Clearyversum

26.09.2005 um 16:52 Uhr

Wir haben jetzt ein Sternchen...

Stimmung: unendlich traurig

Leider haben wir vor ca. 2 Wochen erfahren, dass unser Zwerg sich nicht weiter entwickelt hat. Diese Nachricht war ein Schock für uns. Ich hatte Blutungen bekommen und bin deshalb zum Arzt. Als dieser auch auf die dritte Nachfrage, ob denn alles OK sei nicht reagierte, ahnte ich schon nichts gutes. Nicht jede Blutung bedeutet etwas schlimmes, meine Mutter hatte während ihrer Schwangerschaft mit mir auch Blutungen gehabt. Doch bei uns sollte dies nichts Gutes bedeuten.

Mein Arzt sagte mir, dass nichts in Ordnung sei und ich mein Kind verlieren werde. Das war ein Schock. Ich lief nach Hause und konnte die Tränen nicht mehr beim mir halten, wusste nicht, was ich tun sollte. Mir ging es nur noch schlecht. Wie konnte das Kind, welches ist schon so sehr liebte, einfach nicht leben? Wieso, war es einfach gegangen und warum hatte ich das nicht einmal bemerkt. Ich habe ihm Lieder vorgesungen, mit ihm Musik gehört und war so glücklich. Jetzt war dies alles mit einem Mal zu Ende. Ich klammerte ich an meinen Bauch, legte mich daheim hin, rief meinen Mann an, brachte nur hervor, dass unser Kind tot ist und ich ihn brauchte. Ich war nicht mehr klar.

Mir tat alles so weh. Ich weinte und fragte mich, ob der Zwerg es noch spüren konnte, schließlich war er ja noch in mir. Der Arzt meinte, ich würde ihn wohl von selbst verlieren, sollte jedoch am Donnerstag darauf dennoch vorbei kommen, da würde er noch einmal schauen. Ich fühlte mich so leer. Doch ich begann zu begreifen, dass es vielleicht auch das Beste für unser Sternchen war.

Die darauf folgenden Tage, nahm ich Abschied. Ich hatte die Nachricht am Montag bekommen und konnte mich so, darauf vorbereiten, was mich Donnerstag erwarten würde. Es gab keine weiteren Blutungen und auch sonst war alles so wie vorher. Ich sagte meinem Kind in der Zeit noch oft, wie sehr ich es liebte und dass wir uns eines Tages wieder sehen werden. Eines Tages würden wir uns kennenlernen. Das hoffe ich sehr. Diese Vorstellung gibt mir auch ein wenig Kraft, das alles zu begreifen.

Der Donnerstag kam und ich ging mit meinem Mann zum Termin. Leider hatte sich der Doc beim Ultraschall nicht geirtt. Ich wäre in der 12 Woche, doch mein Kind war in der 5-6 Woche einfach stehen geblieben. Es hatte nie einen Herzschlag (für mich wird es dennoch immer unser Kind sein, egal, wie andere Menschen dies definieren.) es hatte nie eine Chance. Ich bat noch um ein Foto (Foto wird noch folgen) von unserem Sternchen, damit wir etwas von ihm hatten. Sonst hätte ich das Gefühl, alles war nur ein schöner Traum mit grausigem Ende... Beim Arzt bekam ich noch gesagt, dass eine Ausschabung nicht mehr zu umgehen war, da sonst Gefahr auch für mich bestünde. Also, entschied ich mich dafür. Ich machte einen Termin in einer Klinik. Das Ganze sollte dann auch schon am Montag-Dienstag drauf statt finden.

Montags war ich dann im Krankenhaus und bekam meine Aufklärung und was noch so nötig war, denn eine Ausschabung wird in Vollnarkose vorgenommen. Ich war froh, als ich endlich wieder gehen konnte und alle Formalitäten hinter mir lagen. Dennoch hatte ich große Angst und dies war auch noch die letzte Nacht mit meinem Zwerg in mir...

Am Dienstag ging ich zögerlich ins Krankenhaus und wartete auf meinen OP Termin. Gegen Mittags bekam ich dann meine Tablette und die nötigen Spritzen und schon ging alles los. Ein wenig war ich erleichtert und traurig zu gleich. Doch die Vernunft sagte mir immer und immer wieder, es geht nicht anders. Die OP verlief gut und ich war auch sehr schnell wieder wach. Gegen abends durfte ich dann die Klinik verlassen und mich zu Hause erholen. Zwei Tage danach sind wir zu meinen Eltern gefahren und dort bin ich jetzt noch immer. Ich versuche mich zu erholen und Hoffnung zu schöpfen, für eine neue Schwangerschaft. Doch vorher möchte ich meinem KInd lebe wohl gesagt haben und es wirklich verarbeitet haben. Ein weiteres Kind soll nicht in solch einem Schatten leben müssen...

Wir haben letzten Freitag eine kleine weiße Rose gekauft und eine Kopie des Ultraschallfotos darunter begraben. Dies war für mich ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Verarbeitung. Ich hoffe die Rose wird blühen und gedeihen und mich immer an unser kleines Sternchen erinnern. Manch einer mag denken, dass dies alles total dumm ist und sentimentaler Blödsinn, da es nie einen Herzschlag hatte, doch für mich ist es wie ein bisschen Heilung. Ich denke für mich ist dieser Weg der richtige. Ich blute nun auch nicht mehr und weiß, es ist so wie es ist und ich kann es nicht ändern.

Oft haben wir auch darüber gesprochen, warum dies so ist und mussten feststellen, dass es vielen Frauen so geht. Es ist erschreckend wie viele solch ein Schicksal erleiden müssen. Dennoch schöpfe ich auch aus deren Geschichten Hoffnung, denn viele von ihnen haben heute gesunde Kinder. Vielleicht war es für unser Sternchen besser so, denn wer weiß, welche Krankheit es hatte. Dennoch wird es immer ein Teil von uns sein und wir werden daran denken, wie lieb wir es hatten...

Wir haben jetzt ein Sternchen...