Es ist noch gar nicht so lange her, daß ich eine Begegnung hatte, die mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat.
Ich habe einen Menschen kennengelernt, der mich durch sein bloßes erscheinen in meinem Leben dazu gebracht hat, dieses endlich aufzuräumen und zu sortieren.
Ich weiß nicht warum, aber kaum daß ich diesen Menschen gesehen und kennengelernt habe, fing es an, ganz von selbst.
Es war die reinste Hölle, alles wieder zu durchleben, wieder zu erleben. Es hat mich Wochen an Zeit und Jahre meines Lebens gekostet, das alles aufzuarbeiten, was ich vergessen wollte.
Bis ich endlich den Punkt gefunden hatte, an dem ich vernünftig beginnen konnte, an dem ich einen Schnitt machen konnte, um mein Leben aufzuarbeiten, verging die Zeit rasend schnell, ohne daß ich auch nur im geringsten zu einem entsprechenden Punkt kam, geschweige denn zu einem Ergebnis.
Ich habe gegraben, versucht meine Gedanken in eine sinvolle Reihenfolge zu bringen, bis es mir endlich gelang.
Mit Erschrecken habe ich dann gemerkt, daß es Wochen waren, die an mir vorbeigezogen sind, ohne daß ich es wirklich wahr genommen habe.
Ich habe Freunde vernachlässigt in dieser Zeit, ich habe meine Arbeit nur noch leidlich ausgeführt, immer am Rande des Ausreichenden und weit unter meinen Möglichkeiten.
Ich habe mich eingekapselt, so sehr, daß es kaum jemandem gelang, zu mir durchzudringen. Nur zwei mittlerweile sehr gute Freunde haben es geschafft, mich dazu zu bewegen, sie ins Vertrauen zu ziehen und ich bin froh, daß es ihnen gelungen ist.
Ich war oft an einem Punkt in der letzten Zeit, an dem ich einfach nicht mehr konnte, nicht mehr wollte. Ich fühlte mich hilflos, kraftlos, alleine. Ich war kurz davor allem einfach ein Ende zu setzen, endgültig. Keine Schmerzen mehr, kein Leid mehr, keine Vergangenheit mehr !
Ich war gerade 10, als ich meinen Vater verlor und habe es erst Jahre später wirklich verstanden, genau in der Zeit, die für einen heranwachsenden Menschen wohl die schwerste und veränderungsreichste ist. Der Körper reift schneller als der Geist, wenigstens bei uns männlichen Geschöpfen. Das Interesse am anderen Geschlecht wird zu einem leichtsinnigen Spiel, das die eigenen Gefühle durcheinanderwirbelt und Rücksicht auf die Gefühle des anderen kaum zuläßt.
Wichtig sind die eigenen Bedürfnisse und Abwechslung !
Jedenfalls sehe ich es heute so, wenn ich an die Zeit zurückdenke, in der ich zum Mann wurde.
Im Gegensatz zu den meisten Jungs in meinem alter, war ich aber eher derjenige, der Versucht hat die Frau, die aus dem Mädchen wurde, zu verstehen, aber ich konnte es nicht.
Ich war selber gerade dabei, den frühen Tod meines Vaters zu verdrängen und habe sie - meine erste Freundin, aber nicht meine erste große Liebe - gebraucht, um viele meiner Gedanken aus meinem Kopf zu fegen. Ich habe sie, zwar unwissentlich, aber konsequent, dazu benutzt, mich abzulenken und meinen Spaß zu haben. Heute frage ich mich, war es wirklich alles Spaß ?
Ich war ja ach so verständnisvoll, als sie mit mir Schluß gemacht hat, um mit einem meiner wenigen Schulfreunde, die ich hatte, eine neue Bezihung einzugehen.
Es hat Jahre gedauert. bevor ich mich wieder auf eine Beziehung eingelassen habe !
Mit 20 habe ich mich von einer Beziehung in die nächste gestürzt, ganze drei an der Zahl und ich habe mich jedesmal darin verrannt, nur um bitter enttäuscht zu werden. Sozusagen habe ich aus Frust eine neue angefangen, denn mein Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung war enorm, doch konnte mir keine dieser Frauen das geben, was ich suchte.
Sie haben mich betrogen, belogen und sogar geschlagen und ich habe es über mich ergehen lassen, bis ich es nicht mehr ausgehalten habe.
Ungewöhnlich für einen Mann ? - Ja ! Ich war eine Memme !
Dann habe ich meine spätere Ehefrau kennengelernt und sie war so anders, als die wenigen Frauen, die ich bis dahn kennengelernt hatte. Sie hat mir das gegeben, was ich brauchte, Liebe, Halt, Führung.
Ich war noch so unbedarft im Leben, daß ich mich voll und ganz nach ihr gerichtet habe, sie war mein Wegweiser.
Wir hatten natürlich auch unsere schönen Jahre und wir haben uns mal geliebt, doch kaum daß wir verheiratet waren, wurde alles plötzlich ganz anders.
Ihre Dominanz wurde bedrückend und jeder bisherige Rat glich nun mehr einem Befehl. Sie gab mir keine Liebe sondern nur das Gefühl gebraucht und später benutzt zu werden. Ich habe versucht mich dagegen zu wehren, zumal ich auch reifer geworden war, aber ich war nicht reif und nicht stark genug, mich gegen sie zu behaupten.
Und für Jahre hat sie meinen Willen und meinen Stolz gebrochen !
Ich habe mich lange Zeit in mein Leben gefügt, wie sich ein Schaf in sein Schicksl ergibt, wenn es zur Schlachtbank geführt wird.
Ohne Hoffnung, aber mit viel Wehmut,
bis ich endlich stark genug war, aus diesem Leben auszubrechen und neu anzufangen.
Was ich nun lernen mußte, war auf eigenen Füßen zu stehen und meinen Stolz und mein Ego wiederzufinden.
Und dann habe ich diese Frau getroffen, die ich schon aus meiner Jugend flüchtig kannte und die alles in sich vereint zu habe schien, was ich in einer Frau suchte. Sie war so perfekt und ich war nicht wirklich bereit, mein Leben alleine zu verbringen - ich brauchte sie .
Was ich dieser Frau angetan habe, habe ich bereits erzählt und ich möchte mich ungerne wiederholen.
Ich habe lange Zeit genug damit zu tun gehabt, mir deswegen selber Vorwürfe zu machen, denn ich möchte diesen Schmerz nicht noch einmal verursachen, geschweige denn erleben.
Und zu allem Überfluss habe ich seit 4 monaten wieder gesundheitliche Problem. Ob resultierend aus der letztjährigen OP konnte mir bis jetzt noch kein Arzt sagen.Mal sehen, wie lange das noch so weitergeht.
Dieser Mensch, der mich dazu gebracht hat, dies alles zu sortieren und aufzuarbeiten, hat mir auch, ohne daß er es weiß, geholfen, meine Fehler einzusehen und zu lernen, damit zu leben.
Langsam komme ich davon ab, mir wegen meiner Vergangenheit Vorwürfe zu machen und die Schuld immer bei mir zu suchen.
Aber nur langsam.
Mein Ego habe ich noch nicht wirklich wiedergefunden und mein Stolz ist noch so zerbrechlich und empfindsam, wie ein neugeborenes Kind.
Ich lerne langsam, aber stetig, was es bedeutet, auf eigenen Beinen zu stehe und mein Leben selbst zu bestimmen und dafür die Verantwortung zu tragen.
Ich kann nur hoffen, daß mir dieser Mensch, so wie er durch sein Auftauchen in mir dies alles ausgelöst hat, mir auch durch seine Anwesenheit in meinem Leben die Kraft und das Durchhaltevermögen gibt, alles wiederzufinden und zu lernen, was ich im Laufe meines Lebens verloren habe.
Ich hoffe, er wird mich lange Zeit als Weggefährte begleiten und mir zur Seite stehen, wann immer ich ihn brauche und noch mehr.
Auch wenn du es nicht ahnst, ich Danke Dir dafür, daß du mir gezeigt und auch geholfen hast, mein Leben zu ordenen und mich wiederzufinden - bis jetzt wenigstens ansatzweise.