Die Realität ist eine Illusion

07.12.2006 um 09:57 Uhr

joar...

von: Clari

Vereinsamt

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein,
-
wehe dem der keine Heimat hat !


                Friedrich Nietzsche




                 Die Seeräuber-Jenny

                            1

   Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
            Und ich mache das Bett für jeden.
  Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell
    Und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
        Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
    Aber eines Abends wird ein Geschrei sein am Hafen
      Und man fragt: Was ist das für ein Geschrei?
    Und man wird mich lächeln sehn bei meinen Gläsern
          Und man sagt: Was lächelt die dabei?
            Und ein Schiff mit acht Segeln
                 Und mit fünfzig Kanonen
                   Wird liegen am Kai.


                            2

      Man sagt: Geh, wisch deine Gläser, mein Kind
            Und man reicht mir den Penny hin.
Und der Penny wird genommen, und das Bett wird gemacht!
  (Es wird keiner mehr drin schlafen in dieser Nacht.)
      Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
     Aber eines Abends wird ein Getös sein am Hafen
        Und man fragt: Was ist das für ein Getös?
     Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster
          Und man sagt: Was lächelt die so bös?
            Und das Schiff mit acht Segeln
                 Und mit fünfzig Kanonen
               Wird beschiessen die Stadt.


                            3

        Meine Herren, da wird ihr Lachen aufhören
            Denn die Mauern werden fallen hin
     Und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich.
  Nur ein lumpiges Hotel wird verschont von dem Streich
       Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?
Und in dieser Nacht wird ein Geschrei um das Hotel sein
     Und man fragt: Warum wird das Hotel verschont?
  Und man wird mich sehen treten aus der Tür am Morgen
          Und man sagt: Die hat darin gewohnt?
            Und das Schiff mit acht Segeln
                 Und mit fünfzig Kanonen
                Wird beflaggen den Mast.


                            4

     Und es werden kommen hundert gen Mittag an Land
            Und werden in den Schatten treten
      Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
       Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir
          Und fragen: Welchen sollen wir töten?
    Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
          Wenn man fragt, wer wohl sterben muss.
       Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!
     Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!
             Und das Schiff mit acht Segeln
                 Und mit fünfzig Kanonen
               Wird entschwinden mit mir.


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