Der Beginn einer analytischen Retrospektive ?
Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es sehr, daß ich am Montag einen Wendepunkt in meinem Leben eingeleitet habe.
Ich arbeite nun schon seit geraumer Zeit an mir, meinem Selbstbewußtsein und vorallem an meiner Vergangenheit. Wer meine Blog aufmerksam von Anfang an gelesen hat, wird sich jetzt denken können, worauf ich anspiele. Seit jenem Punkt vergangenes Jahr, an dem meine Vergangenheit mich Stück um Stück überrollte und ich, auch verursacht durch andere widrige Einflüsse, in ein tiefes Loch fiel, habe ich sehr hart und viel an mir gearbeitet. Mir sind Erkenntnisse offenbar geworden, die ich früher als Geschwätz der vorangegangenen Generation abgetan oder als allgemeines Wunschdenken betrachtet hatte. Doch trotz all dieser Erkenntnisse war ich nicht in der Lage, selber und alleine ganz mit dem Gewesenen aufzuräumen - nicht ein mal meine Freunde, die mir stets gute Zuhörer und Balsam für meine Seele waren und es noch immer sind, konnten mir dabei helfen, diese letzte Hürde des Verstehens und Verarbeitens zu nehmen. Die letzten Monate haben aus mir einen fast von Grund auf ehrlichen Menschen gemacht - jeder Mensch hat seine Geheimnisse und sollte diese auch für sich behalten - ich bin offen und ehrlich geworden, was mich und meine Persönlichkeit betrifft und habe keien Schwirigkeiten damit, über alles, was mich bewegt, zu reden. Eine Hilfe war auch dieser Blog. Doch war mir irgendwann klar, dass ich ohne entsprechende Hilfe meine Vergangenheit nicht so ohne weiteres mit in meine Zukunft nehmen kann, ohne dass sie mir eher eine Belastung ist, anstatt eine grundlegende Bereicherung an Erfahrung, die mir hilft, so machen Fehler nicht oder nicht mehr zu machen. Ich bin bestimmt nicht der Typ Mensch geworden, der den Stein der Weisen erfunden hat und genau aus diesem Grunde habe ich auch schon vor einiger Zeit beschlossen, mir entsprechende Hilfe zu holen, was nach einigem hin und her nun auch endlich funktioniert hat. Ich war erstaunt, als ich mich mit einigen Freunden und Bekannten über diesen Entschluss unterhalten hatte, wie viele von ihnen diesen Schritt schon vor mir - und berücksichtigt man den teilweise den Altersunterschied, lange vor mir - gemacht haben. Montag war es nun soweit. Es war endlich ein Gespräch, das auf Anhieb gefruchtet und mir etwas gebracht hat. Doch was, das kann ich nach diesem einen Gespräch noch nicht genau benennen. Was es auf jeden Fall bewirkt hat ist, dass mich seit Montag wider die alten Gedanken beschäftigen, doch anders diesmal, teils mit mehr Abstand, teils mehr unter dem Aspekt, herauszufinden weshalb sie mich beschäftigen, was damals wirklich gewesen ist, das mir bis heute keine Ruhe lässt. Nun scheint endlich begonnen zu haben, was ich seit etwa einem halben Jahr mehr oder weniger alleine versuchen wollte, mit aller Gewalt - ich suche nach den Hintergründen und viel mehr nach dem Weg, der mich damit zufrieden leben lässt.
Ich sagte des öfteren, ich bin nicht der Mensch, der ich einmal war, dass ich ruhiger, nachdenklicher, sensibler geworden bin. Das alles ist so, doch was ich nicht wahr haben wollte, auch wenn ich es schon lange weiß, ich bin trauriger geworden, zorniger, entäuschter, als ich es je zuvor war. Der Grund dafür mag meine Vergangenheit sein, vielleicht ist es aber auch die Tatsache, dass ich nicht in der Lage war und bin, alleine damit umzugehen. Das erste Gespräch hat mir gezeigt, auf wen und auf was ich zornig bin, warum teils so viel Wut in mir steckt. Es ist die Wut auf mich selber, weil ich das alles habe mit mir machen lassen, was mir widerfahren ist, ohne dass ich etwas dagegen getan habe - auch wenn ich nicht gewußt habe wie und ob ich überhaupt etwas hätte tun können. Trauer über das, was gewesen und nun nicht mehr ist, über das, was ich vielleicht verpasst haben könnte, über eherne Ziele, die ich mir einst gesteckt und bis heute nicht erreicht habe.
Das hat mich sensibler gemacht mit der Zeit, diese unterschwelligen Gefühle, die zwar da aber nie wirklich greifbar waren. Eine Essenz eines weichen Kerns, die die vermeintlich harte Schale langsam von innen nach außen auflöst. Ich war mir schon immer meines weichen Kerns, meines Herzens und meines Mitgefühls für die Menschen, die mich umgeben, bewusst, das war immer etwas, das mich ausgemacht hat, ein großer Teil meiner Persönlichkeit, meines Charakters - und wie ich finde, immer noch eine meiner größten Charakterstärken ! Aber ein so empfindsames Inneres kann nicht nur durch eine harte Schale geschützt werden, es muß sich in erster Linie selber stärken - nicht schützen - durch ein starkes Selbstbewußtsein, ein gesundes Ego. Seine eigene Verletzlichkeit zu kennen ist keine Schwäche, sondern eine Stärke, Mitgefühl kein Mitleid und erst recht kein Bedauern !
Doch zu wissen heist nicht gleich zu verstehen und der Verstand ist es, der uns vor die größten Schwirigkeiten stellt. Gefühle kann man nicht oder nur schlecht beeinflussen, aber dem Verstand kann man zeigen, wie er damit umgehen soll und damit habe ich nun hoffentlich begonnen !
Nun endlich erklärt sich auch das "Bissig" in meinem Titel,
nicht weil ich bissige Kommentare oder Beiträge schreibe - nein ! - sondern weil ich bissig gegen mich selber war und auch immer noch bin. Doch bin ich fest entschlossen die Verbissenheit meiner Wut und meiner Traurigkeit zu wandeln, in eine gesunde, konstruktive Selbstkritik zur Stärkung meiner Seele !
