nicht streichel, nicht füttern - vorsicht bissig !

13.04.2006 um 19:39 Uhr

Analytische Retrospektive - 2. Teil

von: Dackel

Wirres Zeug ist es, was ich zur Zeit in meinem Kopf wieder zusammenkrame. Angeleitet durch die Hilfe, die ich mir geholt habe, versuche ich etwas mehr Ordnung in das ganze zu bringen, damit sie sich ein Bild von mir und dem was mich plagt machen kann. Plagen tut mich so vieles noch, aber es ist nicht mehr das selbe, wie noch vor ein paar Wochen. Ich will damit sagen, dass nicht die Thematik anders ist, sondern ihre Auswirkungen auf mich.Aber auch das hatte ich schonmal erwähnt, dass ich anders mit meinen Gedanken umgehe, meine Geister untersuche, anstatt sie zu fürchten.

Bei alledem ist mir allerdings eines sehr deutlich aufgefallen : ich habe schon wieder den gleichen Fehler begangen - den einen, den ich nie wieder machen wollte !

Ich habe mich schon wieder zu sehr auf das Leben eines anderen Menschen eingestellt und mein eigenes dabei vernachlässigt. Ich wollte mit aller Gewalt Bestandteil dieses Lebens sein, doch habe ich dabei vergessen, dass ich selber eines habe und dieses erst wieder in den Griff bekommen und festigen muß. Ich kann auch so nicht mehr weiter machen, denn ich merke, wie es mich von innen her auffrißt, wenn ich nicht aufpasse und endlich mich in den Vordergrund stelle. Zu viele negative Dinge habe ich in den vergangenen Jahren erlebt, die sich unwillkürlich in mir aufgestaut und nun vor einem guten halben Jahr aus mir herausgebrochen sind. Dinge, die ich nun allmälich hinter mir lassen kann, doch war ich noch nicht soweit, mich vor meinen eigenen Fehlern, die ich zwar erkannt habe, selbst zu schützen und damit auch andere. Dieses ist der nächste, der dringenste Schritt, die größte Hürde, die ich jetzt zu nehmen habe, aber ich weiß, dass es Menschen in meinem Umfeld gibt, die mir auch da durchhelfen, so gut sie vermögen und für mich da sein werden.

Momentan vermischen sich die Gedanken und Gefühle aus älterer und jüngster Vergangenheit, denn ich merke, wie sich bestimmte Ereignisse gleichen, wie ein sich wiederholender aber in Ablauf und Intention variabler Zyklus, den es endlich zu durchbrechen gilt.

Wer kennt nicht dieses Gefühl, gerade einem Dejavue erlegen zu sein, doch ist es etwas anderes, sich auf Augenblicke oder gesamte Lebensabschnitte zu beziehen. Extremer noch ist es, wenn sich das eigene Erlebte mit Erinnerungen an das Leben eines anderen Menschen gleicht. Erinnerungen an das Leben eines Menschen aus der eigenen Vergangenheit, an seine Erlebnisse, an seine Fehler.

Ich spiele hier nicht auf Seelenwanderung oder Reinkarnation an, nein ! Die Erinnerungen, die ich meine sind handfest und begleitet von einer durchaus begründeten Sorge, nicht in dieses gleiche Schema zu fallen - die Rede ist von meinem Vater.

Zu viele Ähnlichkeiten sind mir von Seiten meiner Familie mit ihm nachgesagt worden, zu viele habe ich mittlerweile selber erkannt. Ich weiß, welche Fehler er gemacht hat, wo seine Schwächen und leider nur zu einem geringen Teil, wo seine Stärken lagen. Richtig, ich spreche über ihn in der Vergangenheitsform, denn er hat seine Familie und sein Leben aufgegeben, etwa fünf Tage nachdem ich mein zehntes Lebensjahr vollendet hatte. Mittlerweile kann ich seinen Entschluss mit dem nötigen Abstand, aber immer noch mit einigem Unverständniss betrachten, wenngleich ich diesen Wunsch, nach Ruhe und Frieden und dem eigenen erlösen aus all dem Schmerz und der Trauer auch aus eigener Erfahrung kenne. Doch lasse ich mich nicht gehen, in wahrsten Sinne des Wortes, denn es gibt immer einen Weg, der mich weiterbringt und mir neue Möglichkeiten zeigt. Es gibt immer Menschen, ob Freunde oder Partner, die einem zur Seite stehen, man darf nur nie aufgeben, nach ihnen zu suchen und wenn man sie gefunden hat, festzuhalten, die Bande, die sie mit einem verbinden, zu hegen und zu pflegen. Die Kunst dabei, das habe ich in allerjüngster Zeit erkannt, besteht allerdings darin, diese Menschen nicht zu sehr an sich binden zu wollen, ihnen ihre Freiräume nicht einzuengen - genauso wenig, wie man sich selbst durch diese Bande einengen lassen sollte, denn für jede Person gilt, in erster Linie sein eigenes Leben zu leben ! 

Weise Erkentnisse, die sich mir da auftun, doch muß ich sie für mich ersteinmal wirklich verstehen und umsetzen.

Gerade die Umsetzung hat so ihre Tücken und so schließt sich der Bogen, den ich weiter oben im Text geschlagen habe, zum Kreis.

Das Einlassen, das "SICHVEREINNAHMENLASSEN" auf und durch das Leben eines anderen Menschen, war bislang - bis zum heutigen Tag - mein größtes Problem, dabei spielt es weniger eine Rolle, wie stark, oder wie echt meine Bande und Gefühle zu diesem Menschen waren, oder sind, sondern mit welcher Unnachgiebigkeit ich selber Bestandteil diese anderen Lebens sein wollte/will. Daran muß, nein daran wird sich jetzt etwas ändern, denn ich habe nun endlich erkannt wie wenig es mir, noch dem Menschen gut tut, an dessen Leben ich teilhaben möchte, in dessen Leben ich einen Platz haben möchte. Es hängt nicht von mir ab - und wenn doch, dann nur in geringem Maße - ob ich dort einen Platz bekomme und genauso welcher Art er ist. Es hängt allerdings sehr wohl von mir ab, ob ich damit zufrieden, ob ich selber damit leben kann. das kann ich wiederum nur herausfinden, wenn ich bereit bin, mich darauf einzulassen, genauso, wie die Person nur herausfinden kann, ob ich einen größeren Stellenwert in ihrem Leben einnehmen kann, wenn sie bereit ist, sich darauf einzulassen.

Eine Abhängigkeit von individuellen Gefühlen und Emotionen ist es, die diese Bande zwischen zwei Menschen bestimmt, doch kann man diese bei sich selbst nur schlecht und bei anderen schon gar nicht beeinflussen.

Wüßte ich, wie es geht, wäre ich Übernatürlichem fähig, oder hätte den Stein der Weisen erfunden. Aber ich bin nur ein normaler Mensch - auf der Suche nach sich selbst und endlich einem glücklicheren Leben.