Cork

12.07.2011 um 07:50 Uhr

Tag 494 – Wer gegen Windmühlen kämpft hat wenigstens Sport getrieben

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: fröhlich
Musik: Pendulum

Heute gibt es mal kein Bild. Schade eigentlich, aber ich bin gerade an den Skizzen für ein größeres Projekt, das ein wenig, wenn auch nicht viel, über eine normale Postkarte hinausgeht und auch wenn ich bestimmt recht bald einen Zwischenstand in’s Netz stellen werde, ist gerade noch nichts vorzeigbares existent. Da ich mir aber selber eine Deadline gesetzt habe, die ich einzuhalten gedenke sollte es es nicht sooo lange dauern. Überhautpt will ich gerade nach diversene Monaten mal wieder mit den Postkarten Gas geben, denn das Projekt lag lange brach und sticht mich jedes Wochenende leicht in die Seite, wenn ich darüber nachdenke, ob ich mal wieder einen Stift in die Hand nehme. Wer also schon seit der einen oder anderen Ewigkeit auf eine Antwort wartet, darf sich freuen. Da ist ein Licht am Ende des Tunnels.

Heute geht es aber in aller nicht gegebenen Detailiertheit um den 7. Juli dieses Jahres, den verschiedene Menschen unterschiedlich gewichtig in Erinnerung behalten werden. Zum einen waren da ganze 3 Menschen in meinem Freundeskreis, die an diesem Tag den Moment gefeiert haben, als sie ihre Mütter vor einigen Jahrzehnten mehr oder weniger schwer gequält haben, während sie sich durch einen komplett anderen Tunnel als den oben erwähnten in Richtung Licht, Sauerstoff, Lärm und dem allgemeinen Leben bewegt haben. Ich hatte zwar schon gratuliert, aber weil es so schön passt: Alles Gute noch einmal nachträglich zum Geburtstag. Mögen noch viele weitere folgen und die Zeit, die in der Zwischenzeit vergeht vergnüglich und erinnerungswürdig gestalten! :-) 

Dann war da ein ganz besonderes Geburtstagskind, das an dem Tag auch noch beruflich mit einem schwer erfolgreichen Bewerbungsgespräch den Grundstein für ein neues Kapitel im Leben gelegt hat und auch diesem gratuliere ich hier noch einmal, denn das habe ich bisher so noch nicht getan, sondern nur geschrieben, wie sehr ich mich freue, dass es nach all den Monaten des Wartens und Bangens so hervorragend geklappt hat. Es ist wohl kaum möglich, dass die neuen Kollegen auch nur ansatzweise die Qualität der alten erreichen werden, aber trotz allem hoffe ich, dass Du viel Spaß haben und nette Menschen kennen lernen wirst, die die Arbeit zu etwas ganz besonderem machen.

Und dann war da noch ich. Ich habe zwar jetzt nichts getan, das es lohnt in Stein gemeisselt zu werden, aber ich hatte die unglaublich seltene Gelegenheit, mit einer kleinen Gruppe Game Designer aus Kalifornien zusammen mit Kollegen aus Irland und Frankreich in einer Videokonferenz zu sitzen und den Erstgenannten Löcher zu ihrem Beruf in den Bauch zu fragen. Denn zufälliger Weise entspricht der Beruf des Game Designers einem von 2 Berufen mit denen ich ohne Probleme alt werden könnte, woran auch das Interview oder die Tatsache, dass es den Job in meiner Firma nur in Kalifornien, 9302 Kilometer (Luftlinie) von Berlin entfernt, gibt nichts ändern kann. Denn einer der Gründe warum ich überhaupt nach Irland gegangen bin, ist die Tatsache, dass ich gerne einen Fuß in die Branche bekommen wollte, um vielleicht einmal den großen Wurf zu landen.

Bisher bin ich davon aber noch genausoweit entfernt, wie Cork von Irvine, weswegen sich große Augen und fragende Blicke noch lange nicht lohnen. Im Moment sind keine Stellen frei und wenn dann eines Tages einmal welche frei sein sollten, müsste ich mich vermutlich gegen 1000 andere Menschen durchsetzen, die alle nur das eine wollen (nämlich diesen, meinen Job ;-)). Aber ich versuche es wider besseren Wissens einfach. Nicht aus Trotz, sondern weil sich in mir in den letzten Monaten etwas verändert hat. Unmerklich hat sich in den letzten 6 Monaten, zwischen Ereignissen, die mich persönlich betrafen, Entwicklungen anderer mir nahe stehender Menschen und vielen Gesprächen über das Leben und die Zukunft, die Angst vor dem Scheitern aus dem Staub gemacht und zurück blieb ein breit grinsender kleiner Junge, der fröhlich in meinem Kopf unterwegs ist und immer wieder „Mach’s doch einfach. Es kann nur lustig werden!“ ruft. Erste Experimente haben gezeigt, dass der Bengel gar nicht so unrecht hat und dass man verpasste Chancen viel mehr bereut, als gescheiterte Versuche. Eine wahre Kalenderweisheit, die man auf das ganze Leben anwenden kann, ich weiß. Jeder von uns hat schon einmal so gedacht, Musiker bringen auf jedem zweiten Album mindestens einen Song zu dem Thema und in Hollywood bekommt der anfängliche Loser am Ende grundsätzlich das hübscheste Mädchen, nachdem er ein paar mal mit dem Kopf im Klo tauchen war und dann zufällig genau im richtigen Moment ein Paar Hoden zwischen seinen Oberschenkeln gefunden hat. Hat also alles schon einen Bart, der sogar Methusalem neidisch machen würde, aber wenn ein Spruch so oft gebracht wurde, kann ich jedem der den Satz bisher nur mit einem Kopfschütteln bedacht hat nur den mentalen Sprung ins kalte Wasser wagen. Es lohnt sich. Immerhin hatten die Menschen, die uns das erste mal in unserem Leben zu Schokoladeneis überredet haben, damit auch recht, als sie meinten, dass das ungaublich lecker ist. :-)

Jedenfalls war diese Konferenz nicht das Letzte von mir zu diesem Thema. Der Junge in meinem Kopf geht mir schon wieder auf die Nerven, dass ich auch nicht jünger werde und gefälligst Vollgas geben soll und da er wie alle Quälgeister weder Schlaf noch Nahrung braucht, werde ich ihm seinen Wunsch wohl bald erfüllen müssen und Euch dann nachträglich  alles zu dem Wahnsinn erzählen, der mich geritten hat.

Und jetzt wird es Zeit für mich, das Kopfkissen näher in Augenschein zu nehmen. Habt einen großartigen Dienstag, fühlt Euch gedrückt und/oder lieb gegrüßt und lasst von Euch hören, wenn es Euch hin und wieder ähnlich geht,

Robert ist raus.

P.S.: Es lässt sich gerade nicht beschreiben, wie sehr mir Blogigo mit dem ewigen Löschen meiner Formatierungen auf den Senkel geht. Es ist keine Absicht, dass der Text jeden Tag anders aussieht, aber die Webseite macht jedes mal was sie will, selbst wenn ich immer wieder alles Schritt für Schritt gleich mache. Google bietet einen kostenlosen, werbefreien (!!!) Blog an. Der Wechsel wird immer verlockender...

08.07.2011 um 09:32 Uhr

Tag 490 – So, what happened?

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: The Frames

Das hier wollte ich schon lange mal wieder machen. Nicht tippen. Das mache ich ja täglich mehrere Stunden lang und auch wenn es nett ist, mittlerweile blind tippen zu können (wenn ich nicht zu müde bin), geht es doch nicht darum, sondern darum hier mal wieder ein wenig von dem zu berichten, was in der letzten Zeit so passiert ist. Denn nachdem es ja nun eine ganze Weile lang recht ruhig bei mir war, sind jetzt doch mal wieder einige nicht sonderlich gravierende, aber aufschreibenswerte Dinge passiert. Mal sehen, ob ich sie alle noch zusammen bekomme.

Zuerst einmal habe ich einen persönlichen Schwur gebrochen und tatsächlich 3 Nächte in meinem eigenen Gästezimmer geschlafen. Grund hierfür war keine Termitenplage oder einsetzende Demenz, sondern die Tatsache, dass ich mein Schlafzimmer einem Pärchen als Asyl angeboten habe. Beide waren bis zu jenem letzten Wochenende nicht nur Freunde sondern auch Kollegen, haben hier aber jetzt ihre Zelte wieder abgebrochen und sind zurück nach Deutschland gegangen, was mich offiziel natürlich freut, aber mal so ganz unter der Hand natürlich auch ein wenig traurig ist. Aber nur unter der Hand, denn reational betrachtet war es bestimmt die richtige Entscheidung. Zumindest hoffe ich das sehr für die beiden.

Egal. Jedenfalls habe ich in diesem Rahmen mal in meinem zweiten Bett gelegen und es für okay befunden. Man kann Gästen schlimmeres antun, wie ich schon an eigenem Leib erfahren durfte, auch wenn es keine 7-Zonen-Luxusmatraze o.Ä. ist.

Samstag wurde es historisch in mehrerlei Hinsicht. Zum einen habe ich mit einer Freundin (Nein, nicht SO eine Freundin ;-) ) das uralte und jüngst neu eröffnete Camden Fort besucht, dass Cork schon zu Zeiten des Unabhängigkeitkrieges in den USA vor Mördern, Yankees und Eierdieben schützte. Dort vor Ort sind dann im Rahmen eines Reenactment Events (dazu komme ich gleich noch) Menschen verkleidet als Sodaten der unterschiedlichsten Epochen durch die Gegend gezogen und haben dem Ganzen zwischen grünen Hügeln, grauen Felsen, blauem Himmel und Sonnenschein einen zusätzlichen historischen Touch gegeben. „Reenactment“ lässt sich so beschreiben: Menschen versuchen sich so authentisch wie möglich wie Menschen vergangener Epochen zu kleiden und dann Szenen aus dem Leben der damaligen Menschen nachzustellen. Nicht mit dem Sinn dabei in eine Phantasywelt abzutauchen, sondern um etwas über die damalige Zeit zu lernen und dieses Wissen Zuschauern zu vermitteln. Quasi sowas wie ein Mittelalterfestival, nur nicht zwingend auf diese Epoche beschränkt.

So hielten wir uns recht entspannt die meiste Zeit über bei einem kleinen Trupp Römischer Soldaten auf (Die spinnen, die Römer!), haben uns das Fort und die großartige Aussicht zu Gemüte geführt und den Tag in der Sonne genossen, bevor es am fortgeschrittenen Nachmittag zum zweiten mal an diesem Tag historisch wurde, als wir weiterfuhren, irgendwo in Küstennähe im Nirgendwo anhielten und ich dann tatsächlich, nach nur 16 Monaten auf dieser Insel auf der kein Ort mehr als 100 Kilometer von einer Küste entfernt liegt (kein Witz), endlich mal am Meer war! Das verdient ein Ausrufezeichen. Und entschuldigt bitte den Bandwurmsatz. Abends hatte ich dann meinen verdienten ersten leichten Sonnenbrand und damit genug von dem guten Wetter, aber trotzdem hat der Tag unwahrscheinlich für die vielen „Sommer“tage mit Regen entschädigt. Natürlich wurden den ganzen Tag über wie blöd Photos gemacht und das Best-Of hat es in ein eigenes Photoalbum geschafft, das hier begutachtet werden kann:

https://picasaweb.google.com/111522775860456893694/CamdenFort?authuser=0&authkey=Gv1sRgCJaK45GYoJLJBA&feat=directlink

Die Tage darauf habe ich endlich mal wieder gezeichnet und Bild 19 von 52, die ich dieses Jahr zeichnen will produziert. Es ging in der Zeichengruppe um Monster und mir fiel keine gute neue Pointe ein, weswegen ich einfach nur so ein neues Monster erfunden habe. Ich persönlich finde Horrorfilme in denen Kinder das Böse symbolisieren mit am unheimlichsten. Vermutlich weil Kinder bis zu einem gewissen Alter eigentlich unschuldig sind und Handlungen, die es anders darstellen andeuten, dass es nichts reines oder unschuldiges im Wesen des Menschen gibt. Aber das ist nur meine Interpretation. Jedenfalls habe ich dem kleinen Mädchen das vereinfachte Maul eines Krakens statt einem Gesicht verpasst, ihm Chitinklauen als Hände verpasst und Tentakel als Beine. Passend dazu gab es 2 zerschlissene übereinander getragene Kleider, Schleim und fertig war es.

Ich bin nicht sicher, ob ich es mag. Ich halte es nicht für schlecht, aber auch nach mehreren Tagen bin ich dem Motiv gegenüber eher neutral eingestellt. Das einzige wirklich tolle ist, dass das Zeichnen mit Tinte und Pinsel jetzt immer besser und flüssiger läuft und ich immer weniger darüber nachdenken muss, was ich da gerade mache.

Und jetzt mache ich Schluß für dieses mal. Der 7.7. war in mehrfacher Hinsicht ein interessanter und spannender Tag, aber jetzt geht es erst einmal ins Bett und ich schreibe dann später weiter.

Habt einen tollen Freitag und bis bald :-)

Robert ist raus.

22.06.2011 um 08:03 Uhr

Tag 475 – Von einer der auszog, das Fürchten zu sammlen

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: Kanye West - My Beautiful Dark Twisted Fantasy

Die letzten Tage habe ich mich gedanklich mal ein wenig mit dem Thema „Angst“ und den verschiedenen Arten in denen sie vorkommt auseinander gesetzt. Das ganze hatte keine persönliche Ursache. Mir ist nichts schlimmes passiert und ich habe auch nicht schlecht geschlafen. Mein Leben ist nach wie vor schwer in Ordnung. Dennoch ist mir das Thema in den letzten Wochen immer wieder über den Weg gekrochen und gerade in den letzten Minuten vor dem Einschlafen war das Thema immer wieder ein gern gesehener Gast.

Alles fing damit an, dass Kerstin Klein der Facebook Zeichnergruppe zu der ich gehöre beigetreten ist und eine ungewöhnliche Frage an alle Mitgleider der Gruppe hatte: Sie sammelt auf ihrer Webseite (http://www.1q365a.com/) kleine einfache Skizzen und Zeichnungen von Menschen, die ihr sagen wovor sie Angst haben. Es geht dabei nicht darum Meisterwerke zu produzieren, sondern um die Ehrlichkeit der Aussage und wenn ich es richtig verstehe, versucht sie innerhalb eines Jahres 365 Antworten auf die Frage „Wovor habt Ihr Angst“ zu sammeln. Die Daten sind so anonym, wie der Einsender es gerne möchte und am Ende ist das ganze eine Gallerie der Furcht, die aber nicht schrecklich, sondern nur ehrlich und menschlich ist. Der Gedanke gefiel mir und so fing es an.

Kurz darauf erfuhr ich rein zufällig von dem Film „Life in a Day“ bei dem der Oscar-Preisträger Kevin Macdonald tausende Menschen auf der ganzen Welt am exakt gleichen Tag mit einer Videokamera in die Welt geschickt hat (ich glaube überall außer in Nord-Korea) wo sie filmen und berichten konnten was immer sie wollten. Der Tag war der 24.07.2010, der Tag an dem es auf der Loveparade in Duisburg zu 21 Todesfällen kam (was auf die Wahl des Datum natürlich keinen Einfluß hatte) und während man in dem Kinofilm, der aus den tausenden Amateurfilmen zusammengeschnitten wurde auch von diesem Ereignis Momente erlebt, geht es doch im großen und ganzen um die Welt und ihre Menschen und diesen einen Tag, der für jeden Menschen auf irgendeine Art etwas großartiges war, wenn er oder sie sich dazu entschlossen hat, ihn ein wenig bewusster zu erleben. Der Trailer sieht sehr toll aus und wenn ihn jemand sehen kann (hier läuft er nicht), hoffe ich auf den einen oder anderen Bericht.

Aber zurück zum Thema. Neben den Trailern gab es auch Filmausschnitte und in einem davon, den man hier sehen kann (http://www.spiegel.de/video/video-1131615.html) beantworten Menschen auch wieder die Frage, wovor sie Angst haben, was eine erstaunliche Bandbreite an Antworten, von banal über pauschel bis hin zu hinter- oder tiefgründig, zutage gefördert hat. Auch das gefiel mir.Vorletztes Wochenende waren wir innerhalb der Gruppe dann um Themen verlegen und so einigte man sich darauf, dass Kerstins Frage nach Skizzen an dieser Stelle ja einmal beantwortet werden könnte und so setzte ich mich dann ran und das folgende kam dabei heraus:

Fangen wir mit der Übersetzung an: „Oblivion“ bezeichnet das Vergessen als Nomen, nicht als Verb. Wenn ich ehrlich bin, ist es nicht meine größte Angst, denn ich bin weder mutig noch weise genug, mich meinem eigenen Raum 101 (aus George Orwells „1984“ – In Raum 101 lauert für jeden Gefangenen die für ihn individuelle furchtbarste Sache der Welt) zu stellen und so fing ich an über Dinge nachzudenken, die Menschen fürchten. Zuerst einmal sind da die offensichtlichen Phobien vor engen Räumen, Spinnen, dunklen Wäldern, Clowns, Vampiren und unzähligen anderen Dingen, die man als bedrohlich wahrnehmen, aber oftmals mit viel Anstrengung hinter sich lassen kann. Dann wäre da der Tod, der mit unserem instinktiven Überlebenstrieb natürlich nur schwer vereinbar, letztlich aber eine unausweichliche Konsequenz des Lebens ist. Und dann sind da jene Ängste, die über die Furcht vor dem eigenen Ableben hinausgehen und die Menschen alle vorher genannten Ängste überwinden lassen. Etwa die Angst vor Qualen am eigenen Körper, die Angst die eigene Ehre oder Würde zu verlieren, die Angst vor der Einsamkeit oder die Befürchtung, der Welt nach dem Tod nichts von sich hinterlassen zu haben und als Unbekannter im Mahlstrom der Geschichte unterzugehen. Letztgenannte Angst wollte ich mit meiner Zeichnung darstellen in der Bruno in einem schwarzen Strudel zu verschwinden droht, da sie zwar vermutlich primär in den Ländern der ersten Welt zu finden ist, die Menschen sich dort aber erstaunliche Mühe geben, ihr entgegen zu wirken. So werden Berge bestiegen, Romane geschrieben, Trophäen gesammelt, Macht, Ruhm und Reichtum angehäuft und Kinder in die Welt gesetzt. All das nicht immer, aber doch auch nicht selten, um eine Hinterlassenschaft bereitstehen zu haben, wenn der Sensenmann zum letzten Tanz bittet. Ganz besonders das Internet ist voll von Individualisten, die hoffen, auf diese Weise zu Ruhm zu kommen und in manchen Online Rollenspielen verbringen die Menschen mehr Zeit als im echten Leben, in der Hoffnung, dort einen Ruf aufzubauen, der sie nicht nur 3 Wochen, sondern ein ganzes Leben lang unvergessen macht. So gut wie nie von Erfolg gekrönt. Um diese Sorge ging es hier.

Ich persönlich mag das Bild sehr. Es war recht einfach und zeichnete sich beinahe von selber, weswegen es sehr schnell fertig war. Technisch ist daran auch nichts neues. Kurz vorskizziert, dann mit dem Pinsel nachgetuscht und dann mit Markern die Grautöne hinzugefügt. Fertig. Ich mag es, weil es für mich in sich stimmig ist und meiner Meinung nach mit einfachen Mitteln ein Gefühl transportiert. Das kann natürlich jeder anders sehen, aber so ist es halt meine Meinung.

Puh. Und jetzt ist es hier 7 Uhr und ich muss schnell ins Bett. Das nächste mal gibts wieder weniger Denkzeug und mehr von mir und bis dahin wünsche ich Euch tolle Tage, einen schönen Sommer und die besten Grüße an Euch alle,

Robert ist raus.

10.06.2011 um 05:54 Uhr

Tag 463 – Was belebt beginnt, muss auch belebt enden

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: The Frames

Howdy! Wie geht es Euch, Ihr fröhlichen Genossen, die Ihr Zeit und mentale Energie in diesen immer noch lebenden kleinen Blog investiert? Mir geht es ziemlich gut. In Ordnung, ich habe eine Gerstenkorn am linken Auge, an dem ich rumgedrückt habe, was es mir damit gedankt hat, dass mein linkes Auge jetzt leicht zugeschwollen ist. Aber irgendwas ist ja immer. Wie es scheint erkälte ich mich dieses Jahr im Gegensatz zum letzten Jahr nicht mehr, sondern fange mir statt dessen Entzündungen und Infektionen ein. Ob dahinter ein System steckt habe ich auch noch nicht herausgefunden, aber es bleibt zu hoffen, dass ich es nächstes Jahr nicht mit Knochenbrüchen versuche. Ansonsten sollte ich mir nämlich doch so langsam Gedanken machen. Aber wie gesagt: irgendwas ist immer und so bleibt das Leben wenigstens interessant und ansonsten geht es mir gut.

Generell bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Zeit seit meinem letzten Urlaub extrem zähflüssig ins Land geht, obwohl ich gar nicht so viel schaffe und das macht mir wirklich ein wenig zu schaffen, weil ich immer wieder zeitlich recht orientierungslos herumstehe und mich frage, wann ich zum Beispiel meinen neuen Laptop gekauft habe, oder wann ich in Berlin war, oder wann ich das letzte mal Wäsche gewaschen habe. Nichts davon ist eine wirklich wichtige Frage, aber mein Leben ist im Moment halt auch einfach sehr ruhig und obwohl ich das genieße sehnt man sich trotz allem mal wieder nach der einen oder anderen Turbulenz im Leben.

Dabei ist die Woche gar nicht so langweilig gewesen, wie es da oben vielleicht klingt. Montag war das große jährliche Sommerfest meiner Firma und wie schon bei der Weihnachtsparty wurde nichts ausgelassen, um dem inneren Kind nicht einen tollen Tag zu gönnen. So gab es neben kostenlosem Essen und alkoholfreien Getränken (anderes konnte man kaufen, aber die Party ging es nur bis zum frühen Abend) 7 verschiedene Hüpfburg-Variationen, verschiedene sportliche Spiele, einen Haufen klassischer Spiele, die man drinnen spielen konnte, Videospiel-Wettkämpfe, Karaoke, Eis, Zuckerwatte, Schokoladenbrunnen, Ganzkörper-Sumoanzüge, Bullenreiten auf einem mechanischen Bullen und bestimmt noch andere Sachen, die ich gerade vergessen habe. Das ganze wurde auf der eigens dafür gemieteten Hunderennbahn in der Nähe von Cork ausgerichtet und war sehr schön. Auch wenn das Irische Wetter es natürlich hin und wieder mit etwas Regen aufpeppen musste, was in diesem Land aber auch niemanden mehr überrascht.

Dienstag und Mittwoch habe ich damit verbracht die Wohnung nach Feierabend ein wenig auf Vordermann zu bringen und heute (Donnerstag) kam dann Patrick an - mein erster männlicher Besuch (das muss irgendwie mal angemerkt werden). Nachdem er vor ein paar Jahren 6 Monate in Dublin gelebt hat, werde ich ihm in den kommenden Tagen mal die echte Hauptstadt des Landes zeigen, versuchen einen ersten Trip an die Küste zu organisieren und Samstag geht es dann auf ein Konzert der Band „The Frames“, eine Irische Band, die es im Gegensatz zu den anderen Bands von denen ich sonst berichte so weit gebracht hat, dass wir uns echte Konzertkarten gekauft haben, um sie zu sehen. Ich bin sehr gespannt, weil ich die Band auch nicht so gut kenne und freue mich schon sehr. Ansonten sollte es aber nicht stressig werden. Wir haben ja Wochenende und Urlaub.

Viel mehr Spannendes gibt es nicht. Ich habe vor einer Weile im Kreis mit Kollegen meinen allerersten Hummer gegessen, weil ich mal wissen wollte wie er schmeckt und kann nun betätigen, dass es eine sehr leckere Angelegenheit ist, wobei die mir präsentierte Zubereitungsart nicht ganz meins war, aber im Prinzip war es trotzdem eine tolle Sache.Ansonsten habe ich an den letzten beiden Sonntagen mal wieder ein paar Cartoons für meine Facebook Zeichengruppe gemacht, die ich dann hier und jetzt mal präsentieren werde:

#007

#008

Wem bei Betrachten der Motive nicht klar wird, warum die jetzt witzig sein könnten, dem sei versichert, dass das vollkommen okay sind. Die Themen der jeweiligen Wochen „Lazy voodoo Sunday“ (#007) und „Jedi Yeti Adventures“ (#008) waren schon recht speziell und ohne nähere Erläuterungen nicht für die breite Masse gedacht. Da ich sie aber bis auf den gestauchten Text in der ersten Sprechblase von Bild #008 trotzdem mag (liegt vielleicht am Zeichnen mit Pinsel und Tusche), kommen sie trotzdem hier auf die Seite, womit ich in diesem Jahr bisher 17 Zeichnungen veröffentlicht habe. 52 sollten es werden, also muss ich mich mal ein wenig ranhalten. :-)

Und nun verabschiede ich mich für heute. Fühlt Euch alle mal von mir gedrückt, habt einen schönen Start ins Wochenende und genießt das gute Wetter, wenn Ihr welches habt,

Robert ist raus. 

P.S.: Musik von den Frames klingt so: http://grooveshark.com/album/Another+Love+Song/820421

13.04.2011 um 06:32 Uhr

Tag 407 – Kunst, halbnackte Frauen und ich

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: Kanye West - College Dropout

Ich mache mir nichts ausStriptease. BÄM! Das war mal ein Anfangsstatement. Klar bringt es meinGeschlecht mit sich, das Menschen bei so einer Aussage lächelnd mit dem Kopfnicken und „Ja, ja. Schon klar.“ sagen, bevor sie sich glaubwürdigeren Themenzuwenden, aber ich habe den Tease hinter dem Strip nie so wirklich begreifen können.Meine einzigen beiden Erfahrungen dieser Art stammten von zwei getrenntenGeburtstagspartys, bei denen den Ehrengästen 10 Minuten Lapdance im Kreis allerAnwesenden (Männer und Frauen) geschenkt wurden und zusammengefasst war dasganze zwar sehr lieb gemeint, aber grausam anzusehen. Man stelle sich dasliebste auf der Welt vor, was man gerne haben möchte (bei männlichenangetrunkenen Singles am Ende der Pubertät sind das halt Frauen – was für eineÜberraschung) und das wird einem 15 Minuten lang direkt vor die Nase gehalten,ohne das man es anfassen darf und am Ende der Zeit geht das Licht an, es wirdeingepackt und der Traum zerplatzt mit einem leises *Plop*. Das nenne ich nichtTease, sondern Folter und ähnliche Erfahrungen kann ich auch kostenlos machen,indem ich ohne Geld durch eine Einkaufspassage laufe. Dem entsprechend habe ich31 Jahre lang recht erfolgreich einen Bogen um jedes Etablissement schlagenkönnen – Bis vor einer Woche Dr. Sketchy nach Cork kam.

Dr. Sketchy ist eineVeranstaltung, die in weiten Teilen der Welt statt findet und jetzt zum erstenmal auch ihren Weg in den Süden Irlands gefunden hat. Dabei geht es um Spaß,Alkohol, Muffins, Menschen, die auf einer Bühne Programm machen und sich imLaufe der Show immer weiter ausziehen und einen Haufen Zuschauer, die keine Kleenex,sondern Zeichenblöcke und Stifte in den Händen halten und die Darsteller(innen)so schnell und gut wie möglich auf Papier verewigen. Damit letzteres möglichist, posierten die Menschen auf der Bühne in immer länger werdenden Sessions inallen möglichen Posen und am Ende jeder Runde wurde die schönste Zeichnung miteinem Tequilla oder einem Muffin (frei nach Wahl) belohnt. Da das ganze trotzAb-18-Begrenzung bis auf einige Witze jugendfrei blieb, Publikum und Darstelleraus Vertretern beider Geschlechter bestanden und man fast schon zum Klatschen,Jubeln und Pfeifen gezwungen wurde (es wurde am Anfang der Show extra geübt),wenn Hüllen fielen, war das ganze innerhalb der 3 Stunden großer Spaß und die 15Euro Eintritt durchaus wert. Vor allen Dingen war es aber eins: Beeindruckend.Als es in der ersten Runde hieß „So, die 4 (Menschen) halten ihre Posen jetztfür eine Minute und wechseln dann.“ ging mein Arsch auf Grundeis, weil ichvielleicht schön, aber garantiert nicht schnell zeichne und ich mir kaumvorstellen konnte, dass man in 60 Sekunden mehr als ein hübsches Strichmännchenhinbekommt. Aber die Menschen rund um mich herum haben Kohle und Markerherausgeholt und sind da in einer Geschwindigkeit am Werke gewesen, die michdie Menschen auf der Bühne beinahe hätte vergessen lassen und an einigenPunkten hätte ich lieber den Zeichnern über die Schulter geguckt, statt michselber abzumühen. Aber ich hab tapfer durchgehalten und Seite für Seite mitZeichnungen gefüllt, in der Hoffnung auch einen Muffin zu gewinnen. Erfolgloswohlgemerkt, was aber auch nicht schlimm ist. Zum Ausgleich hatte ich nach den3 Stunden das Gefühl alles und jeden innerhalb von 20 Minuten portraitieren zukönnen, wenn mein Opfer nur lange genug still hält. Ob das stimmt werde ich soschnell wohl nicht herausfinden, aber die Idee war nett.

Heute habe ich es dann zum erstenmal seit einem Jahr zu einem Drink&Draw Event geschafft, bei dem sichMenschen alle 14 Tage in einem Pub treffen und da dann reden, trinken undzeichnen und insgesamt eine gute Zeit haben. Das ganze findet leider immer anden Tage statt an denen ich arbeiten muss, weswegen ich im Regelfall nichtmitmachen kann, aber heute ging es aufgrund besonderer Umstände einmal undobwohl ich nichts Produktives zu Papier gebracht habe, hatte ich doch eine MengeSpaß und konnte wie beim Dr. Sketchys Event neue Leute kennenlernen, was immerwieder toll ist.

Ach ja. Sollte sich jemandfragen, warum ich hier ewig lange übers Zeichnen rede, aber seit gefühltenEwigkeiten nichts mehr veröffentlicht habe: Am Sonntag haben so ziemlich allemeine Fineliner ihr Versprechen wahr gemacht und geschlossen den Dienstquittiert, sodass ich jetzt ein wenig auf dem Trockenen sitze, bis ich mir inBerlin neue kaufen konnte. Cork hat zwar auch Läden mit Künstlerbedarf, abergute Fineliner sind hier nur sehr schwer zu bekommen und ich werde Freitag wohlerst einmal alle mir bekannten Läden in der Umgebung abklappern müssen, bis ichden einen Laden wiederfinde in dem ich mal einen annehmbaren Ersatz gefundenhabe. Das mag über die Maßen anspruchsvoll klingen, aber nach einer Weile merktman, dass Tinte nicht gleich Tinte und Stiftspitze nicht gleich Stiftspitzeist. Wie bei allem im Leben gibt es auch da feine aber wichtige Unterschiede undzum schlampig arbeiten ist mir die Zeit einfach zu schade. Immerhin ist sie einbegrenztes Gut.

Ansonsten gibt es in Cork nichtviel Neues. Der Frühling wird gaaanz langsam vom frühen Sommer abgelöst, mirgeht es gut, der Job läuft, die Liebe nicht (ist wohl gerade in anderenGefilden unterwegs) und damit hat es sich auch schon wieder. :-)

Morgen vor 99 Jahren ist dieTitanic gesunken, um hier mal ein wenig Historie in den Text zu bringen, aberbevor ich jetzt anfange in der Wikipedia nach weiteren Ereignissen zu suchen,beende ich diesen Text hier, wünsche Euch allen eine tolle Restwoche und einengroßartigen Frühling und verabschiede mich mit den üblichen 3 Worten:

Robert ist raus.

07.04.2011 um 07:07 Uhr

Tag 402 - Waaah, I'm freakin' busy. :-)

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: Erschöpft, aber gut gelaunt

Tagchen.

Eigentlich würde ich ja gerne wieder einen meiner ewigen Monologe in die Tasten hauen, in denen ich über ... ach, irgendwas rede, aber gerade bin ich "leider" unglaublich beschäftigt und schaffe es nicht, nebenbei noch die Zeit zu finden, mich hier um den Blog zu kümmern. Am Wochenende dafür wieder.

Nur so viel: In meiner Firma gibt es anlässlich des Osterfestes mal wieder einen Zeichenwettbewerb und ich bin schwer motiviert, nachdem mich in letzter Sekunde die Muse geküsst hat. Dazu gibt es immer noch einen Stapel Menschen, die (schon ewig) auf eine Postkarte warten, verschiedene Sachen, die ich auch schon seit einer Weile in Angriff nehmen möchte und außerdem veranstaltet die kleine internationale Zeichengruppe bei der ich mitmache seit 2 Wochen jeden Sonntag eine "Hour of Sketch Power" bei der ich versuche, mehr oder weniger geistreiche Cartoons basieren auf verrückten Idee oder kuriosen Nachrichten aus aller Welt abzugeben. Vorlagen gibt es mehr als genug: Am 28.03. hat eine 75 Jahre alte Frau die beiden Nationen Georgien und Armenien komplett vom Internet getrennt, indem sie die Glasfaserleitung an der die beiden Länder hängen zerhackt hat, weil sie das Kabel klauen wollte. Das war für die Menschen in den Ländern 12 Stunden lang vermutlich wenig witzig, aber ich musste trotzdem breit grinsen. Darüber gibt es aber vermutlich keinen Cartoon. Die Reihe nenne ich nebenbei "Sketchin' hot" und wird hier zukünftig auch veröffentlicht, auch wenn ich mit dem Gedanken gespielt habe, Euch damit am Ende des Jahres zu überraschen

Hier die beiden der letzten Woche. Sie sind auf englisch, weil die Gruppe international besetzt ist und ich mag sie gerade nicht übersetzten, aber bei Interesse hole ich auch das am Wochenende nach.

Nr. 1 

- Die Wissenschaft hat bewiesen, dass Gott die Erde erschaffen hat. Er brauchte einen Partner für seinen geheimen Decoder-Ring. (Der Gag war einfach der erste und kann schwer erklärt werden. Nur soviel: Auch Gott hat manchmal verrückte Ideen. ;-))

Nr. 2 

  

"Und der Nobel(Keks!)preis im Bereich der Litera(Keks!)tur wird hiermit an (Keks?) das Keks(KEKS!)monster verliehen." (Das Krümelmonster heißt in der Englischen Version übersetzt Keksmonster, was hier gut passt. "Nom nom" ist ein Kunstwort, das dem Geräusch des Krümelmonsters beim Essen von Keksen entnommen ist, durch das Internet berühmt wurde und jetzt im Oxford Wörterbuch steht, womit es quasi ein echtes Wort geworden ist. Man kann es grob mit "Leckerschmecker" oder "mjam mjam mjam" übersetzen.)

Sonst gibt es ein wenig über mein vergangenes Wochenende zu berichten, aber auch das hole ich nach.

Habt einen tollen Donnerstag, fühlt Euch gesammelt gedrückt und bis die Tage,

Robert ist raus

P.S.: Falls mir wer das mit der Frau in Georgien nicht glaubt: http://www.fnp.de/fnp/nachrichten/politik/seniorin-stoppt-internet-in-zwei-laendern_rmn01.c.8818362.de.html 

28.02.2011 um 06:29 Uhr

Leben 2, Jahr 2, Tag 1 (a.k.a. Tag 366) – Happy Birthday!

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: Sehr gut

Ein neuer Job, ein neues Land, ein neues Leben. Das zweite in meinem Fall.

Beschränken sich unsere generellen Kommunikationsmöglichkeiten zu Beginn des ersten Lebens im allgemeinen auf fröhliche Gluckser und lange Aneinanderreihungen von Vokalen, sieht der Fall bei mir, nachdem 30 Jahre, 3 Monate und 26 Tage seit meinem ersten Vokal vergangen sind, deutlich besser aus. Dankbarer Weise kommt mir in dieser unserer hoch-technologisierten Zeit aber nicht nur meine Fähigkeit Konsonanten zwischen die Vokale zu quetschen zugute, sondern auch noch das Internet so dass ich mich hier, all den Wünschen nach Nachricht von mir entsprechend, mal so richtig und hoffentlich auch möglichst regelmäßig austoben kann, mit dem Ziel euch zu informieren und, soweit möglich, das eine oder andere Lächeln in eure Gesicht zu zaubern. Drücken wir uns an dieser Stelle mal gegenseitig die Daumen, dass das was wird...

So fing mein allererster Text hier im Blog an, damals noch in einem Hotelzimmer mit dem Koffer und dem Rucksack, die meinen einzigen Besitz hier in der Stadt darstellten, in der Ecke, dem Teddybären, der es durch die verheißungsvolle Gepäckkontrolle geschafft hatte, auf dem Bett sitzend und mit mir am kleinen Tischchen des Zimmers, übernächtigt, überwältigt und über die Maßen ahnungslos, wie das hier jetzt etwas werden soll. Alles war fremd, die Leute zu verstehen alles andere als leicht und über allem hing ein fremder, nicht schlimmer aber unbekannter Geruch, den ich bis heute nicht zuordnen konnte. Ich vermute, dass es etwas mit der Brauerei hier in der Stadt zu tun hat, weil es mich an Bier erinnerte, aber sicher werde ich mir wohl nie sein.

Denn heute rieche ich den Geruch nicht mehr. Die Stadt ist mir bis auf wenige Ecken bestens bekannt, die Leute verstehe ich fast immer (außer sie verfallen wieder in ihr übliches südirisches Nuscheln) und sogar mit den Bussen komme ich jetzt klar (obwohl ich sie nach wie vor wann immer es geht meide). Kurz: Im Laufe des Jahres bin ich irgendwann angekommen, was für mich nicht einfach war. Viele Menschen haben mich für meinen Mut gelobt, einfach mal so in die unbekannte Ferne zu ziehen und da mein Glück zu versuchen und ich bin im Laufe des Jahres fließend zwischen der Dankbarkeit und dem Herunterspielen der Aktion hin und her gewechselt, je nach aktueller Stimmung. Die Wahrheit liegt wie so oft in der goldenen Mitte: Natürlich hatte ich die Wahl, einfach in Berlin zu bleiben, auf den Job zu pfeifen und mich für eine Karriere in der Pflegebranche sanitärer Anlagen in Einkaufszentren und Diskotheken zu entscheiden. Die Menschen da verdienen mit den ganzen Trinkgeldern nicht schlecht und ihr Job hat auch eine unleugbare Berechtigungsgrundlage. Aber glücklich wäre ich da wohl nie geworden und wenn ich schon arbeiten muss, um Geld zu bekommen, dann sollte mir die Arbeit wenigstens auf irgendeine Art und Weise etwas geben und mich glücklich machen. Wo ist sonst der Sinn dabei, morgens (oder in meinem Fall: Mittags) aus dem Bett zu steigen? Also bin ich den harten Weg gegangen, habe emotional mit der alten Heimat Schluss gemacht (die Liebe bleibt trotzdem immer), alle Verbindungen nicht gekappt, aber mit 1420 Kilometer langen Fäden neu gewoben und versucht das beste daraus zu machen. Wie es scheint mit Erfolg. Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir nicht ein Mensch ein zu dem der Kontakt im Laufe des Jahres endgültig abgebrochen ist. Klar, viele sehe, höre und lese  ich nicht mehr so oft wie in Berlin und bei einigen habe ich es mit meiner zeitweise recht fordernden Art ungewollt provoziert, aber insgesamt betrachtet sind nur noch mehr Leute dazu gekommen und andere Kontakte haben sich intensiviert, obwohl ich damit nie gerechnet hätte.

Kontakt halten war und ist mir immer wichtig gewesen. Berlin hat die ersten 30 Jahre mein Leben bestimmt und wird es in ferner Zukunft wieder tun und jeder einzelne von Euch hatte daran in unterschiedlichem Maß Anteil. Himmel, sogar der Mensch, der sich zwischen 2009 und 2010 „mein Chef“ nennen durfte, hatte nicht unbedeutend Anteil an meiner Entwicklung. Wäre er nur etwas menschlicher gewesen, würde ich noch heute in seinem Büro sitzen und einen Schritt wie den vor einem Jahr niemals wagen. In diesem Sinn: Vielen Dank, Emanuel. Mögen die Faustgroßen Hämorrhoiden, die ich Dir so oft gewünscht habe heute zur Feier einmal nicht weh tun…

Aber ernsthaft:  Ich hab mir schon vor Tagen den Kopf zermartert, was ich heute, anlässlich des ersten Jahrestages schreiben könnte und folgende 3 Punkte sind mir bisher in den Sinn gekommen:

1)      Hier her zu ziehen war gut und richtig und in vielerlei Hinsicht eine wertvolle und prägende Erfahrung, die ich wohl nie bereuen werde (ich klopfe an dieser Stelle auf Holz). Ich weiß natürlich nicht, ob es so etwas wie eine der besten Erfahrungen meines Lebens ist. Dazu werde ich mir erst Jahre nach meiner Rückkehr ein Urteil erlauben können und der erste Platz in der „Beste Sache des Lebens“ Liga ist in den kommenden mindestens 59 Jahren noch heiß umkämpft, aber falsch war es nicht. Trotz einiger Depressionen, vieler Zweifel und unzähliger Stunden des stillen Nachdenkens kann ich das hier und jetzt mit Gewissheit sagen.

2)      Wow, was für ein Jahr! In diesem Blog gab es 108 Texte von mir mit über den Daumen gepeilt 90.000 – 100.000 Zeichen, wenn nicht mehr, in denen ich Euch an so vielen Teilen meines Lebens wie mir möglich war teilhaben lassen wollte. Natürlich nicht an allen, aber wie versprochen an den wichtigsten (nicht zu intimen). Dazu gab es knapp 30 Zeichnungen (von denen einige nicht veröffentlicht wurden) was insgesamt aber mehr ist als jemals zuvor in meinem Leben und sich, Euren Kommentaren zufolge, auch ausgezahlt hat. Und nebenbei hatte der Blog in einem Jahr über den Daumen gepeilt 3800 Besucher, die nicht ich sind und 4000 insgesamt. Ich mache wegen der runden Zahlen kein Fass mehr auf, aber weil die Zahl noch knapp innerhalb des Jahres voll gemacht wurde, verdient sie eine kleine Erwähnung.

Beruflich bin ich leider noch nicht auf dem Niveau, das ich gerne erreichen möchte, aber nach einem Jahr zumindest kein Greenhorn mehr. Wird schon noch. Außerdem habe ich basierend auf einigen Kontakten und vielen Gesprächen eine Vorstellung, wohin mein Leben gehen soll.

Kulturell war das ganze Jahr in vielerlei Hinsicht natürlich auch lehrreich. Ich kann nicht sagen, ob in einem Jahr hier nicht mehr über die Irische Kultur gelernt habe, als in 30 Jahren davor über die Deutsche. Es scheint als würde das Wissen um Irland gewinnen, aber auf der anderen Seite nimmt man vieles in der eigenen Kultur ja auch komplett unbewusst auf, ohne es als aktives Wissen zu verbuchen. In jedem Fall kenne ich mehr gute Irische Amateurbands als Deutsche Bands in dieser Liga.

Der soziale Teil wurde eigentlich schon oben erwähnt und es ist natürlich klar, dass man in einer Firma, die mehr als 800 Mitarbeiter vor Ort hat haufenweise neue Menschen kennen lernt, aber die Menschen, die in diesem Jahr in mein Leben getreten sind und die ich heute „Freunde“ nenne (auch außerhalb der Firma), verdienen eine separate Erwähnung. Ein wenig schade ist, dass keine Iren dabei sind, aber man weiß ja nie, was die Zeit noch so bringt. :-)

3)      DANKE! An jeden einzelnen von euch. Egal ob ihr den Blog regelmäßig gelesen, sporadisch reingeguckt, oder eigentlich gar nicht hier wart. Ob ihr mit mir gechattet, telefoniert, Emails oder andere Nachrichten geschrieben, mich in Cork besucht habt, oder mich einfach nur sehen wolltet, wenn ich in der Gegend war. Vielleicht haben Menschen ohne Bande in ihre alte Heimat es leichter, loszulassen und in neuen Situationen Fuß zu fassen. Vielleicht sind sie auf ihre Weise damit glücklicher und in einigen Situationen wäre eine „Fuck it“-Einstellung bestimmt der entspanntere Weg gewesen. Aber ich bin nicht „andere Menschen“ und ich mag es sehr von jedem von euch zu hören. Auch wenn es vielleicht nur einmal alle paar Monate ist. Deswegen, wenn ihr Euch im letzten Jahr irgendwann einmal bei mir gemeldet habt oder wir uns gesehen oder gehört haben, oder ihr auch einfach nur mal nett an mich gedacht habt: Habt vielen Dank und fühlt euch einmal gedrückt. Alternativ könnt ihr euch auch, wie in den ersten Texten immer noch geschrieben, selber oder gegenseitig auf die Schulter klopfen. Ihr seid toll!

Außer Emanuel. Du kannst denken was Du willst – die Hämorrhoiden bleiben (mir ist heute danach).

Und damit mache ich für heute Schluss. Ich könnte noch über mein Wochenende berichten an dem ich 3 Irische Bands auf Konzerten gesehen habe, aber das mache ich lieber an einem anderen Tag. Dieser Text ist hiermit definitiv zeitraubend genug gewesen. ;-)

Habt also alle einen schönen Start in die Woche, bleibt gesund und ich hoffe, dass die Sonne von jetzt an im Zeichen des Frühlings dauerhafter Gast bei den vom Winter gebeutelten Einwohnern Deutschlands und Montreals ist.

Robert ist raus.

01.02.2011 um 07:13 Uhr

Tag 331 – So kurz vorm ins Bett gehen

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Gestern Abend konnte ich nicht ins Internet. Meine Zeit war abgelaufen und mein Guthaben erschöpft und so musste ich dann wohl oder übel ein paar bittere Stunden am Abend offline verbringen. Ein gänzlich ungewohnter und auch recht unwillkommener Zustand. Aber ich habe das Beste daraus gemacht, meine Sorgen bezüglich des Gelingens der nächsten Karte über Board geworfen und mich ran gesetzt. Nachdem ich heute dann auch nochmal ein paar Stunden rangeklotzt habe, ist sie leider immer noch nicht fertig, dafür aber kurz davor und so werde ich sie, wenn die Technik es erlaubt, Donnerstag oder Freitag veröffentlichen.

Ab gesehen davon gibt es nicht viel zu erzählen. Mein Leben läuft beschaulich und übersichtlich weiter und in drei Tagen um diese Zeit werde ich spanische Inselluft atmen und mich vermutlich entgegen meinem aktuellen Schlafrhythmus auf die andere Seite drehen und hoffentlich nicht mehr von den hunderten Linien träumen, die ich in den letzten 24 Stunden zu Papier gebracht habe.

Mein nächster Besuch hat sich angekündigt und ich erwarte voller Vorfreude die Nachricht, dass die Tickets gebucht sind, damit dann im März die Stadt mit Freunden unsicher gemacht werden kann.

Und mehr gibt es gerade wirklich nicht zu berichten. Ich könnte mir zwar das eine oder andere gedankliche Thema vornehmen und darüber philosophieren, aber meine Nächte sind gerade kurz genug und immer wieder und wieder muss ich hier ja nicht den Nachdenklichen rauskehren, zumal ich im letzten Text ja schon genug Kalenderweisheit für 2 Texte niedergeschrieben habe (ja, ich lese immer alle Kommentare und bemerke auch Formulierungen, die darauf schließen lassen, dass mancher Text mehr als einmal gelesen wird. ;-)).

Deswegen mache ich hier jetzt schon nach einer zweidrittel A4 Seite Text Schluss und wünsche euch einige schöne Tage, wo auch immer ihr seid, und viel Spaß bei allem was ihr so treibt.

Robert ist raus.

P.S.: Ein wenig Fremdwerbung:

Am Samstag habe ich Lydia und Eva kennen gelernt. Beide sind Freelance Zeichnerinnen und Designer im Phantasy-Arts  Bereich und bringen Sachen zu Papier, bei denen mir vor Neid die Fußnägel hochklappen (Aua!). Wer mal gucken will, kann das hier machen: http://www.eva-widermann.de und http://lydiaschuchmann.blogspot.com (Für Inhalte auf der Seite sind sie selber verantwortlich).

28.01.2011 um 06:06 Uhr

Tag 327 – You never „good luck“, you say „don’t give up“…

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: nachdenklich, motiviert, gut
Musik: The Roots - How I got over (speziell "The fire")

Hallo ihr alle. Mit leichtem Interesse habe ich kürzlich festgestellt, dass sich die Zahl hinter dem Wort “Tag” stetig der 365 nähert, die dann den ersten Geburtstag im neuen Leben markiert. Überlegungen kreisen in meinem Kopf und werden zu ersten Ansätzen von Plänen, die es kaum über den Status einer Möglichkeit hinaus schaffen, aber alle entscheidenden Einfluss darauf haben, wie alt dieses zweite Leben wird, bevor das dritte Leben anbricht. Das dritte Leben wird in Deutschland verlebt und es baut auf allem auf, was ich im zweiten Leben schaffe, was wohl auch der Grund ist, warum ich hier nach 10 Stunden Arbeit nicht selten am Tisch über Zeichnungen gebeugt sitze. Gleichzeitig mit Leben 2, soviel ist mir schon klar, wird wohl auch dieser Blog sterben, der neben einem Lagebericht auch eine Dokumentation für mich selber ist. In sehr seltenen Momenten lese ich einen alten Text von mir (meistens wenn ich hier im Text auf einen alten Abschnitt oder eine alte Zeichnung verweise) und schaffe es dann, mich daran zu erinnern, wie es mir an dem Tag ging. Das ist ganz nett, weil es immer ein Stück meines Lebens ist und man hinterher dann auch mal „Ach, so hat sich das große Fragezeichen deralten Tage also in das heutige Ausrufezeichen verwandelt“ sagen kann. Es nicht in einem privaten Tagebuch, sondern in einem offenen Blog nieder zu schreiben, hat dabei einen entscheidenden Vorteil: Man schreibt wenig bis gar kein Zeug nieder, was einem 3 Jahre später die Schamesröte ins Gesicht treibt, kann aber mit einer gewissen Menge gut platziertem und zeitweise auch gut verstecktem Gefühl trotzdem auch das festhalten, was einem an den Tagen im Kopf herum spukte, aber nicht aufgeschrieben wurde. So habe ich vieles von dem, was mir am ersten Tag im Kopf herum ging nicht aufgeschrieben. Aber wenn ich den Text lese, ist es, wenn ich möchte, alles wieder da.

Was ich hier aufschreibe scheint, dem Feedback, das ich gelegentlich bekomme entsprechend, hin und wieder Menschen in der einen oder anderen Weise zu beeinflussen und wenn jetzt jemand denken sollte „Boah, ich will auch was schreiben“: Macht es. Kümmert euch nicht darum, wie viele Menschen eure Seite besuchen, oder wer eurer Freunde sich gar nicht erst die Mühe macht, eure Anstrengungen zur Kenntnis zu nehmen. Das entwickelt sich ganz von alleine und einige treue Seelen finden sich immer, die Interesse an eurem Leben haben. Dabei ist es auch nicht wichtig, ob ihr euren Blog mit Berichten, Bildern, Gedichten, selbst komponierten Liedern oder Zeichnungen füllt. Wenn es ein Stück von euch ist, wird der Blog zu eurer ganz eigenen Zeitkapsel, eurem ersten Zuhörer, einer Inspiration und einem Schlüssel für die Zelle in der sich die Gedanken im Kopf manchmal verfangen. Macht es für andere, aber macht es auch für euch selber. Und hört bloß nicht auf die Menschen, die sagen, dass Blogs bestenfalls Anfang des Jahrtausends cool waren. :-)

Es gibt Momente in denen ich (und ich nehme an auch andere Menschen) die Dinge aus den Augen verliere, die ich liebe. Das kann viele Gründe haben. Eine Menge blödes Zeug kann die Sicht auf die guten Dinge verstellen. Und dieses Zeug kann einem von dritten genauso leicht wie von einem selber in den Weg gestellt worden sein. Manchmal versteifen wir uns zu sehr auf eine Liebe und lassen all die anderen tollen Sachen außer acht, die uns durch den Alltag bringen. Hin und wieder erschreckt uns auch, was wir lieben und wir achten lieber auf das blöde Zeug, weil es zwar doof ist, uns aber wenigstens keine Angst macht. Aber egal was die Ursache ist: Wenn es uns aufgefallen ist, wird es Zeit die mit Scheisse gefüllten Kisten wieder an den Rand zu schieben, den Blick auf das Gesamtwerk zu richten und dem Monster, das wir lieben lächelnd und zwinkernd die Zunge herauszustrecken, damit wir mit dem Leben und seinen Komplikationen, von denen es auch außerhalb unseres geistigen Mikrokosmos mehr als genug gibt, wieder klar zu kommen und vorwärts zu gehen. Etwas in dieser Art geistert schon seit dem letzten Text in meinem Kopf herum, aber erst die in der Überschrift stehende Textstelle brachte es ans Tageslicht, denn die letzten Tage habe ich damit verbracht, Gedanken in meinem Kopf unproduktiv im Kreis zu jagen, was dazu führte, dass ich mit dem Zeichnen auf keinen grünen Zweig kam (ich seh‘s schon kommen, der Dezember wird teuer ;-)).

Anyway. Zeichenbuch und Stifte liegen wieder neben mir und warten darauf, dass ich hier fertig werde und ich bin schon auf die kommende Karte gespannt, die entweder fürchterlich oder fürchterlich schön wird. Mal sehen. Nebenbei schreibe ich Zeile für Zeile erste Sätze und Ideenfetzen für eine Geschichte auf, die mir bei dem ganzen sinnlosen Nachdenken als Nebenprodukt in den Sinn kam. Wenn ich es durchziehe und es soweit ist, werde ich sie auch vorstellen und dann um massives Feedback bitten. Aber bis dahin fällt noch viel Wasser den Berg runter…

Jetzt wird es erst einmal Zeit für die Stifte. Habt einen schönen Start ins Wochenende, wenn ihr denn eins habt und wir lesen uns Montag wieder,

Robert ist raus.

;P 

24.01.2011 um 04:06 Uhr

Tag 323 – Lethargie, Zähne und Nasen

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: Gut
Musik: Zero 7 - The Garden

Das mit dem Mitte-der-Woche-wieder-schreiben ist mal wieder nichts geworden. Böser Robert. Böse! Viel böser als der Geist, war in dieser Woche aber der Körper, denn der Geist war eigentlich willig, wurde aber von äußeren Umständen aufgehalten.

Es fing alles am Mittwoch an, als mir mitten im Dienst ganz ohne Vorwarnung ein Stück von meinem Backenzahn abbrach, vermutlich weil ihm langweilig war und es mal sehen wollte, wohin sich das gerade gekauten Maoamwohl verzieht, wenn ich genug darauf rumgekaut habe. Letztlich endete es zusammen mit dem Maoam im Mülleimer, was es wohl nicht geplant hatte, aber da ist es selber schuld. Mir war’s aus verschiedenen Gründen egal. Zum einen war eben jener Zahn bei einer Wurzelbehandlung schon bis zu den Nerven aufgebohrt worden und der Gedanke, dass diese da jetzt freiliegen und nur darauf warten, mir beim nächsten Luftzug oder bei der nächsten Nahrungsaufnahme in einer Explosion aus Schmerz den Kopf zu sprengen, weckte in mir ungefähr das gleiche Gefühl, wie es wohl Menschen haben, die auf eine Tellermine treten, die erst mit dem Heben des Fußes explodiert: Panik, auch wegen dem was jetzt folgen muss. Ich habe in früher Kindheit schon jegliches Vertrauen in Zahnärzte verloren, nach 11 Jahren Kieferorthopädie aber beschlossen, dass ich die Dinger so lange wie möglich gesund behalten möchte, was sie mir nicht gerade einfach machen, weil sie generell anfällig sind. Nun muss ich einen Vertreter dieses beinahe verhassten Berufsstandes aufsuchen und kann wohl leider nicht darauf warten, dass ich es nach Berlin zu jenem einen Arzt schaffe, dem ich wenigstens so ein bißchen Vertrauen schenke, sondern muss zu einem der örtlichen Vertreter, die aber der lokalen Mundpropaganda entsprechend eher bessere Tierärzte sind, was meine Stimmung nicht hebt. Aber da musste ich durch. Eine Millionen polnische Migranten, die sich in Irland niedergelassen haben, genießen da einen deutlich besseren Ruf und so bin ich zu einem polnischen Zahnarzt, der mir den Beisser jetzt in einigen Sitzungen hoffentlich retten wird. Da das irische Gesundheitssystem aber unterhalb jeglicher Standards liegt, werde ich das alles aus der eigenen Tasche zahlen müssen. Ich freu mich. Glück im Unglück: Nerven liegen entgegen erster Befürchtungen nicht frei und schmerzen tut nur hin und wieder die Zunge, die gelegentlich gegen die spitzen und scharfkantigen Ränder des Restzahns kommt. Ich werd’s überleben.

Freitagmorgen ging es dann direkt weiter, als ich auf meiner Nasenspitze einen 1 cm großen kreisrunden Bluterguss fand, von dem ich keine Ahnung habe, wie er da hingekommen ist, der mich aber stark an eine Clownsnase erinnerte, was auch so ein Knaller war. Es darf an dieser Stelle gelacht werden. Ich würde es wohl auch tun, wenn es nicht mein Zinken gewesen wäre. Jedenfalls war das Wochenende damit für mich gesellschaftlich gelaufen. Freitagsabends war ich noch verabredet, was ich in der (erfüllten) Hoffnung, dass wir nicht in einem hell erleuchteten Pub sitzen werden nicht abgesagt habe, aber darüber hinaus haben Körper und Geist beschlossen, dass wir dieses Wochenende mal auf weitere Gesellschaft verzichten und uns lieber mit kreativem Zeug befassen.

Denn im Augenblick bedarf jede Karte eines Brainstormings, bevor mich die Muse küsst. Ich habe am Anfang geschrieben, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen versuche, die Karten so zu gestalten, dass sich niemand für sein Werk schämen muss oder es als unpassend empfindet und dem entsprechend ringe ich mit mir. Einige Ideen sind gut, passen aber nicht. Andere sind in anderen Karten schon das eine oder andere mal verwendet worden und außer den Cartoon – Charakteren, möchte ich das meiste eigentlich nicht sooo oft wiederverwenden. Und wieder andere sind auf einem A6 Blatt nicht umsetzbar. So gelange ich halt hin und wieder an den Punkt an dem mir die Ideen für neue Konzepte ausgehen. Würde ich nur Bruno und Tim zeichnen, wäre ich schneller und an dieser Stelle mangelt es auch nicht an Ideen, da sich diese Figuren quasi von selber entwickeln (besonders Bruno) und Ideen nach einiger Zeit in meinem Kopf Schlange stehen. Aber das wäre zu einfach und geschummelt wird nicht. Trotzdem wird es ein wenig eng, weswegen die baldige Pause nicht schlecht ist. In dieser werde ich einige Tattoos, ein Logo für mein Team im Büro, ein oder zwei Poster (eine 2009 erstellte Zeichnung, die nicht veröffentlicht wurde, hängt als A0 Poster in der Wohnung von Freunden) und vielleicht noch ein wenig nicht genau definierten Kleinkram zeichnen, bevor es mit den Karten weiter geht.

Tja. So sieht es gerade aus. Morgen ist die zuletzt gezeichnete Karte lange genug in der Post unterwegs und wird dann hier veröffentlicht, obwohl einige von euch sie schon kennen. Und für heute schenke ich mir noch ein Glas Wein ein, hole die Stifte raus und mache mich an die Arbeit.

Habt einen tollen Start in die Woche und fühlt euch alle wie ihr seid herzlich von mir gedrückt und gegrüßt und wir lesen uns morgen wieder. Versprochen.

Robert ist raus.

P.S.: An die IT Leute, die die Texte hier lesen: Angeblich kann man sich einen RSS Feed einrichten. Hat das hier mal jemand versucht und positive Erfahrungen gesammelt? Eine kurze Info, egal über welches Medium wäre super. :-)

17.01.2011 um 08:21 Uhr

Tag 316 – Ein wenig Blabla

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: Super Extra Bonus Party - Night Horses

So. Heute mache ich etwas, das ich in diesem Blog eigentlich nie so unverblümt machen wollte, was jetzt aber gerade einmal sein muss: Ich werde mich einmal loben.

Das ganze wird so in dieser Form hier nicht mehr vorkommen und wem selbst das zu viel ist, dem sei geraten den kommenden Absatz einfach komplett zu überspringen, in dem ich mal ein wenig reflektiere und zu einer positiven Bilanz kommen werde. Und wer weiter liest: Nein, ich möchte bitte keine Zustimmung oder andere Streicheleinheiten, während konstruktive Kritik nach wie vor willkommen ist. In den Absätzen weiter unten rede ich  noch über neue irische Bands und mein Wochenende im Allgemeinen.

Nachdem ich das mit den Karten nun schon mehr oder minder regelmäßig seit 10 Monaten durchziehe, habe ich mich vorgestern, nach einigen Gläsern Wein, hingesetzt und mir alle Karten einmal sehr genau angesehen. Das Ergebnis gefiel mir. Ich beobachte seit einigen Karten (noch nicht lange) eine gewisse Routine und habe gestern voller Begeisterung festgestellt, dass meine Hand und der Bleistift angefangen haben, Sachen fast auf Anhieb so zu zeichnen, wie ich sie mir vorstelle. Etwas das die letzten 10 Jahre eher selten der Fall war. Heute habe ich eine Skizze, die ich gestern angefangen und dann aus Spaß an der Freude fast fertig ausgearbeitet habe, noch einmal komplett neu angefangen, was damals ein absoluter Albtraum für mich war, weil es nie wieder so gut wurde, wie im ersten Versuch. Heute ging es reibungslos. Warum ich das hier schreibe? Weil es eine erste Quittung für die wenigstens 200 Stunden ist, die ich in den Nächten hier an 26 Zeichnungen saß. Ich hab damit ja nicht nur angefangen, um euch zum Schreiben von Postkarten zu motivieren, sondern auch, weil ich besser im Zeichnen werden wollte. Ich habe während der letzten 10 Monate mehr gezeichnet als in irgend einem Jahr zuvor, habe angefangen eigene stilisierte Linienführungen zu verwenden, zum ersten mal in meinem Leben mit Markern gearbeitet und, was für mich das krasseste ist: Ich habe meine Sachen veröffentlicht und die Originale verschenkt. Es gab also viele Entwicklungen, die noch nicht alle abgeschlossen sind, aber ihren Lauf nehmen. Normalerweise wenn ich von Menschen ein Kompliment für das was ich zeichne bekomme, versuche ich mich in meiner Antwort auf ein höfliches „Danke“ zu beschränken, weil mir alles andere immer ein wenig unangenehm ist. Aber dieses eine mal gibt es eine Antwort für alle, die jemals mich oder eine Zeichnung von mir gelobt haben: „Zeichnen lernen ist für die meisten Menschen und auch für mich ein wirklich langer Weg voller Hindernisse und Herausforderungen, weil nur die wenigsten Menschen von Kindsbeinen an geniale Zeichner sind (eigentlich fällt mir da nur Gustave Doré ein). Da ich den Weg in den letzten Jahren eher gemächlich, wenn nicht kriechend zurückgelegt habe, liegt noch ein gutes Stück vor mir, aber die Startlinie ist schon lange nicht mehr zu sehen, ich bin immer noch auf dem Weg und ich bin glücklich, mich nie dazu entschieden zu haben, diesen Weg zuverlassen.“ Das mal dazu.

Wenn wir schon bei den Karten sind: Ich werde mit der die gerade in Arbeit ist noch 12 Karten fertig stellen und dann eine Pause machen. Mit den 12 Karten hat dann jeder, der mir eine Karte gesendet hat, eine Antwort bekommen, einige haben dann mehr als eine Karte bekommen und einige besondere Personen haben dann eine Karte außerhalb der Reihe bekommen, weil ich ihnen aus verschiedenen Gründen dankbar bin und das so zum Ausdruck bringen möchte. In der Zeit danach höre ich nicht auf mit dem Zeichnen, sondern möchte mich gerne einigen anderen Projekten außer der Reihe widmen, die keine Postkarte werden sollen. Das Projekt geht später im Jahr aber wieder weiter und wer mir bis dahin was schickt, wird nach wie vor nicht vergessen werden. Das gleiche gilt für alle, die weniger Antworten bekommen haben, als sie mir bis heute Karten geschickt haben.

Mein Wochenende war überaus ruhig und entspannt. Meine Stimme ist immer noch nicht komplett da, was mich ein wenig wundert und dazu motiviert, etwas mehr mit einem Schal durch die Wohnung und die Gegend zu laufen und mehr Tee zu trinken, aber darüber hinaus hat sich das mit der Erkältung erledigt. Ich habe einen Haufen neue gute Musik gefunden, auf die ich gleich noch eingehe, gezeichnet, gelebt und entspannt. Kein besonderes aber ein gutes Wochenende.

In Sachen irischer Musik bin ich auf 2 neue Bands gekommen, die mir beide gut gefallen haben.

„Souldriven“, eine Jazz, Funk & Soul Band, die direkt aus Cork kommt habe ich live gesehen und war darüber hinterher auch kein bißchen traurig. Mit gut gespielten Instrumenten und schönen Stimmen, präsentieren sie fremde und eigene Werke und machen generell einfach Spaß. Gratis rein hören kann man hier: http://souldriven.net/media/

„Super Extra Bonus Party“, eine Elektro / Hip-Hop / IndieGruppe aus Dublin, habe ich nicht live gesehen, sondern nur durch puren Zufall im örtlichen Plattenladen gehört. Weil ich erst ein wenig mehr von ihnen hören wollte, bevor ich mir die Scheibe kaufe, habe ich mich erst einmal im Internet umgehört und bin dann am nächsten Tag wieder in den Laden, nur um zu erfahren, dass die CD schon ausverkauft ist, was mich dann diverse Stunden Suche im Netz gekostet hat, bis ich ihr neues zweites Album auf der Festplatte hatte (sogar legal). Die Musik bewegt sich quer durch alle Genres und deckt von Dance-Rhythmen über gerappte Einlagen bis zu Pop und wildem Gitarrengeschraddel sogar Instrumentalmusik ab in der mit Streichern und Akustikgitarre schöne Melodien gespielt werden. Die Band passt mit 2 fertigen Alben und Konzerten für die man Eintritt bezahlen muss eigentlich nicht zu den anderen Bands, aber weil ihre erste Platte von den irischen Medien, als das innovativste irische Werk der letzten 10 Jahre gepriesen wird und man sie außerhalb der Insel vermutlich so gut wie gar nicht kennt, dachte ich, ich nenne sie hier einfach mal. Hören kann man sie gratis am besten hier: http://www.myspace.com/superextrabonusparty und hier: http://www.superextrabonusparty.com/home/mp3-video/

Und das war’s dann auch schon wieder. Mitte der Woche melde ich mich hier wieder und bis dahin wünsche ich euch einen schönen Wochenanfang, Gesundheit und gutes Wetter.

Robert ist raus.

P.S.: Der Blog hat eine neue Macke und löscht rhythmisch Leerzeichen zwischen Worten. Ich habe jetzt ehrlich gesagt keine Lust, das zu korrigieren, weil ich ins Bett muss (im unteren Bereich hab ich's trotzdem schnell gemacht). Ich sag's nur, damit sich keiner wundert. :-)

13.01.2011 um 04:50 Uhr

Tag 312 – Ca. 2 Wochen später

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: Sehr gut
Musik: Scala

Frohes neues Jahr euch allen! Die erste Dekade des neuen Jahrtausends liegt hinter uns und wurde fast überall auf der Welt mit Feuerwerk und den besten Grüßen an die Vergangenheit verabschiedet. Hier in Irland, wo Feuerwerk verboten ist (von Knallbonbons einmal abgesehen), wurde es zwar auch verabschiedet, aber der Freitag Abend unterschied sich von anderen Freitagabenden in der Stadt eigentlich nur durch ein wenig zusätzliche Dekoration in den Pubs und Clubs der Stadt. Der Rest, also die fröhlich feiernden und trinkenden Iren, ist so oder so das ganze Jahr da und hat sich von daher kaum vom abendlichen Normalzustand unterschieden.

Im Sinne des später folgenden Geständnisses, macht es aber Sinn, vielleicht noch einmal mit Weihnachten anzufangen und sich dann chronologisch bis zum heutigen Tag vorzuarbeiten.

Weihnachten war bei mir, so hartes auch klingen mag, eigentlich nicht vorhanden. Ich lag in den letzten Zügen meiner Nachtschicht und hatte dem entsprechend den typischen sehr seltsamen Schlafrhythmus, den man in der Nachtschicht halt hat. Ausgerechnet an dem Taghatte ich dann aber massive Probleme einzuschlafen oder überhaupt zu schlafen, sodass ich Mittags mit 2 Stunden Schlaf schon wieder auf den Beinen stand, hier einen Weihnachtstext abgeliefert habe und mich dann auf den Weg zu befreundeten Kollegen gemacht habe, die mich eingeladen hatten. Dort habe ich dann Pizza gegessen „Sherlock Holmes“ und „Zombieland“ gesehen und mich dann gegen 23 Uhr auf den Weg in meine vorerst letzte Nachtschicht gemacht. Insgesamt war es damit ein netter Abend, aber Weihnachten oder die entsprechende Stimmung waren nicht existent. Höchstens als ich meinem eigenen Vortrag folgend lächelnd durch die Straßen lief und 3 Euro in Kleingeld an 2 Obdachlose verteilt habe, von denen der eine mich jetzt immer freundlich grüßt. Der andere wird mein Gesicht schon wieder vergessen haben, aber das soll jetzt auch nicht weiter schlimm sein.

Nach der letzten Nachtschicht am 25.12. hatte ich unverschämt lange 48 Stunden frei und seitdem hat mich der normale Rhythmus mit 4 Arbeitstagen wieder. Toll.

Silvester hatte ich dann praktischerweise Wochenende und verbrachte die Tag und insbesondere den Jahreswechsel überaus entspannt. So habe ich mir am Silvesterabend eine tolle Jazz/Funk Band angehört, ein paar Iren kennengelernt, mich nicht betrunken, bin entspannt ins Bett und nach einer ordentlichen Mütze Schlaf gut gelaunt aufgewacht. Damit war auch das Silvesterfest nicht das spannendste der Welt, aber ich war trotzdem sehr glücklich damit, weil es genau so verlief, wie ich es wollte. Dummerweise habe ich mir da im Zuge der Wetterumschwünge (hier wechseln die Temperaturen hin und wieder von einem Tag auf den anderen zwischen 2 und 12 Grad hin und her) mal wieder eine Erkältung eingefangen, die für die folgenden Tage noch relevant war.

Denn einige Tage später kamen Joanna und Kerstin aus Berlin um mich zu besuchen, worüber ich mich gelinde gesagt wie blöde gefreut habe. Zusammen haben wir hier ein paar unwahrscheinlich tolle Tage verlebt, die eigentlich in einem abschließenden Besuch Dublins gipfeln sollten, den ich dann aber nicht mit antreten konnte, weil ich am Abend vorher meine Stimme verloren habe, in der Nacht darauf Fieber hatte und ich von den Stimmen der Vernunft (keine davon war meine) gebeten wurde, Dublin ausfallen zu lassen, was rückblickend betrachtet wirklich gut war. Ich klinge auch heute noch wirklich mies, auch wenn es jeden Tag besser wird und nachdem entweder ich oder der Typ im Flugzeug Joanna schon angesteckt haben, wollte ich zumindest Kerstins Glück nicht auch noch auf die Spitze treiben. Vom mich selber schonen mal abgesehen. So habe ich die beiden dann am Samstag zum Flughafen gebracht und mich hier in der leeren Wohnung breit gemacht und in einem Anflug von Melancholie meinen aktuellen Zustand bei Facebook veröffentlicht (Sprich: Dass ich krank bin und nicht mit nach Dublin konnte). Eine Freundin fragte darauf hin, ob ich gerade eine miese Phase habe und obwohl es vielleicht nur so generell gefragt war, musste ich darüber länger nachdenken, bis es mir in Kombination mit einigen anderen Erkenntnissen klar wurde: Nein, mir ging es diesen Winter nicht gut. Wirklich nicht. Und ich rede nicht von der Erkältung.

Mir selber erklärend, dass alles toll ist, habe ich es auch allen anderen Menschen immer so verkauft, wenn ich gefragt wurde und es auch ernsthaft geglaubt. Aber tatsächlich habe ich 3-4Wochen auf der Couch geschlafen, weil mir mein Bett zu groß und leer war (das Bett im Gästezimmer ist zwar kleiner, aber noch fremder), war in 6 Wochen 2 mal krank, habe mir Weihnachten, auf dem Weg ins Büro zum ersten mal seit Monaten massiv gewünscht, wieder nach Berlin zurückzukehren und mich eine gute Weile lang so wirklich richtig einsam gefühlt. Das alles wurde mir im Laufe der letzten Tage klar.

Änderung musste her und wurden auch durchgezogen. Die Couch ist jetzt wieder ein Sitz- und kein Schlafmöbel, ich habe meine Lebenssituation und meine Maxime sehr angestrengt überdacht und bin zu einer das-Glas-ist-eigentlich-voll-nicht-bloß-halbvoll-Philosophie zurückgekehrt und darüber hinaus habe ich mir ein paar Vorsätze für das Jahr gemacht und angefangen, diese zu realisieren:

1)      Ich habe beschlossen, dass man 6 Monate braucht, damit das Heimweh aufhört, aber es insgesamt 12 Monate braucht, um sich komplett einzuleben und anzupassen. Erst danach kann man anfangen, die aktuelle Situation vor Ort objektiv zu bewerten, was ich dieses Jahr über tun werde. Ende des Jahres wird dann einmal recht gründlich Kasse gemacht und entschieden, wie es mit mir weiter geht. Mehr als 3 Jahre bleibe ich auf keinen Fall hier. Man wird ja auch nicht jünger. ;-)

2)      Ich habe versprochen, dass ich versuche, das nächste Weihnachtsfest sowie den Jahreswechsel in Berlin zu verbringen. WENN (und das ist ein fettes „wenn“) ich das schaffe, gilt folgendes: Ich will in diesem Jahr wenigstens 52 Zeichnungen schaffen und veröffentlichen. Für jede einzelne fehlende Zeichnung, die ich unter dieser Zahl liege, werde ich einen lieben Menschen zu einem Frühstück, Essen oder Abend in einer Bar einladen. Auf meine Kosten. Wenn mich das nicht motiviert, sollte mir das zu denken geben. :-)

3)      Es wird Zeit für ein wenig ernsthaften Sport. Und eine kleine Ecke gesünderes Leben. Hier werde ich keine Zahlen oder Versprechen nennen, aber ich habe angefangen, mich mit dem Thema auf sympathisch entspannte Art zu befassen.

Tja, und das war so das Resümee meiner letzten 2 Wochen. Eine Zeichnung ist fertig, wird aber bis auf weiteres nicht veröffentlicht, weswegen sie auch nicht im neuen Projekt-52-Zähler (da habe ich den Projektnamen doch eiskalt recycelt) auch nicht zählt. Eine weitere versuche ich bis Sonntag fertig zu bekommen und hier zu veröffentlichen.

Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Restwoche und bleibt gesund und munter.

Robert ist raus.

P.S.: Danke für das Bild, Thorsten!

  

24.12.2010 um 12:27 Uhr

Tag 293 – Frohe Weihnachten euch allen!

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Zuerst einmal: Ich habe nicht viel Zeit (dafür aber just in dieser Sekunde ein Deja vu). Weihnachten hat recht spontan nun doch noch seinen Weg zu mir gefunden und so werde ich heute Abend, statt alleine mit mir selber zu feiern, zu ein paar Freunden gehen und mit ihnen essen, bevor ich mich zum letzten mal auf den Weg in die Nachtschicht mache.

Aber um ein wenig Softie zu werden, reicht es dann doch noch. Johnny Cash covert  in meinen Kopfhörern gerade „One“ der Band U2 und weil das Lied so schön ist und mit der dunklen Stimme gleich noch ein paar Punkte dazu gewinnt, soll es heute der Soundtrack zu meiner Schreibarie und meiner Gemütslage sein, die man als einen seltsamen Mix aus Wehmut und guter Laune beschreiben könnte: Ich wäre jetzt gerne in Berlin, zusammen mit allen die mir lieb und teuer sind, um dort eines dieser üblichen stressig-fröhlichen Weihnachtsfeste zu feiern, auf denen Ihr heute Abend fast alle sitzen werdet, aber 2010 nähert sich dem Ende und das Wissen, dass es ein ziemlich hartes aber auch sehr gutes Jahr war und dass es euch allen soweit gut geht, soll in diesem Jahr mein Gute-Laune-Garant sein.

Ich mag Weihnachten. Nicht wegen der Geschenke und erst recht nicht wegen der Tatsache, dass man ungestraft Lieder von WAM, Mariah Carey und Melanie Thornton 50 mal pro Tag auf der selben Frequenz in den Äther jagen und das dann „Radioprogramm“ nennen darf oder es okay ist, sich auf überfüllten Weihnachtsmärkten massiv zu betrinken und seinen Mitmenschen dann in die Kapuze zu speien. Deswegen nicht.

Ich mag Weihnachten wegen der paar Menschen, die es aus denselben Gründen wie ich mögen und versuchen, die Gründe alleine durch ein Lächeln repräsentiert in die Welt zu tragen. Außerdem mag ich es weil es in der Zeit fast immer irgendwo selbstgebackene Plätzchen gibt aber am wichtigsten ist der erste Grund. Ich habe vor ein paar Jahren damit angefangen, Weihnachten als eine Zeit zu verstehen, in der man für wenigstens einen einzigen Tag nett zu sich und seinen Mitmenschen ist. Auch zu denen die man nicht kennt. Damit ist keine selbstaufopfernde Liebe gemeint, wobei die, solange sie nicht Überhand nimmt auch toll ist, aber einen großen Teil des Jahres verbringen wir damit, in der Öffentlichkeit genervt, gehetzt oder mies gelaunt zu gucken, oder uns mit unserer guten Laune einzubunkern, und bloß nicht als der eine Mensch im Wagon/Bus aufzufallen, der entgegen der Richtlinien und aller anscheinend vorhandenen Gebote der Coolheit offen lächelt. Wer glaubt, dass ich übertreibe sollte sich in Berlin mal in ein Nahverkehrsmittel begeben und da die Gesichter der Leute zählen, die alleine unterwegs sind und lächeln. Wer auf einer Fahrt mehr 3 Menschen im selben Bus/Wagon findet, sollte den Sauerstoffgehalt der Luft um sich herum prüfen lassen.

Also lächelt Leute! Zieht’s einfach durch. Sucht euch heute oder morgen einen einzigen Menschen, dem ihr noch nie begegnet seid und wünscht ihm lächelnd frohe Weihnachten (an der Kasse stehend gilt das übrigens nicht, weil man es da nicht persönlich sondern beruflich meint). Danach müsst ihr euch nicht weiter um den Menschen kümmern. Es geht nur darum herauszufinden, ob die Welt wirklich immer cool sein muss, oder ob ein Haufen gut gelaunter Menschen nicht auch mal eine tolle Sache ist.

Da ich das mit dem lächeln und nett sein gilt aber nicht nur dazu, sich von der Masse abzuheben, sondern auch, um damit dem Geburtstagskind zu gedenken, dessen Geburt wir heute zelebrieren. Heute vor 2010 Jahren kam, zumindest einschlägigen Gerüchten zufolge, ein Mann auf die Welt, dessen Idee es war, nett zu allen Menschen zu sein. Ich glaube nicht, dass der Gute Wasser in Wein verwandeln, über selbiges gehen oder von den Toten auferstehen konnte. Das meiste davon wird durch Übersetzungsfehler und Freiheiten in der Interpretation von Überlieferungen immer weiter aufgebauscht worden sein, bis der Mann zu einem Prototypen Supermans wurde. Was ich aber glaube ist, dass er mal gelebt hat und die Überzeugung vertrat, dass wir alle gleich sind und dass es toll wäre, nett zu sein. Die Idee teilte er dann mit anderen und so nach und nach wurde aus der kleinen Gruppe eine Sekte und aus der Sekte, dank einiger unglaublich aggressiver Expansionsmaßnahmen eine Weltreligion. Davon kann man halten was man will und ich werde einen Teufel  (hehe) tun, hier Werbung zu machen. Aber die Idee als Grundstein, so oft sie in den letzten 1980 Jahren auch pervertiert wurde, bleibt bestehen und alleine um sie geht es hier.

Also: Wenn ihr gut essen, Geschenke auspacken, das eine oder andere Glas heben und eine gute Zeit haben wollt, ist das Euer gutes Recht. Ich werde es heute zumindest so machen (bis auf das das Glas heben – ich muss ja noch arbeiten). Aber wenn ihr in der Zeit in der Ihr unterwegs seid oder auch in den kommenden Tagen Lust habt, dann versucht das oben geschrieben einmal. Lächeln, Grüßen, die Tür aufhalten, jemanden vorlassen, „Entschuldigung“ oder „Danke“ sagen kostet nichts und wer daran Gefallen findet oder wem das sogar zu wenig ist:

http://www.sos-kinderdoerfer.de/Helfen/Spenden/Pages/default.aspx

Eure Sache. In jedem Fall wünsche ich euch allen, egal ob ihr feiert, wie ihr feiert, wo ihr feiert oder warum ihr feiert einen tollen Tag, einen großartigen Start ins Wochenende und allen, die feiern schöne Feiertage,

Robert ist raus.                          

14.12.2010 um 17:15 Uhr

Tag 283 – Couching als Heilmittel

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: Sehr gut
Musik: U2 - 18 Singles

Mir geht es wieder besser. Die letzten Tage, besonders der letzte Arbeitstag vor dem Wochenende waren hart, weil mich da scheinbar erste Vorboten des Fiebers besucht hatten und so habe ich meine Couch dann mehr als freiwillig betreten und –ratet mal – seitdem auch wirklich nur für Gänge ins Bad oder in die Küche verlassen. Jetzt ist Projekt „Couch-Riding“ zu ende und wenn ich mir mich so ansehe, höre und fühle, habe ich das Gefühl, dass sich alles wieder in Richtung Normalzustand verschoben hat. Erstaunlich was man mit etwas Ruhe und Entspannung alles schaffen kann. Vielleicht hatten die Ärzte, die ja auch schon eine ganze Ecke vor der Pharmaindustrie unterwegs waren, doch recht als sie meinten „Kronk gehen  in Höhle an warmes Feuer, zwischen viel Fell legen, schlafen, entspannen, ausruhen, trinken und in 3 Sonnen, Kronk wieder Mammut jagen kann.“

Was Kronk damals natürlich auch geholfen hätte, zwischen all den Fellen liegen zu bleiben, wären die diversen Staffeln von Serien gewesen, die vor meinem Fernseher rumliegen und die DVD für DVD Unterhaltung geboten haben, während ich da so auf der Couch rumgammelte. Die und all die Menschen, die mehr oder weniger Zeit hatten, um meinen gelegentlich aufkommenden Kommunikationstrieb zu befriedigen. Danke an alle. Endlich hatte ich nach 2 Wochen fast mal wieder so etwas wie soziales Leben. Auch wenn es sich in den meisten Fällen auf das geschriebene Wort beschränkte, das ich aber auch immer sehr schätze (Hätte man gar nicht vermutet, wenn man den Blog so ansieht, oder?).

Die Nachtschicht geht erstaunlicherweise so schnell zu ende, wie sie angefangen hat. Schon ist mehr als die Hälfte geschafft und in 9 mal arbeiten habe ich es für die nächsten Monate hinter mir, was mich schon irgendwie freut. Ich glaube die nächste Nachtschicht versuche ich zu einer anderen Jahreszeit zu erwischen. Sommer ist dafür vermutlich ähnlich schlecht geeignet wie Winter, denn wer will bei Sonnenschein schon ins Bett müssen. Der Frühling liegt irgendwie gerade ein bißchen zu dicht vor mir, als das ich da Lust hätte, schon wieder mein Leben auf den Kopf zu stellen. Bleibt also nur der Herbst. Am besten die Zeit, wenn der Sommer gerade vorbei und es draußen noch nicht stockfinster und kalt ist, man aber generell nicht so wirklich viel verpasst. Normalerweise kann man sowas nicht wirklich planen, weil die Schichten nach einem Rotationsprinzip verteilt werden, aber ich versuche trotzdem mal mein Glück.

Ich merke gerade, dass ich hier nicht nur mit guter Laune, sondern auch mit einer gehörigen Portion Zuversicht mein kommendes Jahr vorausplane, als könnte nichts und niemand dafür sorgen, dass ich bald wieder in Deutschland sitze. Möglich ist eine ganze Menge, aber wenn es jetzt und heute nach mir geht, gehört das kommende Jahr Cork. Wie es 2012 aussieht, dem Jahr in dem ja dann auch die Welt untergehen soll, weiß ich noch nicht. Abhängig davon wie sich 2011 in kreativer Hinsicht entwickelt, könnte ich mich 2012 dann natürlich auch mal nach Stellen auf der Nordamerikanischen Kontinentalplatte umsehen, aber das wird jetzt gerade fast schon ein bißchen zu viel der Träumerei und so halte ich mich erst einmal an das nahe liegende. In fast genau 2,5 Monaten kann ich den ersten Geburtstag meines neuen Lebens feiern, zusammen mit dem Bestehen des Blogs. Der kleine hat sich, trotz einiger längerer Schreibpausen erstaunlich gut gehalten und so langsam entwickel ich fast so etwas wie Stolz darüber, so verdammt hartnäckige Freunde zu haben, die sich auch nach 9,5 Monaten noch nicht weigern, den Link zu löschen, oder die URL zu vergessen. Ihr verdammten, großartigen Dickköpfe, Ihr!

Da mir mal gesagt wurde, dass mein Blog hin und wieder zum Nachdenken anregt, würde ich hier zuletzt noch einen Gedankengang mit Euch teilen, der mir kam, als ich so nach dem Zähneputzen hustend über dem Waschbecken stand und fasziniert zuguckte wie da so ein bißchen Blut meinen Mund verließ, ins Waschbecken tropfte und in den Abfluss lief. STOPP! Wer jetzt die Hände vor den Mund schlägt und an das Schlimmste denkt: Erst weiter lesen.

Eingehende Studien mit mir und meinem Körper brachten 10 Minuten später die Auflösung, dass ich Nachts leichtes Nasenbluten gehabt habe und Reste davon sich an die beschleunigten Husten-Luftstöße gehängt haben, um auch mal ein wenig Zeit außerhalb des heimischen Körpers zu verbringen. Kein Bla-Bla. Es geht mir wirklich gut und dank meines tollen Hustensaftes ist die stinknormale Bronchitis fast wieder weg.

Während ich da aber so zuguckte, wie der Lebenssaft sich eine halbe Sekunde lang der Freiheit erfreute, um dann mit leisem Bedauern in die Unterwelt der  Kanalisation Corks zu entschwinden, kamen mir, dem Klischee entsprechend, die Gedanken die Männern ab ihrem 30ten Geburtstag unweigerlich bekommen. Sie handeln immer von Tod und Verfall, denn wie (hoffentlich) jeder weiß sind die Jahre zwischen 25 und 40 für uns Krüppel-Chromosom Träger mit die schwersten. Mit der Potenz geht es ab 25 bergab, ab 30 ist alles was schlimmer als ein Schnupfen ist, das erste Anzeichen für Krebs und von da an sind es dann noch 10 lange Jahre, bis man plötzlich im zweiten Frühling steht und feststellt, dass man in den heutigen Zeiten gute Chancen hat, erst dann dem Schöpfer gegenüber zu stehen, wenn die Kerzen zum Geburtstag schon nicht mehr auf den Kuchen passen, man den Kuchen eh nicht mehr essen kann und man so langsam Form, Größe und Hautfarbe von Joda angenommen hat. Vorausgesetzt, man meidet Kriege und guckt an Ampeln nach links und rechts.

Und irgendwie und irgendwann kam dann die Frage durch, ob es wirklich Sinn macht, dass wir so alt werden, wie es uns das Wunder der Medizin gerade ermöglicht. Haben die meisten Lebewesen nicht ihren Lebenszweck erfüllt, wenn sie mittels Fortpflanzung zum Fortbestand der Art beigetragen haben? Kann es sein, dass wir das Gleichgewicht der Natur nur deswegen so stören, weil wir uns zwar auch deutlich schneller fortpflanzen, aber generell auch deutlich weniger sterben? Der Gedankengang soll dabei nicht in die Richtung der „Euthanasie“ gehen, sondern einfach nur mal die Frage aufstellen, wie hoch unsere Lebenserwartung wohl heute wäre, wenn es statt Medikamenten nur Wurzeln und Kräuter gäbe, wenn Knochenbrüche nur mit Schienen und Ruhe behandelt werden könnten und wenn die Menschen dadurch dazu gezwungen wären, so zu sterben, wie sie auch gelebt haben. Also wild und aufregend und viel zu schnell und zu früh. Oder gemächlich und vielleicht auch langweilig. Und das wiederum lässt mich darüber nachdenken, zu welchem Lebensstil wir uns wohl individuell entscheiden würden, wenn man uns einzeln vor die Wahl stellen würde. Kurt Cobain oder Johannes Heesters? „Fast and the furious“ oder „Schlaflos in Seattle“? Kaffee oder Kakao?

Der Gedanke, dass Tiere ihre Sterblichkeit und ihr Alter trotz aller Anpassung und allem Kampf gegen die Welt instinktiv anerkennen, wenn es soweit ist, während wir uns oftmals auch dann noch an das Leben klammern, wenn es uns irgendwann Tag für Tag mehr nimmt als es uns gibt war der Auslöser für den oberen Absatz, der eigentlich viel zu kurz ist, um so ein Thema ausreichend zu formulieren (ich habe ja nicht einmal damit angefangen es zu erörtern).

Wenn mich jemand fragt: Kakao. Im hohen Alter an einem Strand eines winzigen Insel-Atolls mit der untergehenden Sonne im Gesicht und Sonnencreme auf der Haut.

Und damit gehe ich jetzt, meiner eigenen Antwort widersprechend viel zu spät ins Bett und lasse euch mit meinen und euren eigenen Gedanken alleine. Habt eine tolle Woche und wir lesen uns die Tage.

Robert ist raus.

10.12.2010 um 14:47 Uhr

Tag 279 – Nachtschicht

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: Da reden wir ein anderes mal drüber ...
Musik: Goldfrapp - Supernatural

Ist schon wieder mehr als 3 Tage her, dass ich hier was geschrieben habe. Der Grund dafür findet sich im Titel, der mit einer den meisten Kollegen bereits bekannten Tatsache verbunden ist: In der Nachtschicht, kommt man zu nichts. Man geht schlafen, arbeiten, schlafen, arbeiten, wieder schlafen, wieder arbeiten und so weiter, ohne in der Zeit die man zwischen diesen beiden Zuständen verbringt irgendetwas auf die Reihe zu bekommen. Warum das so ist, kann ich auch nicht sagen. Gut, ca. 2 Stunden des Tages gehen neuerdings wieder für das World of Warcraft spielen drauf. Aber dafür arbeite ich in meiner normalen Schicht am Tag sonst 2 Stunden länger, schlafe meistens sogar weniger und bekomme trotzdem mehr auf die Reihe, während ich mich auch noch fitter dabei fühle.

Hier und jetzt, geht aber irgendwie gerade gar nichts. Es ist gefühlte Ewigkeiten her, dass ich für längere Zeit einen Stift in die Hand genommen habe und das mit dem Schreiben könnt ihr hier ja selber verfolgen. Ich weiß ehrlich nicht wo die Zeit verschwindet, die ich hier zuhause verbringe, fast so als würde ich nicht 8 sondern 12 Stunden am Tag arbeiten und das dafür 5 statt 4 Tage in der Woche. Wobei es gerade sogar 6 Tage sind. Die 2 Tage Verspätung mit denen ich wegen dem Wintereinbruch hier erst wieder ankommen konnte, kommen für mich für den Moment teuer zu stehen, da ich sie aufgrund des Stresses in der Firma nacharbeiten muss , was 2 meiner Wochenenden von 2 Tagen auf einen Tag reduziert, was nach einer 6 Tage Woche zwar immer noch okay ist, um Kraft zu tanken, aber kaum Möglichkeiten lässt, ein aktives soziales Leben zu genießen. Besonders wenn man schläft, während alle wach sind und arbeitet, wenn alle schlafen. Insgesamt ein eher suboptimaler Zustand. Aber ich werde es wohl mit ein wenig Gejammer, aber ohne größere Schäden überstehen. 2009 war hier ein sehr gutes Training und im Verhältnis zu der Zeit da, sitze ich das hier mit einem Lächeln ab. Im Gegenzug gibt es dafür ja auch mehr Gehalt und mit dem neuen PC der auf dem Wunschzettel steht und den ich mir Weihnachten schenke und dem Flugticket nach Lanzarote, ist es sehr sinnvoll die finanziellen Ressourcen ein wenig aufzustocken, bevor sie gnadenlos geschröpft werden. :-)

Ansonsten werde ich gerade leicht krank, was vermutlich nichts mit dem Wetter sondern vielmehr mit den Großraumbüros zu tun hat in denen man Krankheiten einfach einsammeln muss, wenn sie einer mit reinbringt. Man kann sich das wie große Wellen vorstellen, die durch die Büros und Stockwerke schwappen und denen man nur entkommen kann, wenn man das Haus und damit den Job meidet. Dummerweise sitzt man dann aber auf der Straße, wenn das Geld alle ist und da holt man sich dann die wirklich netten Krankheiten bei der Kälte. Also ziehe ich neben der Nachtschicht auch das noch durch, nehme Vitamine und Medikamente, die man im Supermarkt kaufen kann, und plane mich am Wochenende nicht von der Couch zu erheben. Wenn das Haus abfackelt, werfe ich meinen Perso aus dem Fenster (wenn es gerade offen ist), damit man mich hinterher identifizieren kann. Aber mehr wird nicht getan. Und dem entsprechend gehe ich jetzt schlafen. Es ist gerade Freitag, wenn ich aufstehe wird es immer noch Freitag sein, wenn ich anfange zu arbeiten, ist es mit einem Schlag Samstag und vermutlich werde ich dann wieder da stehen und 5 Minuten lang nicht wissen, was für ein Wochentag überhaupt gerade ist, bis ich den Kalender unter Windows geöffnet habe. Eigentlich wollte heute jemand kommen, der meinen Feuermelder kontrolliert, aber es bleibt abzuwarten, ob ich das klingeln an meiner Tür dann hören werde/will. Das Ding ist eh nicht kaputt und hier ist nie offenes Feuer. Also „püh“!

Und entsprechend meiner Ansage mache ich mich jetzt ins Bett und wünsche euch allen einen tollen Start ins Wochenende, wenn ihr denn eins habt. Fühlt euch gedrückt und bis bald,

Robert ist raus.

P.S.: Die gute Nachricht des Tages: Direkt gegenüber vom Büro hat ALDI aufgemacht und bietet das eine oder andere Lebensmittel wie üblich für unschlagbare Preise an. Es ist zwar trotzdem noch an irische Verhältnisse angepasst und damit deutlich teurer als in Deutschland, aber ich habe hier zum ersten mal in 9 Monaten einen akzeptabel aussehenden Wein für 4 (!!!!) Euro gesehen, der in anderen Läden sonst das Doppelte kostet. Mein Herz weint vor Freude, auch wenn ich noch keinen gekauft habe. :-)

01.12.2010 um 23:55 Uhr

Tag 270 – Weiter geht’s

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: Fanta 4 - Für Dich immer noch Fanta Sie

Also. Wo waren wir? Ach ja: Nachdem ich ein paar Augenblicke der Klarheit hatte, die ich hier mitgeteilt habe, habe ich zum letzten mal für 120 Tage meine Sachen gepackt und mich auf den Weg nach Berlin gemacht, um die meisten von euch mal wieder zu besuchen.

Da das in den meisten Fällen auch geklappt hat, fasse ich das erlebte einfach mal in 2 Worten zusammen: „Schön war’s“.

Danke an alle, die Zeit für mich hatten und mich bei Frühstücken, Konzertbesuchen und gemeinsamen Nachmittagen und Abenden mit ihrer Anwesenheit beehrt haben. Im kommenden Februar geht es, wie schon gefühlte 1000-mal erwähnt, nach Lanzarote zu meiner Mutter, weil (sehen wir der Tatsache ins Auge) Berlin im Februar nicht unbedingt einladend ist. Dafür bin ich dann halt Anfang April wieder da und ich hoffe, dass ich viele oder alle von euch dann wieder sehen werde.

Nicht so der Knaller war die Rückreise. Eigentlich wollte ich ja am Samstag nach Irland fliegen, dann 2 Tage nutzen, um mich auf die Besonderheiten der kommenden Nachtschicht vorzubereiten und in diese dann frisch und fröhlich zu starten. Stattdessen lief es so:

Samstag erreichte mich kurz vorm Flughafen Schönefeld eine SMS von Airlingus in der sie mir mitteilten, dass im Moment kein Flug nach Dublin geht, da Irland im Winterchaos versinkt. „Winterchaos“ kann man dabei recht unterschiedlich interpretieren, aber auf einer Insel, die am Golfstrom liegt und die deswegen recht selten den Gefrierpunkt erreicht und auf der es noch seltener schneit, gibt es keinen Markt für Frostschutzmittel, Streu und Winterreifen. Wenn der Golfstrom im Atlantik dann von BP aber einen neuen hübschen Ölteppich spendiert bekommt und deswegen weniger Wärme in diesen Teil der Welt transportieren kann und es hier dem entsprechend dann doch mal frostig und glatt wird, geht buchstäblich nichts mehr. Schon gar keine Flüge von oder auf die britischen Inseln. Zum Glück hat man als Kunde einer Luftlinie immer (so steht es in den öffentlichen Informationen am Flughafen) Anrecht auf einen kostenlosen Flug an einem anderen Tag, wenn sich der Flug um mehr als 5 Stunden verspätet, was einem die Luftfahrtgesellschaften immer mehr oder weniger freiwillig anbieten und nach einem recht kurzen Telefonat hatte ich einen Sitzplatz im nächsten möglichen Flug nach Dublin – am Dienstag (gestern). Die Tage bis zum Flug habe ich dann nochmal mit lieben Menschen verbracht, bis es dann Dienstag wieder an der Zeit war, sich auf den Weg zum Flughafen zu machen. Dort wurde ich dann mit dem Aufruf empfangen, mir am Schalter einen Gutschein abzuholen, denn meine Maschine verspätete sich aufgrund des Winters und weil die Mechaniker nicht mit dem Enteisen hinterher kamen.

So saß ich dann nochmal fröhliche 4 Stunden in Schönefeld herum, von denen ich 5 Minuten damit verbrachte, einer netten Dame am Schalter zu erklären, dass ich wegen des späten Fluges alle Möglichkeiten verpassen würde, einen Anschluss nach Cork zu bekommen und dass ich dann doch lieber einen Tag später fliegen würde, wenn möglich. War es aber nicht. Den Ausgleich gibt es erst wenn die Maschine wenigstens 5 Stunden später kommt und in allen anderen Fällen kann man am Zielflughafen versuchen, sich von der Fluggesellschaft ein Hotelzimmer bezahlen zu lassen, aber die Chancen in so einem Fall sind auch sehr ungewiss und weil mir das so oder so alles zu doof war, machte ich mich schon mal mit dem Gedanken vertraut, 9 Stunden au dem Flughafen in Dublin rumzusitzen und mit dem ersten Bus nach Cork zu fahren.

Nebenbei erwähnte die Dame dann noch eine andere Person, die exakt das gleiche Problem hat, konnte sie aber nur als Frau bezeichnen und war damit wenig hilfreich. So verzweifelt, jedes weibliche Wesen in meinem Flieger anzusprechen, bin ich nur, wenn es um Leben und Tot geht.

Aber euer Erzähler sollte am Ende dann doch Glück im Unglück haben.

Als ich in Dublin gelandet war und so Richtung Ausgang schlenderte, fing eine Passagierin neben mir ein Telefonat an in dem sie meinte, dass sie nach Cork muss und wegen der Verspätung jetzt auch keine Ahnung hat, was sie jetzt machen soll.

Lange Rede, kurzer Sinn: Einen Leihwagen und 3,5 Stunden Autofahrt später war ich in Cork und hatte Janette kennengelernt, die in Cork bei Apple arbeitet, womit die Zahl der Apple Mitarbeiter, die bei Apple arbeiten auf 2 (!!) angestiegen ist. Insgesamt kann man, wenn man von der Verzögerung und den halbierten Kosten für den Leihwagen einmal absieht sagen, dass ich ziemliches Glück hatte und mir irgendwer wohl den einen oder anderen Daumen gedrückt hat. Danke dafür. :-)

In 11 Minuten mache ich mich auf den Weg zu meiner ersten Nachtschicht. Irgendwie ist es bis jetzt noch ein wenig irritierend, Nachts zur Arbeit zu gehen und tagsüber zu schlafen, aber ich bin grundsätzlich recht optimistisch und es ist ja auch nur ein knapper Monat, bevor ich wieder in meiner regulären Schicht bin. Ab dem 27.12. bin ich wieder in meiner regulären Schicht und empfange auch wieder Besuch, wenn jemand kommen mag. Zu Silvester kommen lohnt übrigens nur, wenn man Feuerwerk nicht mag, da es in Irland scheinbar ein generelles Verbot für Feuerwerk und Knallkörper aller Art gibt. Ich bin gespannt, wie sich das hier gestaltet.

Und damit war es das erst einmal wieder. Ich melde mich in Kürze wieder und wünsche euch bis dahin einen schönen Donnerstag und viel Spaß mit dem Wetter, das ihr gerade habt (ernsthaft).

Robert ist raus.

14.11.2010 um 09:43 Uhr

Tag 253 – Mein Moment des Tages

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Heute (Samstag) war ich mit einigen meiner Kollegen in der Stadt unterwegs und etwas trinken. „Socializing“ nennt sich so etwas dann immer, weil man auf diese Art und Weise seinen Kollegen näher kommt und sich dann auf den Fluren lächelnd zunicken kann  und dann zur Abwechslung auch den Namen des anderen weiß (wenn man nicht zu viel am Abend getrunken hat). Aber darum soll es hier und heute nicht gehen.

Am Ende des netten Abends, als die Pubs gegen 2 Uhr morgens kurz vor der Sperrstunde waren und die Leute so langsam nach Hause taumelten, machte auch ich mich in sehr entspannter Gemütslage auf den Weg in meine Wohnung. Irgendwann überholte ich eine Frau von der ich erst dachte, dass sie sich den Mund zuhält weil sie sich übergeben muss, bis mir auffiel, dass sie da relativ alleine weinend die Straße runter lief. Unsere Blicke trafen sich und weil mir einfach weggucken und weitergehen herzlos vorkam fragte ich die offenkundigste und eigentlich auch blödeste Frage überhaupt: „Ist alles okay?“ (natürlich auf Englisch). Als sie mir daraufhin erklärte, dass für sie nie wieder etwas okay sein wird, überschritt ich emotional die Brücke zwischen Smalltalk und einer Bekanntschaft, was recht seltsam war, wenn man bedenkt, dass wir jeder nur einen Satz zum anderen gesagt hatten. Aber auch wenn es normalerweise immer eine gute Floskel ist, wenn man jemandem sagt, dass es einem für den anderen leid tut, meinte und fühlte ich das in dieser einen Sekunde wirklich und sie glaube ich auch. Sie drehte sich um, umarmte mich und bedankte sich dafür, dass ich einfach nur einmal nachgefragt und Interesse für sie gezeigt hatte. Einige Sekunden später stieg sie in ein Taxi und war weg.

Ich werde sie nie wieder sehen oder ihren Namen erfahren. Ich werde nie erfahren was ihr so zugesetzt hat und mit Sicherheit werde ich auch nie wissen, was aus ihr geworden ist. Ich hatte, als sie im Taxi davon fuhr, noch den Gedanken, dass ich ihr hätte sagen können, dass so ziemlich jeder Mensch von irgendjemandem geliebt wird, in der Hoffnung, dass es wenn schon nicht besser, dann wenigstens erträglicher wird.

Aber das ist nicht der Punkt der Geschichte. Der Punkt ist, dass man mit offenen Augen und Ohren sogar in einer kalten Nacht zwischen tausenden betrunkenen Menschen einen finden kann dem man nicht vollkommen egal ist und umgekehrt dass es da draußen hin und wieder Menschen gibt, die dankbar sind, wenn man nicht wegguckt und einem das, wenn auch nur für eine Sekunde,  mit einer tiefen emotionalen Offenheit und Bindung danken, die man sonst erst nach Wochen und Monaten des Kennenlernens erfährt.

Danke für’s lesen.

Robert ist raus.

13.11.2010 um 04:13 Uhr

Tag 252 – Ein kurzer Brief an mich

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Vorwort: Nein, ich werde nicht schizophren. Keine Sorge. Aber ich hatte heute eine unten näher erläuterte Erkenntnis, die ich gerne aufschreiben möchte, weil ich hoffe, dass sie auf diesem Weg endlich in meinem Kopf hängen bleibt und mir das Zeichnen deutlich erleichtert.

Hallo Robert,

heute hast Du wieder einmal gezeichnet und wie immer wenn Du zeichnest hat sich schon beim Vorzeichnen Deine perfektionistische Ader gezeigt und Du hast in etwas mehr als einer Stunde 2 Entwürfe für Bruno gezeichnet, die am Ende beide viel zu verkrampft waren und deswegen lange nicht so gut und lebendig wirkten, wie sie es könnten. Du hast das in Dir, es besser zu machen. Alle sagen Dir das und es wird Zeit, das irgendwann auch mal anzunehmen.

Jedenfalls hattest Du nach einer halben Flasche Wein (ohne ernsthaft betrunken zu sein) eine Eingebung und Dich daran erinnert, wie Flix Dir im Sommer 2009 2 Comics mit Zeichnungen signiert hat: Ohne Perfektion, einfach locker aus der Hand und im vollen Vertrauen zu seinen Fähigkeiten. Und am Ende hatte er in jeweils 3-4 Minuten etwas Tolles geschaffen. Mit diesem Gedanken hast Du es auch versucht und Dein dritter Versuch ist innerhalb von 2 Minuten toll geworden.

Was kannst Du daraus lernen: Alles was Du vorzeichnest, jede einzelne Bleistiftlinie wird am Ende, egal wie perfekt sie war, wegradiert. Gnadenlos und ohne Ausnahme. Also hör bitte auf, Dich zu verkrampfen und spüre die Leidenschaft, die andere Menschen in Deinen Zeichnungen sehen. Damit sparst Du Dir eine Menge Zeit, die Du mit anderen Sachen, zum Beispiel diesem Blog füllen kannst.

Besten Dank!

Robert ist raus.

P.S.: Für alle, die ihn noch nicht kennen: Flix ist ein deutscher Comiczeichner und Author und mittlerweile so etwas wie mein persönliches Vorbild, wenn es darum geht, Geschichten in Comics zu verarbeiten. Die Entdeckung seiner Comics ist eine der wenigen guten Dinge, die ich aus der Zeit bei der AvenDATA mitnehme und er ist deswegen so großartig, weil er Geschichten erzählt, die echt und real wirken, nichts mit Superhelden zu tun haben, jedem die Möglichkeit geben, sich mit ihnen zu identifizieren und dem normalen Alltag einen Hauch von Magie geben, den jeder finden kann, wenn er mit offenen Augen durchs Leben geht. Seine Webseite mit seinem gezeichneten Tagebuch "Heldentage" und allen anderen Werken findet Ihr hier: http://www.der-flix.de/

12.11.2010 um 05:52 Uhr

Tag 251 – Firmeninterne Zeichenwettbewerbe

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Musik: 30 Seconds to Mars - This is war

… und damit sind die 3 Tage rum und ich fange mal wieder an, in die Tasten zu hauen und endlich von dem ominösen Wettbewerb zu erzählen, der da vor einem Monat stattfand. Gar nicht so einfach wenn man bestimmte Namen im Internet nicht öffentlich raus posaunen will, aber das wichtigste wisst ihr ja eh schon.

Meine Firma hat vor 5 oder 6 Wochen einen kleinen Wettbewerb ins Leben gerufen bei dem die Mitarbeiter des Kundensupportes weltweit ihre Werke einsenden durften. Thema war das Halloweenfest in Verbindung mit der Firma selber sowie dem Support. Die Preise waren eher ideeller Natur, aber neben etwas Geld wurden die besten Motive auch in die wichtigste Software des Supportes eingebunden, sodass die Motive weltweit von allen Mitarbeiten gesehen werden konnten. Nicht schlecht, wenn man kreativ vorwärts kommen möchte.

Im Laufe der darauf folgenden Tage habe ich dann einen recht ambitionierten Beitrag angefangen, den ich dann aber aufgrund von miesem Time-Management nicht fertig bekommen habe, weil ich in der letzten Woche vor der Abgabe lieber Zeit in Berlin verbringen wollte. Die Tickets waren ja eh schon lange vorher gebucht und Wettbewerbe kommen immer mal wieder. Trotzdem hatte meine Zeichensachen auch in Berlin dabei und mit viel Glück, einigem Umdenken und 2 Nächten in denen ich lange gezeichnet habe, als alle schliefen, konnte ich wenigstens ein anderes, deutlich einfacheres Motiv abgeben, das in etwa so aussah:

Damit es keinen Ärger gibt (ja, ich bin da ein wenig paranoid) habe ich den Originalnamen der Software durch den Text „Crush“ ersetzt, der auch kein versteckter Hinweis auf den echten Namen ist. Aber ansonsten ist alles gleich.

Die Idee war, in einen Kürbis das Logo der Software zu schnitzen, und im Slogan der Software das Wort „Simpler“ (einfacher) durch das Übermalen einiger Buchstaben in das Wort „Scarier“ (unheimlicher) zu verwandeln. Auf diese Weise wurde zumindest auf abstrakte Weise dem Fest und dem Support gedacht und nebenbei gab es noch einen kleinen Seitenhieb auf die Software, über die sich jeder Kollege schon diverse male aufgeregt hat. Zu recht.

Aber wie schon halb erwartet habe ich es damit dann nicht in die Top 5 aller Beiträge geschafft. Ich mag die Idee zwar und die Umsetzung fand auch Anklang und wäre bei einem „Zeichnet ein Logo“ Wettbewerb bestimmt gut angekommen, aber letztlich ging es darum, ein richtiges fertiges Bild zu zeichnen. Und dafür war es dann doch zu mager. Außerdem war es vermutlich auch zu zynisch und somit kann ich die Entscheidung der Preisrichter ganz gut nachempfinden. Es ist für mich auch kein Drama. Es kommen noch andere Wettbewerbe und da werde ich es wieder versuchen und wer weiß wie es da dann ausgeht. Außerdem hatte wirklich jeder der anderen Beiträge das Logo irgendwie in den Kürbis geschnitzt und somit war die Idee dann wohl doch weniger kreativ, als ich erst dachte. Fehler aus denen man lernt. :-)

Und das war’s zu dem Thema auch schon.

Ich werde mich jetzt wieder hinsetzen und fleißig weiter die Stifte schwingen, denn ich bin gerade generell ziemlich geschäftig, wenn ich nicht lese, schreibe oder Wii spiele und deswegen ist es hier dann auch schon wieder Zeit für ein Ende des Beitrages. Sonntag melde ich mich wieder und bis dahin wünsche ich euch allen ein schönes und in manchen Fällen hoffentlich nicht zu arbeitsames Wochenende. Fühlt euch gedrückt und bis demnächst,

Robert ist raus.

09.11.2010 um 04:33 Uhr

Tag 248 – Guess who’s back …

von: RobInCork   Kategorie: Alltägliches

Hallo ihr, die ihr gerade an euren Bildschirmen sitzt. Lang ist’s her und einiges ist passiert, von dem ich jetzt berichten werde, in der Hoffnung, dass es erklärt, warum ich mich so lange nicht gemeldet habe.

Kurz zusammen gefasst sahen meine letzten Wochen so aus: Ich war in Berlin und dort wieder unglaublich viel unterwegs, bin dann zurück nach Cork, wo ich kurz darauf meinen allerersten Besuch bekommen habe, der alleine mich besucht hat (Julia hat mich auch besucht, hatte aber auch beruflich hier zu tun), habe danach meinen 31ten Geburtstag verlebt und bin kurz danach schon wieder besucht worden. Geschäftige Zeiten also.

Heute bin ich dem entsprechend zum ersten mal seit einiger Zeit alleine zuhause und in der Stimmung, mich euch wieder einmal mitzuteilen und somit wird es auch prompt in die Tat umgesetzt. Überhaupt habe ich beschlossen, ein wenig aktiver zu werden und meine Zeit hier wieder effektiver und bewusster zu verleben, wozu auch das regelmäßige Blog-schreiben (ich versuch’s mal alle 3 Tage zu schaffen) in Verbindung mit dem Zeichnen von wenigstens 10 Karten gehört. Und die Karten sollen eigentlich vor dem 31.12. fertig werden. Mal sehen was das wird. Zwischendurch werde ich Ende November ein letztes mal für die darauf folgenden 3,5 - 4 Monate in Berlin sein, denn im Februar will ich nach Lanzarote, wo es da dann deutlich gastlicher als in Cork oder Berlin ist und den Geburtstag meiner Mutter feiern. Es hat mich diverse Jahre und noch mehr Anläufe gekostet, zu ihr zu fliegen und ich freue mich schon sehr darauf, es endlich auch mal auf die Reihe zu bekommen. Oh, und im Dezember arbeite ich für 4 Wochen nur nachts, was auch eine Erfahrung wird. Die nahende Zukunft ist also gut gefüllt mit Aktivitäten und steht der jüngsten Vergangenheit in nichts nach.

Zum Urlaub in Berlin bleibt nicht viel zu sagen. Ich war an 9 Tagen ca. 16 mal verabredet und habe jede einzelne Verabredung genossen. Es ist zwar kein bißchen entspannend zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Stadt zu fahren, besonders wenn man sich an die neue Heimat gewöhnt hat, in der man von jedem Club, Pub und Kollegen aus längstens 15 Minuten zu Fuß braucht, Tendenz sinkend. Aber es ist das weswegen ich nach Berlin fahre und ich freue mich über jede(n) einzelne(n), der/die den kleinen Zettel, der in den Tagen in Berlin mein Terminplaner ist, mit seinem oder ihrem Namen bereichert. Entspannen kann ich ohne weiteres hier in Cork, wo es immer ein wenig ruhiger ist und nur sporadisch jemand etwas von mir möchte. In Berlin kann und will ich Menschen sehen.

Mein Geburtstag war toll. Ich habe meinen Kollegen Eierkuchen gebacken und sie mit den interessierten gegessen, gearbeitet, mich über Glückwünsche gefreut und im Großen und Ganzen war es das. Nicht wirklich viel, aber es war auch nur die 31, nicht die 30 oder gar die 40 und da kann es zum ersten mal seit Jahren auch entspannter laufen.  Danke noch einmal an alle, die mich an dem Tag irgendwie bedacht haben. Wer mir etwas geschenkt hat sollte wissen, dass ich mich über jedes einzelne Geschenk tierisch gefreut habe (Kein einziges blödes dabei? Habt ihr euch abgesprochen?), wobei eines besonders hervorsticht, weil ich damit einfach nie gerechnet hätte und es das einzige war, bei dem mir stellenweise die Worte fehlten. Insgesamt hat das Ganze den 30ten, den ich 2009 am liebsten abgesagt hätte (und das nicht wegen der 0 am Ende) locker wett gemacht. Danke!

Zu den Besuchen schweige ich mich für heute aus. Sie würden inhaltlich den Rahmen sprengen und eigentlich will ich es an dieser Stelle auch den Leuten überlassen, über ihre Zeit hier zu berichten, wenn sie es denn möchten. Immerhin haben sie dafür eine Stange Geld hingeblättert. Alles was ich heute dazu sagen möchte ist, dass ich die Zeiten sehr genossen habe, mein Versprechen gehalten habe, mir mit meinen ersten Besuchern auch Cork genauer anzusehen und mich immer freuen werde wenn sie oder einer von euch mich besuchen kommen möchte.

Und damit mache ich Schluß für heute. Inhaltlich war es nicht unbedingt viel aber ich spare lieber ein wenig am Stoff und schreibe die Tage noch etwas mehr. Zum Beispiel über den Zeichenwettbewerb, den ich verloren habe *Schulternzuck*. Außerdem reicht es mit den Sätzen in denen ich mich wie blöd über etwas freue. ;-)

Habt einen tollen Tag, was auch immer ihr wo auch immer macht und bis in Kürze,

Robert ist raus.

P.S.: Hattet ihr auch schon mal Appetit, während euch noch schlecht vom vorherigen Essen war, weil es einfach so viel war? Und habt ihr euch dann auch komisch gefühlt, als euch klar wurde, dass Menschen in der dritten Welt dieses Problem genau umgekehrt erleben?