Cork

22.08.2011 um 05:49 Uhr

Ohne viele Worte ...

Den neuen Blog und einen ersten Eintrag findet Ihr hier:

http://2null3.blogspot.com/

Auf Wiedersehen Blogigo und Danke für alles.

Robert ist raus. 

17.08.2011 um 13:56 Uhr

Der letzte Tag

von: RobInCork   Kategorie: Reisebericht

Stimmung: Entspannt

Über diesen Text habe ich lange nachgedacht. Zum ersten mal vor einige Wochen, als mir der Gedanke zum ersten mal kam und sich instinktiv richtig anfühlte. Dann aber immer wieder und immer wieder abwägend, weil ich keine voreilige Entscheidung treffen wollte, weil ich genau weiß, dass man einen Text dieser Art auf einer guten Seite nur einmal liest.

Im Laufe der letzten (fast) 18 Monate hat dieser Blog großartiges für mich geleistet. Er gab mir die Möglichkeit mit Euch, meinen Freunden und meiner Familie, in Kontakt zu bleiben und Euch gesammelt wissen zu lassen, wie es mir hier in meinem zweiten Leben geht. Ganz nebenbei gab er mir die Chance, meine Gedanken zu allen möglichen Themen zum Ausdruck zu bringen und ein wichtiges Stück meiner Vergangenheit zu konservieren. Es passiert sehr selten, dass ich meine ersten Texte hier lese, aber wenn dann muss ich dabei immer lächeln und kann nicht anders, als mich darüber zu freuen (jetzt kommt eine halbe Zeile Eigenlob, die das Lob, das ich von Euch so oft bekommen habe bestätigt) wie weit wir beide es hier in Irland gebracht haben. Der Job läuft, die Wohnung ist schon lange meine, die Freunde in Deutschland sind geblieben und neue sogar dazu gekommen. Es waren bewegte und wunderbare (fast) 18 Monate und ich bin froh mich hierzu entschlossen zu haben.

Aber für einen von uns beiden ist nun die Zeit des Abschiedes gekommen. Der Blog war in erster Linie dazu gedacht, die (emotionale) Reise in das neue Leben zu dokumentieren und die ist schon seit einer ganzen Weile vorbei. Ich bin angekommen und hier zuhause. In der Zeit danach habe ich es mit lebensverlängernden Maßnahmen versucht und den Blog durch Texte zu diversen Zeichnungen am Leben erhalten, aber eigentlich glaube ich nicht an den Sinn solcher Operationen, selbst wenn der oder die Betroffene nur an der eisernen Lunge der Inspiration hängt. Mal ehrlich: Wie blöd wäre es ein Automagazin weiterhin „Automagazin“ zu nennen, wenn es keine Autos mehr auf dem Planeten geben würde und man schon seit Monaten in den Ausgaben die Paarungsgewohnheiten von Koalabären dokumentiert?

Dem entsprechend (und das Herz wird mir ein wenig schwer während ich das hier schreibe) erkläre ich diesen Blog hiermit offiziell für tot. Oder für „geschlossen“, wenn das Euch lieber ist.

Wie geht es jetzt weiter?

Nun, ich glaube an Wiedergeburt und das schließt auch Blogs mit ein (ja, das Melodrama muss sein). Dem entsprechend bin ich nun endgültig dabei einen neuen Blog bei Google einzurichten, der sich dann nicht mehr mit Cork sondern mit mir und den Sachen die ich erlebe und zeichne befassen wird, unabhängig davon wo ich mich gerade befinde. Sachen die in Irland passieren werden natürlich trotzdem noch festgehalten, haben aber nicht mehr den Hauptfokus. Es geht primär ums Zeichnen und das Zeug, das mir im Kopf herumspukt. Der Wechsel zu Google ist dabei ein Schritt, der schon lange im Raum stand und auf den ich mich freue, weil ich damit den Designzwängen von Blogigo den Rücken kehre und auch mehr Speicherplatz für Bilder und sogar Videos habe. Das wird gut.

Für Euch ändert sich dann nur die Adresse der Webseite, die ich hier dann auch noch in einem letzten kurzen Text bekanntgeben werde. Der Rest bleibt wie gehabt.

Und mit diesen Worten mache ich mich auf, um noch ein wenig fleißig zu sein. Allen die keine Lust auf Änderungen im Leben haben und dem Blog jetzt schmollend den Rücken kehren schicke ich ein ehrlich gemeintes „Tut mir leid“ hinterher und wünsche ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre anderer Texte, von denen es im Internet ja mehrer Millionen gibt. Allen anderen danke ich für die vielen Besuche, die zahlreichen Kommentare (ich habe sie alle gelesen und mich über jeden einzelnen gefreut) und die gemeinsame gute Zeit und freue mich darauf, Euch im nächsten Blog wiederzusehen.

Die besten Grüße an Euch alle und zum 122sten und letzten mal:

Robert ist raus.

12.07.2011 um 07:50 Uhr

Tag 494 – Wer gegen Windmühlen kämpft hat wenigstens Sport getrieben

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: fröhlich
Musik: Pendulum

Heute gibt es mal kein Bild. Schade eigentlich, aber ich bin gerade an den Skizzen für ein größeres Projekt, das ein wenig, wenn auch nicht viel, über eine normale Postkarte hinausgeht und auch wenn ich bestimmt recht bald einen Zwischenstand in’s Netz stellen werde, ist gerade noch nichts vorzeigbares existent. Da ich mir aber selber eine Deadline gesetzt habe, die ich einzuhalten gedenke sollte es es nicht sooo lange dauern. Überhautpt will ich gerade nach diversene Monaten mal wieder mit den Postkarten Gas geben, denn das Projekt lag lange brach und sticht mich jedes Wochenende leicht in die Seite, wenn ich darüber nachdenke, ob ich mal wieder einen Stift in die Hand nehme. Wer also schon seit der einen oder anderen Ewigkeit auf eine Antwort wartet, darf sich freuen. Da ist ein Licht am Ende des Tunnels.

Heute geht es aber in aller nicht gegebenen Detailiertheit um den 7. Juli dieses Jahres, den verschiedene Menschen unterschiedlich gewichtig in Erinnerung behalten werden. Zum einen waren da ganze 3 Menschen in meinem Freundeskreis, die an diesem Tag den Moment gefeiert haben, als sie ihre Mütter vor einigen Jahrzehnten mehr oder weniger schwer gequält haben, während sie sich durch einen komplett anderen Tunnel als den oben erwähnten in Richtung Licht, Sauerstoff, Lärm und dem allgemeinen Leben bewegt haben. Ich hatte zwar schon gratuliert, aber weil es so schön passt: Alles Gute noch einmal nachträglich zum Geburtstag. Mögen noch viele weitere folgen und die Zeit, die in der Zwischenzeit vergeht vergnüglich und erinnerungswürdig gestalten! :-) 

Dann war da ein ganz besonderes Geburtstagskind, das an dem Tag auch noch beruflich mit einem schwer erfolgreichen Bewerbungsgespräch den Grundstein für ein neues Kapitel im Leben gelegt hat und auch diesem gratuliere ich hier noch einmal, denn das habe ich bisher so noch nicht getan, sondern nur geschrieben, wie sehr ich mich freue, dass es nach all den Monaten des Wartens und Bangens so hervorragend geklappt hat. Es ist wohl kaum möglich, dass die neuen Kollegen auch nur ansatzweise die Qualität der alten erreichen werden, aber trotz allem hoffe ich, dass Du viel Spaß haben und nette Menschen kennen lernen wirst, die die Arbeit zu etwas ganz besonderem machen.

Und dann war da noch ich. Ich habe zwar jetzt nichts getan, das es lohnt in Stein gemeisselt zu werden, aber ich hatte die unglaublich seltene Gelegenheit, mit einer kleinen Gruppe Game Designer aus Kalifornien zusammen mit Kollegen aus Irland und Frankreich in einer Videokonferenz zu sitzen und den Erstgenannten Löcher zu ihrem Beruf in den Bauch zu fragen. Denn zufälliger Weise entspricht der Beruf des Game Designers einem von 2 Berufen mit denen ich ohne Probleme alt werden könnte, woran auch das Interview oder die Tatsache, dass es den Job in meiner Firma nur in Kalifornien, 9302 Kilometer (Luftlinie) von Berlin entfernt, gibt nichts ändern kann. Denn einer der Gründe warum ich überhaupt nach Irland gegangen bin, ist die Tatsache, dass ich gerne einen Fuß in die Branche bekommen wollte, um vielleicht einmal den großen Wurf zu landen.

Bisher bin ich davon aber noch genausoweit entfernt, wie Cork von Irvine, weswegen sich große Augen und fragende Blicke noch lange nicht lohnen. Im Moment sind keine Stellen frei und wenn dann eines Tages einmal welche frei sein sollten, müsste ich mich vermutlich gegen 1000 andere Menschen durchsetzen, die alle nur das eine wollen (nämlich diesen, meinen Job ;-)). Aber ich versuche es wider besseren Wissens einfach. Nicht aus Trotz, sondern weil sich in mir in den letzten Monaten etwas verändert hat. Unmerklich hat sich in den letzten 6 Monaten, zwischen Ereignissen, die mich persönlich betrafen, Entwicklungen anderer mir nahe stehender Menschen und vielen Gesprächen über das Leben und die Zukunft, die Angst vor dem Scheitern aus dem Staub gemacht und zurück blieb ein breit grinsender kleiner Junge, der fröhlich in meinem Kopf unterwegs ist und immer wieder „Mach’s doch einfach. Es kann nur lustig werden!“ ruft. Erste Experimente haben gezeigt, dass der Bengel gar nicht so unrecht hat und dass man verpasste Chancen viel mehr bereut, als gescheiterte Versuche. Eine wahre Kalenderweisheit, die man auf das ganze Leben anwenden kann, ich weiß. Jeder von uns hat schon einmal so gedacht, Musiker bringen auf jedem zweiten Album mindestens einen Song zu dem Thema und in Hollywood bekommt der anfängliche Loser am Ende grundsätzlich das hübscheste Mädchen, nachdem er ein paar mal mit dem Kopf im Klo tauchen war und dann zufällig genau im richtigen Moment ein Paar Hoden zwischen seinen Oberschenkeln gefunden hat. Hat also alles schon einen Bart, der sogar Methusalem neidisch machen würde, aber wenn ein Spruch so oft gebracht wurde, kann ich jedem der den Satz bisher nur mit einem Kopfschütteln bedacht hat nur den mentalen Sprung ins kalte Wasser wagen. Es lohnt sich. Immerhin hatten die Menschen, die uns das erste mal in unserem Leben zu Schokoladeneis überredet haben, damit auch recht, als sie meinten, dass das ungaublich lecker ist. :-)

Jedenfalls war diese Konferenz nicht das Letzte von mir zu diesem Thema. Der Junge in meinem Kopf geht mir schon wieder auf die Nerven, dass ich auch nicht jünger werde und gefälligst Vollgas geben soll und da er wie alle Quälgeister weder Schlaf noch Nahrung braucht, werde ich ihm seinen Wunsch wohl bald erfüllen müssen und Euch dann nachträglich  alles zu dem Wahnsinn erzählen, der mich geritten hat.

Und jetzt wird es Zeit für mich, das Kopfkissen näher in Augenschein zu nehmen. Habt einen großartigen Dienstag, fühlt Euch gedrückt und/oder lieb gegrüßt und lasst von Euch hören, wenn es Euch hin und wieder ähnlich geht,

Robert ist raus.

P.S.: Es lässt sich gerade nicht beschreiben, wie sehr mir Blogigo mit dem ewigen Löschen meiner Formatierungen auf den Senkel geht. Es ist keine Absicht, dass der Text jeden Tag anders aussieht, aber die Webseite macht jedes mal was sie will, selbst wenn ich immer wieder alles Schritt für Schritt gleich mache. Google bietet einen kostenlosen, werbefreien (!!!) Blog an. Der Wechsel wird immer verlockender...

08.07.2011 um 09:32 Uhr

Tag 490 – So, what happened?

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: The Frames

Das hier wollte ich schon lange mal wieder machen. Nicht tippen. Das mache ich ja täglich mehrere Stunden lang und auch wenn es nett ist, mittlerweile blind tippen zu können (wenn ich nicht zu müde bin), geht es doch nicht darum, sondern darum hier mal wieder ein wenig von dem zu berichten, was in der letzten Zeit so passiert ist. Denn nachdem es ja nun eine ganze Weile lang recht ruhig bei mir war, sind jetzt doch mal wieder einige nicht sonderlich gravierende, aber aufschreibenswerte Dinge passiert. Mal sehen, ob ich sie alle noch zusammen bekomme.

Zuerst einmal habe ich einen persönlichen Schwur gebrochen und tatsächlich 3 Nächte in meinem eigenen Gästezimmer geschlafen. Grund hierfür war keine Termitenplage oder einsetzende Demenz, sondern die Tatsache, dass ich mein Schlafzimmer einem Pärchen als Asyl angeboten habe. Beide waren bis zu jenem letzten Wochenende nicht nur Freunde sondern auch Kollegen, haben hier aber jetzt ihre Zelte wieder abgebrochen und sind zurück nach Deutschland gegangen, was mich offiziel natürlich freut, aber mal so ganz unter der Hand natürlich auch ein wenig traurig ist. Aber nur unter der Hand, denn reational betrachtet war es bestimmt die richtige Entscheidung. Zumindest hoffe ich das sehr für die beiden.

Egal. Jedenfalls habe ich in diesem Rahmen mal in meinem zweiten Bett gelegen und es für okay befunden. Man kann Gästen schlimmeres antun, wie ich schon an eigenem Leib erfahren durfte, auch wenn es keine 7-Zonen-Luxusmatraze o.Ä. ist.

Samstag wurde es historisch in mehrerlei Hinsicht. Zum einen habe ich mit einer Freundin (Nein, nicht SO eine Freundin ;-) ) das uralte und jüngst neu eröffnete Camden Fort besucht, dass Cork schon zu Zeiten des Unabhängigkeitkrieges in den USA vor Mördern, Yankees und Eierdieben schützte. Dort vor Ort sind dann im Rahmen eines Reenactment Events (dazu komme ich gleich noch) Menschen verkleidet als Sodaten der unterschiedlichsten Epochen durch die Gegend gezogen und haben dem Ganzen zwischen grünen Hügeln, grauen Felsen, blauem Himmel und Sonnenschein einen zusätzlichen historischen Touch gegeben. „Reenactment“ lässt sich so beschreiben: Menschen versuchen sich so authentisch wie möglich wie Menschen vergangener Epochen zu kleiden und dann Szenen aus dem Leben der damaligen Menschen nachzustellen. Nicht mit dem Sinn dabei in eine Phantasywelt abzutauchen, sondern um etwas über die damalige Zeit zu lernen und dieses Wissen Zuschauern zu vermitteln. Quasi sowas wie ein Mittelalterfestival, nur nicht zwingend auf diese Epoche beschränkt.

So hielten wir uns recht entspannt die meiste Zeit über bei einem kleinen Trupp Römischer Soldaten auf (Die spinnen, die Römer!), haben uns das Fort und die großartige Aussicht zu Gemüte geführt und den Tag in der Sonne genossen, bevor es am fortgeschrittenen Nachmittag zum zweiten mal an diesem Tag historisch wurde, als wir weiterfuhren, irgendwo in Küstennähe im Nirgendwo anhielten und ich dann tatsächlich, nach nur 16 Monaten auf dieser Insel auf der kein Ort mehr als 100 Kilometer von einer Küste entfernt liegt (kein Witz), endlich mal am Meer war! Das verdient ein Ausrufezeichen. Und entschuldigt bitte den Bandwurmsatz. Abends hatte ich dann meinen verdienten ersten leichten Sonnenbrand und damit genug von dem guten Wetter, aber trotzdem hat der Tag unwahrscheinlich für die vielen „Sommer“tage mit Regen entschädigt. Natürlich wurden den ganzen Tag über wie blöd Photos gemacht und das Best-Of hat es in ein eigenes Photoalbum geschafft, das hier begutachtet werden kann:

https://picasaweb.google.com/111522775860456893694/CamdenFort?authuser=0&authkey=Gv1sRgCJaK45GYoJLJBA&feat=directlink

Die Tage darauf habe ich endlich mal wieder gezeichnet und Bild 19 von 52, die ich dieses Jahr zeichnen will produziert. Es ging in der Zeichengruppe um Monster und mir fiel keine gute neue Pointe ein, weswegen ich einfach nur so ein neues Monster erfunden habe. Ich persönlich finde Horrorfilme in denen Kinder das Böse symbolisieren mit am unheimlichsten. Vermutlich weil Kinder bis zu einem gewissen Alter eigentlich unschuldig sind und Handlungen, die es anders darstellen andeuten, dass es nichts reines oder unschuldiges im Wesen des Menschen gibt. Aber das ist nur meine Interpretation. Jedenfalls habe ich dem kleinen Mädchen das vereinfachte Maul eines Krakens statt einem Gesicht verpasst, ihm Chitinklauen als Hände verpasst und Tentakel als Beine. Passend dazu gab es 2 zerschlissene übereinander getragene Kleider, Schleim und fertig war es.

Ich bin nicht sicher, ob ich es mag. Ich halte es nicht für schlecht, aber auch nach mehreren Tagen bin ich dem Motiv gegenüber eher neutral eingestellt. Das einzige wirklich tolle ist, dass das Zeichnen mit Tinte und Pinsel jetzt immer besser und flüssiger läuft und ich immer weniger darüber nachdenken muss, was ich da gerade mache.

Und jetzt mache ich Schluß für dieses mal. Der 7.7. war in mehrfacher Hinsicht ein interessanter und spannender Tag, aber jetzt geht es erst einmal ins Bett und ich schreibe dann später weiter.

Habt einen tollen Freitag und bis bald :-)

Robert ist raus.

22.06.2011 um 08:03 Uhr

Tag 475 – Von einer der auszog, das Fürchten zu sammlen

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: Kanye West - My Beautiful Dark Twisted Fantasy

Die letzten Tage habe ich mich gedanklich mal ein wenig mit dem Thema „Angst“ und den verschiedenen Arten in denen sie vorkommt auseinander gesetzt. Das ganze hatte keine persönliche Ursache. Mir ist nichts schlimmes passiert und ich habe auch nicht schlecht geschlafen. Mein Leben ist nach wie vor schwer in Ordnung. Dennoch ist mir das Thema in den letzten Wochen immer wieder über den Weg gekrochen und gerade in den letzten Minuten vor dem Einschlafen war das Thema immer wieder ein gern gesehener Gast.

Alles fing damit an, dass Kerstin Klein der Facebook Zeichnergruppe zu der ich gehöre beigetreten ist und eine ungewöhnliche Frage an alle Mitgleider der Gruppe hatte: Sie sammelt auf ihrer Webseite (http://www.1q365a.com/) kleine einfache Skizzen und Zeichnungen von Menschen, die ihr sagen wovor sie Angst haben. Es geht dabei nicht darum Meisterwerke zu produzieren, sondern um die Ehrlichkeit der Aussage und wenn ich es richtig verstehe, versucht sie innerhalb eines Jahres 365 Antworten auf die Frage „Wovor habt Ihr Angst“ zu sammeln. Die Daten sind so anonym, wie der Einsender es gerne möchte und am Ende ist das ganze eine Gallerie der Furcht, die aber nicht schrecklich, sondern nur ehrlich und menschlich ist. Der Gedanke gefiel mir und so fing es an.

Kurz darauf erfuhr ich rein zufällig von dem Film „Life in a Day“ bei dem der Oscar-Preisträger Kevin Macdonald tausende Menschen auf der ganzen Welt am exakt gleichen Tag mit einer Videokamera in die Welt geschickt hat (ich glaube überall außer in Nord-Korea) wo sie filmen und berichten konnten was immer sie wollten. Der Tag war der 24.07.2010, der Tag an dem es auf der Loveparade in Duisburg zu 21 Todesfällen kam (was auf die Wahl des Datum natürlich keinen Einfluß hatte) und während man in dem Kinofilm, der aus den tausenden Amateurfilmen zusammengeschnitten wurde auch von diesem Ereignis Momente erlebt, geht es doch im großen und ganzen um die Welt und ihre Menschen und diesen einen Tag, der für jeden Menschen auf irgendeine Art etwas großartiges war, wenn er oder sie sich dazu entschlossen hat, ihn ein wenig bewusster zu erleben. Der Trailer sieht sehr toll aus und wenn ihn jemand sehen kann (hier läuft er nicht), hoffe ich auf den einen oder anderen Bericht.

Aber zurück zum Thema. Neben den Trailern gab es auch Filmausschnitte und in einem davon, den man hier sehen kann (http://www.spiegel.de/video/video-1131615.html) beantworten Menschen auch wieder die Frage, wovor sie Angst haben, was eine erstaunliche Bandbreite an Antworten, von banal über pauschel bis hin zu hinter- oder tiefgründig, zutage gefördert hat. Auch das gefiel mir.Vorletztes Wochenende waren wir innerhalb der Gruppe dann um Themen verlegen und so einigte man sich darauf, dass Kerstins Frage nach Skizzen an dieser Stelle ja einmal beantwortet werden könnte und so setzte ich mich dann ran und das folgende kam dabei heraus:

Fangen wir mit der Übersetzung an: „Oblivion“ bezeichnet das Vergessen als Nomen, nicht als Verb. Wenn ich ehrlich bin, ist es nicht meine größte Angst, denn ich bin weder mutig noch weise genug, mich meinem eigenen Raum 101 (aus George Orwells „1984“ – In Raum 101 lauert für jeden Gefangenen die für ihn individuelle furchtbarste Sache der Welt) zu stellen und so fing ich an über Dinge nachzudenken, die Menschen fürchten. Zuerst einmal sind da die offensichtlichen Phobien vor engen Räumen, Spinnen, dunklen Wäldern, Clowns, Vampiren und unzähligen anderen Dingen, die man als bedrohlich wahrnehmen, aber oftmals mit viel Anstrengung hinter sich lassen kann. Dann wäre da der Tod, der mit unserem instinktiven Überlebenstrieb natürlich nur schwer vereinbar, letztlich aber eine unausweichliche Konsequenz des Lebens ist. Und dann sind da jene Ängste, die über die Furcht vor dem eigenen Ableben hinausgehen und die Menschen alle vorher genannten Ängste überwinden lassen. Etwa die Angst vor Qualen am eigenen Körper, die Angst die eigene Ehre oder Würde zu verlieren, die Angst vor der Einsamkeit oder die Befürchtung, der Welt nach dem Tod nichts von sich hinterlassen zu haben und als Unbekannter im Mahlstrom der Geschichte unterzugehen. Letztgenannte Angst wollte ich mit meiner Zeichnung darstellen in der Bruno in einem schwarzen Strudel zu verschwinden droht, da sie zwar vermutlich primär in den Ländern der ersten Welt zu finden ist, die Menschen sich dort aber erstaunliche Mühe geben, ihr entgegen zu wirken. So werden Berge bestiegen, Romane geschrieben, Trophäen gesammelt, Macht, Ruhm und Reichtum angehäuft und Kinder in die Welt gesetzt. All das nicht immer, aber doch auch nicht selten, um eine Hinterlassenschaft bereitstehen zu haben, wenn der Sensenmann zum letzten Tanz bittet. Ganz besonders das Internet ist voll von Individualisten, die hoffen, auf diese Weise zu Ruhm zu kommen und in manchen Online Rollenspielen verbringen die Menschen mehr Zeit als im echten Leben, in der Hoffnung, dort einen Ruf aufzubauen, der sie nicht nur 3 Wochen, sondern ein ganzes Leben lang unvergessen macht. So gut wie nie von Erfolg gekrönt. Um diese Sorge ging es hier.

Ich persönlich mag das Bild sehr. Es war recht einfach und zeichnete sich beinahe von selber, weswegen es sehr schnell fertig war. Technisch ist daran auch nichts neues. Kurz vorskizziert, dann mit dem Pinsel nachgetuscht und dann mit Markern die Grautöne hinzugefügt. Fertig. Ich mag es, weil es für mich in sich stimmig ist und meiner Meinung nach mit einfachen Mitteln ein Gefühl transportiert. Das kann natürlich jeder anders sehen, aber so ist es halt meine Meinung.

Puh. Und jetzt ist es hier 7 Uhr und ich muss schnell ins Bett. Das nächste mal gibts wieder weniger Denkzeug und mehr von mir und bis dahin wünsche ich Euch tolle Tage, einen schönen Sommer und die besten Grüße an Euch alle,

Robert ist raus.