaten) irisches Frühstück. Weiße Bohnen in Tomatensoße, Rührei und gebratener Schinken. Leckerst.

12:30
Nach einer halben Stunde Fußweg durch urige Laubwälder mit einem Teppich aus blauen Blumen, Farnen, Rododendron und Orchideen in Muckross Abbey angekommen. Singen das Gebäude zusammen. Es mangelt nur hier und da ein wenig an passenden Liedern, vor allem an atheistischen Liedern, die für verfallene Abteimauern geeignet wären. [Ranwens isländischer Grabgesang war so ziemlich das einzige, das da gepasst hat...]

14:00
Verlassen die Mauern und gehen runter zum Lough Lea. Es fängt an zu regnen. Aber das Ufer ist wunderschön, mit Elanor und Niphredil und diesen blauen Blumen bewachsen und bietet einen wundervollen Blick über den See [Wer hätte das gedacht...] mit seinen Inseln. Wir verweilen eine Weile und gehen dann ein Stück den Weg entlang.

14:20
Wieder in der Abbey angekommen halten wir Mittagspause. Meine Hand ist steifgefroren. Lässt sich scheiße schreiben so. Imke hat kalte Füße und Ranwen packt die Flöte wieder aus.
Hachja.

15:00
Gehen zurück zum Cottage. Regenschauer.
Beschließen, erst zu shoppen (=Unwichtiges), dann einzukaufen (=Wichtiges) und dann mit Brettchenweben den Tag zu beenden.

17:00
Ergebnis einer Shoppingtour in Killarney: Wir haben alle zu viel Geld ausgegeben. [So viel nun auch wieder nicht und es sind ja nur sinnvolle Sachen...] Imke und Stina je fast 20 Euro für drei 36er-Filme, Ranwen fast 40 Euro für ein Bodhran und ich knapp 20 Euro für eine CD mit 12 Liedern von Kate Rusby. Persönlicher Wucherrekord, aber hey, Kate Rusby!

18:00
Einkauf beendet. Wir fahren noch an eine Tankstelle (mit Spar-Markt. Von denen gibts [Ich erwähnte es...] in jeder Stadt in Kerry einen), um Brennzeugs zu besorgen.

18:30
Haben uns durch den durch das Ende der Killarney Races sehr dichten Verkehr gekämpft und fangen im Cottage an, Dinge fürs Brettchenweben vorzubereiten. Ich krieg nach einer Weile [Stunde.] das steinharte Torf-Zeugs zum Brennen [Torffeuer hat einen unverwechselbar schönen Geruch. Ich liebe Lagerfeuer ja ohnehin, aber Torf - hach!], trällere und flöte ein paar Lieder, Imke ist Naturtalent im Brettchenweben und schrubbt vorm Kamin Meter, während Stina und Ranwen Fäden in Brettchen fädeln.
Boah, was sind wir freakig.

23:00
Stina und Imke sind so müde, als wären wir heute nach Dingle gelaufen. Gebe das Singen zugunsten von Kate Rusby auf und unterstütze Ranwen mehr moralisch beim Fädeln meiner Fäden. Bin Nadelarbeits-technisch anfangs immer etwas langsamer [was ich aber später durch völliges Fehlen von Talent wettmache] und ungeschickter, aber das, was Imke da produziert, sieht echt gut aus. Der Kamin [Das Feuer darin. Danke, Ninú.] brennt zu Kate Rusby nieder.

29.05.2006 um 19:22 Uhr

6.5., 4. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


Ich könnte ja schreiben, während ich im Auto auf dem Weg nach Dingle sitze, aber ich bin vollauf damit beschäftigt, die Häuser, Bäume, Wiesen, Strände, Hügel, Schafe, Ruinen und alles, was sonst noch so da ist, anzuschmachten.

12:45
Auf der Dingle Halbinsel angekommen machen wir zwischen grünen Hügeln Halt, das Meer blitzt schon dahinter auf. Ranwen spielt das Rohan-Thema auf der Tin Whistle und mir fehlen die Worte. Das hier ist genau das, was ich mir unter Irland vorgestellt habe und mehr. Wow. Und den Regen empfindet man tatsächlich eher als flüssigen Sonnenschein. Wund-der-schön.
Eine Herde Schafe wird auf die Weide unterhalb der Straße getrieben. Mit Lämmchen. Hach, Idylle.

14:15
Haben eine dreiviertel Stunde in Dingle verbracht. Wäre authentischer rübergekommen, wenn nicht die Hälfte der Passanten deutsch gesprochen hätte.
(Die andere französisch. Nüscht wie weg hier.)

14:40
Dumbledore Dunbeg Fort. Von den 2,50 Euro Eintritt war das Fort 50 Cent wert [Eigentlich Blasphemie, was ich da geschrieben habe. Es war schon hübsch.], den Rest zahlt man gern doppelt [Blasphemie. Zehnfach.] für die Aussicht. Woah. Ziemlich starker Wind.
[Das war alles?! Hallo?! Der Ort war Wahnsinn! Die Klippen, das Meer, die grünen Hügel, der Wasserfall, der zwar nicht sonderlich breit war, dafür aber einige Meter (ich bin schlecht im Schätzen. Zwanzig?) über die Klippen unterwegs war. Die Primelchen, die auf ihrer grünen Terrasse das Meer überblickten und nach allen Seiten dieser irre Kontrast zwischen den sanft-welligen grünen Hügeln und den schroffen Klippen. Und die ständig wechselnden Lichtverhältnisse. Einfach ein Hammer, kann keine Postkarte beschreiben.]

15:00
Slea Head, westlichster Punkt des "Festlandes" Irland (Irland ist ja auch ne Insel...) und damit einer der westlichsten Europas. Unbedeutende Randinformation.
Beeindruckend. Grüne Landzungen mit schroffen Felsklippen bei ständig wechselnden Lichtverhältnissen. [Ah, ich habs doch noch mal erwähnt.] Der Wind bläst einem die Ohren weg. Eine Gruppe Jugendlicher [Darunter einer nur in Badehose. Gung, zieh dir was über, du holst dir was weg!] spielt Fußball (oder sowas) auf einem Stück Sandstrand zwischen den Felsen. Der Weg dorthin [nach Slea Head] eine anderthalbe Autobreite, ein Fluss quert die Straße [seit mindestens 1920 wie ein Bild in einem meiner Liederbücher verrät], Felsen, Heiligenfiguren und immer wieder geniale Aussichtsplätze.
[Wir wären gern Stunden geblieben, aber der Wind war wirklich nicht feierlich.]

16:20
Nehmen rückzu ab Dingle die Straße über den Conor [oder Connar, und alle Schreibungen dazwischen und darüber hinaus wurden aber auch schon gesichtet.] Pass. Eine ebenso enge Straße, die durch relativ schroffe Berge führt. "Wenn wir hier nicht durchkommen, versuchen wir es durch die Minen von... Dingle..."
Passieren seltsame Schilder auf gälisch. Stina: "Ab jetzt seid ihr auf euch allein gestellt, wie gut, dass ihr kein Gälisch könnt."
So wirklich beeindruckt scheint sie aber nicht zu sein, die Schlangenlinien, die sie fährt, kommentiert sie jedenfalls in jeder Kurve. Links "Whee!", rechts "Whee!", links "Whee!". Stina? "Wasn?! =) "

16:45
Oben angekommen. Wahnsinns-Aussicht [Zur Abwechslung.] auf das Meer zu beiden [!] Seiten der Insel, aber Mordswind auch hier. Über dem Meer auf der Nordseite zeigt sich ein Regenbogen.
Stina wird auf der Fahrt nach unten mutig und überholt andere Touristen. Legen den Soundtrack der Zwei Türme ein. [Rohan-Thema auf Dingle. Höchste Inkarnationsstufe, die ein Musikstück erreichen kann. Also nach Kate Rusby.]

17:00
Nehmen ab Camp die "Scenic Road [Route?] to Inch" über die Berge. Was bei uns lose befestigter Feldweg wäre, ist hier offizielle Straße. Das Fahren um Kurven und über Kuppen hat - meint Stina und wir geben ihr Recht - immer eher was von Weihnachtsgeschenke auspacken. Na? Auto, Schafherde, Ziegelmauer? Was wird wohl dahinter sein?
Kollektives "...ooooooOOOOOOOooooo....." beim Fahren um Kurven. Ergehen uns in geselligem Gekreische, wenn dahinter tatsächlich breite Lieferwagen lauern.
Ziemliches Erschlagenseingefühl von den schroffen [das Wort hab ich heute echt überstrapaziert] Hügelhängen zur Linken und zur Rechten, der HdR2-Soundtrack tut sein Übriges. Woah.

17:30
Haben die reguläre Bundesstraße wieder. War die heute Morgen nicht noch etwas schmaler? Stina entwickelt sich zum autofahrerischen Iren.

18:30
Wieder in den Killarney Lakeland Cottages angekommen. Ded from teh Reizüberflutung. Ranwen stimmt vor dem leider nicht brennenden Kamin die Mini-Akustik-Gitarre (sehr melodiös), Imke schmökert in "Die Wahrheit über die Iren" [Dieses Buch sei an dieser Stelle wärmstens empfohlen. Jedem.] und Stina sucht ne Route für morgen. Oh, Ranwen singt isländische Weisen. Hach.

0:00
Wir haben gut gegessen, etwas gesungen und wurden in die Grundlagen des Brettchenwebens eingeweiht - whee! Retro, Hippie und Farm of Love! =)
Man amüsiert ich über Doppeldeutigkeiten, Insider und Filmzitate und schickt sich anschließend gegenseitig ohne Nachtisch ins Bett.
"Und wag' es ja nicht, die Tür zu knallen!"

23.05.2006 um 20:12 Uhr

5.5., 3. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


8:40
Die anderen Drei sind schon unten und warten mit dem Frühstück auf mich. Ich bin seit ner halben Stunde wach und habe ein schlechtes Gewissen, aber ich hab meine Augen einfach nicht aufgekriegt. Heute noch mehr Sauerstoff erwartet, meine Füße tun noch vom Vortag weh.
Irgendwie doch aus dem Bett geschält und frühstücken gegangen. Erdnussbutter, Nutella und Centi. Eine neuentdeckte Liebe.

11:00
Tourist Information Center. Ich weiß gar nicht, wie oft wir diesen Urlaub da drin waren, für die Beschaffung von Informationen oder dümmlichen, weniger dümmlichen, praktischen oder verwandtentauglichen Souvenirs. Diesmal erhalten wir die Information, dass dieser verdammte Steinkreis, nach dem wir gestern gesucht haben, auf Privatgrund steht und dass es dem Besitzer aus versicherungstechnischer Sicht zu gefährlich war, da weiter Leute hin zu lassen, daher hat er alles abgesperrt. Gnn.

Kaufe Postkarten für die Verwandten und Bekannten und ein Fensterbild für Bilbo.

12:00
Auf dem Weg nach Castleisland nen Friedhof mitgenommen. Die Kreuze sind ja allseits bekannt und sehen irre romantisch aus und sind ja - auch wenn das irgendwie morbid ist - beliebtes Fotomotiv.
Aber der Grabschmuck. Fußnagel. Plastikblumen, Plastikblumen in Sträußen und in Gestecken, Plastikblumen in Gestecken, die Schriftzüge wie "Mum" oder "Dad" ergeben - in die originale Plastikfolie eingepackt, damit sie nicht nass werden -, Plastikblumen in Gestecken mit Priesterfiguren, Plastikblumen in Gestecken mit Priesterfiguren in Glaskugeln, teilweise mit Wasser gefüllt. Dagegen waren die vollkommen leeren Gräber, die nur mit Kieseln oder Dekosteinen bestreut waren, geradezu Lichtblicke an Geschmack.
Loite, nur weil die tot sind, muss man doch sowas nicht tun!

13:05
Crag Cave irgendwo bei Castleisland (dem hübschen Kaff mit dem Laden "All kinds of everything"). Eine Tropfsteinhöhle halt, wie wir sie hier in Deutschland auch zu dutzenden haben. In solchen Höhlen fällt mir meistens das Springhill Mine Disaster ein, ich schlage Stina vor, ihr den Text vorzutragen, aber sie wirft mir irgendwas von "Not helping!" entgegen und ich sehe davon ab. Vielleicht liegt es ja an den Millionen Tonnen von Gestein über uns. Nur Fliegen ist schlimmer.
Kommen an kleinen Tümpeln vorbei und müssen natürlich sofort "Auf den Tisch kommt heut' ein Fisch - so saftig süüß!" intonieren.
Unser - wie nennt man das? - Höhlenführer(?) erklärt uns diverse Dinge, von denen wir zumindest mitnehmen, dass die ersten Höhlenbegeher eine bestechende Fantasie an den Tag gelegt haben. "Der Stalagmit da, der sieht aus wie Diarmuid, dann muss das da Grania sein... und die kleinen Dinger da, das sind die Kinder. Und da hinten, das war dann Fionn..." Da fragt man sich doch, was die hier unten gesoffen haben. "Das da, das ist eine Weinflasche, da ist eine Pizza, mit zerlaufenem Käse..." Ja, is klar.

Ein Souvenirshop am Eingang zur Höhle, wer hätte das gedacht. Kaufe ein Platzdeckchen, das ich unter meinen Laptop legen kann und ernte dafür (und möglicherweise auch für die Fensterbilder für Bilbo...) ein "Nerd." von Stina. Pf.

14:00
Trallee. Hier herrscht Rush Hour. Immer. Werden in eine etwa 1,50m breite Gasse abgedrängt, mit rechts und links noch jeweils 2cm Platz. Waaahhh....
Wandeln dann mit ein paar Sandwiches durch den Rosengarten, der zu der Jahreszeiten natürlich noch nicht blüht, aber wir haben ja fast so viel Fantasie wie Castleislandische Höhlenbegeher.
St. John war dann eine der vielen Kirchen, deren Türen uns aus dem ein oder anderen Grund verschlossen blieben (haja, vier gottlose Mädels in einem katholischen Land...), hier gab es gerade eine Kommunionsprobe. Zu der Musik von Greensleaves.
Kulturimperialismus.

Zahlen letztendlich für die Information, dass der Eintritt in eine Vorstellung im Siamsa Theatre 22 Euro kostet, 3 Euro Parkgebüren und kehren der Stadt frustriert den Rücken.

16:12
Fenit. Stina wollte hier hin, um Fotos von dem Ort machen zu können, aus dem ihr Rollenspielcharakter kommt. Und nennt mich Nerd, haha.
Sie malt in den nassen Sandstrand ein "SQEEE!", ich folge dem mit einer F5-Taste. Den Wind gab es in der Großpackung günstiger.
Auf einer nach Fisch stinkenden idyllisch gelegenen Halbinsel hat man für den heiligen Sankt (sic!) Brandon ein Denkmal errichtet. Wir klettern auf den Felsen dahinter herum und fotografieren auf die rund um diese Halbinsel versammelten Strände - über das Meer blickend hat man nach allen Seiten hin grüne Ufer. Hach.
Genießen die Szenerie eine Weile, und gehen dann, ehe wir weggeweht werden, wieder zurück zum Chevy und machen uns auf den Weg nach Ardfert.
Auf dem Weg dorthin finden wir einen Friedhof, wer hätte das gedacht, allerdings mit einer sehr hübschen verfallenen - es ist ja schon morbid, aber verfallen und ruinös sind sie einfach schöner... - Kirche, die ganz romantisch von Efeu bewuchert wird. Hach!

17:00
Ardfert Abby. Ebenfalls alt, verfallen und wahnsinnig romantisch. Finden einen LARP-fähigen Altar, eine Opferung fällt aber in Ermangelung einer willigen Jungfrau aus. Eine Amerikanerin stellt eine Harfe in eines der Fenster und wir lauschen andächtig der unwirklichen Musik, die der durch die Saiten streifende Wind erklingen lässt.
Als die Leute weg waren, haben wir uns nebenan auf eine Wiese in die Sonne gelegt und versaute Lieder gesungen. So für's kosmische Gleichgewicht.
Oh, noch ein Friedhof, shiny.

18:30
Einkauf. Im Lidl bei Killarney. Hab ich schon erwähnt, dass jedes Kaff in Irland einen Spar hat und in größeren Städten oftmals ein Lidl oder Aldi steht? Das Süffelzeug ist allerdings auch hier sauteuer - Ich kann so nicht saufen! -, aber immerhin gibt es hier die Schokolade zu humaneren Preisen. Whee! =)

19:30
Kochen lecker, essen gesunden Salat. Gemütliches Beisammensein.

0:26
Bett. Traue mich heute Abend nicht, mir die Haare zu kämmen, weil sie verfitzt sind, als wären wir den ganzen Tag durch Sturm gelaufen. Nein, halt...

Gedanken zum Tag, weil ich sonst nicht zum Schreiben kam:
Irland ist wunderschön. Es hat auch karge Berge, aber wenn ich die wollte, könnte ich auch in die Alpen (da müsste ich dann auch nicht fliegen...). Aber diese herrlichen grünen Hügel, dieses unwirkliche Licht, in das die Landschaft dank dieser unmöglichen Wetterverhältnisse getaucht wird, die Cottages, neu und hübsch oder alt, verfallen und überwuchert, die Menschen, die wirklich aus den Bildbänden entsprungen zu sein scheinen [Vermutlich wird die Einwohnerschaft von Killarney gecastet.]. Irland ist ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe, ich hätte nämlich nicht gedacht, dass es so schön ist wie auf den Postkarten und Kalenderbildern. In Wirklichkeit ist das alles noch viel schöner.
Es ist nur leider schweineteuer (bis auf das Benzin, immerhin) und man muss fliegen, um herzukommen. Herre, irgendwann muss ich auch wieder zurück. Paddelboot? Wäähh...

0:51
Wah, ich muss ins Bett, Imke und Stina haben einen grausamen Schlafrhythmus. Nacht, Welt, Nacht, Bilbo.

21.05.2006 um 01:16 Uhr

4.5., 2. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


Drehen vormittags eine Runde durch Killarney, Stina braucht ne neue Fleecejacke. Hat das gleiche Problem wie wir wohl alle. Es ist ja Mai. Da kann man gut sieben verschiedene T-Shirts gebrauchen, aber bloß keinen Pullover zu viel einstecken... Gnah.
Schauen uns die Sparklypoo-rosa Sachen im Dumbledore Dunnes Store an, ihre Jacke findet Stina dann in nem netten kleinen Outdoorgeschäft.

11:47
Mieten ganz dekadent eine Pferdekutsche zum Muckross House. Die Verhandlungen überlassen Imke und ich den anderen beiden und sind immer noch völlig fasziniert von der überaus interessant klingenden Sprache, die sie hier sprechen. Klingt echt schön. Ich hab nur keine Ahnung, was er da redet...
Die Fahrt dahin durch den Killarney National Park war übrigens einfach nur schön, vorbei an den Lakes of Killarney, mit Inseln drauf, Berglein im Hintergrund und ganz alten, efeuüberwuchterten Bäumen und Stechpalmen im Vordergrund.

Bei Muckross House angekommen meint unser Fahrer, wir sollten uns ruhig Zeit lassen, er rechne mit zwei Stunden und werde warten.
Okayyy...

Machen die Schlossführung durch Muckross House mit. Nich übel, der Schuppen. Viele Schlafzimmer, alles sehr dekadent und so. Queen Viktoria hat hier mal gastiert. Zwei Tage lang. Mit Madamme hatten die Besitzer von Muckross House so viel Auftrieb, dass sie sechs Jahre lang verzweifelt versucht haben, die Schulden wieder loszuwerden, bevor sie das Haus komplett aufgegeben haben... Beehren Sie uns doch bald wieder...
Aber trotz allem fand ich, dass das Haus von außen einfach beeindruckender war, Schlösser haben wir in Deutschland und Österreich ja genug von innen gesehen.

An das Haus angeschlossen, war ein großer blühender und zurechtgestutzter Park und das Freilichtmuseum Traditional Farms. Viele süße Cottages, scheinbewohnt, wir kriegen leckeres Brot und mit guter Butter und unterhalten uns nett mit einer Frau, die der Meinung ist, als Mutter müsse man gefälligst daheim bei den Kinderlein bleiben. Waah! Heiliger Zorn! Tausende von Frauenrechtlerinnen haben hart gekämpft, und dann kamst Du!
Aber für eine Emanzipationsdiskussion auf Englisch fühl ich mich dann weder in der Lage noch in Stimmung. Lächeln, nicken, rückwärts gehen.

Auf dem Weg zu einem Bauerngehöft stellt sich uns ein beeindruckender hüfthoher irischer Wolfshund mit bernsteinfarbenen - Stina meinte was von OMGdieglühenja!!eleventy - Augen in den Weg. Sind beinahe starr vor Schreck, denn ganz offensichtlich ist der Hund nicht gewillt, uns vorbeizulassen. Bevor wir ihn nicht ausgiebig gestreichelt haben. Nettes Tierchen, liebes Tierchen....

Das Wetter macht uns wahnsinnig. Es stürmt und weht, dass man glaubt, die Welt müsse untergehen, und wenn man sich dann richtig dick eingepackt hat, öffnen sich die Wolken und die Sonne röstet einem bei völliger Flaute das Hirn weg. Aber wehe man zieht auch nur eine Jacke aus! Zack, wälzt sich wieder eine schwarze Wolkenmasse über die Berge und verkündet den Guss des Jahres. Der sich dann wieder als 2-Minuten-Nieselregen entpuppt. Und so geht das den ganzen Tag!
Ich kann so nicht arbeiten!

Nach dem Bauerngut folgt ein Gatter, an dem - squee! - ein wuschliger Flauscheesel steht. Der mag gern an der Mähne gekrault ausgiebig geknuddelt und geflauscht werden. Komme dieser Bitte gern nach. Pures Entzücken.

15:30
Böses Erwachen. Unser Fahrer wartet nun schon seit drei Stunden und wir sind noch nicht da. Uups.
Trauen uns fast nicht zurück und machen noch einen Abstecher in den Touristenmitbringsel-Shop, bevor wir reumütig und mit 1/6 (!) Trinkgeld in der Tasche zurückkehren. Fürchten während der Rückfahrt etwas um unser Leben...

17:00
Ausflug zum Ross Castle. Das ist zwar ganz nett, aber der Lower Lake, an dem es stand, mit diesen Inselchen drauf und den Bergen im Hintergrund, war viel cooler. Und das sage ich nicht nur, weil wir nicht in das Castle reindurften.

Was machen wir als nächstes?
Da ist ein Steinkreis in der Nähe, behauptet die Karte (behaupten 2-3 Karten). Da bei der Straße ist ein Schriftzug auf der Karte, aber auf welcher Seite jetzt der Steinkreis ist? Die zweite Karte hat den Steinkreis wieder ganz woanders eingezeichnet. Leute! In Zeiten von Google Earth muss es doch irgendwie möglich sein, eine halbwegs eindeutige Karte hinzumalen, Himmelarschundzwirn.
Ah, wir werden ihn schon finden. Wir haben Hilfe von zwei Schriften des Schutzpatrons deutscher Touristen, des heiligen Sankt (sic!) Faltplan.

18:30
Drei Straßen lang haben wir wie die Blöden nach links oder rechts gestarrt auf der Suche nach dem dummen Steinkreis. Wahrscheinlich haben ihn Bauern und Anwohner kürzlich entfernt, um das Bebauen der Felder zu erleichtern und die Vorgärten zu verschönern.
Überlegen, im Stau der Rush hour des Jahrhunderts anzuhalten, mehrere Leute, die uns mit verächtlichen "Touristen."-Blicken ansehen werden, im Platzregen nach dem Weg zu fragen, um letztendlich patschnass am Steinkreis auszusteigen, die wahrscheinlich kniehohen Kiesel zu beglotzen, Fotos zu schießen und durchnässt und unterühlt nach hause zu fahren, oder das ganze Prozedere abzukürzen und gleich zurück zum Cottage zu fahren.

19:15
Fahren heim.
Bestellen uns ganz dekadent eine Pizza in Killarney. Also eigentlich schicken wir Stina los, sie aus Killarney zu holen, weil unser Telefon doch nicht funktioniert. Die Teigscheiben kosten da übrigens 10 Euro für ne normale Größe und sind ihr Geld nicht wirklich wert. Tut es nicht.

20:45
Da warnt die ganze Welt vor den Folgen des Alkohols, aber von Alk hab ich im Leben noch keine Kopfschmerzen gekriegt. Aber diese irren 8 Stunden an der frischen Luft, die haben mich heute geschafft. Scheiß-Sauerstoff. Könnte mal wer das Geschirr leister stellen? Ranwen, Stina und Imke waren auch nie lauter. Überlege, sie um die Ecke zu bringen. Leise. Scheitere bereits an der Planung und versuche Koffein. Bringt nix. Alk? Wir haben nur den 6fach drehenden Cider da. Dafür 2 Liter, aber dann verbringe ich die Nacht aufm Klo.

Ranwen erzählt irgendwas von Grammatik. "Praeservativ Imperfekt - ich hätte nie geboren werden dürfen."

21:25
Austausch von Geschichten über aktive und passive Sufferfahrungen. Selbst an Aktiven reicher zu werden, wir uns in diesem Urlaub verwehrt bleiben, weil ne Flasche Wein 5 Euro aufwärts kostet.

23:15
Stina, die als einzige ein Schlafzimmer im Erdgeschoss hat, geht ins Bett. Offenbar war sie heute morgen von der ungeahnten Hellhörigkeit des Cottages aus dem Schlaf gerissen worden.
"Und wenn sie [Imke] wieder um sieben die Dusche anmacht, dann komm ich hoch und... und geh wieder runter... und das habt ihr dann davon!"

Scheiß Sauerstoff. Bähätt!

23:30
Erfahre gerade von Ranwen, die den Inhalt ihres Rucksackes vor jedem Zubettgehen vom Bett räumen muss, dass ihr Mann auch das Problem mit den analogen Uhren hat. Also falls er hier mal wieder reinklickt: Ich kann die Dinger auch nicht lesen!! Ich hab sogar eine analoge Uhr direkt hinter meinem Lenkrad und lese doch immer meine digitale Armbanduhr, wenn ich Auto fahre.
Erzähle Ranwen, dass ich ihm eine Mail schicken werde (das Forum ist eine große glückliche Familie, in der jeder alles über jeden weiß), woraufhin sie Bilder von einem wütenden Tod malt. Schluck.

20.05.2006 um 16:11 Uhr

3.5., 1. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

7:18
War eigentlich seit einer dreiviertel Stunde wach, habe meinen eigenen Wecker trotzdem überhört und werd von Imkes Wecker wach. Hmpf.

9:30
Haben Stina und Ranwen gefunden und begrüßt und sind dann zum Check-in gezogen.
Lege den großen Rucksack vorsichtig auf das Band und bekomme einen halben Herzinfarkt, als die Wage 31,0kg anzeigt, wo doch die Begrenzung für beide Gepäckstücke - Gepäck und Handgepäck - insgesamt bei 30kg liegt.
Die Angestellte tut so, als sähe sie es nicht und ich auch. Sie holt eine Apfelsinenkiste und legt den Rucksack rein, der plötzlich nur noch 18kg wiegt.
Ich: "Bö?"
Sie: "Ja, da muss man noch 2,5kg abziehen."
Ich: "Bö?!"

9:50
Wartehalle. Heute ist ein Flugzeug überm Schwarzen Meer abgestürzt, erfahren wir von Ranwen und Stina. Der Blitz schlägt niemals zwei Mal an der selben Stelle ein, nicht? Demnach müsste Fliegen eigentlich heute ganz ungefährlich sein... warum bekomme ich eigentlich gerade so feuchte Hände?!
Lasse mir von Stina ein paar Forumsneuigkeiten erzählen, vermisse Internet, Bilbo und die CD, die die Post mir verschlampt hat und muss heute fliegen. Hmpf.
Und Kuli-Schreiben suckt!!

11:00
Betreten das Flugzeug.
Stina: "Centi, willst du ans Fenst-" "Nein."

11:23
Wir haben abgehoben, zwischen uns und dem Erdboden ist bedrohlich viel Luft.
Stinas Visualisierungstechnik, bei der sie sich vorstellt, ein Baum zu sein und Wurzeln in die Erde zu schlagen, versagt so natürlich jämmerlich. Wir blättern in der ausgegebenen RyanAir-Zeitschrift und fühlen uns kein bisschen abgelenkt. Waaaah, Kurve!!
Nein, Fliegen ist <b>nicht</b> schön.
Nur nicht raussehen.
Der Akku meines MP3-Players gibt den Geist auf.
Stina: "Kannst du mir mal meinen Rucksack aus dem Fach geben?" "Was?! Abschnallen?! Aufstehen?!"

11:32
Wir fliegen, aber das erwähnte ich wohl schon. Eigentlich erscheint mir das mehr als widernatürlich, immerhin wiegt dieses Blechteil hier so einiges. Stina, was sagen denn die Gesetze der Physik dazu?
Stina: "Die Gesetze der Physik liegen gerade wimmernd in der Ecke..."
Ranwen döst, Imke löst unbeeindruck Sudoku-Rätsel. Nerven wie Drahtseile.

11:38
Ich weigere mich, aus dem Fenster zu sehen und habe in den Momenten, in denen ich es doch tue, eine Scheißangst. Und in denen dazwischen.
Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal solche Angst hatte. Bei meiner Fahrprüfung? Bei meine Abi-Prüfung? Diplom? Oder vorhin an der Gepäckkontrolle? Nein, kein Vergleich.
Wage kaum, mich zu bewegen, es könnte ja das Gleichgewicht des Flugzeuges durcheinanderbringen.

11:48
Stina zeigt entzückt auf das Fenster.
"Ich will's nicht sehen."
"Aber da ist Meer!"
"Oh mein Gott."
"Da hinten ist Strand!"
"Das heißt, wir sind jetzt....?"
"...über der Nordsee."
"Oh mein Goooott!"

12:23
Annähernd so viel Angst hatte ich auch am Gavia-Pass. Relativ unbefestigter Waldweg irgendwo in den Alpen, rechts 100m in die Tiefe und die Straße war gerade breit genug für unser Auto. Meine Schwester und ich haben die Augen geschlossen und uns auf dem Rücksitz hingelegt und uns in unser Schicksal ergeben.

Allmählich setzen wir zum Sinkflug an. Visualisierungstechnik die Zweite:
"Flauschewiesen, weiche Bäume, Felsen-" "KEINE FELSEN!!" "Oh ja, keine Felsen, keine Felsen, Flauschewiesen..."

13:00
OMGWTFLANDUNG!!!

Stina und ich krallen uns am Sitz fest, zupfen an unserer Kleidung herum und hibbeln.
Centi: "Mann, sag mal, wie alt sind wir eigentlich?!"
Stina: "Zu jung zum Sterben!"

Doch so sehr wir auch tausend Tode gestorben sind, wir landen sicher. Und stehen bald darauf lebend auf irischem Grund. Wow.
Die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt und Ranwen und Stina ziehen los, um den bestellten Mietwagen zu holen.
Imke und ich werden von einem Taxifahrer angesprochen, in einer Sprache, die wohl englisch sein soll. Biddewas? Nein, is schon ok, wir warten auf ne Freundin. Wiebidde? Ja, danke, ihnen auch. Wasauchimmer.
Auweia.

13:50
Stina kämpft sich durch den Linksverkehr, findet sich mit unserem stylischen Chevy aber ganz gut zurecht. Auch im Roundabout (zu deutsch "Kreischverkehr"). Die ersten Eindrücke von Irland und Killarney. Hübsch!

15:00
Kommen im gemieteten Cottage bei Killarney an und machen uns erstmal was zum Mittag. Freue mich meines Lebens, Tomatensuppe hat nie so gut geschmeckt.
Das Cottage ist toll, groß, hat drei Schlafzimmer mit sechs Betten, einen Kamin eine tolle Küche mit Geschirrspüler, nen Fernseher und zwei Badezimmer. Yay!
Und wir sind in Irland. Wow.

20:00
Waren einkaufen und haben noch einen ausgiebigen Spaziergang durch Killarney gemacht. Hab mich etwa 7 bis 8 Mal verliebt, mei, was waren die alle fesch! =)
Aber anlachen möchte ich mir hier keinen, Fernbeziehungen sind ja an sich schon mies, aber wenn man die Strecke dann noch *fliegen* muss - nee!

Gehen an einem Internetcafé vorbei, das 2,95 pro Stunde verlangt. Bleibe stark.

Drehen noch eine Runde durch einen Ausläufer des Killarney National Park. Wunderschön. Hat wirklich was von Hobbingen und wir können Imke dazu bewegen, ihren Wuschelkopf auf einen tiefhängenden Ast zu schwingen und sich als Frodo ablichten zu lassen.
Das Wetter hier ist sehr seltsam. Man hat es mir ja gesagt, aber ich habs nicht geglaubt. Regen - Wind - Schatten - Sonne, das wechselt hier alles innerhalb von fünf Minuten und treibt einen klamottenmäßig in den Wahnsinn. Aber es sieht einfach verdammt genial aus, wenn ein Berg von der Sonne beschienen wird, während hinter ihm die Welt untergeht.

20:49
Wieder im Cottage, Abendessen. Wir hören ein paar Lieder der Arrogant Worms. Sehr geil. Böse antiamerikanistische Lieder und die inoffizielle Kanadahymne.
Cause we've got rocks and trees, and trees and rocks,
and rocks and trees, and trees and rocks,
and rocks and trees, and trees and rocks,
and rocks and trees, and trees and rocks,
and WATER.
Das sollte die Hymne der ersten Woche Irland werden.

Imke packt ne CD aus, auf der die komplette Version von "99 Bottles of Beer on the Wall" drauf ist. 20 Minuten. Jessas. Aber witzig.
Ja, das wird wohl die Einstimmung auf einen sehr... ähm... kulturellen Abend... 36 bottles of beer on the wall...

21:07
Wir haben 99 Bottles of Beer on the Wall überlebt und den Flug, morgen machen wir bungee jumping.

22:47
Ranwen hatte als Goodie noch die Musik zur HdR-Trilogie als Musical da (aufgeführt auf der RingCon 2005, glaubsch). Den Auftritt des Hexenkönigs mit "Mr. Boombastic" und den des Legolas mit "I'm too sexy" zu untermalen ist schon eine geniale Idee. Werden 45 Minuten lang von Lachkrämpfen geschüttelt.

23:00
Packe noch mal den MP3-Player aus und teste alle Akkus. Die waren alle vollständig geladen und haben alle jetzt null Leistung?! Kann das mal irgendein Elektriker/Physiker/Intellektüller erklären?

23:21
Gehen ins Bett. Kann mir vorstellen, wovon ich diese Nacht träumen werde. Flugzeugabsturz.
Nein, ich habe keine Flugangst, hatte ich im Leben noch nie (und ich bin schon weitaus schlimmer geflogen). Ich hab nur eine Scheißpanik vorm Fliegen.
So mit dem Leben abgeschlossen hab ich - jetzt fällts mir wieder ein - in diesen Großraumskilifte, wo 100m unter einem Felsen klaffen, während man über Masten fährt und fest überzeugt ist, dass die Kabine jetzt runterfällt.
Ah, ich sollte mir vor dem Schlafen noch ein paar rosa-flauschige Szenarien vorstellen. Was wohl meine Rollenspielcharas jetzt tun...


20.05.2006 um 14:22 Uhr

2.5. Irlandreise, Tag -1

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


Los gehts. In eckigen Klammern aktuelle Kommentare.

Heute gehts erst mal zum Hauptbahnhof, um Imke (aka Nimiel, aka unbedeutender Kleingeist) abzuholen und anschließend nach Hahn, wo wir für die Nacht ein Hotelzimmer gemietet haben, auf dessen Parkplatz ich Bilbo zweieinhalb Wochen lang allein und unbewacht stehen lassen werde und von wo aus wir zum Flughafen geshuttelt werden.

12:00
Die Wohnung ist geputzt wie lange nicht und rumstehender Müll wurde in irgendwelche Schränke gestopft weggeräumt. Schaffe noch schnell Papier und Glas weg. Was früher aus nem dutzend Weinflaschen bestanden hätte, setzt sich heute aus nem dutzend Möhrensaftflaschen zusammen.
Man wird halt älter.

16:00
Imke und ich kommen im Hotel an. Ich setze mich aufs Bett, woraufhin die Nachtlampe, die neben dem Bett an der Wand angeschraubt ist, in einem sehr eleganten Bogen zur Seite kippt und dabei den Lichtschalter umlegt.
Wird an diesem Tag noch häufiger vorkommen. Imke schießt amüsiert Fotos von der Lampe und mir. Hmpf.

16:40
Sind ein Stück mit dem Auto gefahren und liegen nun in der Sonne auf einer saftig grünen Wiese irgendwo hinter Rhaunen, umgeben von blühenden Bäumen. Ein Specht klopft, Vögel singen, der Weg hierher führte durch einen wunderschönen Laubwald. Wer will schon nach Irland?

18:10
Schon sechs Stunden ohne Internet. Zweieinhalb Wochen?! Auweia. Was jetzt wohl meine Rollenspielcharaktere machen? Wieso fliegen wir morgen nach Irland?!

21:00
Haben gut gegessen und fahren nun durch die Pampa auf der Suche nach einem Ort, von dem aus man den Sonnenuntergang schön sehen kann. Werden zwei Mal fündig und schmachten die Landschaft an. Schööön.

22:10
Zähne geputzt, Haare gewaschen. Jetzt könnte ich noch mal ins Forum schauen. Oder nachsehen, ob ich Mails habe. Vermisse das Internet und habe das dringende Bedürfnis, die F5-Taste zu drücken. Keine F5-Taste. Für zweieinhalb Wochen. OMG.
Das geht so nicht. Ich mal mir jetzt eine F5-Taste:
[Ich hab mir an dieser Stelle eine F5-Taste ins Büchlein gemalt. Ähm. Die ersten Stunden eines Entzugs sind wohl die schlimmsten...]
10 Stunden kein Internet. Ich will wieder nach hause. Irland. Pah.
Mathom-Haus, Gauklerstube - ist auch alles grün!

22:15
Zehn Stunden fünf Minuten kein Internet [und langweilig war mir ganz offensichtlich auch]. Ich geh jetzt ins Bett. Schnöde Welt.
Oh, und morgen muss ich Bilbo auf einem fremden Parkplatz stehen lassen. Hoch... Gehe frustriert ins Bett, der Lärm vom Flughafen nebenan hält sich aber in Grenzen.

19.05.2006 um 22:58 Uhr

Poor old Erin's Isle...

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

Die schöne Grüne Insel hat ja, wie mancher sicher in des Weibsbildes Blog nachliest, für eine Weile ausgesuchten (*hüstel*) Besuch bekommen. Das Weibsbild, Ranwen, Imke und der Taugegarnichts machten sich auf, sie heimzusuchen und ich bin heute Abend erst wieder in unserer Bundesstadt angekommen. Die Sachen sind noch nicht mal ausgepackt (auch nicht die, die eigentlich in den Kühlschrank müssten [in dem übrigens ein halber Eisbergsalat zweieinhalb Wochen lang überlebt hat, im Gegensatz zu einigen meiner Kornblumen]), aber ich hänge schon wieder im Internet herum.

Ich habe mir während dieser Tage ein kleines analoges Blog angelegt (so mit Kuli und Papier) und habe vor, selbiges in den nächsten Tagen nach und nach online zu stellen, sprich abzutippen, größtenteils unverändert, um die Magie des Augenblickes einzufangen (und weil ich zu faul bin, all die Seiten neu zu formulieren), teils aber sicher redaktionell leicht überarbeitet.

Dabei wird es sicher einige Überschneidungen mit Stinas Blog geben, aber das liegt eben in der Natur der Sache, schließlich haben wir auch größtenteils das Gleiche erlebt. [Hier dann das Du-musst-es-ja-nicht-lesen-Totschlag-Argument einfügen.]

Ah ja, Fotos. Gibt es. Werden, wenn ich gut bin, später vielleicht auch ins Blog eingebunden, vermutlich aber erst, wenn die Texte online sind, man wird sehen.

Für heute soll es mir genügen zu wissen, dass ich den Flug überlebt habe, dass ich wieder zu hause bin und dass alles in Ordnung ist. Dass ich in Irland war, muss ich noch verarbeiten und ich sollte wohl wenigstens noch ein paar Sachen in den Kühlschrank räumen, bevor ich ins Bett gehe, wenn ich meine Taschen heute schon nicht mehr ausgepackt kriege.