Der mit Amie tanzt..

22.06.2006 um 13:45 Uhr

Programmierfehler

Ich glaube jedem Programmierer ist das schon mal passiert. Am Anfang eines Projektes unterschätzt man die Komplexität, oder es fängt klein an und am Ende braucht der Kunde immer kompliziertere Details. Also macht man frisch, froh, frei seine Arbeit, ein bißchen planlos vielleicht, ein bißchen blauäugig. Trotzdem kommt man gut voran, sieht erste Ergebnisse und denkt sich, so schlecht kann der Ansatz gar nicht sein.
Doch je weiter man fortschreitet, je tiefer man in die Problematik dringt, um so klarer zeichnet sich das Bild ab, daß die Struktur doch nicht so optimal ist, der Ansatz mangelhaft durchdacht war, oder das Gesamtsystem von der Zielsetzung falsch beschrieben wurde und zwischenzeitlich revidiert werden muß. Solche Erkenntnisse kommen nicht von einem Moment zum nächsten. Da ist in aller Regel keine Klappe, die fällt. Man spürt es eher als drohende Wolke, die sich immer mehr auftürmt und verdichtet. Anfangs ist man dann noch geneigt, diese Einsicht zu verdrängen. Man bastelt immer mehr Module um das eigentliche Problem herum, trickst und mogelt. Und unter Umständen gibt einem der zwischenzeitliche (Teil-)Erfolg sogar recht.
Doch irgendwann kommt man an den Punkt, wo es unmöglich wird auf diese Weise fortzufahren, wo es ineffektiv oder gar gefährlich wird. Dann hilft nur noch eins: Alles wegwerfen und mit neuer Struktur das Ganze noch einmal beginnen. Redesign nennen das die Fachleute.
Nun liegt es auf der Hand, daß es günstig wäre, diesen Punkt möglichst frühzeitig zu erkennen. Sicher. Doch einerseits ist das oftmals gar nicht so einfach, den eigentlichen Knackpunkt überhaupt zu finden - das erfordert jede Menge Analyse -, und andererseits kann es durchaus glücken, sich mit einer Vielzahl von "work-arounds" über die Runden zu retten, ohne gänzlich neu anfangen zu müssen.
Und dann gibt es noch einen Grund, weshalb die Entscheidung zum Redesign gerne umgangen oder zumindest herausgezögert wird: Der Programmierer muß sich nämlich eingestehen, daß er Schei** gebaut hat...

Wem das jetzt alles viel zu technisch war, dem sei gesagt, daß das mit Technik eigentlich gar nichts zu tun hat. ;-)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zartgewebt schreibt am 23.06.2006 um 08:12 Uhr:Sehr gut (be)geschrieben – kann ich gut nachvollziehen!



    Sch***e gebaut, wegwerfen…?



    Hm…GEBAUT ist GEBAUT, wegwerfen wird da nicht viel helfen.

    Das Erkennen, die Einsicht ballt sich zur Regen(Gewitterwolke),

    türmt sich unmittelbar auf, wirkt bedrohlich - ist auch gut so!



    Lass es regnen ;-)



  2. Zwischenweltler schreibt am 23.06.2006 um 08:35 Uhr:Ja, es regnet gerade. Und ich habe die Hoffnung, daß es ein befreiender und erfrischender Regen wird - ein Regen, der neue Saat aufgehen läßt.

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