nicht streichel, nicht füttern - vorsicht bissig !

30.03.2006 um 22:21 Uhr

Der Beginn einer analytischen Retrospektive ?

von: Dackel

Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es sehr, daß ich am Montag einen Wendepunkt in meinem Leben eingeleitet habe.

Ich arbeite nun schon seit geraumer Zeit an mir, meinem Selbstbewußtsein und vorallem an meiner Vergangenheit. Wer meine Blog aufmerksam von Anfang an gelesen hat, wird sich jetzt denken können, worauf ich anspiele. Seit jenem Punkt vergangenes Jahr, an dem meine Vergangenheit mich Stück um Stück überrollte und ich, auch verursacht durch andere widrige Einflüsse, in ein tiefes Loch fiel, habe ich sehr hart und viel an mir gearbeitet. Mir sind Erkenntnisse offenbar geworden, die ich früher als Geschwätz der vorangegangenen Generation abgetan oder als allgemeines Wunschdenken betrachtet hatte. Doch trotz all dieser Erkenntnisse war ich nicht in der Lage, selber und alleine ganz mit dem Gewesenen aufzuräumen - nicht ein mal meine Freunde, die mir stets gute Zuhörer und Balsam für meine Seele waren und es noch immer sind, konnten mir dabei helfen, diese letzte Hürde des Verstehens und Verarbeitens zu nehmen. Die letzten Monate haben aus mir einen fast von Grund auf ehrlichen Menschen gemacht - jeder Mensch hat seine Geheimnisse und sollte diese auch für sich behalten - ich bin offen und ehrlich geworden, was mich und meine Persönlichkeit betrifft und habe keien Schwirigkeiten damit, über alles, was mich bewegt, zu reden. Eine Hilfe war auch dieser Blog. Doch war mir irgendwann klar, dass ich ohne entsprechende Hilfe meine Vergangenheit nicht so ohne weiteres mit in meine Zukunft nehmen kann, ohne dass sie mir eher eine Belastung ist, anstatt eine grundlegende Bereicherung an Erfahrung, die mir hilft, so machen Fehler nicht oder nicht mehr zu machen. Ich bin bestimmt nicht der Typ Mensch geworden, der den Stein der Weisen erfunden hat und genau aus diesem Grunde habe ich auch schon vor einiger Zeit beschlossen, mir entsprechende Hilfe zu holen, was nach einigem hin und her nun auch endlich funktioniert hat. Ich war erstaunt, als ich mich mit einigen Freunden und Bekannten über diesen Entschluss unterhalten hatte, wie viele von ihnen diesen Schritt schon vor mir - und berücksichtigt man den teilweise den Altersunterschied, lange vor mir - gemacht haben. Montag war es nun soweit. Es war endlich ein Gespräch, das auf Anhieb gefruchtet und mir etwas gebracht hat. Doch was, das kann ich nach diesem einen Gespräch noch nicht genau benennen. Was es auf jeden Fall bewirkt hat ist, dass mich seit Montag wider die alten Gedanken beschäftigen, doch anders diesmal, teils mit mehr Abstand, teils mehr unter dem Aspekt, herauszufinden weshalb sie mich beschäftigen, was damals wirklich gewesen ist, das mir bis heute keine Ruhe lässt. Nun scheint endlich begonnen zu haben, was ich seit etwa einem halben Jahr mehr oder weniger alleine versuchen wollte, mit aller Gewalt - ich suche nach den Hintergründen und viel mehr nach dem Weg, der mich damit zufrieden leben lässt.

Ich sagte des öfteren, ich bin nicht der Mensch, der ich einmal war, dass ich ruhiger, nachdenklicher, sensibler geworden bin. Das alles ist so, doch was ich nicht wahr haben wollte, auch wenn ich es schon lange weiß, ich bin trauriger geworden, zorniger, entäuschter, als ich es je zuvor war. Der Grund dafür mag meine Vergangenheit sein, vielleicht ist es aber auch die Tatsache, dass ich nicht in der Lage war und bin, alleine damit umzugehen. Das erste Gespräch hat mir gezeigt, auf wen und auf was ich zornig bin, warum teils so viel Wut in mir steckt. Es ist die Wut auf mich selber, weil ich das alles habe mit mir machen lassen, was mir widerfahren ist, ohne dass ich etwas dagegen getan habe - auch wenn ich nicht gewußt habe wie und ob ich überhaupt etwas hätte tun können. Trauer über das, was gewesen und nun nicht mehr ist, über das, was ich vielleicht verpasst haben könnte, über eherne Ziele, die ich mir einst gesteckt und bis heute nicht erreicht habe.

Das hat mich sensibler gemacht mit der Zeit, diese unterschwelligen Gefühle, die zwar da aber nie wirklich greifbar waren. Eine Essenz eines weichen Kerns, die die vermeintlich harte Schale langsam von innen nach außen auflöst. Ich war mir schon immer meines weichen Kerns, meines Herzens und meines Mitgefühls für die Menschen, die mich umgeben, bewusst, das war immer etwas, das mich ausgemacht hat, ein großer Teil meiner Persönlichkeit, meines Charakters - und wie ich finde, immer noch eine meiner größten Charakterstärken ! Aber ein so empfindsames Inneres kann nicht nur durch eine harte Schale geschützt werden, es muß sich in erster Linie selber stärken - nicht schützen - durch ein starkes Selbstbewußtsein, ein gesundes Ego. Seine eigene Verletzlichkeit zu kennen ist keine Schwäche, sondern eine Stärke, Mitgefühl kein Mitleid und erst recht kein Bedauern !

Doch zu wissen heist nicht gleich zu verstehen und der Verstand ist es, der uns vor die größten Schwirigkeiten stellt. Gefühle kann man nicht oder nur schlecht beeinflussen, aber dem Verstand kann man zeigen, wie er damit umgehen soll und damit habe ich nun hoffentlich begonnen !

 

Nun endlich erklärt sich auch das "Bissig" in meinem Titel,

nicht weil ich bissige Kommentare oder Beiträge schreibe - nein ! - sondern weil ich bissig gegen mich selber war und auch immer noch bin. Doch bin ich fest entschlossen die Verbissenheit meiner Wut und meiner Traurigkeit zu wandeln, in eine gesunde, konstruktive Selbstkritik zur Stärkung meiner Seele ! 

23.03.2006 um 18:34 Uhr

ein Hauch von Melancholie

von: Dackel

Ja richtig, ein Hauch von Melancholie hat mich heute eingeholt.

Es ist schon erstaunlich, wie stark Stimmungen von einem sozialen Umfeld abhängig sind. Heute war ich fast den ganzen Tag alleine auf der Arbeit - nicht einmal das Radio war in der Lage gegen den gewohnten Arbeitslärm meine Laune aufzuhellen - muß wohl am Sender gelegen haben. Auch als meine Kollegen wieder da waren, wurde es nicht wirklich besser, denn bis dahin hatte ich schon wieder zu viel Nachgedacht. Diesmal waren es aber nicht die üblichen Gedanken, sondern eher solche, die sich mit meiner Zukunft beschäftigen.

Es steht ein gewisser Umbruch in meinem Leben an, nicht so gravierend, wie vor zwei Jahren, aber ein Einschnitt, der wieder Veränderung mit sich bringen soll, ganz bewußt und beabsichtigt. Doch dieses Mal erweist es sich als wesentlich langwieriger und schwiriger, als Gedacht, diesen Umbruch zu vollziehen. Ich werde den Eindruck einer gewissen Gleichgültigkeit anderer Leute nicht los, die es augenscheinlich nicht interessiert, ob man einen solchen  Schritt schnellstmöglich hinter sich bringen möchte, denn sie lassen sich ohne Ende Zeit und die Geforderten Entscheidungen und Rückmeldungen bleiben aus. Stattdessen werde ich von Woche zu Woche aufs neue vertröstet, mit der Begründung: "bei uns läuft das alles etwas langsam und schleppend".

Das sollte ich mir mal erlauben, dann könnte ich meine Papiere nehmen !

Ich habe mich allerdings doch über diese Gefühle erheben können, indem ich einfach der heuteigen Eintönigkeit der Arbeit entflohen bin und kurzerhand einen ausstehenden Kundenbesuch eine Tag vorzog. Die Konzentration auf die Autobahn hat mir den Sinn für weitere Grübeleine verleidet. Es tat gut mal wieder den Asphalt unter sich durchfliegen zu sehen - ein Anblick, den ich schon lange nicht mehr hatte und heute sehr wohltuend.

Für die Aufbesserung meiner Stimmung habe ich mir für heute Abend den kommenden Samstag ins Gedächtnis gerufen. Die Wohltat für meine Seele wird am Samstag ein Stück weiter voran getrieben, das Bild, das aus meiner eigenen Feder stammt und auf meinem Körper verewigt wird, bekommt endlich ein wenig mehr Inhalt und Form.

Ich freue mich darauf - denn im Grunde warte ich darauf auch schon seit acht Jahren.

Ich kann es kaum erwarten, es fertig zu sehen, denn das kann mir keiner nehmen !

19.03.2006 um 14:32 Uhr

Der Alltag hat mich wieder - endlich !

von: Dackel

Lange ist es her, seit meinem letzten Eintrag.

Der Grund, er steht in der Überschrift ! Es ist soweit, daß alles wieder fast seinen gewohnten Gang nimmt. Ich gehe wieder arbeiten, mein Krankenschein, der exakt zweieinhalb Monate gedauert hat, ist vorbei. Jetzt weiß ich, was mir so gefehlt hatte - Beschäftigung, Arbeit, eine sinnvolle Betätigung.

Ich war jahrelang ein Mensch, der augenscheinlich funktioniert hatte, aber an dem so manches vorbeigegangen war, was man Leben nennt - zumindest hatte ich während mwines Krankenscheins oft diesen Eindruck, da ich zu viel Zeit hatte, über zu viel nachzudenken. Mittlerweile weiß ich, daß meine Arbeit für mich zum Leben zählt, denn ich genieße sie - trotz kleiner täglicher Reibereien, die unterschwellig mit gewissen Personen aufkommen, freue ich mich, endlich wieder ein nützliches Zahnrad im kleine Getriebe der Firma zu sein, in der ich arbeite und das schöne daran ist, daß ich meinen Kollegen genauso gefehlt habe, wie sie mir.

Auch mein Juniorchef freut sich darüber, daß ich wieder da bin und das nicht bloß auf Grund meiner Arbeitskraft. Sozusagen hat er mich auch direkt mit einem kleinen Schmankerl "belohnt" - eine Aufgabe, die selbst für mich Neuland und somit endlich auch wieder eine richtige Herausforderung dargestellt hat. Ich liebe Herausforderungen, nur leider gibt es sie in meinem Beruf zu selten, doch ich brauche sie .

Vor elf Jahren habe ich mein Studium abgebrochen, um mein Hobby zum Beruf zu machen und damit einen Schritt weiterzu gehen, als es mein Vater seinerzeit geschafft hatte - ich habe eine handwerkliche Ausbildung zum Tischler gemacht, denn ich liebe es zu sehen, was meiner Hände Arbeit vollbringen können. Leider ist auch dieser Berufszweig auf Dauer einer gewissen Eintönigkeit unterworfen, da es sich heutzutage kaum noch ein Mensch leisten kann, missive Möbel afertigen zu lassen. Das hat aber aus mir einen Schreiner gemacht, der moderne Konstruktionen und Stile beherrscht und dessen Leidenschaft und besonderses Steckenpferd immer noch die traditionelle Verarbeitung nach alter Väter Sitte ist.

Da noch eine richtige Herausforderung zu bekommen, ist nicht ganz einfach, doch in der Tat gibt es sie noch und eine ganz große steht noch aus, die ich mir schon seit Jahren vorgenommen habe, nur leider bis jetzt noch nicht verwirklichen konnte - mein Meister.

Wie man merkt, komme ich gerade sehr ins Schwärmen, denn ich liebe meinen Beruf nach wie vor und er hat mir gefehlt.

Doch was mir noch viel mehr gefehlt hat während dieser Zeit, ist meine größte Leidenschaft. Es ist mein liebstes Hobby - die Gastronomie. Seit fast 17 Jahren bewirte ich in meiner Freizeit andere Menschen, bin Spaßmacher, Kumpel, der Mann mit dem erhobenen Zeigefinger, wenn einer über die Stränge schlagen will und der Psychologe von nebenan, für alle alltäglichen Problemchen.

Aber auch der Kollege, der Freund von Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Sie alle habe ich am meisten vermisst und es tut unglaublich gut, wieder da zu sein !!!

Wenn selbst den Gästen auffällt, daß man lange Zeit nicht dagewesen ist und wenn doch, aussah, wie "der Tod auf Urlaub" und sie sich freuen, mich jetzt hinter dem Tresen zu sehen in alter Frische und noch besser Gelaunt als zuvor, dann ist das eines der schönsten komplimente. Ich sollte auch dazu sagen, ich arbeite nicht in einer kleinen Kneipe an der nächsten Ecke, sondern seit nunmehr fast 12 Jahren in einer Discothek, die schon eine recht nette, wenn auch überschaubare Größe aufweist. Aber egal, wie groß oder klein dieser Laden sein mag, für mich ist er in den vergangenen 12 Jahren zu meinem zweiten Zuhause geworden, dort habe ich die meisten meiner Freunde und vorallem meine besten Freunde gefunden - die Menschen, die mir durch diese schwere Zeit geholfen haben und denen ich dafür unendlich dankbar bin.

Und es ist sehr schön, daß ich wieder von einigen, mir wichtigen Menschen ins Vertrauen gezogen und um Rat und Beistand gebeten werde, was ich die letzten Monate nicht geben konnte, denn ich wußte selber mit mir und meinem Leben nichts anzufangen.

Doch jetzt bin ich wieder da !

Auch wenn ich nicht der "alte" bin, aber ich bin zurück, überlegter, bedachter und lebensfähiger als vorher - und das ist gut so  Und ich werde mit offenen Armen empfangen, mit einem freudigen Lachen im Gesicht und das ist etwas sehr schönes ! ( Außerdem haben mir die kleinen sticheleien zweier meiner Kolleginen hinterm Tresen gefehlt - ich weiß ja, wie sie gemeint sind    )

Ok, ein wenig muß ich noch an meiner Gesundheit arbeiten, was ich nicht aus dem Auge verlieren werde, dagegen wird alles andere hinten anstehen, denn ich habe nur diese eine. Deswegen schrieb ich auch oben , es geht fast alles seinen gewohnten Gang. Es gibt das ein oder andere, was ich noch zu tun, zu verarbeiten habe. Zweieinhalb Monate Zeit zum Nachdenken, werfen eine ganze Menge Fragen auf, auf die man selber nicht unbedingt eine Antwort hat - nicht sofort jedenfalls. Und wer meine Einträge um die Weihnachtszeit aufmerksam gelesen hat, der kann sich vielleicht denken, was mir auch noch zum Teil in den Knochen steckt.

Ich sage nur Schulmedizin - wofür lernen die eigentlich ???

Wie man Menschen am schnellsten und effektivsten mit Medikamenten so aus dem Leben schießt, das diese selber nicht mehr wissen, ob sie männlein oder weiblein sind - ist das der Haupttenor, des Medizinstudiums - mein Vertrauen dazu hat jedenfalls stark gelitten und Krankenhäuser und Arztpraxen sehe ich am liebsten nur noch von außen. Wie gut, das es in meiner Hand liegt, ob ich mir das nochmal antuen muß, oder nicht.

 

Für heute war es das erstmal - bevor ich selber noch beim Schreiben den Überblick verliere  

Die Regelmäßigkeit meiner Einträge hat ja eh immer zu wünschen übrig gelassen, aber darum geht es ja auch nicht, sondern darum, ob ich etwas mitzuteilen habe, oder nicht. Und in erster Linie schreibe ich diesen Blog ja auch für mich und mittlerweile vielleicht auch ein bischen für die Menschen, die mich kennen, aber ich werde mir auf jeden Fall weiterhin immer die Zeit nehmen, meine Sermon hier niederzuschreiben, wenn ich was loswerden will oder muß - erstunlich aber war, da muß Mann erst über 30 werden, um mit einer Art Tagebuch anzufangen    Aber auch das hat mir bis jetzt geholfen und wird mir bestimmt auch weiterhin helfen.

Danke meine Blume, daß du mich dazu gebracht hast, auf diese Art und Weise, meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen !