Musik: Relax - Take it easy
Diamond Mitch - Airplane in flight during sunrise sunset
Mittwoch, Streiktag am Frankfurter Flughafen... und ich, kurz gesagt mittendrin. Bereits ein Tag zuvor wurde der erste Flug gestrichen und der letzte Platz der nächsten Maschine war mir. Schon einkalulierend, dass viel mehr Zeit eingerechnet werden muss, stieg ich zur noch nachtgeschwängerten Zeit aus meinen Federn und fuhr zum Ort des Geschehens. In weiser Vorraussicht, hatte ich nur Handgepäck dabei, ein Risiko wollte ich nicht eingehen.
Das Terminal 1 mit Halle A und B bestand aus einer bzw zwei riesigen Warteschlangen, die sich zwischendurch kreuzten. Hätte ich mich dort anstellen müssen, wäre ich wahrscheinlich noch nicht am Abend in London angekommen. Ich fragte einen Informationsmann, der mir und einer jungen Frau hinter mir sagte, wir sollen ihm folgen. Wir taten dies, denn was hätte länger dauern können als in einer kilometerlangen Schlange anzustehen. Er brachte uns zu einem anderen Eingang und die Schlange dort hielt sich in Grenzen. Vielmehr machten die netten Herrschaften auch noch einen weiteren Sicherheitsbereich auf, so dass wir sehr schnell hinter die Kontrollen kamen. Mit meiner Begleitung kam ich sehr gut ins Gespräch und wir hatten eine Menge Spass, den Weg bis hin zu unserem wirklichen Abflugsgate zu finden. Amüsiert fielen mir an der Decke weise Planen auf, die wie Kuheuter (da war sie wieder die Kuh) nach unten hangen und um das ganze Bild zu verfeinern hingen mittig Schläuche daran, die Aussahen wie Milchpumpen. Ein köstliches Bild.
Im Stechschritt liefen wir uns die Füsse wund, liefen hoch und runter, kreuz und quer und standen dann vor freundlich lächelnden Polizeibeamten, die unsere Ausweise kontrollierten. Nun meine Adresse auf der Rückseite war nicht mehr leserlich. da ein Mitarbeiter einer Fluggesellschrift mir dort einmal mein Gepäckaufkleber anbrachte, welcher beim abziehen, die komplette Adresse beseitigte. Da allerdings der Ausweis im April ausläuft und ich einen neuen benötige, lies er mich ohne Auflagen passieren. Was ein Glück. Noch durch die zweite Kontrolle, mit wieder alles ausziehen, zumindest das Darübergezogene, samt Schuhe, Laptop aus der Tasche, Klarsichttasche mit Flüssigkeiten, alles raus und dann wieder das Piepsen... Ein erneutes Abtasten, dank meines metallenen BHbügels und glücklich eilten wir zu den Bussen, die uns zum Flugzeug brachten.
Im Flugzeug sagte der Pilot, er habe zwei Ansagen zu machen, die eine, dass wir pünktlich abfliegen können, zwar nicht mit allen an Bord, aber pünktlich, und zum anderen, dass kein Gepäckstück an Bord ist. Ein raunen geht durch die Menge. Ich tätschel beruhigt meinen Rucksack.
Neben mir sitzt ein Businessmann der anscheinend nicht weiss, wie ein Taschentuch aussieht oder nicht im Besitz eines solchen ist. Die Geräusche die er von sich gibt, treiben mir die Finger in die Ohren und ich wünsche mir meinen in Paris geklauten iPod an Bord. Von vorne dringt ein penetranter Geruch nach, bitte duschen in meine Nase und für die nachfolgenden Reisen nehme ich mir vor, mehrere Ohrstöpsel mitzunehmen, die man dann durchaus auch in die Nase stecken kann.
Mein Kollege, der mich mitnehmen wollte, rief mich an, er sei schon einmal vorgefahren und der Taxifahrer befördert mich sehr unfreundlich nach einer 10 Pfund Fahrt aus dem Taxi. What a day.
Wir arbeiten uns durch Berge und nach getaner Arbeit gehen wir ins Hotel. ich hätte gewarnt sein müssen. Mein englischer Kollege, hat ein *praktisches* Hotel gebucht. *Praktisch* oh ja, denn es liegt gerade gegenüber des Bürogebäudes, in welchem wir uns gerade befinden. Die Gänge des Hotels sind sehr sehr lang. Alle Zimmer von 100 bis 745 liegen auf einer Ebene und haben den Anschein, dass nur ein rotes Licht fehlt um den letzten Schliff zu haben. Wunderschön. Im Zimmer freue ich mich über den obligatorischen englischen Heisswasserkocher, als mir dieser fast aus der Hand fiel, als der erste Flieger *durch mein Zimmer* flog. Ja dies praktische Hotel liegt direkt an der Start und Landebahn des Londoner Flughafens und dieser ist bekanntlich nicht der Unfrequentierteste. Ich wollte schon immer einmal die Boeing 747-400 in meinem Zimmer haben. Als dann bei einer Fluglärmpause, das Tropfen des Wasserhahns an mein Ohr trang musste ich schallend lachen. Wie heisst es so schön, schlimmer geht immer - Zitat einer Freundin.
Da auch die Heizung nicht wirklich funktionierte, gönnte ich mir am Morgen eine heisse Dusche. Doch bevor ich diese entere, nachdem ich mich vom Farbschock im Bad erholte (rosa-mint-gekachelt mit Schimmel an der Decke) las ich folgendes Schild:
Before using the shower please note...
This room has a sensitive fire alarm for your safety.
To avoid activating it with steam vapour, pleas SHUT the bathroom door whilst using the shower.
Während ich Tränen lachte und die Türe von innen schloss und das Wasser mit über den Körper ran, hatte ich Bilder vor dem inneren Auge, wie die Sprinkleranlage ihren Inhalt über all meine elektronischen Geräte und Kleidungsstücke ergoss.
Nach dem Kundentermin wollte Kollege A noch schnell in die Bank und ich wartete davor auf ihn. Ich genoss die Kulisse. Dann erschien ein Inder mit einem grossen Schild auf der Bildfläche mit einem grossen roten Pfeil darauf. Erst dachte ich, ach die Engländer demonstrieren jetzt auch, doch weit gefehlt. Er war ein wandelndes Werbeplakat. Der Pfeil zeigte auf das einzige Sonycenter der Stadt und der Mann lief so den gesamten Tag durch die Innenstadt. ABM auf englisch.
Da mein praktischer Kollege, um Kosten zu sparen, kein GPS an Bord hatte, verfuhr er sich. So konnten wir eine englische Kleinstadt und deren wundervolle Umgebung kennenlernen. Ich glaube wir verfuhren das Getankte damit, dass wir wieder den Weg zur Hauptstrasse suchten. Alles sehr amüsant. Ich kam mir zeitweise vor wie in einem Slapstick oder der versteckten Kamera.
Wie froh war ich, als ich am Abend in meinen gemütlichen vier Wänden eintraf, das Bad volldampfen und dann wohlig in friedvoller Stille einschlafen konnte.
Funny stories while travelling. Wahrscheinlich könnte ich ein Buch damit füllen. Aber eines ist gewiss, ich geniesse es, obwohl es anstrengend ist, dies erleben zu können.