
Alain Daussin - Recline
...manchmal muss ich mich doch wirklich fragen, mit welchen Ängsten Menschen behaftet sind. Das hat sicherlich etwas mit Urtrieb oder so zu tun. Zumindest erscheint es mir so, als sei ich als Singlefrau eine potenzielle Gefahr. Dabei möchte ich doch einfach nur mein Leben geniessen und mit meinen Freunden beieinandersein.
Da ist zum Beispiel die Freundin eines langjährigen Freundes. Wir waren sehr gut befreundet, bis sie sich auf einmal im Dezember aus unersichtlichen Gründen zurückzog. Ich rätselte herum, was falsch gelaufen sein könnte, welche Probleme sie hat, die sie mir nicht erzählen mag usw. Ich schickte ihr SMS, Mails und versuchte sie anzurufen, um Klärung zu finden, nur reagierte sie auf keinen einzigen Kontaktversuch. Es ist wirklich ein sehr unbefriedigendes Gefühl, wenn man in keinster Art weiss, um was es überhaupt geht. Ich fragte dann meinen Freund, ob er mir wenigstens einen Anhaltspunkt geben mag, aber er meinte nur, er halte sich da raus, es sei Kindergarten und er möchte auch nicht unsere Freundschaft aufs Spiel setzen. Bon. Da war ich aber ein ganzes Stück weiter, denn ich wusste immer noch nichts. Wie auch immer. Mir wurde klar, dass sie mich als potenzielle Gefahr sieht, ich ihren Mann wegschnappen wolle usw. Dieser Verdacht bestätigte sich auch. So konnte ich dieses Kapitel für mich abschliessen, da ich nun weiss, weswegen sie sich meidet. Einem Versuch mit ihr darüber zu sprechen, wich sie aus, indem sie in letzter Minute das Haus verliess bevor ich kam. Das ist in der Tat Kindergarten. Aber mein Freund bleibt.
Dann gibt es noch sehr viele Elternpärchen, die zum Teil mir klar zu verstehen geben, dass ich doch überhaupt nicht mitreden könne, denn ich sei ja weder verheiratet noch habe ich ein Baby. Zwar habe ich mich um ein Kind gekümmert von 3 Monaten bis 3 Jahre, welches mich neulich zu seinem 16. Geburtstag einlud, aber das ist auch egal. Auf einer Fete war ein Baby und es schrie, ich nahm es in die Arme, trug es herum, sprach mit ihm und es schlief in meinen Armen ein. Ein sehr schönes Gefühl. Wie mir im nachhinein erzaehlt wurde, waren die Eltern, die an diesem Abend dankbar waren, dass ich mich ein wenig um ihren Spross kuemmerte, dass es beängstigend war wie ich mich um das Kind kümmerte, da käme die Angst auf ich würde es ihnen wegnehmen. Genau das tue ich doch jeden Tag.....ich fasse es nicht. Ja ich wünsche mir auch eine Familie und ein Baby und es ist anscheinend noch nicht die Zeit gekommen, aber muss man denn noch in der Wunder herumwühlen? Aber hier fehlt es an Achtsamkeit an der Sicht wie die Dinge sind. Nicht zu vergessen die ältere Generation die mich immer wieder fragt, wann ich denn nun endlich mal unter die Haube käme oder mal ein Kind bekommen würde. Mir sagte sogar der Vater einer Freundin beim Abendessen, ich solle mich doch mal 'schärfer' machen, damit mich die Männer nehmen würden. Ich war platt über so einen Spruch unterhalb der Gürtellinie, über so eine Respektlosigkeit. Aber die Menschen denken sich nichts dabei.
Nehmen wir Spieleabende oder Feten mit Pärchen. Da werde ich meist schon gar nicht mehr eingeladen. Zum einen mit der Begründung, dass ich ja sowieso nur auf Reisen bin und dann wäre ja die Zahl ungerade und das geht nun nicht.
Nun denn, ich werde weiter mit erhobenem Haupt durch die Welt gehen, auch wenn sich der Kreis derer ändert, der mich auf meinen 'Reisen' begleitet. Es macht mich nur ab und an traurig, dass aus unnichtigen Gründen geschieht und ich mich in ganz bestimmten Augenblicken auch in grossen Gruppen alleine fühle.
Ich wünsche Euch eine schöne Woche.